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Schnellsuche: Halef - Israd - Czakan - Mann - Beil - Effendi
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Belletristik


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»Ich entschließe mich für das Letztere,« antwortete ich. »Diese Leute sind doch nur für kurze Zeit abgewichen und werden später sicher wieder herüberlenken. Wir wissen, wohin sie wollen, und werden uns beeilen, dort auch anzukommen. Vorwärts also, wie bisher!«
Ich wollte mein Pferd in Bewegung setzen, doch Israd sagte:
»Vielleicht ist es doch gerathen, ihnen zu folgen, Effendi. Da drüben rechts zieht sich ein breiter Grund hin, was wir von hier aus nicht sehen können. In demselben liegt ein kleiner Köjlüstan ( Bauernhof), in welchem die Männer, denen wir folgen, vielleicht eingekehrt sind.«
»Was können wir dort erfahren? Sie werden sich nicht lange dort verweilt, sondern nur um einen Trunk Wasser oder um einen Bissen Brod gebeten haben. Keinesfalls ist anzunehmen, daß sie gegen die dort wohnenden Leute sehr mittheilsam gewesen sind. Reiten wir weiter!«
Aber schon nach kurzer Zeit wurde ich anderer Meinung. Die Spuren kamen von rechts her zurück, und nach einem nur oberflächlichen Blick bemerkte ich, daß sie ziemlich neu waren. Ich stieg also abermals ab, um sie sorgfältig zu prüfen. Ich fand, daß sie kaum zwei Stunden alt waren. Die Reiter hatten sich also gegen fünf Stunden lang in dem erwähnten Bauernhof aufgehalten. Die Ursache davon mußte ich erfahren. Wir gaben also den Pferden die Sporen und bogen nach rechts ein, um das Haus aufzusuchen.
Es lag gar nicht weit entfernt. Wir erreichten sehr bald die Stelle, wo sich die Fläche abwärts nach einem Thal senkte, welches ein Bach durchfloß. Es gab da unten saftige Weide und schöne Äcker.
Dennoch machte das Haus den Eindruck der Ärmlichkeit. Der bereits erwähnte Weg führte zu demselben hinab.
Wir sahen einen Mann vor der Thüre stehen. Als er uns erblickte, verschwand er im Hause und zog die Thüre hinter sich zu.
»Effendi, es scheint, daß dieser Bauer nichts von uns wissen will,« meinte Osco.
»Er wird schon mit sich sprechen lassen. Ich vermuthe, daß er scheu geworden ist, weil unsere guten Freunde schlecht mit ihm umgesprungen sind, wie es ja ihre Gewohnheit ist. Kennst Du ihn vielleicht, Israd?«
»Gesehen habe ich ihn, aber seinen Namen weiß ich nicht,« antwortete der Gefragte. »Ob er aber mich kennt, das weiß ich nicht, da ich noch nicht bei ihm gewesen bin.«
Als wir vor der Thüre anlangten, fanden wir dieselbe verschlossen. Wir klopften an, erhielten aber keine Antwort. Nun ritt ich nach der hinteren Seite des Hauses, auch da war eine Thüre, aber gleichfalls verriegelt.
Als wir nun stärker klopften und laut riefen, wurde einer der Läden, welche auch zugezogen worden, aufgestoßen und der Lauf eines Gewehres kam zum Vorschein. Dabei rief eine Stimme:
»Packt Euch fort, Ihr Strolche! Wenn Ihr nicht aufhört, zu lärmen, so schieße ich!«
»Nur langsam, langsam, mein Lieber,« erwiederte ich, indem ich so nahe an den Laden heranritt, daß ich den Lauf der Flinte hätte ergreifen können. »Wir sind keine Strolche, wir kommen in keiner unfreundlichen Absicht.«
»Das sagten die Andern auch. Ich öffne meine Thüre keinem Unbekannten mehr.«
»Vielleicht kennst Du diesen hier,« entgegnete ich und winkte Israd herbei. Als der Bauer den jungen Mann erblickte, zog er langsam sein Gewehr zurück und sagte:
»Das ist ja der Baumeister, der Sohn des Schäfers in Treska-Konak!«
»Ja, der bin ich,« bestätigte Israd. »Hältst Du auch mich für einen Strolch?«
»Nein, Du bist ein braver Mann.«
»Nun, die Männer, welche sich bei mir befinden, sind ebenso brav. Sie verfolgen die Leute, welche bei Dir waren, um sie zu züchtigen, und wollen sich bei Dir erkundigen, was diese Strolche bei Dir gewollt haben.«
»So will ich Dir glauben und die Thüre wieder aufriegeln.«
Er that dies. Als er dann zu uns heraus trat, sah ich, daß dieser kleine, schwächliche, sehr ängstlich dreinschauende Mann allerdings nicht geeignet war, Leuten wie den beiden Aladschy zu imponiren. Er mochte uns doch nicht so recht trauen, denn er hielt die Flinte noch immer in der Hand. Auch rief er in das Haus hinein:
»Mutter, komm her, und schau sie an!«
Eine vor Alter krumm gebogene Frau kam mit Hülfe eines Krückstockes herbei und betrachtete uns. Ich sah einen Rosenkranz an ihrem Gürtel hängen, darum sagte ich:
»Hazreti Issa Krist ilahi war, anatschykim - Gelobt sei Jesus Christus, mein Mütterchen! Kowar sen bizi kapudanin taschra - willst Du uns von Deiner Thüre weisen?«
Da ging ein freundliches Lächeln über ihr faltiges Gesicht, und sie antwortete:
»Herr, Du bist ein Christ? O, die sind zuweilen die Schlimmsten! Aber Dein Gesicht ist gut. Ihr werdet uns nichts zu Leid thun?«
»Nein, gewiß nicht.«
»So seid Ihr uns willkommen. Steigt von den Pferden und kommt herein zu uns.«
»Du wirst uns erlauben, im Sattel zu bleiben, denn wir wollen schnell wieder fort. Vorher aber möchte ich gern wissen, was diese sechs Reiter bei Euch gethan haben.«
»Es waren ihrer erst nur fünf. Der Sechste kam später nach. Sie stiegen von den Pferden und führten dieselben ohne unsere Erlaubniß in das Jondscha kyri (Kleefeld), obgleich Gras genug vorhanden ist. Die Pferde haben uns das schöne Feld ganz zusammengetreten. Wir wollten Schadenersatz verlangen, da wir arme Leute sind; aber gleich beim ersten Wort erhoben sie ihre Peitschen, und wir mußten schweigen.«
»Warum kehrten sie denn eigentlich bei Euch ein? Sie haben doch einen Umweg machen müssen, um an Euer Haus zu kommen?«
»Es war Einem von ihnen unwohl geworden. Er hatte einen verwundeten Arm und litt große Schmerzen. Da haben sie ihm den Verband abgenommen und die Wunden mit Wasser gekühlt.
Das dauerte mehrere Stunden, und während Einer mit dem Verwundeten beschäftigt war, suchten die Andern Alles im Hause zusammen, was ihnen gefiel. Sie haben unser Fleisch und unsere sonstigen Speisevorräthe aufgezehrt. Meinen Sohn und die Schwiegertochter sperrten sie unter dem Dache ein und nahmen die Leiter weg, daß die Beiden nicht herunter konnten.«
»Und wo warst denn Du?«
»Ich?« antwortete sie, indem sie listig mit den Augen zwinkerte, »ich stellte mich, als ob ich nicht hören könne. Das ist bei einer alten Frau leicht zu glauben. Da durfte ich in der Stube bleiben und hörte, was gesprochen wurde.«
»Wovon redeten sie?«
»Von einem Kara Ben Nemsi, welcher mit seinen Begleitern sterben muß.«
»Dieser Mann bin ich; doch fahre fort.«
»Und sie sprachen von dem Konakdschi an der Treska, bei welchem sie heute Abend bleiben wollen, und von einem Köhler, dessen Namen ich wieder vergessen habe.«
»Hieß er Scharka?«
»Ja, ja; morgen wollen sie bei ihm bleiben. Und von einem gewissen Schut redeten sie, den sie in Kara - kara - - ich weiß nicht, wie der Name war - -«
»Karanirwan?«
»Ja, den sie in Karanirwan-Khan treffen wollen.«
»Wißt Ihr vielleicht, wo dieser Ort liegt?«
»Nein; sie haben es auch nicht gesagt. Aber sie redeten von einem Bruder, den der Eine von ihnen dort treffen will. Sie nannten auch den Namen, doch kann ich mich leider nicht mehr auf denselben besinnen.«
»Hieß er vielleicht Hamd el Amasat?«
»Gewiß, so hieß er. Aber, Herr, Du weißt ja mehr als ich!«
»Ich weiß allerdings bereits viel und ich will mich durch meine Fragen nur überzeugen, ob ich mich nicht irre.«
»Sie erzählten auch davon, daß in diesem Karanirwan-Khan ein Kaufmann gefangen sitzt, von welchem sie Lösegeld haben wollen. Aber sie lachten über ihn, denn selbst wenn er dieses Geld zahlt, wird er nicht frei kommen. Sie wollen ihn auspressen, bis er gar nichts mehr besitzt, und dann soll er ermordet werden.«
»Ah! So Etwas habe ich vermuthet. Wie ist dieser Kaufmann nach Karanirwan-Khan gekommen?«
»Der Hamd el Amasat, dessen Namen Du nanntest, hat ihn hingelockt.«
»Wurde nicht gesagt, wie der Kaufmann heißt?«
»Es war ein Fremder, ein ausländischer Name, und darum habe ich ihn nicht behalten, zumal ich so große Angst und Sorge hatte.«
»Aber wenn Du ihn wieder hörtest, würdest Du vielleicht wissen, ob es dieser Name ist?«
»Ganz gewiß, Herr.«
»Lautet er Galingré?«
»Ja, ja, so hieß er; ich besinne mich ganz genau.«
»Was wurde Weiteres gesprochen von dem, was sie vorhaben?«
»Nichts, denn da kam der sechste Reiter. Er ist ein Flickschneider und erzählte von Feinden, wegen denen er in den Wardar gestürzt sei. Jetzt weiß ich, daß Ihr diese Feinde seid. Ich mußte ein großes Feuer machen, damit er sich seine Kleider trocknen konnte; darum und weil der Alte mit seiner Wunde nicht fertig wurde, blieben sie so lange bei uns. Dieser Flickschneider erzählte von der Bastonnade, welche er bekommen habe. Er konnte nur sehr schwer gehen und hatte keine Schuhe an, sondern seine Füße mit Lappen umbunden, welche mit Talg eingerieben waren. Ich mußte ihm neue Lappen schaffen, und da ich keinen Talg hatte, stachen sie unsere Ziege todt, um Talg zu bekommen. Ist dies nicht eine schändliche Grausamkeit?«
»Allerdings. Wie viel war diese Ziege werth?«
»Gewiß fünfzig Piaster.«
»Dieser mein Begleiter, Hadschi Halef Omar, wird Dir fünfzig Piaster schenken.«
Halef zog sofort den Beutel und hielt ihr ein halbes Pfundstück hin.
»Herr,« fragte sie ganz verblüfft, »willst Du etwa den Schaden bezahlen, welchen Deine Feinde anrichten?«
»Nein, das kann ich nicht, denn ich besitze nicht den Reichthum des Padischah; aber für eine Ziege können wir Dir sorgen. Nimm das Geld!«
»So freue ich mich, Dir getraut und Euch mein Haus und meinen Mund nicht verschlossen zu haben. Gesegnet sei Euer Kommen und gesegnet sei Euer Gehen; gesegnet sei jeder Eurer Schritte und Alles, was Ihr thut!«
Wir verabschiedeten uns von den Leuten, welche uns ihre Dankesworte für die erhaltene Gabe noch weit nachriefen, und kehrten zu dem Ausgangspunkt unsers kleinen Abstechers zurück, um dann der ursprünglichen Richtung wieder zu folgen.
Wir kamen zunächst weiter durch offenes Land, wo nur hier oder da ein einzelner Baum zu sehen war. Unser vorher so munterer Führer war sehr nachdenklich geworden. Als ich ihn nach der Ursache fragte, antwortete er:
»Herr, ich habe die Gefahr, in welcher Ihr Euch befindet, gar nicht so schwer genommen, wie sie ist. Erst jetzt erkenne ich, in welch einer schlimmen Lage Ihr Euch befindet. Das macht mir Sorge.
Wenn Eure Feinde ganz unerwartet aus dem Hinterhalt über Euch herfallen, seid Ihr verloren.«
»Das glaube ich nicht; wir würden uns wehren.«
»Du hast ja gar keine Idee, mit welcher Sicherheit hier zu Lande der Czakan geworfen wird, und kein Mensch ist im Stande, einen auf ihn geschleuderten Czakan abzuwehren.«

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