| | Von Kind und Ehe | Ich habe eine Frage für dich allein, mein Bruder: wie ein Senkblei werfe ich diese Frage in deine Seele, dass ich wisse, wie tief sie sei.
Du bist jung und wünschest dir Kind und Ehe. Aber ich frage dich: bist du ein Mensch, der ein Kind sich wünschen darf ?
Bist du der Siegreiche, der Selbstbezwinger, der Gebieter der Sinne, der Herr deiner Tugenden? Also frage ich dich.
Oder redet aus deinem Wunsche das Thier und di...
... du bauen deinem Siege und deiner Befreiung.
Über dich sollst du hinausbauen. Aber erst musst du mir selber gebaut sein, rechtwinklig an Leib und Seele.
Nicht nur fort sollst du dich pflanzen, sondern hinauf! Dazu helfe dir der Garten der Ehe!
Einen höheren Leib sollst du schaffen, eine erste Bewegung, ein aus sich rollendes Rad, - einen Schaffenden sollst du schaffen.
Ehe: so heisse ich den Willen zu Zweien, das Eine zu schaffen, das mehr ist, als die es schufen. Ehrfurcht vor einander nenne ich Ehe als vor den Wollenden eines solchen Willens.
Diess sei der Sinn und die Wahrheit deiner Ehe. Aber Das, was die Viel-zu-Vielen Ehe nennen, diese Überflüssigen, - ach, wie nenne ich das?
Ach, diese Armuth der Seele zu Zweien! Ach, dieser Schmutz der Seele zu Zweien! Ach diess erbärmliche Behagen zu Zweien!
Ehe nennen sie diess Alles; und sie sagen, ihre Ehen seien im Himmel geschlossen.
Nun, ich mag ihn nicht, diesen Himmel der Überflüssigen! Nein, ich mag sie nicht, diese im himmlischen Netz verschlungenen Thiere!
Ferne bleibe mir auch der Gott, der heranhinkt, zu segnen, was er nicht ...
..., diesen Himmel der Überflüssigen! Nein, ich mag sie nicht, diese im himmlischen Netz verschlungenen Thiere!
Ferne bleibe mir auch der Gott, der heranhinkt, zu segnen, was er nicht zusammenfügte!
Lacht mir nicht über solche Ehen! Welches Kind hätte nicht Grund, über seine Eltern zu weinen?
Würdig schien mir dieser Mann und reif für den Sinn der Erde: aber als ich sein Weib sah, schien mir die Erde ein Haus für Unsinnige.
Ja, ich wollte, dass ...
...ür Unsinnige.
Ja, ich wollte, dass die Erde in Krämpfen bebte, wenn sich ein Heiliger und eine Gans mit einander paaren.
Dieser gieng wie ein Held auf Wahrheiten aus und endlich erbeutete er sich eine kleine geputzte Lüge. Seine Ehe nennt er's.
Jener war spröde im Verkehre und wählte wählerisch. Aber mit Einem Male verdarb er für alle Male seine Gesellschaft: seine Ehe nennt er's.
Jener suchte eine Magd mit den Tugenden eines Engels. Aber mit Einem Male wurde er die Magd eines Weibes, und nun thäte es Noth, dass er darüber noch zum Engel werde.
Sorgsam fand ich jetzt alle Käufer, und Alle habe...
...l;te es Noth, dass er darüber noch zum Engel werde.
Sorgsam fand ich jetzt alle Käufer, und Alle haben listige Augen. Aber seine Frau kauft auch der Listigste noch im Sack.
Viele kurze Thorheiten - das heisst bei euch Liebe. Und eure Ehe macht vielen kurzer Thorheiten ein Ende, als Eine lange Dummheit.
Eure Liebe zum Weibe und des Weibes Liebe zum Manne: ach, möchte sie doch Mitleiden sein mit leidenden und verhüllten Göttern! Aber zumeist errathen zwei Thiere eina...
...
Bitterniss ist im Kelch auch der besten Liebe: so macht sie Sehnsucht zum Übermenschen, so macht sie Durst dir, dem Schaffenden!
Durst dem Schaffenden, Pfeil und Sehnsucht zum Übermenschen: sprich, mein Bruder, ist diess dein Wille zur Ehe?
Heilig heisst mir solch ein Wille und solche Ehe. -
Also sprach Zarathustra.
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| | Die Wechsel-Wirtschaft -> | ...
Assistenz mit Rat und That. Darum schließen zwei
Freunde sich so eng aneinander an, und zwar obgleich
einer dem andern oft nur im Wege steht. Ja, man kann
einander in Geldverlegenheiten unterstützen, kann
einander helfen, wenn man den Überzieher an-oder
auszieht, und einer ist des andern gehorsamster Diener;
man kann einander seine aufrichtigsten Neujahrswünsche
bringen, item seine Gratulationen zur Hochzeit,
zur Taufe, zur Beerdigung.
Aber muß man sich auch vor der Freundschaft ...
...nis
aufgelöst werde. Das ist jedoch ein Mißverständnis.
Das Unangenehme ist nämlich ein pikantes Ingrediens
in den Mühseligkeiten des Lebens. Außerdem
kann dasselbe Verhältnis in andrer Weise eine neue
Bedeutung erlangen. Auf eins muß man sehen und das
ist dies: man renne sich niemals fest und habe daher
immer das Vergessen zur Hand. Der erfahrene Landmann
bracht dann und wann, und die soziale Klugheitslehre
empfiehlt dasselbe. Alles kehrt wieder, aber
stets in andrer Weise; was...
...Ganz konsequent hofft
man also seine alten Freunde und Bekannt; in einer
bessern Welt wiederzufinden, aber man teilt nicht die
Furcht der Menge, sie möchten sich so sehr verändert
haben, daß man sie nicht wiedererkennen werde; man
fürchtet eher, sie möchten ganz unverändert geblieben
sein. Es ist wirklich unglaublich, was selbst der unbedeutendste
Mensch durch solche vernünftige Behandlung
gewinnen kann.
Man hüte sich vor der Ehe. Braut und Bräutigam
geloben einander Liebe für immer und ewig. Das ist
freilich gar nicht so schwer, hat aber auch nicht viel
zu bedeuten. Versprächen sie sich jedoch Liebe und
Treue nicht für immer und ewig, sondern etwa bis
Ostern oder ...
...bedeuten. Versprächen sie sich jedoch Liebe und
Treue nicht für immer und ewig, sondern etwa bis
Ostern oder bis zum ersten Mai künftigen Jahres, so
hätten ihre Worte noch Sinn, denn das kann man
möglicherweise halten. Wie geht's denn in der Ehe?
Nach kurzer Zeit merkt der eine Teil, daß es nicht so
ist, wie es sein müßte; nun klagt der andre Teil und
schreit es so laut, daß es alle hören können: Untreu,
untreu! Nach einiger Zeit kommt der andre Teil zum
selben Resultat, und es wi...
... andre Teil zum
selben Resultat, und es wird eine Neutralität arrangiert,
bei welcher die gegenseitige Untreue zu gemeinsamer
Zufriedenheit quittiert. Denn eine Scheidung ist
ja mit großen Schwierigkeiten verbunden.
Wenn es sich so mit der Ehe verhält, ist's da zu
verwundern, daß man sie mit den verschiedensten moralischen
Stützen zu halten sucht? Will sich einer von
seinem Weibe scheiden lassen, so ruft man: er ist ein
niedriger, gemeiner Mensch, ein Schurke u.s.w. Wie
thöricht...
...chiedensten moralischen
Stützen zu halten sucht? Will sich einer von
seinem Weibe scheiden lassen, so ruft man: er ist ein
niedriger, gemeiner Mensch, ein Schurke u.s.w. Wie
thöricht! Ja, ist's nicht geradezu ein indirekter Angriff
auf die Ehe selber? Entweder ist die Ehe in sich selber
eine Realität, und dann ist er ja genügend gestraft,
wenn das Verhältnis gelöst wird; oder sie hat keine
Realität, und dann ist's ungereimt, ihn zu schmähen,
weil er weiser denn andre ist. Wenn jemand seines
Geldes überdrüss...
...
gemeiner Mensch; denn entweder ist das Gelb
etwas Reales, und dann ist er ja genügend gestraft,
wenn er sich desselben beraubt hat, oder nicht, und
dann ist er ein weiser Mann gewesen.
Man muß sich immer hüten, ein Lebensverhältnis
einzugehen, durch welches aus einem mehrere werden
können. Deshalb ist schon die Freundschaft gefährlich,
aber noch viel gefährlicher die Ehe. Wohl sagt
man, daß Mann und Weib eins werden; aber das ist
eine sehr dunkle und mystische Rede. Sind aus einem
mehrere geworden, so hat der eine seine Freiheit verloren
und kann nicht mehr reisen, wann er will, kann
nicht mehr unstet umhe...
...eradezu unmöglich. Wohl wird erzählt, eine Zigeunerin
habe ihren Mann auf dem Rücken durchs
Leben getragen, aber einerseits ist das eine Seltenheit,
und anderseits auf die Dauer ermüdend – ich meine
für den Mann, Außerdem gerät man durch die Ehe in
eine höchst fatale Kontinuität mit Sitten und Gebräuchen,
und diese haben wie Wind und Wetter immer
etwas Unbestimmtes. In Japan ist es z.B., soviel ich
weiß, Sitte und Gebrauch, daß auch die Männer in
Wochen kommen. Warum könnte nicht ... | | |
| | 24 | Euer Eheschliessen: seht zu, dass es nicht ein schlechtes Schliessen sei! Ihr schlosset zu schnell: so folgt daraus - Ehebrechen!
Und besser noch Ehebrechen als Ehe-biegen, Ehelügen! - So sprach mir ein Weib: "wohl brach ich die Ehe, aber zuerst brach die Ehe - mich!''
Schlimm-Gepaarte fand ich immer als die schlimmsten Rachsüchtigen: sie lassen es aller Welt entgelten, dass sie nicht mehr einzeln laufen.
Desswillen will ich, dass Redliche zu einander reden: "wir lieben uns: lasst uns zus...
...hsüchtigen: sie lassen es aller Welt entgelten, dass sie nicht mehr einzeln laufen.
Desswillen will ich, dass Redliche zu einander reden: "wir lieben uns: lasst uns zusehn, dass wir uns lieb behalten! Oder soll unser Versprechen ein Versehen sein?''
- "Gebt uns eine Frist und kleine Ehe, dass wir zusehn, ob wir zur grossen Ehe taugen! Es ist ein grosses Ding, immer zu Zwein sein!''
Also rathe ich allen Redlichen; und was wäre denn meine Liebe zum Übermenschen und zu Allem, was kommen soll, wenn ich anders riethe und redete!
Nicht nur fort euch zu pflanzen...
...ch allen Redlichen; und was wäre denn meine Liebe zum Übermenschen und zu Allem, was kommen soll, wenn ich anders riethe und redete!
Nicht nur fort euch zu pflanzen, sondern hinauf - dazu, oh meine Brüder, helfe euch der Garten der Ehe! | | |
| | Die Nichtbuerger und die reformierte Verfassung -> | ...in Vermoegen,
anderseits, soviel wir wissen, jedem, der ueberhaupt zum Verkehr mit roemischen
Buergern befugt war, selbst dem Fremden und dem Klienten, das unbeschraenkte
Recht bewegliches und, seitdem Immobilien ueberhaupt im Privateigentum stehen
konnten, in gewissen Schranken auch unbewegliches Gut in Rom zu erwerben. Es ist
eben Rom eine Handelsstadt gewesen, die, wie sie den Anfang ihrer Bedeutung dem
internationalen Verkehr verdankte, so auch das Niederlassungsrecht mit
grossart...
...ewegliches Gut in Rom zu erwerben. Es ist
eben Rom eine Handelsstadt gewesen, die, wie sie den Anfang ihrer Bedeutung dem
internationalen Verkehr verdankte, so auch das Niederlassungsrecht mit
grossartiger Freisinnigkeit jedem Kinde ungleicher Ehe, jedem freigelassenen
Knecht, jedem nach Rom unter Aufgebung seines Heimatrechts uebersiedelnden
Fremden gewaehrt hat.
Anfaenglich waren also die Buerger in der Tat die Schutzherren, die
Nichtbuerger die Geschuetzten; allein wie in allen Geme...
... allein wie in allen Gemeinden, die die Ansiedlung
freigeben und das Buergerrecht schliessen, ward es auch in Rom bald schwer und
wurde immer schwerer, dieses rechtliche Verhaeltnis mit dem faktischen Zustand
in Harmonie zu erhalten. Das Aufbluehen des Verkehrs, die durch das latinische
Buendnis allen Latinern gewaehrleistete volle privatrechtliche Gleichstellung
mit Einschluss selbst der Erwerbung von Grundbesitz, die mit dem Wohlstand
steigende Haeufigkeit der Freilassungen mussten sc...
...e Buergerrecht
empfingen - denn diese Verleihungen scheinen von Anfang an sparsam erfolgt und
immer seltener geworden zu sein, je mehr das roemische Buergerrecht im Preise
stieg. Von groesserer Bedeutung war vermutlich die Einfuehrung der Zivilehe,
wonach das von patrizischen, als Eheleute wenn auch ohne Konfarreation
zusammenlebenden Eltern erzeugte Kind volles Buergerrecht erwarb, so gut wie das
in konfarreierter Ehe erzeugte; es ist wenigstens wahrscheinlich, dass die schon
vor den Zwoelf Tafeln in Rom bestehende, aber doch gewiss nicht urspruengliche
Zivilehe eben eingefuehrt ward, um das Zusammenschwinden des Patriziats zu
hemmen ^2. Auch die Massregeln, durch welche bereits in aeltester Zeit auf die
Erhaltung einer zahlreichen Nachkommenschaft in den einzelnen Haeusern
hingewirkt ward, gehoeren i...
... Nachkommenschaft in den einzelnen Haeusern
hingewirkt ward, gehoeren in diesen Zusammenhang.
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^2 Die Bestimmungen der Zwoelf Tafeln ueber den Usus zeigen deutlich, dass
dieselben die Zivilehe bereits vorfanden. Ebenso klar geht das hohe Alter der
Zivilehe daraus hervor, dass auch sie so gut wie die religioese Ehe die
eheherrliche Gewalt notwendig in sich schloss und von der religioesen Ehe
hinsichtlich der Gewalterwerbung nur darin abwich, dass die religioese Ehe
selbst als eigentuemliche und rechtlich notwendige Erwerbsform der Frau galt,
wogegen zu der Zivilehe eine der anderweitigen allgemeinen Formen des
Eigentumserwerbs, Uebergabe von seiten der Berechtigten oder auch Verjaehrung,
hinzutreten musste, um eine gueltige eheherrliche Gewalt zu begruenden.
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| | Helldorf-Settlement -> |
»Heigh-day, das läßt sich hören! Und du glaubst, daß wir die Verfolger von unserer Spur
wegbringen?«
»Auf jeden Fall. Ich kalkuliere, daß sie morgen am Nachmittag hier sein werden. Wir brechen
mit dem Morgengrauen auf, gehen erst eine Strecke nach Norden und teilen uns dann nach
verschiedenen Richtungen in so viele Trupps, daß sie nicht wissen, welcher Spur sie folgen
sollen. Später verwischt ein jeder Trupp seine Spur auf das sorgfältigste, und wir kommen da
unten ...
...seine Spur auf das sorgfältigste, und wir kommen da
unten am Greenfork wieder zusammen. Von da aus vermeiden wir alle offenen Plätze und
können von heut an in vier Tagen in Echo-Cannon sein.«
»Schicken wir Boten voraus?«
»Das versteht sich! Sie gehen morgen früh direkt nach dem Cannon und erwarten uns dort am
Painterhill. Das ist alles schon bestimmt. Selbst wenn die Arbeiter vollzählig im Cannon
vorhanden wären, brauchen wir keine Sorge zu haben. Wir sind ihnen überlegen, und ehe sie
zu den Waffen greifen, wird der größte Teil von ihnen gefallen sein.«
Ich hätte wahrhaftig in keinem besseren Augenblick den Lauscher machen können, denn was
ich hier erfuhr, das war weit mehr, als ich hätte erwarten dürfen. Sollte ich länger...
...Ich zog mich also langsam wieder zurück.
Dies geschah immer noch in tiefgebückter Stellung und zwar rückwärts, denn ich mußte
Sorge tragen, meine Spur zu verwischen, damit sie morgen früh nicht bemerkt wurde. Das
war, da ich nur nach dem Gefühle gehen konnte und fast jeden Grashalm einzeln betasten
mußte, eine höchst zeitraubende Arbeit, und es dauerte wohl eine Stunde, ehe ich den Rand
des Waldes wieder erreichte und mich nun in Sicherheit befand.
Jetzt legte ich die Hände muschelförmig an den Mund und ließ den Ruf der großen, grünen
Unke ertönen. Das war auch ein zwischen mir und Winnetou verabredetes Rückzugszeic...
...ommt.«
»Warum? Ich brenne vor Begierde.«
»So verbrennt meinetwegen! Man redet nicht gern Überflüssiges, und ich müßte ja meinen
Bericht zweimal geben, erst Euch und dann dem Apachen.«
Damit mußte er sich begnügen, obgleich es sehr lange dauerte, ehe der Apache kam.
Endlich hörten wir das Strauchwerk rascheln; er huschte zu uns heran und ließ sich an meiner
Seite nieder.
»Mein Bruder Schar-Iih hat mir das Zeichen gegeben?« sagte er.
»Ja.«
»So ist mein Bruder glücklich gewesen?«
»Ja. Was ha...
...Er hat nichts erfahren. Er brauchte eine große Zeit, um an den Pferden vorüber zu kommen,
und als er das eine Lagerfeuer beinahe erreicht hatte, hörte er den Ruf der Kröte. Dann mußte
er seine Fährte auswischen, und die Sterne sind hoch gestiegen, ehe er kommen konnte. Was
hat mein Bruder gesehen?«
»Ich habe Alles gehört, was wir zu wissen brauchen.«
»Mein weißer Bruder ist immer glücklich, wenn er den Feind belauscht. Er mag erzählen!«
Ich berichtete, was ich gehört hatte. Als ich fertig war, meinte Fred.
»So ist also Eure Vermutung ri...
...iger schlecht als er. Ich will Euch sagen,
Fred, daß ich mich auf allen meinen Streifzügen möglichst gehütet habe, einen Menschen zu
töten, denn Menschenblut ist die kostbarste Flüssigkeit, welche es gibt. Ich habe lieber großen
Schaden getragen, ehe ich zur tödlichen Waffe griff, und wenn es doch geschehen mußte, so
geschah es sicherlich im äußersten Grade der Notwehr. Und selbst da habe ich lieber den
Feind kampfunfähig gemacht, als daß ich ihm das Leben nahm -«
»Ah,« meinte der Dicke, »da seid Ihr grad wie Old Shatterhand. Dieser soll auch nur i... | | |
| | Die urspruengliche Verfassung Roms | Vater und Mutter, Soehne und Toechter, Hof und Wohnung, Knechte und Geraet
- das sind die natuerlichen Elemente, aus denen ueberall, wo nicht durch die
Polygamie die Mutter als solche verschwindet, das Hauswesen besteht. Darin aber
gehen die Voelker hoeherer Kulturfaehigkeit auseinander, dass diese natuerlichen
Gegensaetze flacher oder tiefer, mehr sittlich oder mehr rechtlich aufgefasst
und durchgearbeitet werden. Keines kommt dem roemischen gleich an schlichter,
aber unerbittlicher Durchfuehr...
...nisse.
Die Familie, das heisst der durch den Tod seines Vaters in eigene Gewalt
gelangte freie Mann mit der feierlich ihm von den Priestern zu Gemeinschaft des
Wassers und des Feuers durch das heilige Salzmehl (durch Confarreatio)
angetrauten Ehefrau, mit ihren Soehnen und Sohnessoehnen und deren rechten
Frauen und ihren unverheirateten Toechtern und Sohnestoechtern nebst allem,
einem von diesen zukommenden Hab und Gut ist eine Einheit, von der dagegen die
Kinder der Toechter ausgeschl...
...nen und deren rechten
Frauen und ihren unverheirateten Toechtern und Sohnestoechtern nebst allem,
einem von diesen zukommenden Hab und Gut ist eine Einheit, von der dagegen die
Kinder der Toechter ausgeschlossen sind, da sie entweder, wenn sie ehelich sind,
der Familie des Mannes angehoeren, oder, wenn ausser der Ehe erzeugt, in gar
keiner Familie stehen. Eigenes Haus und Kindersegen erscheinen dem roemischen
Buerger als das Ziel und der Kern des Lebens. Der Tod ist kein Uebel, denn er
ist notwendig; aber das Aussterben des Hauses oder gar des Geschlechts ist ein
Unheil, selbst fuer die Gemei...
...ersegen erscheinen dem roemischen
Buerger als das Ziel und der Kern des Lebens. Der Tod ist kein Uebel, denn er
ist notwendig; aber das Aussterben des Hauses oder gar des Geschlechts ist ein
Unheil, selbst fuer die Gemeinde, welche darum in fruehester Zeit dem
Kinderlosen einen Rechtsweg eroeffnete, durch Annahme fremder Kinder anstatt
eigener diesem Verhaengnis auszuweichen. Von vornherein trug die roemische
Familie die Bedingungen hoeherer Kultur in sich in der sittlich geordneten
Stellung der Familienglieder zueinander. Familienhaupt kann nur der Mann sein;
die Frau ist zwar im Erwerb von Gut und Geld nicht hinter dem Manne
zurueckgesetzt, sondern es nimmt die Tochter gleich...
...en
allmaechtigen Willen des Hausvaters (pater familias). Ihm gegenueber ist alles
rechtlos, was innerhalb des Hauses steht, der Stier und der Sklave, aber nicht
minder Weib und Kind. Wie die Jungfrau durch die freie Wahl des Mannes zu seiner
Ehefrau wird, so steht auch das Kind, das sie ihm geboren, aufzuziehen oder
nicht, in seinem freien Willen. Es ist nicht Gleichgueltigkeit gegen die
Familie, welche diese Satzung eingegeben hat, vielmehr wohnte die Ueberzeugung,
dass Hausbegruendung und Kinderzeugung sittliche Notwendigkeit und
Buergerpflicht ...
... Haushalte gewonnen sein, Eigentum des Vaters, und
es kann, so lange der Vater lebt, die untertaenige Person niemals eigenes
Vermoegen haben, daher auch nicht anders als im Auftrag des Vaters veraeussern
und nie vererben. In dieser Beziehung stehen Weib und Kind voellig auf gleicher
Linie mit dem Sklaven, dem die Fuehrung einer eigenen Haushaltung auch nicht
selten verstattet ward, und der mit Auftrag des Herrn gleichfalls befugt war zu
veraeussern. Ja, der Vater kann wie den Sklaven so...
...zum Eigentum uebertragen; ist der Kaeufer ein Fremder, so wird der Sohn sein
Knecht; ist er ein Roemer, so wird der Sohn, da er als Roemer nicht Knecht eines
Roemers werden kann, seinem Kaeufer wenigstens an Knechtes Statt. Die
vaeterliche und eheherrliche Gewalt unterlag insofern einer Rechtsbeschraenkung
ausser der schon erwaehnten des Aussetzungsrechts, als einige der aergsten
Missbraeuche mit rechtlicher Ahndung wie mit dem religioesen Bannfluch belegt
wurden; so trafen diese den, d...
... Gewalt unterlag insofern einer Rechtsbeschraenkung
ausser der schon erwaehnten des Aussetzungsrechts, als einige der aergsten
Missbraeuche mit rechtlicher Ahndung wie mit dem religioesen Bannfluch belegt
wurden; so trafen diese den, der seine Ehefrau oder den verheirateten Sohn
verkauft; und durch die Familiensitte ward es durchgesetzt, dass bei der
Ausuebung der haeuslichen Gerichtsbarkeit der Vater und mehr noch der Ehemann
den Spruch ueber Kind und Frau nicht faellte, ohne vorher die naechsten
Blutsverwandten, sowohl die seinigen wie die der Frau, zugezogen zu haben. Aber
eine rechtliche Minderung der Gewalt lag in der letzteren Einrichtung nicht;
denn die...
...ahnsinn desselben, ja nicht einmal sein eigener freier Wille
aufzuheben, nur dass die Person des Gewalthabers wechseln kann: denn allerdings
kann das Kind im Wege der Adoption in eines andern Vaters Gewalt kommen, die
Tochter durch eine rechte Ehe aus der Hand des Vaters uebergehen in die Hand des
Mannes und, aus ihrem Geschlecht und Gottesschutz in das Geschlecht und den
Gottesschutz des Mannes eintretend, ihm nun untertan werden, wie sie bisher es
ihrem Vater war. Nach roemischem Recht ist es dem Knechte leichter gema...
...ter und auf weiten Umwegen moeglich gemacht. Ja,
wenn der Herr den Knecht und der Vater den Sohn verkauft und der Kaeufer beide
freigibt, so erlangt der Knecht die Freiheit, der Sohn aber faellt durch die
Freilassung vielmehr zurueck in die fruehere vaeterliche Gewalt. So ward durch
die unerbittliche Konsequenz, mit der die vaeterliche und eheherrliche Gewalt
von den Roemern aufgefasst wurde, dieselbe in wahres Eigentumsrecht umgewandelt.
Indes, bei aller Annaeherung der hausherrlichen Gewalt ueber Weib und Kind an
die Eigentumsgewalt ueber Sklaven und Vieh blieben dennoch die Glieder der
Familie von der Familienhabe nicht bloss tatsaechlich, sondern auch rechtlich
aufs schaerfste getrennt. Die hausher...
...ewalt ueber Weib und Kind an
die Eigentumsgewalt ueber Sklaven und Vieh blieben dennoch die Glieder der
Familie von der Familienhabe nicht bloss tatsaechlich, sondern auch rechtlich
aufs schaerfste getrennt. Die hausherrliche Gewalt, auch abgesehen davon, dass
sie nur innerhalb des Hauses sich wirksam erzeigt, ist voruebergehender und
gewissermassen stellvertretender Art. Weib und Kind sind nicht bloss um des
Hausvaters willen da, wie das Eigentum nur fuer den Eigentuemer, wie in dem
absoluten Staat die Untertanen nur fuer den Koenig vorhanden sind; sie sind wohl
...
... bisher vom
Vater ueber sie geuebten Rechte, wogegen durch den Tod des Herrn die rechtliche
Stellung des Knechtes in nichts sich aendert.
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^1 Es gilt dies nicht bloss von der alten religioesen Ehe (matrimonium
confarreatione), sondern auch die Zivilehe (matrimonium consensu) gab zwar nicht
an sich dem Manne Eigentumsgewalt ueber die Frau, aber es wurden doch die
Rechtsbegriffe der foermlichen Tradition (coemptio) und der Verjaehrung (usus)
ohne weiteres auf dieselbe angewandt und dadurch dem...
...(matrimonium consensu) gab zwar nicht
an sich dem Manne Eigentumsgewalt ueber die Frau, aber es wurden doch die
Rechtsbegriffe der foermlichen Tradition (coemptio) und der Verjaehrung (usus)
ohne weiteres auf dieselbe angewandt und dadurch dem Ehemann der Weg geoeffnet,
Eigentumsgewalt ueber die Frau zu gewinnen. Bis er sie gewann, also namentlich
in der bis zur Vollendung der Verjaehrung verfliessenden Zeit, war das Weib,
ganz wie bei der spaeteren Ehe mit causae probatio bis zu dieser, nicht uxor,
sondern pro uxore; bis in die Zeit der ausgebildeten Rechtswissenschaft erhielt
sich dieser Satz, dass die nicht in der Gewalt des Mannes stehende Frau nicht
Ehefrau sei, sondern nur dafuer gelte (uxor tantummodo habetur. Cic. top. 3,
14).
^2 Die folgende Grabschrift, obwohl einer viel spaeteren Zeit angehoerig,
ist nicht unwert, hier zu stehen. Es ist der Stein, der spricht.
Kurz, Wandrer ist mein Spruch: halt' an und lies ihn durch.
Es deckt der schlechte Grabstein eine schoene Frau.
Mit Namen nannten Claudia die Eltern sie;
Mit eigner Liebe liebte sie den eignen Mann;
Zwei Soehne ... | | |
| | Die Voelker des Nordens -> | ...ch gesichert. Allein als nun die Kimbrer
in dichten Scharen aus den Bergen hervordrangen, ergriff ein panischer Schreck
das roemische Heer und Legionaere und Reiter liefen davon, diese geradeswegs
nach der Hauptstadt, jene auf die naechste Anhoehe, die Sicherheit zu gewaehren
schien. Mit genauer Not brachte Catulus wenigstens den groessten Teil seines
Heeres durch eine Kriegslist wieder an den Fluss und ueber die Bruecke zurueck,
ehe es den Feinden, die den oberen Lauf der Etsch beherrschten und schon Baeume
und Balken gegen die Bruecke hinabtreiben liessen, gelang, diese zu zerstoeren
und damit dem Heer den Rueckzug abzuschneiden. Eine Legion indes hatte der
Feldherr auf dem anderen Ufer zuruecklassen muessen und bereits ...
...lug. So war das Heer und einigermassen selbst die
Waffenehre gerettet; allein die Folgen der versaeumten Besetzung der Paesse und
des uebereilten Rueckzugs waren dennoch sehr empfindlich. Catulus musste auf das
rechte Ufer des Po sich zurueckziehen und die ganze Ebene zwischen dem Po und
den Alpen in der Gewalt der Kimbrer lassen, so dass man die Verbindung mit
Aquileia nur zur See noch unterhielt. Dies geschah im Sommer 652 (102), um
dieselbe Zeit, wo es zwischen den Teutonen und den R...
... ueberlegene roemische Reiterei einen
vorteilhaften Spielraum fand. Hier stiess man auf den Feind, erwartet und doch
ueberraschend; denn in dem dichten Morgennebel fand sich die kimbrische Reiterei
im Handgemenge mit der staerkeren roemischen, ehe sie es vermutete, und ward von
ihr zurueckgeworfen auf das Fussvolk, das eben zum Kampfe sich ordnete. Mit
geringen Opfern ward ein vollstaendiger Sieg erfochten und die Kimbrer
vernichtet. Gluecklich mochte heissen, wer den Tod in der Schlach...
...; gluecklicher mindestens als
die, die nachher verzweifelnd Hand an sich selbst legten oder gar auf dem
Sklavenmarkt in Rom den Herrn suchen mussten, der dem einzelnen Nordmannen die
Dreistigkeit vergalt, des schoenen Suedens begehrt zu haben, ehe denn es Zeit
war. Die Tigoriner, die auf den Vorbergen der Alpen zurueckgeblieben waren, um
den Kimbrern spaeter zu folgen, verliefen sich auf die Kunde von der Niederlage
in ihre Heimat. Die Menschenlawine, die dreizehn Jahre hindurch von der...
... getan; das heimatlose Volk der Kimbrer mit
seinen Genossen war nicht mehr.
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^17 Man hat nicht wohl getan, von der Ueberlieferung abweichend das
Schlachtfeld nach Verona zu verlegen; wobei uebersehen ward, dass zwischen den
Gefechten an der Etsch und dem entscheidenden Treffen ein ganzer Winter und
vielfache Truppenbewegungen liegen, und dass Catulus nach ausdruecklicher Angabe
(Plut. Mar. 24) bis auf das rechte Poufer zurueckgewichen war...
...das rechte Poufer zurueckgewichen war. Auch die Angaben,
dass am Po (Hier. chron. a. Abr.) und dass da, wo Stilicho spaeter die Geten
schlug, d. h. bei Cherasco am Tanaro, die Kimbrer geschlagen wurden, fuehren,
obwohl beide ungenau, doch viel eher nach Vercellae als nach Verona.
| | |
| | Die aeltesten Einwanderungen in Italien -> | ...andes sowie
ueberhaupt einer jeden Kastensonderung, die Sklaverei als rechtliche
Institution, die Rechtstage der Gemeinde bei Neumond und Vollmond. Dagegen die
positive Ordnung des Gemeinwesens, die Entscheidung zwischen Koenigtum und
Gemeindeherrlichkeit, zwischen erblicher Bevorzugung der Koenigs- und
Adelsgeschlechter und unbedingter Rechtsgleichheit der Buerger gehoert ueberall
einer spaeteren Zeit an. Selbst die Elemente der Wissenschaft und der Religion
zeigen Spuren urspruengli...
...testen Religionsvorstellungen
und Naturbilder. Die Auffassung zum Beispiel des Himmels als des Vaters, der
Erde als der Mutter der Wesen, die Festzuege der Goetter, die in eigenen Wagen
auf sorgsam gebahnten Gleisen von einem Orte zum andern ziehen, die
schattenhafte Fortdauer der Seele nach dem Tode sind Grundgedanken der indischen
wie der griechischen und roemischen Goetterlehre. Selbst einzelne der Goetter
vom Ganges stimmen mit den am Ilissos und am Tiber verehrten bis auf die Namen...
...er Zeus, Jovis pater,
Diespiter der Djaus pita der Veden. Auf manche raetselhafte Gestalt der
hellenischen Mythologie ist durch die neuesten Forschungen ueber die aeltere
indische Goetterlehre ein ungeahntes Licht gefallen. Die altersgrauen
geheimnisvollen Gestalten der Erinnyen sind nicht hellenisches Gedicht, sondern
schon mit den aeltesten Ansiedlern aus dem Osten eingewandert. Das goettliche
Windspiel Sarama, das dem Herrn des Himmels die goldene Herde der Sterne und
Sonnenstrahle...
...en sind nicht hellenisches Gedicht, sondern
schon mit den aeltesten Ansiedlern aus dem Osten eingewandert. Das goettliche
Windspiel Sarama, das dem Herrn des Himmels die goldene Herde der Sterne und
Sonnenstrahlen behuetet und ihm die Himmelskuehe, die naehrenden Regenwolken zum
Melken zusammentreibt, das aber auch die frommen Toten treulich in die Welt der
Seligen geleitet, ist den Griechen zu dem Sohn der Sarama, dem Sarameyas oder
Hermeias geworden, und die raetselhafte, ohne Zweifel...
...yptischen Staemme wird schwerlich in Abrede
gestellt werden koennen; und doch sind diese Staemme den Indogermanen entweder
stammfremd oder doch zu einer Zeit von ihnen getrennt worden, wo es sicher noch
keinen Feldbau gab. Vielmehr haben die hoeher stehenden Staemme vor alters wie
heutzutage die Kulturgeraete und Kulturpflanzen bestaendig getauscht; und wenn
die Annalen von China den chinesischen Ackerbau auf die unter einem bestimmten
Koenig in einem bestimmten Jahr stattgefundene Einfuehrung...
...h der Lokalitaet mehr oder minder,
die Viehzucht damit sich in ausgedehnterer Weise verband, als dies spaeter der
Fall war.
^6 Nichts ist dafuer bezeichnender als die enge Verknuepfung, in welche die
aelteste Kulturepoche den Ackerbau mit der Ehe wie mit der Stadtgruendung
setzte. So sind die bei der Ehe zunaechst beteiligten Goetter in Italien die
Ceres und (oder?) Tellus (Plut. Rom. 22; Serv. Aen. 4, 166; A. Rossbach,
Untersuchungen ueber die roemische Ehe. Stuttgart 1853, S. 257, 301), in
Griechenland die Demeter (Plut. coniug. praec. Vorrede), wie denn auch in alten
griechischen Formeln die Gewinnung von Kindern selber "Ernte" heisst (Anm. 8);
ja die aelteste roemische Eheform, die Confarreatio, entnimmt ihren Namen und
ihr Ritual vom Kornbau. Die Verwendung des Pflugs bei der Stadtgruendung ist
bekannt.
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| | Drittes Hauptstück. Von dem Grunde der Unterscheidung aller Gegenstände überhaupt in Phaenomena und Noumena | ...egschmelzende Eis neue Länder lügt, und indem es den auf Entdeckungen herumschwärmenden Seefahrer unaufhörlich mit leeren Hoffnungen täuscht, ihn in Abenteuer verflechtet, von denen er niemals ablassen und sie doch auch niemals zu Ende bringen kann. Ehe wir uns aber auf dieses Meer wagen, um es nach allen Breiten zu durchsuchen, und gewiß zu werden, ob etwas in ihnen zu hoffen sei, so wird es nützlich sein, zuvor noch einen Blick auf die Karte des Landes zu werfen, das wir eben verlassen wollen, un...
...diese Fragen in dem Lauf der Analytik schon hinreichend beantwortet haben, so kann doch ein summarischer Überschlag ihrer Auflösungen die Überzeugung dadurch verstärken, daß er die Momente derselben in einem Punkt vereinigt.
Wir haben nämlich gesehen: daß alles, was der Verstand aus sich selbst schöpft, ohne es von der Erfahrung zu borgen, das habe er dennoch zu keinem anderen Behuf, als lediglich zum Erfahrungsgebrauch. Die Grundsätze des reinen Verstandes, sie mögen nun a priori konstitutiv s...
..., welche der Verstand der Synthesis der Einbildungskraft in Beziehung auf die Apperzeption ursprünglich und von selbst erteilt, und auf welche die Erscheinungen, als data zu einem möglichen Erkenntnisse, schon a priori in Beziehung und Einstimmung stehen müssen. Ob nun aber gleich diese Verstandesregeln nicht allein a priori wahr sind, sondern sogar der Quell aller Wahrheit, d. i. der Übereinstimmung unserer Erkenntnis mit Objekten, dadurch, daß sie den Grund der Möglichkeit der Erfahrung, als des ...
...es, sei der Vorteil, den man aus ihr zieht, den Aufwand und die Zurüstung nicht wert. Nun kann man zwar hierauf antworten: daß kein Vorwitz der Erweiterung unserer Erkenntnis nachteiliger sei, als der, so den Nutzen jederzeit zum voraus wissen will, ehe man sich auf Nachforschungen einläßt, und ehe man noch sich den mindesten Begriff von diesem Nutzen machen könnte, wenn derselbe auch vor Augen gestellt würde. Allein es gibt doch einen Vorteil, der auch dem schwierigsten und unlustigsten Lehrlinge solcher transzendentalen Nachforschung begreif...
...ß aber überall nur der letztere stattfinden könne, ersieht man daraus. Zu jedem Begriff wird erstlich die logische Form eines Begriffs (des Denkens) überhaupt, und dann zweitens auch die Möglichkeit, ihm einen Gegenstand zu geben, darauf er sich beziehe, erfordert. Ohne diesen letzteren hat er keinen Sinn, und ist völlig leer an Inhalt, ob er gleich noch immer die logische Funktion enthalten mag, aus etwaigen datis einen Begriff zu machen. Nun kann der Gegenstand einem Begriffe nicht anders gegeben...
...ng, und, wenn eine reine Anschauung noch vor dem Gegenstande a priori möglich ist, so kann doch auch diese selbst ihren Gegenstand, mithin die objektive Gültigkeit, nur durch die empirische Anschauung bekommen, wovon sie die bloße Form ist. Also beziehen sich alle Begriffe und mit ihnen alle Grundsätze, so sehr sie auch a priori möglich sein mögen, dennoch auf empirische Anschauungen, d. i. auf data zur möglichen Erfahrung. Ohne dieses haben sie gar keine objektive Gültigkeit, sondern sind ein bloß... | | |
| | Der Reflex des Antik-Tragischen in dem Modern-Tragischen -> | ...sem Sinne ist ja alles, was ein Dichter produziert
hat, sein Nachlaß; allein das völlig Ausgeführte
würde man doch wohl niemals eine nachgelassene Arbeit
nennen, gesetzt auch, daß es zufällig nicht bei
seinen Lebzeiten erschienen wäre. Auch sehe ich hierin
eine unleugbare Eigenschaft jeder menschlichen
Hervorbringung, daß sie eben nur Nachlaß ist, daß es
den Menschen nicht vergönnt ist, im ewigen Anschauen
Gottes und der vollen Wahrheit zu leben. Nachgelassenes
will ich alles nenn...
...ünstlerischen Nachlaß,
und demzufolge als »Nachlässigkeit«, Indolenz, jene
schöpferische Genialität bezeichnen, welcher wir
unter uns so großen Wert beilegen, als vis inertiae
das Naturgesetz, das wir verehren. Hiermit bin ich
denn unsern geheiligten Sitten und Gebräuchen nachgekommen.
So tretet denn näher zu mir, werte Symparanekrômenoi,
schließet euch um mich, indem ich meine tragische
Heldin in die Welt hinaussende, indem ich als
Mitgift ihr den Schmerz beigeselle. Sie ist me...
... von euch sich in sie verlieben
und sie auf seine Art liebhaben kann. Sie ist mein
Geschöpf; ihre Gedanken sind meine Gedanken; und
doch ist's mir, als hätte ich in liebeseligem Dünkel an
ihrer Seite geweilt, und sie hätte mit ihre tiefsten Geheimnisse
anvertraut, mit diesen ihre ganze Seele in
meine Brust geatmet; als wäre sie dann in einem Nu
verwandelt, ja verschwunden, so daß ihre Realität
sich nur in der Stimmung verspüren ließ, welche zurückblieb,
während es sich gerade umge...
... den Unterschied darzulegen.
Labdakos' Geschlecht ist also Gegenstand des Ingrimms
der erzürnten Götter. Ödipus hat die Sphinxgetötet, Theben befreit. Ödipus hat seinen Vater umgebracht,
seine Mutter geehlicht, Antigone ist die
Frucht dieser Ehe. So in der griechischen Tragödie.
Hier weiche ich ab. Alles verhält sich bei mir ebenso,
und doch ist alles anders. Daß er die Sphinx getötetund Theben befreit hat, ist allen bekannt. Ödipus lebt
geehrt und bewundert, glücklich in seiner Ehe mit Jokaste.
Das übrige ist vor der Menschen Augen verborgen,
und keine Ahnung hat den grauenvollen
Traum in die Wirklichkeit versetzt. Nur Antigone
weiß davon. Auf welche Art sie es erfahren, liegt außerhalb
des tragischen Interesses, und...
...raum in die Wirklichkeit versetzt. Nur Antigone
weiß davon. Auf welche Art sie es erfahren, liegt außerhalb
des tragischen Interesses, und jeder kann sich
in dieser Hinsicht seiner eignen Kombination überlassen.
In einem frühern Lebensalter, ehe sie noch völlig
gereift war, haben dunkle Hindeutungen auf das entsetzliche
Geheimnis momentweise ihre Seele ergriffen,
bis die Gewißheit sie plötzlich der tiefsten Seelenangst
in die Arme wirft. Hier habe ich nun sogleich
einen dem Modern-Tragischen angehörigen Begriff.
Angst ist nämlich ein innerer Zustand, eine Reflex... | | |
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