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Schlagwort: Faust | Übersicht - a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z | | Seite 1 von 11 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 | | | 3. Margarete | Diese Jungfrau ist uns aus Goethes Faust bekannt
geworden. Sie war ein einfaches Mädchen aus bürgerlichem
Stande, nicht wie Elvira für ein Kloster bestimmt,
aber doch auferzogen in der Furcht des Herrn,
wenngleich ihre Seele zu kindlich war, den Ernst zu
fühlen, wie Goethe so unv...
...re Seele zu kindlich war, den Ernst zu
fühlen, wie Goethe so unvergleich sagt:
»Halb Kinderspiel,
Halb Gott im Herzen.«
Was wir an dieser Jungfrau so besonders lieben, ist
die liebliche Einfalt und Demut ihrer reinen Seele.
Schon als sie Faust zum erstenmal sieht, meint sie zu
gering für seine Liebe zu sein. In ihrer Demut pflückt
sie die Blätter der Sternblume ab und beugt sich unter
den Orakelspruch einer rätselhaften Macht. Ja, liebliche
Margarete! Goethe hat es uns verraten, w...
...og mich nicht.« Du kannst
einen kleinen Garten anlegen und in demselben jene
Blumen pflanzen, so hast du Arbeit für dein ganzes
Leben.
Man hat die Bemerkung gemacht, es sei auffallend,
daß Don Juan allein in Spanien 1003 Geliebte gehabt,
Faust aber nur ein Mädchen verführt habe. Diese Observation
ist nicht ohne Bedeutung, wenn wir im folgenden
das Eigentümliche in dem reflektierten Leid
Margaretes bestimmen wollen.
Auf den ersten Blick könnte es nämlich scheinen,
als ob zwischen...
...ls zwischen zwei verschiedenen Individualitäten,
welche dieselbe Erfahrung gemacht
haben. Der Unterschied ist jedoch viel wesentlicher,
hat aber trotzdem seinen Grund weniger darin, daß
die beiden weiblichen Wesen, sondern daß Don Juan
und Faust so verschiedenen Charakter haben. Schon
das darf nicht überleben werden, daß ein Mädchen,
welches Faust affiziert, ein ganz andres sein muß als
das Mädchen, das einen Don Juan affiziert; ja, und
wäre es dasselbe Mädchen, das beider Aufmerksamkeit
auf sich zöge, diesen würde doch etwas andres in
ihr anziehen wie jenen. Wohl ist Faust eine Reproduktion
Don Juans, aber gerade das macht ihn selbst
in dem Lebensstadium, in welchem man ihn einen
Don Juan nennen kann, wesentlich verschieden von
diesem letztern. Ein andres Stadium reproduzieren
heißt ja doch nicht nur, dieses...
...l dasselbe
erreicht, wie ein Don Juan, so erreicht er es doch in
andrer Weise. Sowohl in ihm selber sind Momente,
die seine Methode zu einer andern machen, als sich
auch in Margarete Momente finden, die eine andre
Methode notwendig machen. Faust ist ebensosehr ein
Dämon wie Don Juan, nur ein höherer. Das Sinnliche
hat für ihn erst Bedeutung, nachdem er eine ganze
Welt verloren, aber das Bewußtsein dieses Verlustes
ist nicht ausgelöscht; er sucht daher im Sinnlichen
weniger Genuß a...
...zieht. Was er sucht, ist daher nicht die sinnliche
Lust, sondern das unmittelbare Leben des Geistes.
Wie die Schatten des Hades das Blut lebender Menschen
aussaugten und so lange selber lebten, als dieses
Blut sie wärmte und nährte, so sucht Faust ein unmittelbares
Leben, das ihn verjüngen und stärken
kann. Und wo findet er das besser als bei einer unschuldigen Jungfrau, die er in Liebesglut an sein Herz
drückt? Danach sehnt sich seine kranke Seele, sein
unruhiges Herz verlangt nach e...
... bei einer unschuldigen Jungfrau, die er in Liebesglut an sein Herz
drückt? Danach sehnt sich seine kranke Seele, sein
unruhiges Herz verlangt nach einer Friedensinsel im
stillen Meer. Daß diese Wonnen nicht ewig sind,
weiß seiner besser als Faust, aber sie erquicken seine
dürstende Seele einen Augenblick.
In Goethes Faust zeigt Mephistopheles ihm Margaretes
Bild in einem Spiegel. Sein Auge schwelgt im
Anschauen ihrer Schönheit; was er aber genießen
will, ist nicht ihre Schönheit, sondern die reine, ungestörte,
reiche, unmittelbare Freude einer weiblichen
Se...
...te,
reiche, unmittelbare Freude einer weiblichen
Seele; aber diese sucht er nicht geistig, sondern sinnlich,
gerade so wie Don Juan, und doch so gar anders
wie er.
Da es nun aber im Blick auf Margaretes Leid wichtig
ist, zu erfahren, wie Faust auf dieselbe Eindruck
machen konnte, so wollen wir das etwas näher erwägen.
In ihrer unschuldigen Einfalt merkt Margarete bald,
daß es mit dem Glauben Fausts nicht so ganz richtig
ist. Das sehen wir in der kleinen Katechismusszene,
unzweifelhaft einer vortrefflichen Erfindung des Dichters.
Aber welche Folgen hat dieses Examen für das
Verhältnis beider zu einander? Faust zeigt sich auch
Margarete gegenüber als Zweifler. Er hat ihre Aufmerksamkeit
zwar von allen solchen Untersuchungen
ableiten und sie einzig und allein auf die Realität der
Liebe richten wollen; aber da das Problem zur Sprache
gekommen ist, ...
...ifler. Er hat ihre Aufmerksamkeit
zwar von allen solchen Untersuchungen
ableiten und sie einzig und allein auf die Realität der
Liebe richten wollen; aber da das Problem zur Sprache
gekommen ist, muß er darauf eingehen. Es interessiert
uns Faust weniger als Margarete, aber auch um
der letztern willen dürfen wir an dieser Szene nicht so
rasch vorübereilen. Zeigte er sich ihr nicht als Zweifler,
so hatte ihr Leid ein Moment mehr. Faust ist also
ein Zweifler, aber er ist kein eitler Narr und sucht seinen
Ruhm nicht darin, daß er an dem zweifelt, was
andre glauben. Sein Zweifel hat in ihm selber seinen
objektiven Grund. Das sei zu seiner Ehre gesagt. Sobald
er dagegen ande...
...ngen Mädchen gegenüber aber wird ein
Zweifler immer in Verlegenheit sein. Ist's doch seine
Kunst, ihr ihren Glauben zu nehmen! Mag es einem
halbgebildeten Zweifler Befriedigung gewähren, Weiber
und Kinder zu erschrecken, das ist nicht nach
Fausts Sinn, dazu ist er zu groß. Wir sind also mit
Goethe darin einig, daß Faust zum erstenmal seine
Zweifel verrät; aber ich glaube kaum, daß es ihm
noch ein andres Mal passieren wird. Für die richtige
Beurteilung Margaretes ist das sehr wichtig. Faust
sieht bald ein, daß Margaretes ganze Bedeutung in
ihrer unschuldigen Einfalt liegt; wird ihr diese genommen,
so ist sie nichts in sich selber, nichts für ihn. Die
muß also bewahrt werden. Er ist ein Zweifler, hat
aber als solcher alle Mome... | | |
| | 3. Margarete -> |
Für Margaretes Zukunft hatte das jedoch die traurigsten
Folgen. Wäre Faust ihr als Zweifler erschienen,
so hätte sie vielleicht später ihren Glauben retten
können, hätte es in aller Demut erkannt, daß seine
hochfahrenden und kühnen Gedanken nicht für sie
seien. Nun aber verdankt sie ihm den Inhalt des Glaubens,
u...
...assen hat, ja
doch sagen, daß er selber nicht daran geglaubt hat.
Solange er bei ihr war, entdeckte sie den Zweifel
nicht; dann aber ändert sich alles, und sie sieht in
allem einen Zweifel, dessen sie nicht Herr werden
kann.
Das, wodurch Faust, auch nach Goethes Auffassung,
Margarete fesselt, ist nicht eines Don Juans verführerische
Kunst, sondern seine große Überlegenheit.
Sie kann, wie sie sich so liebenswürdig ausdrückt,
nicht begreifen,
»was er an mir find't.«
Der erste Ei...
...t.
Sie kann, wie sie sich so liebenswürdig ausdrückt,
nicht begreifen,
»was er an mir find't.«
Der erste Eindruck, den sie von ihm hat, ist daher
geradezu überwältigend, und sie verschwindet vor
ihm ganz und gar, und immer mehr und mehr. Faust
ist ihr viel zu groß, und das Ende ihrer Liebe zu ihm
kann daher sein andres sein, als daß die Saiten ihrer
Seele zerreißen, denn Faust fühlt es wohl, daß er in
dieser Unmittelbarkeit nicht bleiben kann; und er
führt sie nun nicht zu den höhern Regionen des Geistes
hinauf – vor diesen flieht er ja gerade; er wird
»ein sinnlicher Freier« – und verläßt sie.
Faust hat Margarete also verlassen. Ihr Verlust ist
so schrecklich, daß sie sich die Große desselben nicht
einmal vorstellen kann. Wäre sie in diesem Zustande
absoluter Zerschlagenheit geblieben, so hätte das reflektierte
Leid unmöglich eintreten ...
... in diesem Zustande
absoluter Zerschlagenheit geblieben, so hätte das reflektierte
Leid unmöglich eintreten können. Man
sucht sie zu trösten; aber sie hört nicht einmal, was
ihr gesagt wird, das Problem ist für sie dasselbe wie
für Elvira: Faust ein Betrüger! Aber wieviel rätselhafter
muß ihr das sein, da sie ja noch viel tiefere Eindrücke
von Faust empfangen hat, und nun war er ja
nicht nur ein Betrüger, sondern auch ein Heuchler.
Es könnte scheinen, als würde Margarete nicht so
leicht zur Reflexion kommen; ein Gefühl erfüllt sie ja
so ganz: »Wie bin ich doch so gar nichts vor ihm!«
...
...
vergessen? dann müßte ich zu leben aufhören!«
»Kann ich mich seiner erinnern? Kann meine Erinnerung
ihn, der mir nun für immer verschwunden ist,
je wieder zurückrufen? Dieses bleiche, nebelhafte
Bild, das mir vor der Seele steht, – ist das Faust, der
Faust, den ich anbetete? Ich erinnere mich seiner
Worte, aber wo ist der Harfenklang seiner Stimme?
Ich habe seine Reden nicht vergessen, aber sie klingen
in meinen Ohren, als hätten sie keinen Sinn!«
»Faust, o Faust, lehre zurück, speise die Hungrige,
erquicke die Verschmachtende, besuche die Einsame!
Wohl weiß ich, daß meine Liebe für dich keinen Wert
hat, aber das habe ich ja auch nie verlangt. Meine
Liebe legte sich dir demütig zu Füßen, mein Seufzer... | | |
| | Pole Poppenspaeler - Novelle (1874) -> | ... Talglichter brannten in den Blechlampetten, der Stadtmusikus und seine Gesellen fiedelten; der Vorhang rollte in die Höhe.
Ein hochgewölbtes gotisches Zimmer zeigte sich. Vor einem aufgeschlagenen Folianten saß im langen schwarzen Talar der Doktor Faust und klagte bitter, daß ihm all seine Gelehrsamkeit so wenig einbringe; keinen heilen Rock habe er mehr am Leibe, und vor Schulden wisse er sich nicht zu lassen; so wolle er denn jetzo mit der Hölle sich verbinden. - »Wer ruft nach mir?« ertönte zu s...
...nen heilen Rock habe er mehr am Leibe, und vor Schulden wisse er sich nicht zu lassen; so wolle er denn jetzo mit der Hölle sich verbinden. - »Wer ruft nach mir?« ertönte zu seiner Linken eine furchtbare Stimme von der Wölbung des Gemaches herab. - »Faust, Faust, folge nicht!« kam eine andere, feine Stimme von der Rechten. - Aber Faust verschwor sich den höllischen Gewalten. - »Weh, weh deiner armen Seele!« Wie ein seufzender Windeshauch klang es von der Stimme des Engels; von der Linken schallte eine gellende Lache durchs Gemach. - - Da klopfte es an die Tür. »Verzeihung, Euere M...
...ch den höllischen Gewalten. - »Weh, weh deiner armen Seele!« Wie ein seufzender Windeshauch klang es von der Stimme des Engels; von der Linken schallte eine gellende Lache durchs Gemach. - - Da klopfte es an die Tür. »Verzeihung, Euere Magnifizenz?« Fausts Famulus Wagner war eingetreten. Er bat, ihm für die grobe Hausarbeit die Annahme eines Gehülfen zu gestatten, damit er sich besser aufs Studieren legen könne. »Es hat sich«, sagte er, »ein junger Mann bei mir gemeldet, welcher Kasperl heißt und gar...
...r die grobe Hausarbeit die Annahme eines Gehülfen zu gestatten, damit er sich besser aufs Studieren legen könne. »Es hat sich«, sagte er, »ein junger Mann bei mir gemeldet, welcher Kasperl heißt und gar fürtreffliche Qualitäten zu besitzen scheint.« Faust nickte gnädig mit dem Kopfe und sagte. »Sehr wohl, lieber Wagner, diese Bitte sei Euch gewährt.« Dann gingen beide miteinander fort. - -
»Pardauz!« rief es; und da war er. Mit einem Satz kam er auf die Bühne gesprungen, daß ihm das Felleisen auf de...
...amentiere.
»Ach, mei Zahnerl, mei Zahnerl!« schrie Kasperl.
»Guter Freund«, sagte Wagner, »so laß Er sich einmal in das Maul sehen!« - Als er ihn hierauf bei der großen Nase packte und ihm zwischen die Kinnladen hineinschaute, trat auch der Doktor Faust wieder in das Zimmer. - »Verzeihen Euere Magnifizenz«, sagte Wagner, »ich werde diesen jungen Mann in meinem Dienst nicht gebrauchen können; er muß sofort in das Lazarett geschafft werden!«
»Is das a Wirtshaus?« fragte Kasperle.
»Nein, guter Freun...
...sagte Wagner; »eines Dieners mit Weisheitszähnen bin ich baß entraten; die Dinger sind nur für uns gelehrte Leute. Aber Er hat ja noch einen Bruderssohn, der sich auch bei mir zum Dienst gemeldet hat. Vielleicht«, und er wandte sich gegen den Doktor Faust, »erlauben Euere Magnifizenz!«
Der Doktor Faust machte eine würdige Drehung mit dem Kopfe.
»Tut, was Euch beliebt, mein lieber Wagner«, sagte er; »aber stört mich nicht weiter mit Eueren Lappalien in meinem Studium der Magie!«
- - »Heere, mei Gutester«, sagte ein Schneidergesell, der vor mir au... | | |
| | 1. Sinnliche Genialität, als die verführerische -> |
Don Juan ist also der Ausdruck für das als Sinnenlust
gekennzeichnete Dämonische, Faust der Ausdruck
für das Dämonische, sofern es als das Geistige
austritt, nämlich als dasjenige, das der christliche
Geist von sich ausschließt und negiert. Diese Ideen
stehen miteinander in einem Wesensverhältnis und
haben viele Ähnlichkeit. ...
...und negiert. Diese Ideen
stehen miteinander in einem Wesensverhältnis und
haben viele Ähnlichkeit. Es ließ sich daher wohl erwarten,
daß sie auch darin übereinstimmten, daß sie
beide in einer Volkssage aufbewahrt wurden. Daß
dieses mit dem Faust der Fall gewesen, ist bekannt.
Seit vielen Jahren emittiert ein Volksbuch, das seine
Thaten beschreibt, welches mit großem Unrecht von
jenen jungen Gelehrten, die einer bald nach dem andern
über Faust Vorträge halten und Bücher schreiben,
kaum benutzt worden ist. Es fällt ihnen niemals
ein, wie schön es doch sei, daß das wahrhaft Große
allen gemeinsam ist, daß zur selben Zeit, wenn ein
Goethe seinen Faust dichtet, ein Bauernbursche sich
bei seiner Nachbarin, einer klugen Frau im Dorfe,
hinsetzt und mit halblauter Stimme in dem Volksbuche
liest. Und das verdient wohl beachtet zu werden;
es hat namentlich – was man ja beim Weine als eine
empf...
...seinen Platz gefunden haben, stände
es nicht in einem näheren Verhältnis zu dem Gegenstande gegenwärtiger Untersuchung, diente es nicht
dazu, den Gedanken seinem Ziele entgegenzuführen.
Der Grund, weshalb diese Idee im Vergleiche mit der
des Faust eine so dürftige Vorgeschichte hat, ist unstreitig
dieser, daß etwas Rätselhaftes in ihr lag, solange
man nicht einsah, daß ihr eigentliches Medium
die Musik sei. Faust ist an sich Idee, aber eine solche,
die zugleich ein Individuum darstellt. Das Geistig-
Dämonische sich in einem Individuum konzentriert
vorzustellen, ist die eigne Frucht und Konsequenz des
Denkprozesses, wogegen es unthunlich ist, die Fülle... | | |
| | 2. Andre Bearbeitungen des Don Juan, in bezug auf die musikalische Auffassung beurteilt | Die Idee des Faust ist bekanntlich Gegenstand
einer Reihe verschiedener Auffassungen geworden,
was dagegen mit der des Don Juan keineswegs der
Fall war. Dies könnte auffallend scheinen, zumal letztere
Idee in der Entwickelung des individuellen Lebens
einen w...
...eswegs der
Fall war. Dies könnte auffallend scheinen, zumal letztere
Idee in der Entwickelung des individuellen Lebens
einen weit universelleren Abschnitt bildet, als
die zuerst genannte. Indessen läßt es sich eben daraus
erklären, daß das Faustische Streben eine geistige
Reife voraussetzt, bei der jedenfalls eine mehr oder
minder eigentümliche Auffassung bei weitem näher
liegt. Hierzu kommt der Umstand, daß man schon früher
die Schwierigkeit empfunden haben mag, für die
Sage vom ...
...sie
gar einen Don Juan zu dichten sich vermaßen, ward
eine lächerliche Karikatur, in welcher höchstens einige
sentimentale Fräulein einen wahren Don Juan, den
Inbegriff aller Liebenswürdigkeit, erblickten. In diesem
niedrigen Sinne hat der Faust noch niemals einen
Ausdruck gefunden, und kann ihn, wie vorher bemerkt,
niemals finden, darum nicht, weil die Idee eine
weit konkretere ist. Eine Auffassung des Faust kann
den Namen der vollkommenen verdienen; und dennoch
wird eine spätere Generation einen neuen Faust
hervorbringen, während Don Juan, wegen des abstrakten
Charakters der Idee, durch alle Zeiten hindurch
lebt; und nach Mozart einen Don Juan liefern,
heißt immerdar, eine Ilias post Homerum dichten, ja
in noch weit tieferem Sinne, als dieses... | | |
| | Pole Poppenspaeler - Novelle (1874) -> | ...ein Gelenk zu haben.
Mir war ein Stein vom Herzen gefallen, als das Stück nun ruhig weiterspielte, und bald hatte ich alles um mich her vergessen. Der teuflische Mephistopheles erschien in einem feuerfarbenen Mantel, das Hörnchen vor der Stirn, und Faust unterzeichnete mit seinem Blute den höllischen Vertrag: »Vierundzwanzig Jahre sollst du mir dienen; dann will ich dein sein mit Leib und Seele.«
Hierauf fuhren beide in des Teufels Zaubermantel durch die Luft davon. Für Kasperle kam eine ungeheuere...
...ieg er auf und flog den beiden nach.
- - Ich hatte mich ganz hinten an die Wand gestellt, wo ich besser über alle die Köpfe vor mir hinwegsehen konnte. Und jetzt rollte der Vorhang zum letzten Aufzug in die Höhe.
Endlich ist die Frist verstrichen. Faust und Kasper sind beide wieder in ihrer Vaterstadt. Kasper ist Nachtwächter geworden; er geht durch die dunkeln Straßen und ruft die Stunden ab:
Hört, ihr Herrn, und laßt euch sagen,
Meine Frau hat mich geschlagen;
Hüt't euch vor dem Weiberrock!
Z...
...dunkeln Straßen und ruft die Stunden ab:
Hört, ihr Herrn, und laßt euch sagen,
Meine Frau hat mich geschlagen;
Hüt't euch vor dem Weiberrock!
Zwölf ist der Klock! Zwölf ist der Klock!
Von fern hört man eine Glocke Mitternacht schlagen. Da wankt Faust auf die Bühne; er versucht zu beten, aber nur Heulen und Zähneklappern tönt aus seinem Halse. Von oben ruft eine Donnerstimme: Fauste, Fauste, in aeternum damnatus es!
Eben fuhren im Feuerregen drei schwarzhaarige Teufel herab, um sich des Armen zu bemächtigen, da fühlte ich eins der Bretter zu meinen Füßen sich verschieben. Als ich mich bückte, um es zurechtzubringen, glaubte ich aus d...
...ume unter mir ein Geräusch zu hören; ich horchte näher hin; es klang wie das Schluchzen einer Kinderstimme. - ›Lisei!‹ dachte ich ›wenn es Lisei wäre!‹ Wie ein Stein fiel meine ganze Untat mir wieder aufs Gewissen; was kümmerte mich jetzt der Doktor Faust und seine Höllenfahrt!
Unter heftigem Herzklopfen drängte ich mich durch die Zuschauer und ließ mich seitwärts an dem Brettergerüst herabgleiten. Rasch schlüpfte ich in den darunter befindlichen Raum, in welchem ich an der Wand entlang ganz aufrech... | | |
| | Nichtssagende Einleitung -> | | ...en,
weil ja die Geschichte mehr und mehr epischen
Stoffes darbeut. So ist es dagegen nicht mit Don Juan.
Was ich eigentlich meine, wird man vielleicht am besten
einsehen, wenn ich an einer verwandten Idee den
Unterschied nachweise. Goethes Faust ist recht eigentlich
ein klassisches Werk; aber er ist eine geschichtliche
Idee, und daher wird jede bewegte und
bedeutende Zeit ihren Faust haben. Der Faust hat zu
seinem Medium die Sprache; und da dieses ein weit
konkreteres Medium ist, so lassen sich aus diesem
Grunde mehrere Werte derselben Tendenz denken.
Don Juan dagegen ist und bleibt der einzige seiner
Art, in demselben Sinne, wie die k... | | |
| | 1. Sinnliche Genialität, als die verführerische | ...iduum,
dem Repräsentanten der Idee, ein andres zur Seite zu
stellen, gewöhnlich als komischen Begleiter, welcher
gleichsam der das wirkliche Leben unverhältnismäßig
überragenden Größe des andern abzuhelfen hat. So
hat der König den Narren, Faust den Wagner, Don
Quixote den Sancho Pansa, endlich Don Juan den
Leporello neben sich. Diese Formation gehört gleichfalls
wesentlich dem Mittelalter an.
Die Idee, welche uns hier beschäftigt, ist also das
Eigentum des Mittelalters, nicht abe...
...erst zu dem
eigentlichen skandalon kommt: So gehört Don Juan
dem Späteren Mittelalter an. So werden wir zu dem
Zeitpunkte hingeführt, wo das Mittelalter sich zu
heben anfing, und wo wir denn auch einer verwandten
Idee begegnen, nämlich dem Faust, nur daß Don Juan
ein wenig früher gefetzt werden muß. Indem der
Geist, einzig und allein als solcher gefaßt, von dieser
Welt sich lossagt, und in dem Gefühle, daß diese
nicht nur seine Heimat nicht sei, sondern nicht einmal
sein Schau-und...
...ieser doch schon das schließliche Urteil gefällt
hat: so nimmt das Sinnliche die Gestalt des Dämonischen
an, bei ästhetischer Indifferenz. Jenes ist nur
Sache eines Augenblicks; bald ist die ganze Szene
verwandelt, und auch die Musik vorbei. Faust und
Don Juan sind Titanen und Giganten des Mittelalters,
welche, was die Großartigkeit ihres Strebens und Ringens
betrifft, von denen in der mythischen Vorzeit
sich nicht unterscheiden, wohl aber darin, daß sie isoliert
dastehen, keine Ver... | | |
| | 1. Sinnliche Genialität, als die verführerische -> | ...mutter ins Gespräch kommen
könnte.« Dies ist der eigentliche Verführer; hier ist
auch das ästhetische Interesse ein andres, das Wie?
die Methode. Daher liegt etwas sehr Tiefsinniges
darin, was vielleicht von den wenigsten beachtet ist,
daß Faust, welcher den Don Juan in höherem Stil reproduziert,
nur ein einziges Mädchen verführt, der
andre dagegen hundertweise. Aber dieses eine Mädchen
ist denn auch in intensivem Sinne (innerlich)
ganz anders verführt und zu Grunde gerichtet, als a...
...ert,
nur ein einziges Mädchen verführt, der
andre dagegen hundertweise. Aber dieses eine Mädchen
ist denn auch in intensivem Sinne (innerlich)
ganz anders verführt und zu Grunde gerichtet, als alle
von Don Juan Betrogenen, darum eben, weil Faust als
Reproduktion das bestimmende Moment des Geistes
in sich trägt. Die Kraft eines solchen Verführers ist
die Rede, was hier sagen will: die Lüge. Ich hörte
neulich einen Soldaten sich mit jemanden über einen
Dritten unterhalten, der ein M...
...über einen
Dritten unterhalten, der ein Mädchen angeführt habe;
er ließ sich auf keine weitläufige Schilderung ein, und
doch war sein Ausdruck so treffend wie möglich:
»Mit Lügen verstand er es bald so, bald so!« Ein solcher
Verführer, wie Faust, ist ganz andern Schlages,
als Don Juan; wie er von diesem sich wesentlich unterscheidet,
kann man auch daraus ersehen, daß er und
sein Treiben in hohem Grade unmusikalisch ist, wenn
auch ästhetisch betrachtet innerhalb des Interessanten
s... | | |
| | Die Kukluxer -> |
Ich sollte augenblicklich vor das Haus geschafft und dort gelyncht werden.
Ich war nicht wenig in der Klemme, da meine Angreifer mich nicht kannten. Besonders war
es ein langer, starkknochiger Kerl, welcher mir seine Faust unausgesetzt in die Seite stieß und
dabei brüllte:
»Hinaus mit ihm, hinaus! Die Bäume haben Äste, schöne Äste, prächtige Äste, starke Äste,
welche sicherlich nicht knicken, wenn ein solches Mannskind daran aufgeknüpft wird.«
Dabei drängte er mic...
... Stube geschafft zu werden! Ich habe diese Verkleidung
nur angelegt, um -«
»Veritabel prächtige Äste! Und einen Strick findet man in La Grange auch, einen feinen,
wirklich eleganten Strick aus gutem Hanfe!«
Er schob mich weiter und stieß mir die Faust abermals und zwar so in die Seite, daß mir die
Geduld ausging. Der Kerl war imstande, die Leute so aufzuregen, daß sie mich lynchten.
Hatte man mich einmal draußen, so war nichts Gutes zu erwarten.
»Herr,« brüllte ich ihn jetzt an, »ich verbitte ...
...bitte mir Eure Roheit! Ich will zu Master Lange,
verstanden?«
»Herrliche Äste! Unvergleichliche Stricke!« schrie er noch lauter als ich und bedachte mich
dabei mit einem gewaltigen Box an die Rippen. Jetzt kochte der Topf über. Ich stieß ihm die
Faust mit aller Kraft unter die Nase, daß er sicherlich hintenüber und zu Boden geflogen wäre,
wenn es den dazu nötigen Raum gegeben hätte. Die Leute standen zu eng. Aber ein wenig
Raum bekam ich doch. Ich benützte diese Gelegenheit sofort, indem ich mi... | | |
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