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Schlagwort: Geschichte


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Neuntes Kapitel: Im Dom ->
...ergehendes Gehör noch zu erreichen, brüllt er ihn an: ›Hier konnte niemand sonst Einlaß erhalten, denn dieser Eingang war nur für dich bestimmt. Ich gehe jetzt und schließe ihn.‹« »Der Türhüter hat also den Mann getäuscht«, sagte K. sofort, von der Geschichte sehr stark angezogen. »Sei nicht übereilt«, sagte der Geistliche, »übernimm nicht die fremde Meinung ungeprüft. Ich habe dir die Geschichte im Wortlaut der Schrift erzählt. Von Täuschung steht darin nichts.« »Es ist aber klar«, sagte K., »und deine erste Deutung war ganz richtig. Der Türhüter hat die erlösende Mitteilung erst dann gemacht, als sie dem Manne nicht mehr helfen konnte.« »E...

...llt hat?« fragte K., »er hat sie nicht erfüllt. Seine Pflicht war es vielleicht, alle Fremden abzuwehren, diesen Mann aber, für den der Eingang bestimmt war, hätte er einlassen müssen.« »Du hast nicht genug Achtung vor der Schrift und veränderst die Geschichte«, sagte der Geistliche. »Die Geschichte enthält über den Einlaß ins Gesetz zwei wichtige Erklärungen des Türhüters, eine am Anfang, eine am Ende. Die eine Stelle lautet: daß er ihm jetzt den Eintritt nicht gewähren könne, und die andere: dieser Eingang war nur für dich bestimmt. Bestände ...

...ter und meinen, die Worte ›Du bist unersättlich‹ drücken eine Art freundschaftlicher Bewunderung aus, die allerdings von Herablassung nicht frei ist. Jedenfalls schließt sich so die Gestalt des Türhüters anders ab, als du es glaubst.« »Du kennst die Geschichte genauer als ich und längere Zeit«, sagte K. Sie schwiegen ein Weilchen. Dann sagte K.: »Du glaubst also, der Mann wurde nicht getäuscht?« »Mißverstehe mich nicht«, sagte der Geistliche, »ich zeige dir nur die Meinungen, die darüber bestehen. Du mußt...

...ingehen, wohin er will, nur der Eingang in das Gesetz ist ihm verboten, und überdies nur von einem einzelnen, vom Türhüter. Wenn er sich auf den Schemel seitwärts vom Tor niedersetzt und dort sein Leben lang bleibt, so geschieht dies freiwillig, die Geschichte erzählt von keinem Zwang. Der Türhüter dagegen ist durch sein Amt an seinen Posten gebunden, er darf sich nicht auswärts entfernen, allem Anschein nach aber auch nicht in das Innere gehen, selbst wenn er es wollte. Außerdem ist er zwar im Dienst des...

... dem Dienst gejagt werden müßte. Du mußt doch bedenken, daß die Täuschung, in der sich der Türhüter befindet, ihm nichts schadet, dem Mann aber tausendfach.« »Hier stößt du auf eine Gegenmeinung«, sagte der Geistliche. »Manche sagen nämlich, daß die Geschichte niemandem ein Recht gibt, über den Türhüter zu urteilen. Wie er uns auch erscheinen mag, ist er doch ein Diener des Gesetzes, also zum Gesetz gehörig, also dem menschlichen Urteil entrückt. Man darf dann auch nicht glauben, daß der Türhüter dem Mann...

... »man muß nicht alles für wahr halten, man muß es nur für notwendig halten.« »Trübselige Meinung«, sagte K. »Die Lüge wird zur Weltordnung gemacht.« K. sagte das abschließend, aber sein Endurteil war es nicht. Er war zu müde, um alle Folgerungen der Geschichte übersehen zu können, es waren auch ungewohnte Gedankengänge, in die sie ihn führte, unwirkliche Dinge, besser geeignet zur Besprechung für die Gesellschaft der Gerichtsbeamten als für ihn. Die einfache Geschichte war unförmlich geworden, er wollte sie von sich abschütteln, und der Geistliche, der jetzt ein großes Zartgefühl bewies, duldete es und nahm K.s Bemerkung schweigend auf, obwohl sie mit seiner eigenen Meinung gewiß nicht übereinstimmte.
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Neuntes Kapitel: Im Dom
Literatur und Kunst ->
...angener, seiner hellenischen Bildung wegen geschaetzt und gelegentlich beneidet von Scipio Aemilianus und ueberhaupt den ersten Maennern Roms, sah er die Stroeme, die so lange getrennt geflossen waren, zusammenrinnen in dasselbe Bett und die Geschichte der Mittelmeerstaaten zusammengehen in die Hegemonie der roemischen Macht und der griechischen Bildung. So ward Polybios der erste namhafte Hellene, der mit ernster Ueberzeugung auf die Weltanschauung des Scipionischen Kreises einging und die ...

...namhafte Hellene, der mit ernster Ueberzeugung auf die Weltanschauung des Scipionischen Kreises einging und die Ueberlegenheit des Hellenismus auf dem geistigen, des Roemertums auf dem politischen Gebiet als Tatsachen anerkannte, ueber die die Geschichte in letzter Instanz gesprochen hatte und denen man beiderseits sich zu unterwerfen berechtigt und verpflichtet war. In diesem Sinne handelte er als praktischer Staatsmann und schrieb er seine Geschichte. Mochte er in der Jugend dem ehrenwerten, aber unhaltbaren achaeischen Lokalpatriotismus gehuldigt haben, so vertrat er in seinen spaeteren Jahren, in deutlicher Einsicht der unvermeidlichen Notwendigkeit, in seiner Gemeinde die Politik des en...

... der hohen Protektion sich unterwirft und sich beruehmt, naehert sich doch einigermassen dem Oberkammerdienertum. Durchaus denselben Geist, den seine praktische, atmet auch seine literarische Taetigkeit. Es war die Aufgabe seines Lebens, die Geschichte der Einigung der Mittelmeerstaaten unter der Hegemonie Roms zu schreiben. Vom ersten Punischen Krieg bis zur Zerstoerung von Karthago und Korinth fasst sein Werk die Schicksale der saemtlichen Kulturstaaten, das heisst Griechenlands, Makedonie...

...waren die Begriffe von Nation und Staat so vollstaendig abhanden gekommen, dass es keinem der zahllosen Historiker gelang, der Spur der grossen attischen Meister im Geiste und in der Wahrheit zu folgen und den weltgeschichtlichen Stoff der Zeitgeschichte weltgeschichtlich zu behandeln. Ihre Geschichtschreibung war entweder rein aeusserliche Aufzeichnung, oder es durchdrang sie der Phrasen- und Luegenkram der attischen Rhetorik, und nur zu oft die Feilheit und die Gemeinheit, die Speichellecker...

...er es durchdrang sie der Phrasen- und Luegenkram der attischen Rhetorik, und nur zu oft die Feilheit und die Gemeinheit, die Speichelleckerei und die Erbitterung der Zeit. Bei den Roemern wie bei den Griechen gab es nichts als Stadt- oder Stammgeschichten. Zuerst Polybios, ein Peloponnesier, wie man mit Recht erinnert hat, und geistig den Attikern wenigstens ebensofern stehend wie den Roemern, ueberschritt diese kuemmerlichen Schranken, behandelte den roemischen Stoff mit hellenisch gereifter ...

...e kuemmerlichen Schranken, behandelte den roemischen Stoff mit hellenisch gereifter Kritik und gab zwar nicht eine universale, aber doch eine von den Lokalstaaten losgeloeste und den im Werden begriffenen roemisch-griechischen Staat erfassende Geschichte. Vielleicht niemals hat ein Geschichtschreiber so vollstaendig wie Polybios alle Vorzuege eines Quellenschriftstellers in sich vereinigt. Der Umfang seiner Aufgabe ist ihm vollkommen deutlich und jeden Augenblick gegenwaertig; und durchaus haf...

...ar. Aber alle diese ungemeinen Vorzuege machen noch keineswegs einen Geschichtschreiber ersten Ranges. Polybios fasst seine literarische Aufgabe, wie er seine praktische fasste, mit grossartigem Verstand, aber auch nur mit dem Verstande. Die Geschichte, der Kampf der Notwendigkeit und der Freiheit, ist ein sittliches Problem; Polybios behandelt sie, als waere sie ein mechanisches. Nur das Ganze gilt fuer ihn, in der Natur wie im Staat; das besondere Ereignis, der individuelle Mensch, wie wun...

...bar sie auch erscheinen moegen, sind doch eigentlich nichts als einzelne Momente, geringe Raeder in dem hoechst kuenstlichen Mechanismus, den man den Staat nennt. Insofern war Polybios allerdings wie kein anderer geschaffen zur Darstellung der Geschichte des roemischen Volkes, welches in der Tat das einzige Problem geloest hat, sich zu beispielloser innerer und aeusserer Groesse zu erheben ohne auch nur einen im hoechsten Sinne genialen Staatsmann, und das auf seinen einfachen Grundlagen mit ...

...e zu erheben ohne auch nur einen im hoechsten Sinne genialen Staatsmann, und das auf seinen einfachen Grundlagen mit wunderbarer fast mathematischer Folgerichtigkeit sich entwickelt. Aber das Moment der sittlichen Freiheit waltet in jeder Volksgeschichte und wurde auch in der roemischen von Polybios nicht ungestraft verkannt. Polybios' Behandlung aller Fragen, in denen Recht, Ehre, Religion zur Sprache kommen, ist nicht bloss platt, sondern auch gruendlich falsch. Dasselbe gilt ueberall, wo ei...

...Dergleichen gelehrte Reisen waren uebrigens bei den Griechen dieser Zeit nichts Seltenes. So fragt bei Plautus (Men. 248 vgl. 235) jemand, der das ganze Mittellaendische Meer durchschifft hat: Warum geh' ich nicht nach Hause, da ich doch keine Geschichte schreiben will?
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Theodor Mommsen ->
Roemische Geschichte - 4. Buch ->
13. Kapitel
Religion, Bildung, Literatur und Kunst ->
...aus Urkunden und sonstigen zuverlaessigen Quellen die gangbare Erzaehlung rektifiziert werden wuerde; allein diese Hoffnung erfuellte sich nicht. Je mehr und je tiefer man forschte, desto deutlicher trat es hervor, was es hiess, eine kritische Geschichte Roms schreiben. Schon die Schwierigkeiten, die der Forschung und Darstellung sich entgegenstellten, waren unermesslich; aber die bedenklichsten Hindernisse waren nicht die literarischer Art. Die konventionelle Urgeschichte Roms, wie sie jetzt seit wenigstens zehn Menschenaltern erzaehlt und geglaubt ward, war mit dem buergerlichen Leben der Nation aufs innigste zusammengewachsen; und doch musste bei jeder eingehenden und ehrlichen Forschung nicht bloss einzelnes...

...ergerlichen Leben der Nation aufs innigste zusammengewachsen; und doch musste bei jeder eingehenden und ehrlichen Forschung nicht bloss einzelnes hie und da modifiziert, sondern das ganze Gebaeude so gut umgeworfen werden wie die fraenkische Urgeschichte vom Koenig Pharamund und die britische vom Koenig Arthur. Ein konservativ gesinnter Forscher, wie zum Beispiel Varro war, konnte an dieses Werk nicht Hand legen wollen; und haette ein verwegener Freigeist sich dazu gefunden, so wuerde gegen di...

...ronik zu demokratisch- tendenzioesen Zwecken auf ihn zurueckgehen. Valerius Antias endlich uebertraf in der Weitlaeufigkeit wie in der kindischen Fabulierung alle seine Vorgaenger. Die Zahlenluege war hier systematisch bis auf die gleichzeitige Geschichte herab durchgefuehrt und die Urgeschichte Roms aus dem Platten abermals ins Platte gearbeitet; wie denn zum Beispiel die Erzaehlung, in welcher Art der weise Numa nach Anweisung der Nymphe Egeria die Goetter Faunus und Picus mit Weine fing, und die schoene, von selbigem Numa hierauf m...

...ie Erzaehlung, in welcher Art der weise Numa nach Anweisung der Nymphe Egeria die Goetter Faunus und Picus mit Weine fing, und die schoene, von selbigem Numa hierauf mit Gott Jupiter gepflogene Unterhaltung allen Verehrern der sogenannten Sagengeschichte Roms nicht dringend genug empfohlen werden koennen, um womoeglich auch sie, versteht sich ihrem Kerne nach, zu glauben. Es waere ein Wunder gewesen, wenn die griechischen Novellenschreiber dieser Zeit solche fuer sie wie gemachte Stoffe sich h...

...ach, zu glauben. Es waere ein Wunder gewesen, wenn die griechischen Novellenschreiber dieser Zeit solche fuer sie wie gemachte Stoffe sich haetten entgehen lassen. In der Tat fehlte es auch nicht an griechischen Literaten, welche die roemische Geschichte zu Romanen verarbeiteten: eine solche Schrift waren zum Beispiel des schon unter den in Rom lebenden griechischen Literaten erwaehnten Polyhistors Alexandros fuenf Buecher 'Ueber Rom', ein widerwaertiges Gemisch abgestandener historischer Uebe...

...n Urzeit zu nennen gewohnt ist, nicht der kleinste Teil aus Quellen herruehrt von dem Schlage der 'Amadis von Gallien' und der Fouqueschen Ritterromane - eine erbauliche Betrachtung wenigstens fuer diejenigen, die Sinn haben fuer den Humor der Geschichte und die Komik der noch in gewissen Zirkeln des neunzehnten Jahrhunderts fuer Koenig Numa gehegten Pietaet zu wuerdigen verstehen. Neu ein in die roemische Literatur tritt in dieser Epoche neben der Landes- die Universal- oder, richtiger gesagt...

...des neunzehnten Jahrhunderts fuer Koenig Numa gehegten Pietaet zu wuerdigen verstehen. Neu ein in die roemische Literatur tritt in dieser Epoche neben der Landes- die Universal- oder, richtiger gesagt, die zusammengefasste roemisch-hellenische Geschichte. Cornelius Nepos aus Ticinum (ca. 650 - ca. 725 100-30) liefert zuerst eine allgemeine Chronik (herausgegeben vor 700 54) und eine nach gewissen Kategorien geordnete allgemeine Biographiensammlung politisch oder literarisch ausgezeichneter r...

... eine allgemeine Chronik (herausgegeben vor 700 54) und eine nach gewissen Kategorien geordnete allgemeine Biographiensammlung politisch oder literarisch ausgezeichneter roemischer und griechischer oder doch in die roemische oder griechische Geschichte eingreifender Maenner. Diese Arbeiten schliessen an die Universalgeschichten sich an, wie sie die Griechen schon seit laengerer Zeit schrieben; und ebendiese griechischen Weltchroniken begannen jetzt auch, wie zum Beispiel die im Jahre 698 (56) abgeschlossene des Kastor, Schwiegersohns des galatischen Koenigs Deiotaru...

...Zeit schrieben; und ebendiese griechischen Weltchroniken begannen jetzt auch, wie zum Beispiel die im Jahre 698 (56) abgeschlossene des Kastor, Schwiegersohns des galatischen Koenigs Deiotarus, die bisher von ihnen vernachlaessigte roemische Geschichte in ihren Kreis zu ziehen. Diese Arbeiten haben allerdings, ebenwie Polybios, versucht, an die Stelle der lokalen die Geschichte der Mittelmeerwelt zu setzen; aber was bei Polybios aus grossartig klarer Auffassung und tiefem geschichtlichen Sinn hervorging, ist in diesen Chroniken vielmehr das Produkt des praktischen Beduerfnisses fuer den Schul- und den Selbstunterrich...
Geschichte ->
Theodor Mommsen ->
Roemische Geschichte - 5. Buch ->
12. Kapitel
Einleitung ->
Unsere Aufgabe ist die Darstellung des letzten Akts jenes grossen weltgeschichtlichen Schauspiels, die alte Geschichte der mittleren unter den drei Halbinseln, die vom noerdlichen Kontinent aus sich in das Mittelmeer erstrecken. Sie wird gebildet durch die von den westlichen Alpen aus nach Sueden sich verzweigenden Gebirge. Der Apennin streicht zunaechst in su...

...inseln ab. Das noerdlich zwischen Alpen und Apennin bis zu den Abruzzen hinab sich ausbreitende Flachland gehoert geographisch und bis in sehr spaete Zeit auch historisch nicht zu dem suedlichen Berg- und Huegelland, demjenigen Italien, dessen Geschichte uns hier beschaeftigt. Erst im siebenten Jahrhundert Roms wurde das Kuestenland von Sinigaglia bis Rimini, erst im achten das Potal Italien einverleibt; die alte Nordgrenze Italiens sind also nicht die Alpen, sondern der Apennin. Dieser steigt...

...odenverhaeltnissen der geschichtliche Beruf der Voelker vorgezeichnet: die beiden grossen Staemme, auf denen die Zivilisation der Alten Welt erwuchs, warfen ihre Schatten wie ihren Samen der eine nach Osten, der andere nach Westen. Es ist die Geschichte Italiens, die hier erzaehlt werden soll, nicht die Geschichte der Stadt Rom. Wenn auch nach formalem Staatsrecht die Stadtgemeinde von Rom es war, die die Herrschaft erst ueber Italien, dann ueber die Welt gewann, so laesst sich doch dies im hoeheren geschichtlichen Sinne keineswegs behaupten und erschei...

...int das, was man die Bezwingung Italiens durch die Roemer zu nennen gewohnt ist, vielmehr als die Einigung zu einem Staate des gesamten Stammes der Italiker, von dem die Roemer wohl der gewaltigste, aber doch nur ein Zweig sind. Die italische Geschichte zerfaellt in zwei Hauptabschnitte: in die innere Geschichte Italiens bis zu seiner Vereinigung unter der Fuehrung des latinischen Stammes und in die Geschichte der italischen Weltherrschaft. Wir werden also darzustellen haben des italischen Volksstammes Ansiedelung auf der Halbinsel; die Gefaehrdung seiner nationalen und politischen Existenz und seine teilweise Unterjochung durch Voelker anderer Herk...
Geschichte ->
Theodor Mommsen ->
Roemische Geschichte - 1. Buch ->
Bis zur Abschaffung des roemischen Koenigtums ->
01. Kapitel
Literatur und Kunst ->
In einem seltsamen Gegensatz zu dieser grossartigen Auffassung und Behandlung der roemischen Geschichte durch einen Auslaender steht die gleichzeitige einheimische Geschichtsliteratur. Im Anfang dieser Periode begegnen noch einige griechisch geschriebene Chroniken, wie die schon erwaehnte des Aulus Postumius (Konsul 603 151), voll uebler Pragmat...

...zung gehabt; dass die Tarpeia die Burg den Sabinern aus Vaterlandsliebe verraten habe, um die Feinde ihrer Schilde zu berauben: so kann das Urteil verstaendiger Zeitgenossen ueber diese ganze Schreiberei nicht befremden, "dass das nicht heisse Geschichte schreiben, sondern den Kindern Geschichten erzaehlen". Weit vorzueglicher waren einzelne Werke ueber die Geschichte der juengsten Vergangenheit und der Gegenwart, namentlich die Geschichte des Hannibalischen Krieges von Lucius Coelius Antipater (um 633 121) und des wenig juengeren Publius Sempronius Asellio Geschichte seiner Zeit. Hier fand sich wenigstens schaetzbares Material und ernster Wahrheitssinn, bei Antipater auch eine lebendige, wenngleich stark manierierte Darstellung; doch reichte, nach allen Zeugnissen und Bruchstuecken zu schliessen, keines di...

...ahrheitssinn, bei Antipater auch eine lebendige, wenngleich stark manierierte Darstellung; doch reichte, nach allen Zeugnissen und Bruchstuecken zu schliessen, keines dieser Buecher weder in markiger Form noch in Originalitaet an die "Ursprungsgeschichten" Catos, der leider auf dem historischen Gebiet so wenig wie auf dem politischen Schule gemacht hat. Stark vertreten sind auch, wenigsten der Masse nach, die untergeordneten, mehr individuellen und ephemeren Gattungen der historischen Literatu...

...haftlichen Ernst, die baldige Haltung und das tragische Verhaengnis dieser hohen Natur im treuen Spiegelbild bewahrten. ----------------------------------------------- 22 Die einzige wirkliche Ausnahme, soweit wir wissen, ist die griechische Geschichte des Gnaeus Aufidius, der in Ciceros (Tusc. 5, 38, 112) Knabenzeit, also um 660 (90) bluehte. Die griechischen Memoiren des Publius Rutilius Rufus (Konsul 649 105) sind kaum als Ausnahme anzusehen, da ihr Verfasser sie im Exil zu Smyrna schrieb...
Geschichte ->
Theodor Mommsen ->
Roemische Geschichte - 4. Buch ->
13. Kapitel
Die alte Republik und die neue Monarchie ->
...tzt ueberall die Hauptsache bleibt, und ihm die Grossheit der Ausfuehrung, die selbst den genialen Entwerfer, wenn er sie haette schauen koennen, ueberrascht haben moechte und die jeden, dem sie in lebendiger Wirklichkeit oder im Spiegel der Geschichte entgegengetreten ist, welcher geschichtlichen Epoche und welcher politischen Farbe immer er angehoere, je nach dem Mass seiner Fassungskraft fuer menschliche und geschichtliche Groesse mit tiefer und tieferer Bewegung und Bewunderung ergriffen...

...ches Lob und geschichtlichen Tadel, von den gegebenen Verhaeltnissen abgeloest, als allgemein gueltige Phrase zu verbrauchen, in diesem Falle das Urteil ueber Caesar in ein Urteil ueber den sogenannten Caesarismus umzudeuten. Freilich soll die Geschichte der vergangenen Jahrhunderte die Lehrmeisterin des laufenden sein; aber nicht in dem gemeinen Sinne, als koenne man die Konjunkturen der Gegenwart in den Berichten ueber die Vergangenheit nur einfach wiederaufblaettern und aus denselben der po...

...n ueberhaupt, die ueberall gleichen Grundkraefte und die ueberall verschiedene Zusammensetzung derselben offenbart und statt zum gedankenlosen Nachahmen vielmehr zum selbstaendigen Nachschoepfen anleitet und begeistert. In diesem Sinne ist die Geschichte Caesars und des roemischen Caesarentums, bei aller unuebertroffenen Grossheit des Werkmeisters, bei aller geschichtlichen Notwendigkeit des Werkes, wahrlich eine schaerfere Kritik der modernen Autokratie, als eines Menschen Hand sie zu schreib...

...ssstein und das geringste Uebel war. Wenn einmal in Virginien und den Carolinas die Sklavenhalteraristokratie es so weit gebracht haben wird wie ihre Wahlverwandten in dem sullanischen Rom, so wird dort auch der Caesarismus vor dem Geist der Geschichte legitimiert sein ^4; wo er unter andern Entwicklungsverhaeltnissen auftritt, ist er zugleich eine Fratze und eine Usurpation. Die Geschichte aber wird sich nicht bescheiden, dem rechten Caesar deshalb die Ehre zu verkuerzen, weil ein solcher Wahlspruch den schlechten Caesaren gegenueber die Einfalt irren und der Bosheit zu Lug und Trug Gelegenheit geben kann. Sie ist auch eine Bibe...

...in, beides zu ertragen wie zu vergiften. ----------------------------------------------------- ^4 Als dies geschrieben wurde, im Jahre 1857, konnte man noch nicht wissen, wie bald durch den gewaltigsten Kampf und den herrlichsten Sieg, den die Geschichte des Menschengeschlechts bisher verzeichnet hat, demselben diese furchtbare Probe erspart und dessen Zukunft der unbedingten, durch keinen fokalen Caesarismus auf dir Dauer zu hemmenden sich selbst beherrschenden Freiheit gesichert werden sollt...
Geschichte ->
Theodor Mommsen ->
Roemische Geschichte - 5. Buch ->
11. Kapitel
Mass und Schrift ->
...akter desjenigen griechischen Alphabets, das wir in Rom finden, und dem aelteren des nach Etrurien gebrachten den Schluss zu ziehen, dass in Etrurien frueher geschrieben worden ist als in Rom. ------------------------------------------- ^3 Die Geschichte des Alphabets bei den Hellenen besteht im wesentlichen darin, dass gegenueber dem Uralphabet von 23 Buchstaben, das heisst dem vokalisierten und mit dem u vermehrten phoenikischen, die verschiedenartigsten Vorschlaege zur Ergaenzung und Verbes...

...ralphabet von 23 Buchstaben, das heisst dem vokalisierten und mit dem u vermehrten phoenikischen, die verschiedenartigsten Vorschlaege zur Ergaenzung und Verbesserung desselben gemacht worden sind und dass jeder dieser Vorschlaege seine eigene Geschichte gehabt hat. Die wichtigsten dieser Vorschlaege, die auch fuer die Geschichte der italischen Schrift im Auge zu behalten vor. Interesse ist, sind die folgenden. I. Einfuehrung eigener Zeichen fuer die Laute x ph ch. Dieser Vorschlag ist so alt, dass mit einziger Ausnahme desjenigen der Inseln Thera, Melos und Kreta all...

... eine jede derselben zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Orte aufgekommen ist und sodann ihren eigenen Verbreitungsweg genommen und ihre besondere Entwicklung gefunden hat. Die vortreffliche Untersuchung A. Kirchhoffs (Studien zur Geschichte des griechischen Alphabets. Guetersloh 1863), welche auf die bisher so dunkle Geschichte des hellenischen Alphabets ein helles Licht geworfen und auch fuer die aeltesten Beziehungen zwischen Hellenen und Italikern wesentliche Daten ergeben, namentlich die bisher ungewisse Heimat des etruskischen Alphabets unwiderleglich festgestel...

...den haben. Es haben aber vielmehr im Alphabet die einzelnen Landschaften sich den verschiedenen Modifikationsvorschlaegen gegenueber wesentlich eklektisch verhalten und ist der eine hier, der andere dort rezipiert worden. Eben insofern ist die Geschichte des griechischen Alphabets so lehrreich, als sie zeigt, wie in Handwerk und Kunst einzelne Gruppen der griechischen Landschaften die Neuerungen austauschten, andere in keinem solchen Wechselverhaeltnis standen. Was insbesondere Italien betriff...
Geschichte ->
Theodor Mommsen ->
Roemische Geschichte - 1. Buch ->
Bis zur Abschaffung des roemischen Koenigtums ->
14. Kapitel
2. Teil - Moby Dick ->
...frau« setzte alle Segel, folgte ihren vier Booten und verschwand stolz und hoffnungsvoll nach Lee. Ja, meine Freunde, es gibt viele Finnwale und viele Dericks. Je tiefer ich in die Erforschung des Walfangs eindringe und zu den Ursprüngen seiner Geschichte vorstoße, desto mehr bin ich beeindruckt von seinem hohen Ansehen und seinem ehrwürdigen Alter. Und wenn ich mir gar vorstelle, daß so viele Halbgötter, Heroen und Propheten sein Ansehen vermehrt haben, dann möchte ich schier stolz werden, daß ...

...s sei es gesagt, daß der erste Wal nicht aus niedriger Habsucht getötet wurde. Das war die Heldenzeit unseres Berufs, als wir uns bewaffneten, um den Bedrängten beizustehen, nicht um die Ölkannen der Menschen zu füllen. Jeder kennt die erhabene Geschichte von Perseus und Andromeda; wie das liebliche Mädchen, die Tochter eines Königs, am Meeresufer an einen Felsen geschmiedet war; wie der Leviathan sie eben wegschleppen wollte; und wie Perseus, der Fürst der Walfänger, unverzagt herbeieilte und da...

...t seiner Harpune traf, das Mädchen befreite und als Gemahlin nach Hause führte. Er erlegte Leviathan mit dem ersten Wurf, ein bewundernswertes Kunststück, das heutzutage selbst den besten Harpunieren nur selten gelingt. Und niemand sollte diese Geschichte bezweifeln, denn im alten Joppe, dem heutigen Jaffa, an der syrischen Küste, stand in einem Heidentempel jahrhundertelang ein riesiges Walskelett, und die Chroniken der Stadt und alle Einwohner waren sich darin einig, daß das die Knochen eben j...

...tadt und alle Einwohner waren sich darin einig, daß das die Knochen eben jenes Ungeheuers seien, das Perseus getötet hatte. Als die Römer Joppe eroberten, entführten sie das Gerippe nach Rom und zeigten es im Triumphzug. Bemerkenswert an dieser Geschichte erscheint mir aber auch dies: von Joppe aus stach Jona in See. Nahe verwandt mit dem Abenteuer von Perseus und Andromeda vielleicht sogar davon abgeleitet – ist die berühmte Geschichte von St. Georg und dem Drachen. Denn ich behaupte, daß dieser Drache ein Walfisch war, wie ja Drachen und Wale in alten Chroniken vielfach vermengt werden und häufig genug füreinander stehen. Es könnte übrigens den Ruhm des Heiligen nur schmälern...

...nehmen dürfen, denn immerhin hat der Wal ihn gefangen, wenn auch er nicht den Wal. Ich nehme ihn also für unsere Bruderschaft in Anspruch. Wenn man den stets widersprüchlichen Zeugnissen gelehrter Männer glauben darf, dann ist diese griechische Geschichte von Herkules und dem Wal auf die noch ältere hebräische von Jona und dem Wal zurückzuführen – oder umgekehrt, denn beide sind einander sehr ähnlich. Ich nehme den Halbgott für uns in Anspruch; warum nicht auch den Propheten? Perseus, St. Georg...
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Melville, Herman ->
Moby Dick ->
2. Teil - Moby Dick
Einleitung
...erbindet, siedelten in alten Zeiten Voelkerstaemme sich an, welche, ethnographisch und sprachgeschichtlich betrachtet, verschiedenen Rassen angehoerig, historisch ein Ganzes ausmachen. Dies historische Ganze ist es, was man nicht passend die Geschichte der alten Welt zu nennen pflegt, die Kulturgeschichte der Anwohner des Mittelmeers, die in ihren vier grossen Entwicklungsstadien an uns vorueberfaehrt: die Geschichte des koptischen oder aegyptischen Stammes an dem suedlichen Gestade, die der aramaeischen oder syrischen Nation, die die Ostkueste einnimmt und tief in das innere Asien hinein bis an den Euphrat und Tigris sich ausbreitet, und die Geschichte des Zwillingsvolkes der Hellenen und der Italiker, welche die europaeischen Uferlandschaften des Mittelmeers zu ihrem Erbteil empfingen. Wohl knuepft jede dieser Geschichten an ihren Anfaengen an andere Gesichts- und Geschichtskreise an; aber jede auch schlaegt bald ihren eigenen abgesonderten Gang ein. Die stammfremden oder auch stammverwandten Nationen aber, die diesen grossen Kreis umwohnen, die Berber und Neg...

...den Strand umspuelt hatten, sich ueber beide Ufer ergossen und, indem sie die Suedkueste geschichtlich trennten von der noerdlichen, den Schwerpunkt der Zivilisation verlegten vom Mittelmeer an den Atlantischen Ozean. So scheidet sich die alte Geschichte von der neuen nicht bloss zufaellig und chronologisch; was wir die neue Geschichte nennen, ist in der Tat die Gestaltung eines neuen Kulturkreises, der in mehreren seiner Entwicklungsepochen wohl anschliesst an die untergehende oder untergegangene Zivilisation der Mittelmeerstaaten wie diese an die aelteste indogermanische, ...
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01. Kapitel
Die aeltesten Einwanderungen in Italien
...nnerhalb der Grenzen Italiens das Menschengeschlecht einmal auf der primitiven Kulturstufe gestanden hat, die wir den Zustand der Wildheit zu nennen pflegen, so ist davon doch jede Spur schlechterdings ausgeloescht. Die Elemente der aeltesten Geschichte sind die Voelkerindividuen, die Staemme. Unter denen, die uns spaeterhin in Italien begegnen, ist von einzelnen, wie von den Hellenen, die Einwanderung, von anderen, wie von den Brettiern und den Bewohnern der sabinischen Landschaft, die Denat...

... anderen, wie von den Brettiern und den Bewohnern der sabinischen Landschaft, die Denationalisierung geschichtlich bezeugt. Nach Ausscheidung beider Gattungen bleiben eine Anzahl Staemme uebrig, deren Wanderungen nicht mehr mit dem Zeugnis der Geschichte, sondern hoechstens auf aprioristischem Wege sich nachweisen lassen und deren Nationalitaet nicht nachweislich eine durchgreifende Umgestaltung von aussen her erfahren hat; diese sind es, deren nationale Individualitaet die Forschung zunaechst...

...wirren Wust der Voelkernamen und der zerruetteten, angeblich geschichtlichen Ueberlieferung, welche aus wenigen brauchbaren Notizen zivilisierter Reisender und einer Masse meistens geringhaltiger Sagen, gewoehnlich ohne Sinn fuer Sage wie fuer Geschichte zusammengesetzt und konventionell fixiert ist, so muesste man die Aufgabe als eine hoffnungslose abweisen. Allein noch fliesst auch fuer uns eine Quelle der Ueberlieferung, welche zwar auch nur Bruchstuecke, aber doch authentische gewaehrt; ...

...auch in Apulien heimisch war. Was wir von diesem Volke jetzt wissen, genuegt wohl, um dasselbe von den uebrigen Italikern bestimmt zu unterscheiden, nicht aber, um positiv den Platz zu bestimmen, welcher dieser Sprache und diesem Volk in der Geschichte des Menschengeschlechts zukommt. Die Inschriften sind nicht entraetselt, und es ist kaum zu hoffen, dass dies dereinst gelingen wird. Dass der Dialekt den indogermanischen beizuzaehlen ist, scheinen die Genetivformen aihi und ihi entsprechend ...

...vorlaeufig wenigstens stehen bleiben muessen, bis ein schaerferes und besser gesichertes Ergebnis zu erreichen steht ^2. Die Luecke ist indes nicht sehr empfindlich; denn nur weichend und verschwindend zeigt sich uns dieser beim Beginn unserer Geschichte schon im Untergehen begriffene Volksstamm. Der wenig widerstandsfaehige, leicht in andere Nationalitaeten sich aufloesende Charakter der iapygischen Nation passt wohl zu der Annahme, welche durch ihre geographische Lage wahrscheinlich gemacht ...
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02. Kapitel

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