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Schlagwort: Literatur


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Religion, Bildung, Literatur und Kunst ->
... bekaempften, die national-italische der Konservativen, die hellenisch-italische oder, wenn man will, kosmopolitische der neuen Monarchie, haben auch auf dem literarischen ihre Schlachten geschlagen. Jene lehnt sich auf die aeltere lateinische Literatur, die auf dem Theater, in der Schule und in der gelehrten Forschung mehr und mehr den Charakter der Klassizitaet annimmt. Mit minderem Geschmack und staerkerer Parteitendenz, als die scipionische Epoche bewies, werden jetzt Ennius, Pacuvius u...

...er Sibylle steigen im Preise, je weniger ihrer werden; die relative Nationalitaet und relative Produktivitaet der Dichter des sechsten Jahrhunderts wurde nie lebhafter empfunden als in dieser Epoche des ausgebildeten Epigonentums, die in der Literatur ebenso entschieden wie in der Politik zu dem Jahrhundert der Hannibalskaempfer hinaufsah als zu der goldenen, leider unwiederbringlich dahingegangenen Zeit. Freilich war in dieser Bewunderung der alten Klassiker ein guter Teil derselben Hohlhe...

...n also die moderne, der demokratischen Monarchie verwandte literarische Richtung selbst unter den rechtglaeubigen Enniusbewunderern stille Bekenner genug zaehlte, so fehlte es auch schon nicht an dreisteren Urteilern, die mit der einheimischen Literatur ebenso unsaeuberlich umgingen wie mit der senatorischen Politik. Man nahm nicht bloss die strenge Kritik der scipionischen Epoche wieder auf und liess den Terenz nur gelten, um Ennius und mehr noch die Ennianisten zu verdammen, sondern die jue...

...ischer Auflehnung gegen die literarische Orthodoxie, den Plautus einen rohen Spassmacher, den Lucilius einen schlechten Verseschmied zu heissen. Statt auf die einheimische lehnt sich diese moderne Richtung vielmehr auf die neuere griechische Literatur oder den sogenannten Alexandrinismus. Es kann nicht umgangen werden, von diesem merkwuerdigen Wintergarten hellenischer Sprache und Kunst hier wenigstens so viel zu sagen, als fuer das Verstaendnis der roemischen Literatur dieser und der spaeteren Epochen erforderlich ist. Die alexandrinische Literatur ruht auf dem Untergang des reinen hellenischen Idioms, das seit der Zeit Alexanders des Grossen im Leben ersetzt ward durch einen verkommenen, zunaechst aus der Beruehrung des makedonischen Dialekts mit vielfachen griechischen und barbarischen...

...exanders des Grossen im Leben ersetzt ward durch einen verkommenen, zunaechst aus der Beruehrung des makedonischen Dialekts mit vielfachen griechischen und barbarischen Staemmen hervorgegangenen Jargon; oder genauer gesagt, die alexandrinische Literatur ist hervorgegangen aus dem Ruin der hellenischen Nation ueberhaupt, die, um die alexandrinische Weltmonarchie und das Reich des Hellenismus zu begruenden, in ihrer volkstuemlichen Individualitaet untergehen musste und unterging. Haette Alexa...

... wuerde an die Stelle der ehemaligen nationalen und volkstuemlichen eine nur dem Namen nach hellenische, wesentlich denationalisierte und gewissermassen von oben herab ins Leben gerufene, aber allerdings die Welt beherrschende, kosmopolitische Literatur getreten sein; indes wie der Staat Alexanders mit seinem Tode aus den Fugen wich, gingen auch die Anfaenge der ihm entsprechenden Literatur rasch zugrunde. Die griechische Nation aber gehoerte darum nicht weniger mit allem, was sie gehabt, mit ihrer Volkstuemlichkeit, ihrer Sprache, ihrer Kunst, der Vergangenheit an. Nur in einem verhaeltnismaessig engen Kreis nicht von Gebildeten...

...lem, was sie gehabt, mit ihrer Volkstuemlichkeit, ihrer Sprache, ihrer Kunst, der Vergangenheit an. Nur in einem verhaeltnismaessig engen Kreis nicht von Gebildeten, die es als solche nicht mehr gab, sondern von Gelehrten wurde die griechische Literatur noch als tote gepflegt, ihr reicher Nachlass in wehmuetiger Freude oder trockener Gruebelei inventarisiert und auch wohl das lebendige Nachgefuehl oder die tote Gelehrsamkeit bis zu einer Scheinproduktivitaet gesteigert. Diese posthume Produ...

...nventarisiert und auch wohl das lebendige Nachgefuehl oder die tote Gelehrsamkeit bis zu einer Scheinproduktivitaet gesteigert. Diese posthume Produktivitaet ist der sogenannte Alexandrinismus. Er ist wesentlich gleichartig derjenigen Gelehrtenliteratur, welche, abstrahierend von den lebendigen romanischen Nationalitaeten und ihren vulgaeren Idiomen, in einem philologisch gelehrten, kosmopolitischen Kreise als kuenstliche Nachbluete des untergegangenen Altertums waehrend des fuenfzehnten und ...

...selbst das Lehrgedicht nicht ausgenommen, nicht an ihre griechischen Zeitgenossen oder juengsten Vorgaenger sich an, sondern ohne Ausnahme an Homer, Euripides, Menandros und die anderen Meister der lebendigen und volkstuemlichen griechischen Literatur. Die roemische Literatur ist niemals frisch und national gewesen; aber solange es ein roemisches Volk gab, griffen seine Schriftsteller instinktmaessig nach lebendigen und volkstuemlichen Mustern und kopierten, wenn auch nicht immer aufs beste noch die besten, doch we...

... auch nicht immer aufs beste noch die besten, doch wenigstens Originale. Die ersten roemischen Nachahmer - denn die geringen Anfaenge aus der marianischen Zeit koennen kaum mitgezaehlt werden - fand die nach Alexander entstandene griechische Literatur unter den Zeitgenossen Ciceros und Caesars; und nun griff der roemische Alexandrinismus mit reissender Schnelligkeit um sich. Zum Teil ging dies aus aeusserlichen Ursachen hervor. Die gesteigerte Beruehrung mit den Griechen, namentlich die hae...

...serlichen Ursachen hervor. Die gesteigerte Beruehrung mit den Griechen, namentlich die haeufigen Reisen der Roemer in die hellenischen Landschaften und die Ansammlung griechischer Literaten in Rom, verschafften natuerlich der griechischen Tagesliteratur, den zu jener Zeit in Griechenland gangbaren epischen und elegischen Poesien, Epigrammen und milesischen Maerchen, auch unter den Italikern ein Publikum. Indem ferner die alexandrinische Poesie, wie frueher dargestellt ward, in dem italischen ...

...hen Poesien, Epigrammen und milesischen Maerchen, auch unter den Italikern ein Publikum. Indem ferner die alexandrinische Poesie, wie frueher dargestellt ward, in dem italischen Jugendunterricht sich festsetzte, wirkte dies auf die lateinische Literatur um so mehr zurueck, als diese von der hellenischen Schulbildung zu allen Zeiten wesentlich abhaengig war und blieb. Es findet sich hier sogar eine unmittelbare Anknuepfung der neuroemischen an die neugriechische Literatur: der schon genannte Parthenios, einer der bekannteren alexandrinischen Elegiker, eroeffnete, es scheint um 700 (54), eine Literatur- und Poesieschule in Rom, und es sind noch die Exzerpte vorhanden, in denen er Stoffe fuer lateinische erotisch-mythologische Elegien nach dem bekannten alexandrinischen Rezept einem seiner vornehmen Schueler an die Hand gab. Aber es waren kei...

...dererseits das neue Reich darauf beruhte, dass die maechtigen Stroeme der griechischen und lateinischen Nationalitaet, nachdem sie Jahrtausende hindurch in parallelen Betten geflossen, nun endlich zusammenfielen, so musste auch die italische Literatur nicht bloss wie bisher an der griechischen ueberhaupt einen Halt suchen, sondern eben mit der griechischen Literatur der Gegenwart, das heisst mit dem Alexandrinismus sich ins Niveau setzen. Mit dem schulmaessigen Latein, der geschlossenen Klassikerzahl, dem exklusiven Kreise der klassikerlesenden "Urbanen" war die volkstuemliche lateinische Literatur tot und zu Ende; es entstand dafuer eine durchaus epigonenhafte, kuenstlich grossgezogene Reichsliteratur, die nicht auf einer bestimmten Volkstuemlichkeit ruhte, sondern in zweien Sprachen das allgemeine Evangelium der Humanitaet verkuendigte und geistig durchaus und bewusst von der hellenischen, sprachlich teils von dieser, teils von der altroem...

...auf einer bestimmten Volkstuemlichkeit ruhte, sondern in zweien Sprachen das allgemeine Evangelium der Humanitaet verkuendigte und geistig durchaus und bewusst von der hellenischen, sprachlich teils von dieser, teils von der altroemischen Volksliteratur abhing. Es war dies kein Fortschritt. Die Mittelmeermonarchie Caesars war wohl eine grossartige und, was mehr ist, eine notwendige Schoepfung; aber sie war von oben herab ins Leben gerufen und darum nichts in ihr zu finden von dem frischen Vol...

...juengeren, beschraenkteren, natuerlicheren Gemeinwesen eigen sind, wie noch der Staat Italien des sechsten Jahrhunderts sie hatte aufzeigen koennen. Der Untergang der italischen Volkstuemlichkeit, abgeschlossen in Caesars Schoepfung, brach der Literatur das Herzblatt aus. Wer ein Gefuehl hat fuer die innige Wahlverwandtschaft der Kunst und der Nationalitaet, der wird stets sich von Cicero und Horaz ab zurueck zu Cato und Lucretius wenden; und nur die, freilich auf diesem Gebiete verjaehrte, ...

...nige Wahlverwandtschaft der Kunst und der Nationalitaet, der wird stets sich von Cicero und Horaz ab zurueck zu Cato und Lucretius wenden; und nur die, freilich auf diesem Gebiete verjaehrte, schulmeisterliche Auffassung der Geschichte wie der Literatur hat es vermocht, die mit der neuen Monarchie beginnende Kunstepoche vorzugsweise die goldene zu heissen. Aber wenn der roemisch-hellenische Alexandrinismus der caesarischen und augusteischen Zeit zurueckstehen muss hinter der, wie immer unvoll...

...neuen Monarchie beginnende Kunstepoche vorzugsweise die goldene zu heissen. Aber wenn der roemisch-hellenische Alexandrinismus der caesarischen und augusteischen Zeit zurueckstehen muss hinter der, wie immer unvollkommenen, aelteren nationalen Literatur, so ist er andererseits dem Alexandrinismus der Diadochenzeit ebenso entschieden ueberlegen wie Caesars Dauerbau der ephemeren Schoepfung Alexanders. Es wird spaeter darzustellen sein, dass die augustische Literatur, verglichen mit der verwandten der Diadochenzeit, weit minder eine Philologen- und weit mehr eine Reichsliteratur gewesen ist als diese und darum auch in den hoeheren Kreisen der Gesellschaft weit dauernder und weit allgemeiner als jemals der griechische Alexandrinismus gewirkt hat., Nirgends sah es truebseliger aus als in der Buehnenliteratur. Trauerspiel wie Lustspiel waren in der roemischen Nationalliteratur bereits vor der gegenwaertigen Epoche innerlich abgestorben. Neue Stuecke wurden nicht mehr gespielt. Dass noch in der sullanischen Zeit das Publikum dergleichen zu sehen erwartete, zeigen die dieser Zeit angehoerigen Wiederauffuehrungen Plaut...

...uehne an die toten Poeten, die wir in der ciceronischen Zeit finden und der der Alexandrinismus sich gar nicht widersetzte. Seine Produktivitaet auf diesem Gebiete war schlimmer als keine. Eine wirkliche Buehnendichtung hat die alexandrinische Literatur nie gekannt; nur das Afterdrama, das zunaechst zum Lesen, nicht zur Auffuehrung geschrieben ward, konnte durch sie in Italien eingebuergert werden, und bald fingen denn diese dramatischen Jamben auch an, in Rom ebenso wie in Alexandreia zu gra...

... Quintus Cicero, um die Langeweile des gallischen Winterquartiers homoeopathisch zu vertreiben, in sechzehn Tagen vier Trauerspiele verfertigte. Einzig in dem "Lebensbild" oder dem Mimus verwuchs der letzte noch gruenende Trieb der nationalen Literatur, die Atellanenposse, mit den ethologischen Auslaeufern des griechischen Lustspiels, die der Alexandrinismus mit groesserer poetischer Kraft und besserem Erfolg als jeden anderen Zweig der Poesie kultivierte. Der Mimus ging hervor aus den seit ...

...praege wegfaellt und dafuer das hauptstaedtische Leben in seiner grenzenlosen Freiheit und Frechheit auf die Bretter kommt. Die meisten Stuecke dieser Art waren ohne Zweifel fluechtigster Natur und machten nicht Anspruch auf einen Platz in der Literatur; die Mimen aber des Laberius, voll drastischer Charakterzeichnung und sprachlich und metrisch in ihrer Art meisterlich behandelt, haben in derselben sich behauptet und auch der Geschichtschreiber muss es bedauern, dass es uns nicht mehr vergoe...
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Theodor Mommsen ->
Roemische Geschichte - 5. Buch ->
12. Kapitel
Literatur und Kunst ->
...n scharenweise nach Italien. Cato freilich machte nicht bloß die fremden Heilkünstler mit einem Eifer herunter, der einer besseren Sache würdig war, sondern versuchte auch, durch sein aus eigener Erfahrung und daneben wohl auch aus der medizinischen Literatur der Griechen zusammengestelltes medizinisches Hilfsbüchlein die gute alte Sitte wieder emporzubringen, wo der Hausvater zugleich der Hausarzt war. Die Ärzte und das Publikum kümmerten wie billig sich wenig um dieses eigensinnige Gekeife; doch blieb ...

...t sich aus. Dennoch fielen auch auf diesen untergeordneten eben wie in den höheren geistigen Gebieten die Resultate der griechischen und der lateinischen, ja selbst der phönikischen Kultur zusammen und kann schon darum die einschlagende ausländische Literatur nicht ganz unberücksichtigt geblieben sein. Dagegen gilt dasselbe nur in untergeordnetem Grade von der Rechtswissenschaft. Die Tätigkeit der Rechtsgelehrten dieser Zeit ging noch wesentlich auf in der Bescheidung der anfragenden Parteien und in der...

...s die Musik und der ganze Kreis der mathematischen und physischen Wissenschaften. Durchaus sollte in der Wissenschaft das unmittelbar Praktische, aber auch nichts als dies und dieses möglichst kurz und schlicht zusammengefaßt werden. Die griechische Literatur wurde dabei wohl benutzt, aber nur um aus der Masse von Spreu und Wust einzelne brauchbare Erfahrungssätze zu gewinnen - "die griechischen Bücher muß man einsehen, aber nicht durchstudieren", lautet einer von Catos Weidsprüchen. So entstanden jene h...

...it und Unklarheit auch den griechischen Scharf- und Tiefsinn austrieben, aber eben dadurch für die Stellung der Römer zu den griechischen Wissenschaften für alle Zeiten maßgebend geworden sind. So zog denn mit der Weltherrschaft zugleich Poesie und Literatur in Rom ein, oder, mit einem Dichter der ciceronischen Zeit zu reden: Als wir Hannibal bezwungen, nahte mit beschwingtem Schritt Der Quiriten hartem Volke sich die Mus' im Kriegsgewand. Auch in den sabellisch und etruskisch redenden Landschaften w...

...Tongefäße mit oskischen Inschriften Bekanntschaft ihrer Verfertiger mit der griechischen Komödie verraten, so drängt die Frage sich auf, ob nicht gleichzeitig mit Naevius und Cato auch am Arnus und Volturnus eine gleich der römischen hellenisierende Literatur in der Bildung begriffen gewesen ist. Indes jede Kunde darüber ist verschollen, und die Geschichte kann hier nur die Lücke bezeichnen. Die römische Literatur, über die allein uns ein Urteil noch verstattet ist, wie problematisch ihr absoluter Wert dem Ästhetiker erscheinen mag, bleibt dennoch für denjenigen, der die Geschichte Roms erkennen will, von einzigem Wert als das Spiegelbild des inneren Geistesl...

...e allgemeinere der antiken Zivilisation. Auch in ihr herrscht diejenige Zwiespältigkeit, die überall in dieser Epoche das Gesamtleben der Nation durchdringt und die Übergangszeit charakterisiert. Über die Mangelhaftigkeit der hellenistisch-römischen Literatur kann kein unbefangenes und durch den ehrwürdigen Rost zweier Jahrtausende unbeirrtes Auge sich täuschen. Die römische Literatur steht neben der griechischen wie die deutsche Orangerie neben dem sizilischen Orangenwald; man kann an beiden sich erfreuen, aber nebeneinander sie auch nur zu denken, geht nicht an. Womöglich noch entschiedener als von der römischen Schriftstellere...

... ja in pöbelhafte Roheit verfiel; es ist ferner gezeigt worden, daß zwei der einflußreichsten römischen Schriftsteller zunächst Schulmeister und erst folgeweise Poeten waren, und daß, während die griechische erst nach dem Abblühen der volkstümlichen Literatur erwachsene Philologie nur am toten Körper experimentierte, in Latium Begründung der Grammatik und Grundlegung der Literatur, fast wie bei den heutigen Heidenmissionen, von Haus aus Hand in Hand gegangen sind. In der Tat, wenn man diese hellenistische Literatur des sechsten Jahrhunderts unbefangen ins Auge faßt, jene handwerksmäßige, jeder eigenen Produktivität bare Poesie, jene durchgängige Nachahmung eben der flachsten Kunstgattungen des Auslandes, jenes Übersetzungsrepertoire, jenen Wechselbalg von Epos...
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Theodor Mommsen ->
Roemische Geschichte - 3. Buch ->
14. Kapitel
Nationalitaet, Religion, Erziehung ->
...am als verbesserte Fibel die lateinische Odyssee getreten war und nun der roemische Knabe an dieser Uebersetzung, wie der griechische an dem Original, die Kunde und den Vortrag der Muttersprache ausbildete; wie namhafte griechische Sprach- und Literaturlehrer, Andronicus, Ennius und andere mehr, die doch wahrscheinlich schon nicht eigentlich Kinder, sondern heranreifende Knaben und Juenglinge lehrten, es nicht verschmaehten, neben der griechischen auch in der Muttersprache zu unterrichten. Es...

...echischen auch in der Muttersprache zu unterrichten. Es waren das die Anfaenge eines hoeheren lateinischen Unterrichts, aber doch noch ein solcher nicht. Der Sprachunterricht kann den elementaren Kreis nicht ueberschreiten, solange es an einer Literatur mangelt. Erst als es nicht bloss lateinische Schulbuecher, sondern eine lateinische Literatur gab und diese in den Werken der Klassiker des sechsten Jahrhunderts in einer gewissen Abgeschlossenheit vorlag, traten die Muttersprache und die einheimische Literatur wahrhaft ein in den Kreis der hoeheren Bildungselemente; und die Emanzipation von den griechischen Sprachmeistern liess nun auch nicht lange auf sich warten. Angeregt durch die Homerischen Vorlesungen des Krates begannen gebildete Roemer die r...

...er hoeheren Bildungselemente; und die Emanzipation von den griechischen Sprachmeistern liess nun auch nicht lange auf sich warten. Angeregt durch die Homerischen Vorlesungen des Krates begannen gebildete Roemer die rezitativen Werke auch ihrer Literatur, Naevius' 'Punischen Krieg', Ennius' 'Chronik', spaeterhin auch Lucilius' Gedichte zuerst einem erlesenen Kreis, dann oeffentlich an fest bestimmten Tagen und unter grossem Zulauf vorzutragen, auch wohl nach dem Vorgang der homerischen Grammat...

... literarischen Vortraege, die gebildete Dilettanten (litterati) unentgeltlich hielten, waren zwar kein foermlicher Jugendunterricht, aber doch ein wesentliches Mittel, die Jugend in das Verstaendnis und den Vortrag der klassischen lateinischen Literatur einzufuehren. Aehnlich ging es mit der Bildung der lateinischen Rede. Die vornehme roemische Jugend, die schon in fruehem Alter mit Lob- und gerichtlichen Reden oeffentlich aufzutreten angehalten ward, wird es an Redeuebungen nie haben fehlen...

...(611-667143-87) und der feine, gehaltene Redner Lucius Crassus (614-663 140-91), waren schon vollstaendig Kunstredner. Die Uebungen der Jugend im Sprechen stiegen natuerlich an Umfang und Bedeutung, aber blieben doch, eben wie die lateinischen Literaturuebungen, wesentlich darauf beschraenkt, dass der Anfaenger an den Meister der Kunst persoenlich sich anschloss und durch sein Beispiel und seine Lehre sich ausbildete. Foermliche Unterweisung sowohl in lateinischer Literatur als in lateinischer Redekunst gab zuerst um 650 (100) Lucius Aelius Praeconinus von Lanuvium, der "Griffelmann" (Stilo) genannt, ein angesehener, streng konservativ gesinnter roemischer Ritter, der mit einem auserlesenen Kreise juengerer Maenn...

...ero - den Plautus und aehnliches las, auch wohl Entwuerfe zu Reden mit den Verfassern durchging oder dergleichen seinen Freunden an die Hand gab. Dies war ein Unterricht; aber ein gewerbmaessiger Schulmeister war Stilo nicht, sondern er lehrte Literatur und Redekunst, wie in Rom die Rechtswissenschaft gelehrt ward, als ein aelterer Freund der aufstrebenden jungen Leute, nicht als ein gedungener, jedem zu Gebote stehender Mann. Aber um seine Zeit begann auch der schulmaessige hoehere Unterrich...

...hen, getrennt sowohl von dem elementaren lateinischen als von dem griechischen Unterricht, und von bezahlten Lehrmeistern, in der Regel freigelassenen Sklaven, in besonderen Anstalten erteilt. Dass Geist und Methode durchaus den griechischen Literatur- und Sprachuebungen abgeborgt wurden, versteht sich von selbst; und auch die Schueler bestanden wie bei diesen aus Juenglingen, nicht aus Knaben. Bald schied sich dieser lateinische Unterricht, wie der griechische, in einen zwiefachen Kursus, ...

...wurden, versteht sich von selbst; und auch die Schueler bestanden wie bei diesen aus Juenglingen, nicht aus Knaben. Bald schied sich dieser lateinische Unterricht, wie der griechische, in einen zwiefachen Kursus, indem erstlich die lateinische Literatur wissenschaftlich vorgetragen, sodann zu Lob-, Staats- und Gerichtsreden kunstmaessige Anleitung gegeben ward. Die erste roemische Literaturschule eroeffnete um Stilos Zeit Marcus Saevius Nicanor Postumus, die erste besondere Schule fuer lateinische Rhetorik um 660 (90) Lucius Plotius Gallus; doch ward in der Regel auch in den lateinischen Literaturschulen Anleitung zur Redekunst gegeben. Dieser neue lateinische Schulunterricht war von der tiefgreifendsten Bedeutung. Die Anleitung zur Kunde lateinischer Literatur und lateinischer Rede, wie sie frueher von hochgestellten Kennern und Meistern erteilt worden war, hatte den Griechen gegenueber eine gewisse Selbstaendigkeit sich bewahrt. Die Kenner der Sprache und die Meister der Rede standen wohl unter dem...
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Roemische Geschichte - 4. Buch ->
12. Kapitel
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Nicht viel später als die römische Poesie, aber in sehr verschiedener Weise entstand in Rom eine prosaische Literatur. Es fielen bei dieser sowohl die künstlichen Förderungen hinweg, wodurch die Schule und die Bühne vor der Zeit eine römische Poesie großzogen, als auch die künstliche Hemmung, worauf namentlich die römische Komödie in der strengen und beschränkten B...

...Zeit erscheint, so ist umgekehrt unter den Prosaikern dieser Epoche kaum ein nicht senatorischer Norne und sind es durchaus die Kreise der höchsten Aristokratie, gewesene Konsuln und Zensoren, die Fabier, die Gracchen, die Scipionen, von denen diese Literatur ausgeht. Daß die konservative und nationale Tendenz sich besser mit dieser Prosaschriftstellerei vertrug als mit der Poesie, liegt in der Sache; doch hat auch hier, und namentlich in dem wichtigsten Zweige dieser Literatur, in der Geschichtschreibung, die hellenistische Richtung auf Stoff und Form mächtig, ja übermächtig eingewirkt. Bis in die Zeit des Hannibalischen Krieges gab es in Rom eine Geschichtschreibung nicht; denn die Anzeichnungen des Stadtbuchs gehörten ...

...g, die hellenistische Richtung auf Stoff und Form mächtig, ja übermächtig eingewirkt. Bis in die Zeit des Hannibalischen Krieges gab es in Rom eine Geschichtschreibung nicht; denn die Anzeichnungen des Stadtbuchs gehörten zu den Akten, nicht zu der Literatur, und verzichteten von Haus aus auf jede Entwicklung des Zusammenhanges der Dinge. Es ist bezeichnend für die Eigentümlichkeit des römischen Wesens, daß trotz der weit über die Grenzen Italiens ausgedehnten Macht der römischen Gemeinde und trotz der ...

...ttersprache, aber in Versen, oder in Prosa, aber griechisch schrieb. Von den metrischen Chroniken des Naevius (geschrieben um 550? 204) und Ennius (geschrieben um 581 173) ist schon die Rede gewesen; sie gehören zugleich zu der ältesten historischen Literatur der Römer, ja die des Naevius darf als das überhaupt älteste römische Geschichtswerk angesehen werden. Ungefähr gleichzeitig entstanden die griechischen Geschichtsbücher des Quintus Fabius Pictor 32 (nach 553 201), eines während des Hannibalischen K...

...t an das gebildete Ausland. Den ersten Weg schlugen die plebejischen, den zweiten die vornehmeren Schriftsteller ein; eben wie in der Zeit Friedrichs des Großen neben der vaterländischen Pastoren- und Professorenschriftstellerei eine aristokratische Literatur in französischer Sprache stand und die Gleim und Ramler deutsche Kriegslieder, die Könige und Feldherren französische Kriegsgeschichten verfaßten. Weder die metrischen Chroniken, noch die griechischen römischer Verfasser waren eine eigentliche latei...

...lateinische Geschichtschreibung; diese begann erst mit Cato, dessen nicht vor dem Schluß dieser Epoche publizierte 'Ursprungsgeschichten' zugleich das älteste lateinisch geschriebene Geschichts- und das erste bedeutende prosaische Werk der römischen Literatur sind 33. ----------------------------------------------- 32 Die griechische Abfassung dieses ältesten prosaischen römischen Geschichtswerkes ist durch Dionys (1, 6) und Cicero (div. 1, 27 , 43) außer Zweifel gestellt. Ein Problem bleiben die unter...

... Schwierigkeit noch dadurch gesteigert, daß unter demselben Namen auch eine sehr ausführliche Darstellung des pontifizischen Rechts in lateinischer Sprache angeführt wird. Indes die letztere Schrift wird von keinem, der die Entwicklung der römischen Literatur im Zusammenhang verfolgt hat, einem Verfasser aus der Zeit des Hannibalischen Krieges beigelegt werden; und auch lateinische Annalen aus dieser Zeit erscheinen problematisch, obwohl es dahingestellt bleiben muß, ob hier eine Verwechslung mit dem jün...
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Roemische Geschichte - 3. Buch ->
14. Kapitel
10. Kapitel - Syrien und das Nabataeerland ->
...efunden. Wie vollkommen analog Aegypten und Syrien sonst sich entwickelt hatten, so scharf war ihr Gegensatz in literarischer Hinsicht: diesen Teil der Erbschaft des grossen Alexanders traten die Lagiden allein an. Pflegten sie die hellenische Literatur und foerderten wissenschaftliche Forschung in aristotelischem Sinn und Geist, so haben die besseren Seleukiden wohl durch ihre politische Stellung den Griechen den Orient erschlossen - Seleukos' I. Sendung des Megasthenes nach Indien an Koenig...

... des Kaspischen Meeres durch seinen Zeitgenossen, den Admiral Patrokles, haben in dieser Hinsicht Epoche gemacht; aber von unmittelbarem Eingreifen in die literarischen Interessen von seiten der Seleukiden weiss die Geschichte der griechischen Literatur nichts weiter zu melden, als dass Antiochos der sogenannte Grosse den Dichter Euphorion zu seinem Bibliothekar gemacht hat. Vielleicht darf die Geschichte der lateinischen Literatur fuer Berytus, die lateinische Insel im Meer des orientalischen Hellenismus, den Ernst wissenschaftlicher Arbeit in Anspruch nehmen. Es ist vielleicht kein Zufall, dass die Reaktion gegen die literarisch modernisierende Tendenz der julisch-clau...

...ruch nehmen. Es ist vielleicht kein Zufall, dass die Reaktion gegen die literarisch modernisierende Tendenz der julisch-claudischen Epoche und die Zurueckfuehrung der Sprache und der Schriften der republikanischen Zeit in die Schule wie in die Literatur ausgegangen ist von einem dem Mittelstand angehoerigen Berytier, dem Marcus Valerius Probus, welcher in den zurueckgebliebenen Schulen seiner entlegenen Heimat noch an den alten Klassikern sich gebildet hatte und dann in energischer, mehr kr...

...teren Kaiserzeit den Grund legte. Dasselbe Berytos ist spaeter der Sitz des Studiums der fuer die Beamtenlaufbahn erforderlichen Rechtswissenschaft fuer den ganzen Osten geworden und die ganze Kaiserzeit hindurch geblieben. In der hellenischen Literatur sind freilich die Poesie des Epigramms und der Witz des Feuilletons in Syrien zu Hause; mehrere der namhaftesten griechischen Kleindichter, wie Meleagros und Philodemos von Gadara und Antipatros von Sidon, sind Syrer und in sinnlichem Reiz wie...

... Syrien zu Hause; mehrere der namhaftesten griechischen Kleindichter, wie Meleagros und Philodemos von Gadara und Antipatros von Sidon, sind Syrer und in sinnlichem Reiz wie in raffinierter Verskunst unuebertroffen; und der Vater der Feuilletonliteratur ist Menippos von Gadara. Aber diese Leistungen liegen meistens vor und zum Teil betraechtlich vor der Kaiserzeit. In der griechischen Literatur dieser Epoche ist keine Landschaft so geringfuegig vertreten wie die syrische, und Zufall ist dies schwerlich, wenngleich bei der universalen Stellung des Hellenismus in der Kaiserzeit auf die Heimat der einzelnen Schriftsteller nicht allzu vi...

...nd die Fabelreisen wahrscheinlich eben hier ihren Hauptsitz. Unter den Kollegen des schon genannten Iamblichos, Verfassers der babylonischen Geschichte, werden die Landsleute desselben zahlreich gewesen sein; die Beruehrung dieser griechischen Literatur mit der gleichartigen orientalischen ist wohl ohne Zweifel durch die Syrer vermittelt worden. Das Luegen brauchten die Griechen freilich nicht von den Orientalen zu lernen; aber die nicht mehr plastische, sondern phantastische Fabulierung ihre...

...en und der Obelisken nicht zu reden, weniger Inschriften hinterlassen als manches kleine afrikanische oder arabische Dorf. Mit Ausnahme des Rhetors Libanios aus der Zeit Julians, welcher auch mehr bekannt ist als bedeutend, hat diese Stadt der Literatur keinen einzigen Schriftstellernamen geliefert. Nicht mit Unrecht nannte der tyanitische Messias des Heidentums oder sein fuer ihn redender Apostel die Antiochener ein ungebildetes und halb barbarisches Volk und meinte, dass Apollon wohl tun we...
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Roemische Geschichte - 8. Buch ->
10. Kapitel - Syrien und das Nabataeerland
Religion, Bildung, Literatur und Kunst ->
...n hinblickt", sagt Cicero, "ist alles von Rhetoren voll". Es kam hinzu, dass die Schriften des sechsten Jahrhunderts, je weiter sie in die Vergangenheit zuruecktraten, desto entschiedener als klassische Texte der goldenen Zeit der lateinischen Literatur zu gelten anfingen und damit dem wesentlich auf sie sich konzentrierenden Unterricht ein groesseres Schwergewicht gaben. Endlich gab die von vielen Seiten her einreissende und einwandernde Barbarei und die beginnende Latinisierung ausgedehnt...

...sgedehnter keltischer und spanischer Landschaften der lateinischen Sprachlehre und dem lateinischen Unterricht von selbst eine hoehere Bedeutung, als er sie hatte haben koennen, solange nur Latium lateinisch sprach: der Lehrer der lateinischen Literatur hatte in Comum und Narbo von Haus aus eine andere Stellung als in Praeneste und Ardea. Im ganzen genommen war die Bildung mehr im Sinken als im Steigen. Der Ruin der italischen Landstaedte, das massenhafte Eindringen fremder Elemente, die poli...

...hen griechischen und lateinischen Bibliothek in der Hauptstadt beschlossen und bereits den gelehrtesten Roemer der Zeit, Marcus Varro, zum Oberbibliothekar ernannt hatte, so liegt darin unverkennbar die Absicht, mit der Weltmonarchie die Weltliteratur zu verknuepfen. Die sprachliche Entwicklung dieser Zeit knuepfte an den Gegensatz an zwischen dem klassischen Latein der gebildeten Gesellschaft und der Vulgaersprache des gemeinen Lebens. Jenes selbst war ein Erzeugnis der spezifischen itali...

...ersprache nicht mehr voellig naiv gesprochen, sondern in bewusstem Unterschied von der Sprache des grossen Haufens. Diese Epoche eroeffnet mit einer merkwuerdigen Reaktion gegen den bisher in der hoeheren Umgangssprache und demnach auch in der Literatur alleinherrschenden Klassizismus, einer Reaktion, die innerlich und aeusserlich mit der gleichartigen Sprachreaktion in Griechenland eng zusammenhing. Eben um diese Zeit begannen der Rhetor und Romanschreiber Hegesias von Magnesia und die zah...

...Schein kunstgerechter Leistung zu geben. Es war dies von grosser Bedeutung. Wie in Griechenland der Sprachstreit immer zunaechst in den Rhetorenschulden gefuehrt ward, so war auch in Rom die gerichtliche Rede gewissermassen mehr noch als die Literatur massgebend fuer den Stil, und es war deshalb mit dem Sachwalterprinzipat gleichsam von Rechts wegen die Befugnis verbunden, den Ton der modischen Sprech- und Schreibweise anzugeben. Hortensius' asiatischer Vulgarismus verdraengte also den Klas...

...nzipat gleichsam von Rechts wegen die Befugnis verbunden, den Ton der modischen Sprech- und Schreibweise anzugeben. Hortensius' asiatischer Vulgarismus verdraengte also den Klassizismus von der roemischen Rednerbuehne und zum Teil auch aus der Literatur. Aber bald schlug in Griechenland wie in Rom die Mode wieder um. Dort war es die Rhodische Rhetorenschule, die ohne auf die ganze keusche Strenge des attischen Stils zurueckzugehen, doch versuchte, zwischen ihm und der modernen Weise einen Mit...

...isen der hoeheren roemischen Gesellschaft, welche von dem Vulgarismus noch wenig oder gar nicht gelitten hatten; und wie schon gesagt ward, es gab deren noch, obwohl sie anfingen zu schwinden. Die aeltere lateinische und die gute griechische Literatur, so bedeutend auch namentlich auf den Numerus der Rede die letztere eingewirkt hat, standen daneben doch nur in zweiter Linie; es war diese Sprachreinigung also keineswegs eine Reaktion der Buch- gegen die Umgangssprache, sondern eine Reaktion...

...ner Zeit, sprach den Grundgedanken des roemischen Klassizismus aus, indem er in Rede und Schrift jedes fremdartige Wort so zu vermeiden gebot, wie der Schiffer die Klippe meidet: man verwarf das poetische und das verschollene Wort der aelteren Literatur ebenso, wie die baeurische oder der Sprache des gemeinen Lebens entlehnte Wendung und namentlich die, wie die Briefe dieser Zeit es beweisen, in sehr weitem Umfang in die Umgangssprache eingedrungenen griechischen Woerter und Phrasen. Aber n...
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12. Kapitel
10. Kapitel - Syrien und das Nabataeerland ->
...euerer Zeit dem Arabischen gewichen ist. Aber vor zwei Jahrtausenden war dieselbe in der Tat in ganz Syrien die Sprache des Volkes ^3. Dass bei den doppelnamigen Staedten im gewoehnlichen Leben die syrische Benennung ebenso ueberwog wie in der Literatur die griechische, zeigt sich darin, dass heute Beroea-Chalybon Haleb (Aleppo), Epiphaneia-Amathe Hama, Hierapolis-Bambyke-Mabog Membidj, Tyros mit seinem phoenikischen Namen Sur genannt wird; dass die uns aus den Urkunden und den Schriftsteller...

...kommenen syrischen Eigennamen ueberwiegend ungriechisch und Doppelnamen nicht selten; der Messias heisst auch Christos, der Apostel Thomas auch Didymos, die von Petrus wiedererweckte Frau aus Joppe das "Reh", Tabitha oder Dorkas. Aber fuer die Literatur und vermutlich auch fuer den Geschaeftsverkehr und den Verkehr der Gebildeten war das syrische Idiom so wenig vorhanden wie im Westen das keltische; in diesen Kreisen herrschte ausschliesslich das Griechische, abgesehen von dem auch im Osten f...

...en dieser, das hellenische Wesen in gewissem Sinne ablehnende Mann fuegt hinzu, dass er hellenische Bildung sich angeeignet habe, und ist ein angesehener Jugendlehrer in Syrien und ein namhafter Romanschriftsteller der spaeteren griechischen Literatur geworden ^4. Wenn spaeterhin das syrische Idiom wieder zur Schriftsprache geworden ist und eine eigene Literatur entwickelt hat, so ist dies nicht auf eine Ermannung des Nationalgefuehls zurueckzufuehren, sondern auf das unmittelbare Beduerfnis der christlichen Propaganda: jene syrische Literatur, ausgegangen von der Uebersetzung der christlichen Bekenntnisschriften in das Syrische, blieb gebannt in den Kreis der spezifischen Bildung des christlichen Klerus und nahm daher von der allgemeinen hellenischen Bildung nur den kleinen Bruchte...

...n das zweite Jahrhundert unserer Zeitrechnung und hat ihren Mittelpunkt nicht in Syrien, sondern in Mesopotamien, namentlich in Edessa ^6, wo wahrscheinlich, anders als in dem aelteren roemischen Gebiet, sich die Anfaenge einer vorchristlichen Literatur in der Landessprache entwickelt hatten. --------------------------------------------- ^3 Johannes Chrysostomos aus Antiocheia (t 407) weist mehrfach (De sanctis martyros. Opera. Paris 1718 ff. Vol. 2, p. 651; homil. 19, a. a. O., p. 188) hin a...

...liegenzauber und die Geisterbeschwoerung versteht, sondern auch dem Verus den Sieg ueber Vologasos vorhersagt und zugleich Geschichten, wie sie auch in 'Tausendundeiner Nacht' stehen koennten, den Griechen griechisch erzaehlt. ^5 Die syrische Literatur besteht fast ausschliesslich aus Uebersetzungen griechischer Werke. Unter den Profanschriften stehen in erster Reihe Aristotelische und Plutarchische Traktate, dann praktische Schriften juristischen oder agronomischen Inhalts und populaere Unt...
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10. Kapitel - Syrien und das Nabataeerland
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Dennoch würde ein solches Urteil, wenn nicht ungerecht, doch nur sehr einseitig gerecht sein. Vor allen Dingen ist wohl zu bedenken, daß diese gemachte Literatur in einer Nation emporkam, die nicht bloß keine volkstümliche Dichtkunst besaß, sondern auch nie mehr zu einer solchen gelangen konnte. In dem Altertum, welchem die moderne Poesie des Individuums fremd ist, fällt die schöpferisch poetische Tätigkeit ...

...gs revolutionären und denationalisierenden, aber für die notwendige geistige Ausgleichung der Nationen unerläßlichen Propaganda des Hellenismus in Italien beruht die geschichtliche und selbst die dichterische Berechtigung der römisch-hellenistischen Literatur. Es ist aus ihrer Werkstatt nicht ein einziges neues und echtes Kunstwerk hervorgegangen, aber sie hat den geistigen Horizont von Hellas über Italien erstreckt. Schon rein äußerlich betrachtet setzt die griechische Poesie bei dem Hörer eine gewisse ...

...ber um zu keimen brauchen sie günstigen Sonnenscheins; und vor allem in der poetisch wenig angeregten latinischen Nation bedurften sie auch äußerlicher Pflege. Man sage auch nicht, daß bei der weitverbreiteten Kenntnis der griechischen Sprache deren Literatur für das empfängliche römische Publikum ausgereicht hätte. Der geheimnisvolle Zauber, den die Sprache über den Menschen ausübt und von dem Dichtersprache und Rhythmus nur Steigerungen sind, hängt nicht jeder zufällig angelernten, sondern einzig der M...

...lle Zauber, den die Sprache über den Menschen ausübt und von dem Dichtersprache und Rhythmus nur Steigerungen sind, hängt nicht jeder zufällig angelernten, sondern einzig der Muttersprache an. Von diesem Gesichtspunkt aus wird man die hellenistische Literatur und namentlich die Poesie der Römer dieser Zeit gerechter beurteilen. Wenn ihr Bestreben darauf hinausging, den Euripideischen Radikalismus nach Rom zu verpflanzen, die Götter entweder in verstorbene Menschen oder in gedachte Begriffe aufzulösen, üb...

...und Ausländern und vorwiegend Übersetzung oder Nachdichtung war; aber wenn die Poesie zunächst nur eine Brücke von Latium nach Hellas schlagen sollte, so waren Livius und Ennius allerdings berufen zum poetischen Pontifikat in Rom und die Übersetzungsliteratur das einfachste Mittel zum Ziele. Es war noch weniger schön, daß die römische Poesie sich mit Vorliebe auf die verschliffensten und geringhaltigsten Originale warf; aber in diesem Sinne war es zweckgemäß. Niemand wird die Euripideische Poesie der Hom...

...ipides und Menander völlig ebenso die Bibel des kosmopolitischen Hellenismus wie die 'Ilias' und die 'Odyssee' diejenige des volkstümlichen Hellenentums, und insofern hatten die Vertreter dieser Richtung guten Grund, ihr Publikum vor allem in diesen Literaturkreis einzuführen. Zum Teil mag auch das instinktmäßige Gefühl der beschränkten poetischen Kraft die römischen Bearbeiter bewogen haben, sich vorzugsweise an Euripides und Menander zu halten und den Sophokles und gar den Aristophanes beiseite liegen ...

...so sind Verstand und Witz, auf denen die Euripideische wie die Menandrische Dichtung beruhte, von Haus aus kosmopolitisch. Immer verdient es noch rühmliche Anerkennung, daß die römischen Poeten des sechsten Jahrhunderts nicht an die hellenische Tagesliteratur oder den sogenannten Alexandrinismus sich anschlossen, sondern lediglich in der älteren klassischen Literatur, wenn auch nicht gerade in deren reichsten und reinsten Bereichen, ihre Muster sich suchten. Überhaupt, wie unzählige falsche Akkommodationen und kunstwidrige Mißgriffe man auch denselben nachweisen mag, es sind eben nur diejenigen Versündigungen an...

...m Glauben nicht so sehr darauf ankommt, was, als wie geglaubt wird, so kann auch den römischen Dichtern des sechsten Jahrhunderts Anerkennung und Bewunderung nicht versagt werden. Ein frisches und mächtiges Gefühl für die Gewalt der hellenischen Weltliteratur, eine heilige Sehnsucht, den Wunderbaum in das fremde Land zu verpflanzen, durchdrangen die gesamte Poesie des sechsten Jahrhunderts und flossen in eigentümlicher Weise zusammen mit dem durchaus gehobenen Geiste dieser großen Zeit. Der spätere geläu...

... der echten Dichtkunst näher kamen als ihre höher gebildeten Nachfahren. In der verwegenen Nacheiferung, in den klingenden Rhythmen, selbst in dem mächtigen Dichterstolz der Poeten dieser Zeit ist mehr als in irgendeiner anderen Epoche der römischen Literatur eine imponierende Grandiosität, und auch wer über die Schwächen dieser Poesie sich nicht täuscht, darf das stolze Wort auf sie anwenden, mit dem sie selber sich gefeiert hat, daß sie den Sterblichen das Feuerlied kredenzt hat aus der tiefen Brust. ...
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Wie die hellenisch-römische Literatur dieser Zeit wesentlich tendenziös ist, so beherrscht die Tendenz auch ihr Widerspiel, die gleichzeitige nationale Schriftstellerei. Wenn jene nichts mehr und nichts weniger wollte, als die latinische Nationalität durch Schöpfung einer lateinisch red...

...er wollte, als die latinische Nationalität durch Schöpfung einer lateinisch redenden, aber in Form und Geist hellenischen Poesie vernichten, so mußte eben der beste und reinste Teil der latinischen Nation mit dem Hellenismus selbst die entsprechende Literatur gleichfalls von sich werfen und in Acht und Bann tun. Man stand zu Catos Zeit in Rom der griechischen Literatur gegenüber ungefähr wie in der Zeit der Cäsaren dem Christentum: Freigelassene und Fremde bildeten den Kern der poetischen wie später den Kern der christlichen Gemeinde; der Adel der Nation und vor allem die Regierung sahen in der Poesie wie im Chris...

...chtigt; einer Opposition aber gegen die Bildung und das Hellenentum überhaupt hat Cato keineswegs sich schuldig gemacht. Vielmehr ist es das höchste Lob der Nationalpartei, daß auch sie mit großer Klarheit die Notwendigkeit begriff, eine lateinische Literatur zu erschaffen und dabei die Anregungen des Hellenismus ins Spiel zu bringen; nur sollte ihrer Absicht nach die lateinische Schriftstellerei nicht nach der griechischen abgeklatscht und der römischen Volkstümlichkeit aufgezwängt, sondern unter griech...

...rsmaß zu erschaffen, wenn nicht dem Erfolge, doch der Absicht nach bedeutsam und achtungswert bleibt. Einen günstigeren Boden gewährte ihm die Prosa, und er hat denn auch die ganze ihm eigene Vielseitigkeit und Energie daran gesetzt, eine prosaische Literatur in der Muttersprache zu erschaffen. Es ist dies Bestreben nur um so römischer und nur um so achtbarer, als er sein Publikum zunächst im Familienkreise erblickte und als er damit in seiner Zeit ziemlich alleinstand. So entstanden seine 'Ursprungsgesc...

...9;ις) entlehnt. Dasselbe gilt von seiner Redeschriftstellerei - er hat den Isokrates verspottet, aber vom Thukydides und Demosthenes zu lernen versucht. Seine 'Enzyklopδdie' ist wesentlich das Resultat seines Studiums der griechischen Literatur. Von allem, was der rührige und patriotische Mann angegriffen hat, ist nichts folgenreicher und nichts seinem Vaterlande nützlicher gewesen als diese von ihm selbst wohl verhältnismäßig gering angeschlagene literarische Tätigkeit. Er fand zahlreiche...
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In der wissenschaftlichen Literatur begegnet in der juristischen Gutachtensammlung des Marcus Brutus, die um das Jahr 600 (150) veroeffentlicht ward, ein bemerkenswerter Versuch, die bei den Griechen uebliche dialogische Behandlung fachwissenschaftlicher Stoffe nach Rom zu verpf...

...t von den eigentlichen Fachwissenschaften anfingen sich abzusondern. Auf dem literarischen Gebiet blueht die lateinische Philologie froehlich auf, im engen Anschluss an die laengst sicher gegruendete philologische Behandlung der griechischen Literatur. Es ward bereits erwaehnt, dass um den Anfang dieses Jahrhunderts auch die lateinischen Epiker ihre Diaskeuasten und Textrevisoren fanden; ebenso ward hervorgehoben, dass nicht bloss der Scipionische Kreis ueberhaupt vor allem andern auf Korre...

...Tragikers Accius, ein Anlauf zu einer Literargeschichte des lateinischen Dramas. Indes jene Anfaenge einer wissenschaftlichen Behandlung der Muttersprache tragen noch ein sehr dilettantisches Gepraege und erinnern lebhaft an unsere Orthographieliteratur der Bodmer-Klopstockischen Zeit; auch die antiquarischen Untersuchungen dieser Epoche wird man ohne Unbilligkeit auf einen bescheidenen Platz verweisen duerfen. Derjenige Roemer, der die lateinische Sprach- und Altertumsforschung im Sinne de...

...d anderer zu schreiben, woran es denn freilich die Schulmeister, teils um des Beduerfnisses, teils um der Eitelkeit und des Geldes willen, nicht fehlen liessen. Von einem unbekannten Verfasser, der nach der damaligen Weise zugleich lateinische Literatur und lateinische Rhetorik lehrte und ueber beide schrieb, ist uns ein solches, unter Sullas Diktatur abgefasstes Handbuch der Redekunst erhalten; eine nicht bloss durch die knappe, klare und sichere Behandlung des Stoffes, sondern vor allem dur...

... in dieser selbst sich fortsetzt und damit der roemischen Beredsamkeit im Vergleich mit der gleichzeitigen griechischen theoretisch und praktisch eine hoehere Wuerde und eine groessere Brauchbarkeit sichert. Die Philosophie endlich ist in der Literatur noch nicht vertreten, da weder sich aus innerem Beduerfnis eine nationalroemische Philosophie entwickelte noch aeussere Umstaende eine lateinische philosophische Schriftstellerei hervorriefen. Mit Sicherheit als dieser Zeit angehoerig sind nic...

...tzung war, dass es jedem, den ein Verwandter im Testament uebergangen hat, freisteht, auf Kassierung des Testaments vor dem Gerichtshof anzutragen, und das Gericht nach Ermessen entscheidet. Bestimmter laesst die Entwicklung der juristischen Literatur sich erkennen. Sie hatte bisher auf Formulariensammlungen und Worterklaerungen zu den Gesetzen sich beschraenkt; in dieser Periode bildete sich zunaechst eine Gutachtenliteratur, die ungefaehr unseren heutigen Praejudikatensammlungen entspricht. Die Gutachten, die laengst nicht mehr bloss von Mitgliedern des Pontifikalkollegiums, sondern von jedem, der Befrager fand, zu Hause oder auf offenem Markt erteilt wurden, und...
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