| | Die Unterwerfung des Westens -> | ...ch
bewerkstelligt. Die Aufstaendischen inzwischen hatten ueber die weitere
Kriegfuehrung in Bibracte (Autun), der Hauptstadt der Haeduer, geratschlagt; die
Seele dieser Beratungen war wieder Vercingetorix, dem nach dem Siege von
Gergovia die Nation begeistert anhing. Zwar schwieg der Partikularismus auch
jetzt nicht; die Haeduer machten noch in diesem Todeskampf der Nation ihre
Ansprueche auf die Hegemonie geltend und stellten auf der Landesversammlung den
Antrag, an die Stelle des Vercingetorix einen der Ihrigen zu setzen. Allein die
Landesvertreter hatten dies nicht bloss abgelehnt und Vercingetorix im
Oberb...
...rschaft die aufgespeicherten
Vorraete, wie ansehnlich sie waren, doch bei weitem nicht. Vercingetorix musste
sich ueberzeugen, dass sein Kriegsplan diesmal zu seinem eigenen Verderben
ausgeschlagen und er verloren war, wofern nicht die gesamte Nation herbeieilte
und ihren eingeschlossenen Feldherrn befreite. Noch reichten, als die roemische
Umwallung sich schloss, die vorhandenen Lebensmittel aus auf einen Monat und
vielleicht etwas darueber; im letzten Augenblick, wo der Weg wenigstens fu...
...die vorhandenen Lebensmittel aus auf einen Monat und
vielleicht etwas darueber; im letzten Augenblick, wo der Weg wenigstens fuer
Berittene noch frei war, entliess Vercingetorix seine gesamte Reiterei und
entsandte zugleich an die Haeupter der Nation die Weisung, alle Mannschaft
aufzubieten und sie zum Entsatz von Alesia heranzufuehren. Er selbst,
entschlossen, die Verantwortung fuer den von ihm entworfenen und
fehlgeschlagenen Kriegsplan auch persoenlich zu tragen, blieb in der Festung, u...
...
verzweifelten Nahgefecht die Stuermenden zurueckgejagt und die mit Caesar
gekommenen, die Fluechtenden in den Ruecken fassenden Reiterscharen vollendeten
die Niederlage. Es war mehr als ein grosser Sieg; ueber Alesia, ja ueber die
keltische Nation war damit unwiderruflich entschieden. Das Keltenheer, voellig
entmutigt, verlief unmittelbar vom Schlachtfeld sich nach Hause. Vercingetorix
haette vielleicht noch jetzt fliehen, wenigstens durch das letzte Mittel des
freien Mannes sich errett...
... des
freien Mannes sich erretten koennen; er tat es nicht, sondern erklaerte im
Kriegsrat, dass, da es ihm nicht gelungen sei, die Fremdherrschaft zu brechen,
er bereit sei, sich als Opfer hinzugeben und soweit moeglich das Verderben von
der Nation auf sein Haupt abzulenken. So geschah es. Die keltischen Offiziere
lieferten ihren von der ganzen Nation feierlich erwaehlten Feldherrn dem
Landesfeind zu geeigneter Bestrafung aus. Hoch zu Ross und im vollen
Waffenschmucke erschien der Koenig der Arverner vor dem roemischen Prokonsul und
umritt dessen Tribunal; darauf gab er Ross und Waffen ab u...
...l; darauf gab er Ross und Waffen ab und liess schweigend
auf den Stufen zu Caesars Fuessen sich nieder (702 52). Fuenf Jahre spaeter ward
er im Triumph durch die Gassen der italischen Hauptstadt gefuehrt und als
Hochverraeter an der roemischen Nation, waehrend sein Ueberwinder den Goettern
derselben den Feierdank auf der Hoehe des Kapitols darbrachte, an dessen Fuss
enthauptet. Wie nach truebe verlaufenem Tage wohl die Sonne im Sinken
durchbricht, so verleiht das Geschick noch untergehende...
...
durchbricht, so verleiht das Geschick noch untergehenden Voelkern wohl einen
letzten grossartigen Mann. Also steht am Ausgang der phoenikischen Geschichte
Hannibal, also an dem der keltischen Vercingetorix. Keiner von beiden vermochte
seine Nation von der Fremdherrschaft zu erretten, aber sie haben ihr die letzte
noch uebrige Schande, einen ruhmlosen Untergang, erspart. Auch Vercingetorix hat
ebenwie der Karthager nicht bloss gegen den Landesfeind kaempfen muessen,
sondern vor allem geg...
...emdherrschaft zu erretten, aber sie haben ihr die letzte
noch uebrige Schande, einen ruhmlosen Untergang, erspart. Auch Vercingetorix hat
ebenwie der Karthager nicht bloss gegen den Landesfeind kaempfen muessen,
sondern vor allem gegen die antinationale Opposition verletzter Egoisten und
aufgestoerter Feiglinge, wie sie die entartete Zivilisation regelmaessig
begleitet; auch ihm sichern seinen Platz in der Geschichte nicht seine
Schlachten und Belagerungen, sondern dass er es vermocht hat,...
...eiglinge, wie sie die entartete Zivilisation regelmaessig
begleitet; auch ihm sichern seinen Platz in der Geschichte nicht seine
Schlachten und Belagerungen, sondern dass er es vermocht hat, einer zerfahrenen
und im Partikularismus verkommenen Nation in seiner Person einen Mittel- und
Haltpunkt zu geben. Und doch gibt es wieder kaum einen schaerferen Gegensatz als
der ist zwischen dem nuechternen Buergersmann der phoenikischen Kaufstadt mit
seinen, auf das eine grosse Ziel hin fuenfzig Jah...
...em
innersten Wesen wie in seiner aeusseren Erscheinung. Aber der Mensch soll kein
Ritter sein und am wenigsten der Staatsmann. Es war der Ritter, nicht der Held,
der es verschmaehte, sich aus Alesia zu retten, waehrend doch an ihm allein der
Nation mehr gelegen war als an hunderttausend gewoehnlichen tapferen Maennern.
Es war der Ritter, nicht der Held, der sich da zum Opfer hingab, wo durch dieses
Opfer nichts weiter erreicht ward, als dass die Nation sich oeffentlich entehrte
und ebenso feig wie widersinnig mit ihrem letzten Atemzug ihren
weltgeschichtlichen Todeskampf ein Verbrechen gegen ihren Zwingherrn nannte. Wie
so ganz anders hat in den gleichen Lagen Hannibal gehandelt! Es ist nich...
...hren Zwingherrn nannte. Wie
so ganz anders hat in den gleichen Lagen Hannibal gehandelt! Es ist nicht
moeglich, ohne geschichtliche und menschliche Teilnahme von dem edlen
Arvernerkoenig zu scheiden; aber es gehoert zur Signatur der keltischen Nation,
dass ihr groesster Mann doch nur ein Ritter war.
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^21 Die kuerzlich viel eroerterte Frage, ob Alesia nicht vielmehr in Alaise
(25 Kilometer suedlich von Besan‡on, Dep. Doubs) zu erkennen sei, ist v... | | |
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Wenn also die einzelnen Gaue unheilbar hinsiechten, so regte sich wohl
daneben maechtig in der Nation das Gefuehl der Einheit und suchte in mancherlei
Weise Form und Halt zu gewinnen. Jenes Zusammenschliessen des gesamten
keltischen Adels im Gegensatz gegen die einzelnen Gauverbaende zerruettete zwar
die bestehende Ordnung der Dinge, aber weck...
...zu gewinnen. Jenes Zusammenschliessen des gesamten
keltischen Adels im Gegensatz gegen die einzelnen Gauverbaende zerruettete zwar
die bestehende Ordnung der Dinge, aber weckte und naehrte doch auch die
Vorstellung der Zusammengehoerigkeit der Nation. Ebendahin wirkten die von
aussen her gegen die Nation gerichteten Angriffe und die fortwaehrende
Schmaelerung ihres Gebiets im Kriege mit den Nachbarn. Wie die Hellenen in den
Kriegen gegen die Perser, die Italiker in denen gegen die cisalpinischen Kelten,
so scheinen die transalpinischen Gallier...
...hres Gebiets im Kriege mit den Nachbarn. Wie die Hellenen in den
Kriegen gegen die Perser, die Italiker in denen gegen die cisalpinischen Kelten,
so scheinen die transalpinischen Gallier in den Kriegen gegen Rom des Bestehens
und der Macht der nationalen Einheit sich bewusst geworden zu sein. Unter dem
Hader der rivalisierenden Clans und all jenem feudalistischen Gezaenk machten
doch auch die Stimmen derer sich bemerklich, die die Unabhaengigkeit der Nation
um den Preis der Selbstaendigkeit der einzelnen Gaue und selbst um den der
ritterschaftlichen Herrenrechte zu erkaufen bereit waren. Wie durchweg populaer
die Opposition gegen die Fremdherrschaft war, bewiesen die Kriege Caesars, dem
gegenue...
...ung hatte wie
die deutschen Patrioten gegen Napoleon: fuer ihre Ausdehnung und ihre
Organisation zeugt unter anderem die Telegraphengeschwindigkeit, mit der sie
sich Nachrichten mitteilte.
Die Allgemeinheit und die Maechtigkeit des keltischen Nationalbewusstseins
wuerden unerklaerlich sein, wenn nicht bei der groessten politischen
Zersplitterung die keltische Nation seit langem religioes und selbst theologisch
zentralisiert gewesen waere. Die keltische Priesterschaft oder, mit dem
einheimischen Namen, die Korporation der Druiden umfasste sicher die Britischen
Inseln und ganz Gallien, vielleicht noch ander...
...ntralisiert gewesen waere. Die keltische Priesterschaft oder, mit dem
einheimischen Namen, die Korporation der Druiden umfasste sicher die Britischen
Inseln und ganz Gallien, vielleicht noch andere Keltenlaender mit einem
gemeinsamen religioes-nationalen Bande. Sie stand unter einem eigenen Haupte,
das die Priester selber sich waehlten, mit eigenen Schulen, in denen die sehr
umfaengliche Tradition fortgepflanzt ward, mit eigenen Privilegien, namentlich
Befreiung von Steuer und Kriegsdienst...
... die Entscheidung ueber Krieg und
Frieden in Anspruch. Man war nicht fern von einem Kirchenstaat mit Papst und
Konzilien, mit Immunitaeten, Interdikten und geistlichen Gerichten; nur dass
dieser Kirchenstaat nicht, wie der der Neuzeit, von den Nationen abstrahierte,
sondern vielmehr vor allen Dingen national war.
Aber wenn also das Gefuehl der Zusammengehoerigkeit unter den keltischen
Staemmen mit voller Lebendigkeit erwacht war, so blieb es dennoch der Nation
versagt, zu einem Haltpunkt politischer Zentralisation zu gelangen, wie ihn
Italien an der roemischen Buergerschaft, Hellenen und Germanen an den
makedonischen und fraenkischen Koenigen fanden. Die keltische Priester- und
ebenso die Adelscha...
...cher Zentralisation zu gelangen, wie ihn
Italien an der roemischen Buergerschaft, Hellenen und Germanen an den
makedonischen und fraenkischen Koenigen fanden. Die keltische Priester- und
ebenso die Adelschaft, obwohl beide in gewissem Sinn die Nation vertraten und
verbanden, waren doch einerseits ihrer staendisch-partikularistischen Interessen
wegen unfaehig, sie zu einigen, andererseits maechtig genug, um keinem Koenig
und keinem Gau das Werk der Einigung zu gestatten. Ansaetze zu demselb...
...gau
dagegen sich zur Heeresfolge, auch wohl zur Erlegung eines Tributs
verpflichtete. Auf diesem Wege entstanden eine Reihe von Sonderbuenden: einen
fuehrenden Gau fuer das ganze Keltenland, einen wenn auch noch so losen Verband
der gesamten Nation gab es nicht. Es ward bereits erwaehnt, dass die Roemer bei
dem Beginn ihrer transalpinischen Eroberungen dort im Norden einen britisch-
belgischen Bund unter Fuehrung der Suessionen, im mittleren und suedlichen
Gallien die Arvernerkonfoederati...
...ossenschaften standen unabhaengig nebeneinander; die
fuehrenden Staaten des mittleren Gallien scheinen ihre Klientel nie auf das
nordoestliche und ernstlich wohl auch nicht auf den Nordwesten Galliens
erstreckt zu haben. Der Freiheitsdrang der Nation fand in diesen Gauverbaenden
eine gewisse Befriedigung; aber sie waren doch in jeder Hinsicht ungenuegend.
Die Verbindung war von der lockersten, bestaendig zwischen Allianz und Hegemonie
schwankenden Art, die Repraesentation der Gesamtheit im...
...onie
schwankenden Art, die Repraesentation der Gesamtheit im Frieden durch die
Bundestage, im Kriege durch den Herzog ^9 im hoechsten Grade schwaechlich. Nur
die belgische Eidgenossenschaft scheint etwas fester zusammengehalten zu haben;
der nationale Aufschwung, aus dem die glueckliche Abwehr der Kimbrer hervorging,
mag ihr zugute gekommen sein. Die Rivalitaeten um die Hegemonie machten einen
Riss in jeden einzelnen Bund, den die Zeit nicht schloss, sondern erweiterte,
weil selbst der S... | | |
| | Die Unterwerfung des Westens -> |
Die Wehrhaftigkeit der Nation empfand den Rueckschlag dieser politischen
und sozialen Verhaeltnisse. Die Reiterei war durchaus die vorwiegende Waffe,
woneben bei den Belgen und mehr noch auf den Britischen Inseln die altnationalen
Streitwagen in bemerkenswerter Vervollkommnung erscheinen. Diese ebenso
zahlreichen wie tuechtigen Reiter- und Wagenkaempferscharen wurden gebildet aus
dem Adel und dessen Mannen, der denn auch echt ritterlich an Hunden und Pferden
seine...
...h die lombardischen
Graeberfunde stehen, namentlich in dem Kupfer- und Glasgeraet, weit zurueck
hinter denen des noerdlichen Keltenlandes. Vielleicht der zuverlaessigste Messer
der steigenden Kultur ist das Gefuehl der Zusammengehoerigkeit der Nation;
sowenig davon in den auf dem Boden der heutigen Lombardei geschlagenen
Keltenkaempfen zu Tage tritt, so lebendig erscheint es in den Kaempfen gegen
Caesar. Allem Anschein nach hatte die keltische Nation, als Caesar ihr
gegenuebertrat, das Maximum der ihr beschiedenen Kultur bereits erreicht und war
schon wieder im Sinken. Die Zivilisation der transalpinischen Kelten in der
caesarischen Zeit bietet selbst fuer uns, die wir nur sehr unvollkomme...
...s der hellenisch-
roemischen, mit ihren Segelschiffen, ihrem Rittertum, ihrer Kirchenverfassung,
vor allen Dingen mit ihren, wenn auch unvollkommenen Versuchen, den Staat nicht
auf die Stadt, sondern auf den Stamm und in hoeherer Potenz auf die Nation zu
bauen. Aber ebendarum, weil wir hier der keltischen Nation auf dem Hoehepunkt
ihrer Entwicklung begegnen, tritt um so bestimmter ihre mindere sittliche
Begabung oder, was dasselbe ist, ihre mindere Kulturfaehigkeit hervor. Sie
vermochte aus sich weder eine nationale Kunst noch einen nationalen Staat zu
erzeugen und brachte es hoechstens zu einer nationalen Theologie und einem
eigenen Adeltum. Die urspruengliche naive Tapferkeit war nicht mehr; der auf
hoehere Sittlichkeit und zweckmaessige Ordnungen gestuetzte militaerische Mut,
wie er im Gefolge der gesteigerten Zivilisation eintritt, hatte...
...e der freien Frau erlaubt sei so gut wie die Folterung des Sklaven, wirft ein
unerfreuliches Licht auf die Stellung, die das weibliche Geschlecht bei den
Kelten auch noch in ihrer Kulturzeit einnahm. Die Vorzuege, die der primitiven
Epoche der Nationen eigen sind, hatten die Kelten eingebuesst, aber diejenigen
nicht erworben, die die Gesittung dann mit sich bringt, wenn sie ein Volk
innerlich und voellig durchdringt.
Also war die keltische Nation in ihren inneren Zustaenden beschaffen. Es
bleibt noch uebrig, ihre aeusseren Beziehungen zu den Nachbarn darzustellen und
zu schildern, welche Rolle sie in diesem Augenblick einnahmen in dem gewaltigen
Wettlauf und Wettkampf der Nationen, in dem das Behaupten sich ueberall noch
schwieriger erweist als das Erringen. An den Pyrenaeen hatten die Verhaeltnisse
der Voelker laengst sich friedlich geordnet und waren die Zeiten laengst vorbei,
wo die Kelten hier die iberische, das h...
...ten iberischer Abstammung; hier war nur die
Garonnemuendung selbst mit dem wichtigen Hafen Burdigala (Bordeaux) in den
Haenden eines keltischen Stammes, der Bituriger-Vivisker.
Von weit groesserer Bedeutung waren die Beruehrungen der keltischen Nation
mit dem Roemervolk und mit den Deutschen. Es soll hier nicht wiederholt werden,
was frueher erzaehlt worden ist, wie die Roemer in langsamem Vordringen die
Kelten allmaehlich zurueckgedrueckt, zuletzt auch den Kuestensaum zwischen den
Alpen ...
...und der
Markomannen, das ist der Landwehr ^10 - Namen, die in Caesars Zeit schwerlich
schon Gaunamen waren, obwohl sie den Roemern als solche erschienen und spaeter
auch vielfach Gaunamen geworden sind. Der gewaltigste Andrang dieser grossen
Nation traf die Kelten. Die Kaempfe, die die Deutschen um den Besitz der
Landschaften oestlich vom Rheine mit den Kelten gefuehrt haben moegen, entziehen
sich vollstaendig unseren Blicken. Wir vermoegen nur zu erkennen, dass um das
Ende des siebenten... | | |
| | Die Unterwerfung des Westens -> | ...hingestellt bleiben, da es, wie Tacitus in
Beziehung auf die zuletzt erwaehnten beiden Voelker bemerkt, spaeterhin
wenigstens in diesen Strichen fuer eine Ehre galt, von deutschem Blute
abzustammen und nicht zu der gering geachteten keltischen Nation zu gehoeren:
doch scheint die Bevoelkerung in dem Gebiet der Schelde, Maas und Mosel
allerdings in der einen oder andern Weise sich stark mit deutschen Elementen
gemischt oder doch unter deutschen Einfluessen gestanden zu haben. Die deutschen ...
...en,
dass groessere deutsche Massen auf der Spur jener Vorposten sich anschickten,
den Rhein zu ueberschreiten. Von zwei Seiten durch die Fremdherrschaft bedroht
und in sich zerrissen, war es kaum zu erwarten, dass die unglueckliche keltische
Nation sich jetzt noch emporraffen und mit eigener Kraft sich erretten werde.
Die Zersplitterung und der Untergang in der Zersplitterung war bisher ihre
Geschichte; wie sollte eine Nation, die keinen Tag nannte gleich denen von
Marathon und Salamis, von Aricia und dem Raudischen Felde, eine Nation, die
selbst in ihrer frischen Zeit keinen Versuch gemacht hatte, Massalia mit
gesamter Hand zu vernichten, jetzt, da es Abend ward, so furchtbarer Feinde sich
erwehren?
Je weniger die Kelten, sich selbst ueberlassen, den Germanen gewachsen
...
...assalia mit
gesamter Hand zu vernichten, jetzt, da es Abend ward, so furchtbarer Feinde sich
erwehren?
Je weniger die Kelten, sich selbst ueberlassen, den Germanen gewachsen
waren, desto mehr Ursache hatten die Roemer, die zwischen den beiden Nationen
obwaltenden Verwicklungen sorgsam zu ueberwachen. Wenn auch die daraus
entspringenden Bewegungen sie bis jetzt nicht unmittelbar beruehrt hatten, so
waren sie doch bei dem Ausgang derselben mit ihren wichtigsten Interessen
beteiligt. Begre...
... Wenn auch die daraus
entspringenden Bewegungen sie bis jetzt nicht unmittelbar beruehrt hatten, so
waren sie doch bei dem Ausgang derselben mit ihren wichtigsten Interessen
beteiligt. Begreiflicherweise hatte die innere Haltung der keltischen Nation
sich mit ihren auswaertigen Beziehungen rasch und nachhaltig verflochten. Wie in
Griechenland die lakedaemonische Partei sich gegen die Athener mit Persien
verband, so hatten die Roemer von ihrem ersten Auftreten jenseits der Alpen an
gegen ...
...uftreten jenseits der Alpen an
gegen die Arverner, die damals unter den suedlichen Kelten die fuehrende Macht
waren, an deren Nebenbuhlern um die Hegemonie, den Haeduern, eine Stuetze
gefunden und mit Hilfe dieser neuen "Brueder der roemischen Nation" nicht bloss
die Allobrogen und einen grossen Teil des mittelbaren Gebiets der Arverner sich
untertaenig gemacht, sondern auch in dem freigebliebenen Gallien durch ihren
Einfluss den Uebergang der Hegemonie von den Arvernern auf diese Haeduer ...
...ts der Arverner sich
untertaenig gemacht, sondern auch in dem freigebliebenen Gallien durch ihren
Einfluss den Uebergang der Hegemonie von den Arvernern auf diese Haeduer
veranlasst. Allein wenn den Griechen nur von einer Seite her fuer ihre
Nationalitaet Gefahr drohte, so sahen sich die Kelten zugleich von zwei
Landesfeinden bedraengt, und es war natuerlich, dass man bei dem einen vor dem
anderen Schutz suchte und dass, wenn die eine Keltenpartei sich den Roemern
anschloss, ihre Gegner ...
...die er mitgebracht hatte, die
noch zahlreicheren, die auf seinen Ruf spaeter aus der Heimat nachkamen - man
rechnete, dass bis zum Jahre 696 (58) etwa 120000 Deutsche den Rhein
ueberschritten -, diese ganze gewaltige Einwanderung der deutschen Nation,
welche durch die einmal geoeffneten Schleusen stromweise ueber den schoenen
Westen sich ergoss, gedachte er daselbst ansaessig zu machen und auf dieser
Grundlage seine Herrschaft ueber das Keltenland aufzubauen. Der Umfang der von
ihm am li...
...en. Der Umfang der von
ihm am linken Rheinufer ins Leben gerufenen deutschen Ansiedlungen laesst sich
nicht bestimmen; ohne Zweifel reichte er weit und noch viel weiter seine
Entwuerfe. Die Kelten wurden von ihm als eine im ganzen unterworfene Nation
behandelt und zwischen den einzelnen Gauen kein Unterschied gemacht. Selbst die
Sequaner, als deren gedungener Feldhauptmann er den Rhein ueberschritten hatte,
mussten dennoch, als waeren auch sie besiegte Feinde, ihm fuer seine Leute ein
Dr... | | |
| | Sturz der etruskischen Macht - Die Kelten -> | ...tlichen Angriffen der
verschiedensten Voelker, der Syrakusaner, Latiner, Samniten und vor allem der
Kelten brach die eben noch so gewaltig und so ploetzlich in Latium und Kampanien
und auf beiden italischen Meeren um sich greifende etruskische Nation noch
gewaltsamer und noch ploetzlicher zusammen. Der Verlust der Seeherrschaft, die
Bewaeltigung der kampanischen Etrusker gehoert derselben Epoche an, wo die
Insubrer und Cenomaner am Po sich niederliessen; und eben um diese Zeit ging
auch ...
...e roemische Buergerschaft zuerst angreifend gegen Etrurien vor.
Im Waffenstillstand mit Veii von 280 (474) hatte sie das Verlorene
wiedergewonnen und im wesentlichen den Zustand wiederhergestellt, wie er zu der
Zeit der Koenige zwischen beiden Nationen bestanden hatte. Als er im Jahre 309
(445) ablief, begann zwar die Fehde aufs neue; aber es waren Grenzgefechte und
Beutezuege, die fuer beide Teile ohne wesentliches Resultat verliefen. Etrurien
stand noch zu maechtig da, als dass Rom einen...
...d Winter, Jahr aus Jahr ein im Felde blieb, bis das
vorgesteckte Ziel erreicht war; das erstemal, dass die Gemeinde aus
Staatsmitteln dem Aufgebot Sold zahlte. Aber es war auch das erstemal, dass die
Roemer es versuchten, sich eine stammfremde Nation zu unterwerfen und ihre
Waffen ueber die alte Nordgrenze der latinischen Landschaft hinuebertrugen. Der
Kampf war gewaltig, der Ausgang kaum zweifelhaft. Die Roemer fanden
Unterstuetzung bei den Latinern und den Hernikern, denen der Sturz des ...
...er Ausgang kaum zweifelhaft. Die Roemer fanden
Unterstuetzung bei den Latinern und den Hernikern, denen der Sturz des
gefuerchteten Nachbarn fast nicht minder Genugtuung und Foerderung gewaehrte als
den Roemern selbst; waehrend Veii von seiner Nation verlassen dastand und nur
die naechsten Staedte, Capena, Falerii, auch Tarquinii, ihm Zuzug leisteten. Die
gleichzeitigen Angriffe der Kelten wuerden diese Nichtteilnahme der noerdlichen
Gemeinden allein schon genuegend erklaeren; es wird inde...
...entlich die Opposition der aristokratischen
Regierungen der uebrigen Staedte gegen das von den Veientern beibehaltene oder
wiederhergestellte Koenigsregiment, jene Untaetigkeit der uebrigen Etrusker
herbeigefuehrt haben. Haette die etruskische Nation sich an dem Kampf beteiligen
koennen oder wollen, so wuerde die roemische Gemeinde kaum imstande gewesen
sein, die bei der damaligen hoechst unentwickelten Belagerungskunst riesenhafte
Aufgabe der Bezwingung einer grossen und festen Stadt zu E...
...aessiger
Halbheit waehrend Veiis Agonie geruht hatte und nach der Einnahme zu den Waffen
griff, bequemte nach wenigen Jahren (363 391) sich gleichfalls zum Frieden. Es
mag eine wehmuetige Sage sein, dass die beiden Vormauern der etruskischen
Nation, Melpum und Veii, an demselben Tage jenes den Kelten, dieses den Roemern
unterlagen; aber es liegt in ihr auf jeden Fall eine tiefe geschichtliche
Wahrheit. Der doppelte Angriff von Norden und Sueden und der Fall der beiden
Grenzfesten war der...
...den Kelten, dieses den Roemern
unterlagen; aber es liegt in ihr auf jeden Fall eine tiefe geschichtliche
Wahrheit. Der doppelte Angriff von Norden und Sueden und der Fall der beiden
Grenzfesten war der Anfang des Endes der grossen etruskischen Nation.
Indes einen Augenblick schien es, als sollten die beiden Voelkerschaften,
durch deren Zusammenwirken Etrurien sich in seiner Existenz bedroht sah,
vielmehr untereinander sich aufreiben und auch Roms neu aufbluehende Macht von
den fremden Bar... | | |
| | Sturz der etruskischen Macht - Die Kelten -> | ...eckhaft und beschwerlich sie sein
mochten, waren mehr Ungluecksfaelle als politische Ereignisse und das
wesentlichste Resultat derselben, dass die Roemer sich selbst und dem Auslande
in immer weiteren Kreisen als das Bollwerk der zivilisierten Nationen Italiens
gegen den Anstoss der gefuerchteten Barbaren erschienen - eine Auffassung, die
ihre spaetere Weltstellung mehr als man meint gefoerdert hat.
Die Tusker, die den Angriff der Kelten auf Rom benutzt hatten, um Veii zu
berennen, hatten...
...er
Untertaenigkeit, wodurch der bisher selbstaendige Staat in eine rechtlich
fortbestehende, aber jeder eigenen Bewegung beraubte Gemeinde umgewandelt ward.
Nicht lange nachher (411 343) trat auch Falerii, das seine urspruengliche
latinische Nationalitaet auch unter der Tuskerherrschaft sich bewahrt hatte, aus
dem etruskischen Bunde aus und in ewigen Bund mit Rom; damit war ganz
Suedetrurien in der einen oder anderen Form der roemischen Suprematie
unterworfen. Tarquinii und wohl das noer...
...at und der ernstlichen
Gegenwehr der maechtigen Roemer, zum Teil wohl auch infolge uns unbekannter
Veraenderungen im Norden der Alpen. Zwischen Alpen und Apenninen bis hinab an
die Abruzzen waren jetzt die Kelten im allgemeinen die herrschende Nation und
namentlich die Herren des ebenen Landes und der reichen Weiden; aber bei ihrer
schlaffen und oberflaechlichen Ansiedlungsweise wurzelte ihre Herrschaft nicht
tief in der neu gewonnenen Landschaft und gestaltete sich keineswegs zum
aussch...
...chaft und gestaltete sich keineswegs zum
ausschliesslichen Besitz. Wie es in den Alpen stand und wie hier keltische
Ansiedler mit aelteren etruskischen oder andersartigen Staemmen sich
vermischten, gestattet unsere ungenuegende Kunde ueber die Nationalitaet der
spaeteren Alpenvoelker nicht auszumachen; nur die Raeter in dem heutigen
Graubuenden und Tirol duerfen als ein wahrscheinlich etruskischer Stamm
bezeichnet werden. Die Taeler des Apennin behielten die Umbrer, den
nordoestlichen Te...
...rrhenischen Kaper die Anlage einer Kolonie im
Adriatischen Meere beschloss.
Aber mochte hier mehr oder weniger von etruskischem Wesen sich behaupten,
es waren das einzelne Truemmer und Splitter der frueheren Machtentwicklung; der
etruskischen Nation kam nicht mehr zugute, was hier im friedlichen Verkehr oder
im Seekrieg von einzelnen noch etwa erreicht ward. Dagegen gingen wahrscheinlich
von diesen halbfreien Etruskern die Anfaenge derjenigen Zivilisation aus, die
wir spaeterhin bei den K...
...nnin und suedlich vom Ciminischen Walde den
Etruskern nur sehr beschraenkte Grenzen: die Zeiten der Macht und des
Aufstrebens waren fuer sie auf immer vorueber. In engster Wechselwirkung mit
diesem aeusseren Sinken steht der innere Verfall der Nation, zu dem die Keime
freilich wohl schon weit frueher gelegt worden waren. Die griechischen
Schriftsteller dieser Zeit sind voll von Schilderungen der masslosen Ueppigkeit
des etruskischen Lebens: unteritalische Dichter des fuenften Jahrhunderts ...
...euliche Lustbarkeit der Fechterspiele, der Krebsschaden des
spaeteren Rom und ueberhaupt der letzten Epoche des Altertums, zuerst bei den
Etruskern aufgekommen ist; und jedenfalls lassen sie im ganzen keinen Zweifel an
der tiefen Entartung der Nation. Auch die politischen Zustaende derselben sind
davon durchdrungen. So weit unsere duerftige Kunde reicht, finden wir
aristokratische Tendenzen vorwiegend, in aehnlicher Weise wie gleichzeitig in
Rom, aber schroffer und verderblicher. Die Absch...
...kt sah. Selten nur gelang es, selbst zur Landesverteidigung alle
etruskischen Staedte zu vereinigen, und Volsiniis nominelle Hegemonie haelt
nicht den entferntesten Vergleich aus mit der gewaltigen Kraft, die durch Roms
Fuehrung die latinische Nation empfing. Der Kampf gegen die ausschliessliche
Berechtigung der Altbuerger zu allen Gemeindestellen und allen
Gemeindenutzungen, der auch den roemischen Staat haette verderben muessen, wenn
nicht die aeusseren Erfolge es moeglich gemacht haette... | | |
| | Die Sullanische Restaurationsherrschaft -> |
Blicken wir zurueck auf die Ereignisse, die das Dezennium der sullanischen
Restauration erfuellen. Eine gewaltige, den Lebensnerv der Nation notwendig
beruehrende Gefahr war an sich in keiner der waehrend dieser Zeit vorgekommenen
aeusseren oder inneren Bewegungen enthalten, weder in der Insurrektion des
Lepidus, noch in den Unternehmungen der spanischen Emigranten, noch in den
t...
...jahrelang in gleichem
Kampfe gegenuebergestanden zu haben. Wenig mehr als ein Jahrhundert war seit dem
Hannibalischen Kriege verflossen; es musste dem ehrbaren Roemer das Blut in die
Wangen treiben, wenn er den furchtbar raschen Ruecktritt der Nation seit jener
grossen Zeit erwog. Damals standen die italischen Sklaven wie die Mauern gegen
Hannibals Veteranen; jetzt staeubte die italische Landwehr vor den Knuetteln
ihrer entlaufenen Knechte wie Spreu auseinander. Damals machte jeder einfach...
...rrschaft einzubuessen. Die
materiellen Wohltaten des staatlichen Daseins: Sicherheit der Grenzen,
ungestoerter friedlicher Verkehr, Rechtsschutz, geordnete Verwaltung, fingen an,
alle miteinander den saemtlichen im roemischen Staat vereinigten Nationen zu
verschwinden; die segnenden Goetter alle schienen zum Olymp emporgestiegen zu
sein und die jammervolle Erde den amtlich berufenen oder freiwilligen
Pluenderern oder Peinigern ueberlassen zu haben. Dieser Verfall des Staats ward
auch nic...
...r verderblichen Genialitaet einzelner, sondern aus der allgemeinen
Desorganisation hervorgegangen. Die grosse Majoritaet der Buergerschaft taugte
nichts und jeder morsche Baustein half mit zu dem Ruin des ganzen Gebaeudes; es
buesste die ganze Nation, was die ganze Nation verschuldete. Es war ungerecht,
wenn man die Regierung als den letzten greifbaren Ausdruck des Staats fuer alle
heilbaren und unheilbaren Krankheiten desselben verantwortlich machte; aber das
allerdings war wahr, dass die Regierung in furchtba...
...zum Schutz vor den Piraten mit einer Mauer umziehen. Solche
Versuche, der Seeherrschaft sich zu versichern, erinnern an jenen persischen
Grosskoenig, der das Meer mit Ruten peitschen liess, um es sich untertaenig zu
machen. Wohl hatte also die Nation guten Grund, ihren Bankrott zunaechst der
Restaurationsregierung zur Last zu legen. Immer schon war mit der
Wiederherstellung der Oligarchie ein aehnliches Missregiment gekommen, nach dem
Sturz der Gracchen wie nach dem des Marius und Saturnin... | | |
| | Die Unterwerfung des Westens -> | ...erloren, die die Kelten
weislich benutzten. Der tapfere und umsichtige Fuerst Cassivellaunus, der in dem
heutigen Middlesex und der Umgegend gebot, sonst der Schreck der Kelten suedlich
von der Themse, jetzt aber Hort und Vorfechter der ganzen Nation, war an die
Spitze der Landesverteidigung getreten. Er sah bald, dass mit dem keltischen
Fussvolk gegen das roemische schlechterdings nichts auszurichten und die schwer
zu ernaehrende und schwer zu regierende Masse des Landsturms der Verteidig...
...werden Beschwerden ueber dergleichen Schutzverleihung
spaeterhin nicht wieder vernommen.
Das Werk der Zurueckweisung der germanischen Invasion und der Unterwerfung
der festlaendischen Kelten war vollendet. Aber oft ist es leichter, eine freie
Nation zu unterwerfen als eine unterworfene in Botmaessigkeit zu erhalten. Die
Rivalitaet um die Hegemonie, an der mehr noch als an den Angriffen Roms die
keltische Nation zugrunde gegangen war, ward durch die Eroberung gewissermassen
aufgehoben, indem der Eroberer die Hegemonie fuer sich selbst nahm. Die
Sonderinteressen schwiegen; in dem gemeinsamen Druck fuehlte man doch sich
wieder als ein Volk, und was man,...
...ben, indem der Eroberer die Hegemonie fuer sich selbst nahm. Die
Sonderinteressen schwiegen; in dem gemeinsamen Druck fuehlte man doch sich
wieder als ein Volk, und was man, da man es besass, gleichgueltig verspielt
hatte, die Freiheit und die Nationalitaet, dessen unendlicher Wert ward nun, da
es zu spaet war, von der unendlichen Sehnsucht vollstaendig ermessen. Aber war
es denn zu spaet? Mit zorniger Scham gestand man es sich, dass eine Nation, die
mindestens eine Million waffenfaehiger Maenner zaehlte, eine Nation von altem
und wohlbegruendetem kriegerischen Ruhm, von hoechstens 50000 Roemern sich hatte
das Joch auflegen lassen. Die Unterwerfung der Eidgenossenschaft des mittleren
Galliens, ohne dass sie auch nur einen Schlag getan, die der belgischen, ... | | |
| | Die alte Republik und die neue Monarchie -> | ...alen, bildeten
das Heer. Der Feldherr war von der Zentralregierung finanziell und militaerisch
fast unabhaengig und im Glueck wie im Unglueck wesentlich auf sich selbst und
auf die Hilfsquellen seines Sprengels angewiesen. Buerger- und sogar
Nationalsinn waren aus dem Heere verschwunden und als innerliches Band einzig
der Korpsgeist uebriggeblieben. Die Armee hatte aufgehoert ein Werkzeug des
Gemeinwesens zu sein; politisch hatte sie einen eigenen Willen nicht, wohl aber
vermochte sie de...
...usschliesslich und fingen an,
auch im Fussvolk immer staerker mitverwendet zu werden. Die Rottenfuehrerstellen
in den Legionen, auf denen bei der damaligen Kriegfuehrung die Tuechtigkeit der
Abteilungen wesentlich beruhte und zu denen nach der nationalen Kriegsverfassung
der Soldat mit der Pike sich empordiente, wurden jetzt nicht bloss regelmaessig
nach Gunst vergeben, sondern sogar nicht selten an den Meistbietenden verkauft.
Die Zahlung des Soldes erfolgte bei der schlechten Finanzwirts...
... zum Teil musterhafte Armeen; allein es
gehoerten diese Armeen viel mehr ihrem Heerfuehrer als dem Gemeinwesen. Der noch
weit vollstaendigere Verfall der roemischen Marine, die zu allem andern den
Roemern antipathisch geblieben und nie voellig nationalisiert worden war, bedarf
kaum der Erwaehnung. Es war eben auch hier nach allen Seiten hin unter dem
oligarchischen Regiment ruiniert worden, was ueberhaupt ruiniert werden konnte.
Caesars Reorganisation des roemischen Militaerwesens beschraen...
... das heisst als
Offizier - oder ein sechsjaehriger zu Fuss erforderlich sei, beweist wohl, dass
er die besseren Staende in das Heer zu ziehen wuenschte, aber ebenso deutlich
auch, dass bei dem immer mehr einreissenden unkriegerischen Geist der Nation er
selbst es nicht mehr fuer moeglich hielt, die Bekleidung eines Ehrenamtes an die
Ueberstehung der Dienstzeit unbedingt wie ehedem zu knuepfen. Ebendaraus wird es
sich erklaeren, dass Caesar keinen Versuch gemacht hat, die roemische
Buerge...
...erbeifuehrte, teils durch regelmaessige Ansiedlung der ausgedienten Soldaten
als Ackerkolonisten, teils und vornehmlich dadurch, dass die Armee von Italien
und ueberhaupt von den eigentlichen Sitzen des buergerlichen und politischen
Lebens der Nation ferngehalten und der Soldat dahin gewiesen ward, wo er nach
der Meinung des grossen Koenigs allein an seinem Platze war: in die
Grenzstationen zur Abwehr des auswaertigen Feindes. Das rechte Kriterium des
Militaerstaates, die Entwicklung und B...
...e von
Gerichtsdienern, wie es fuer die roemischen Oberbeamten hergebracht war. Wie
viel auch Caesar von dem Gedanken seiner Partei und seiner Jugend, ein
perikleisches Regiment in Rom nicht kraft des Saebels, sondern kraft des
Vertrauens der Nation zu begruenden, im Kampfe mit den Realitaeten hatte muessen
fallen lassen - den Grundgedanken, keine Militaermonarchie zu stiften, hielt er
auch jetzt noch mit einer Energie fest, zu der die Geschichte kaum eine
Parallele darbietet. Allerdings ...
... war nicht bloss notwendig hoechst persoenlicher Natur und musste mit
dem Tode des Urhebers ebenso zugrunde gehen wie die verwandten Schoepfungen
Perikles' und Cromwells mit dem Tode ihrer Stifter; sondern bei dem tief
zerruetteten Zustand der Nation war es nicht einmal glaublich, dass es dem
achten Koenig von Rom auch nur fuer seine Lebenszeit gelingen werde, so wie
seine sieben Vorgaenger seine Mitbuerger bloss kraft Gesetz und Recht zu
beherrschen, und ebensowenig wahrscheinlich, dass e...
...gierten
Minoritaet. Aber dennoch ist es ein Privilegium der hoechsten Naturen, also
schoepferisch zu irren. Die genialen Versuche grosser Maenner, das Ideal zu
realisieren, wenn sie auch ihr Ziel nicht erreichen, bilden den besten Schatz
der Nationen. Es ist Caesars Werk, dass der roemische Militaerstaat erst nach
mehreren Jahrhunderten zum Polizeistaat ward und dass die roemischen
Imperatoren, wie wenig sie sonst auch dem grossen Begruender ihrer Herrschaft
glichen, doch den Soldaten we...
...en Jahrhunderten zum Polizeistaat ward und dass die roemischen
Imperatoren, wie wenig sie sonst auch dem grossen Begruender ihrer Herrschaft
glichen, doch den Soldaten wesentlich nicht gegen den Buerger verwandten,
sondern gegen den Feind, und Nation und Armee beide zu hoch achteten, um diese
zum Konstabler ueber jene zu setzen.
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^17 An die Ernennung eines Teiles der Kriegstribune durch die Buergerschaft
hat Caesar, auch hierin Demokr... | | |
| | Die alte Republik und die neue Monarchie -> | ... sie haeufig genannt werden: Landgueter des roemischen Volkes, und als solche
waren sie benutzt und ausgenutzt worden. Damit war es jetzt vorbei. Die
Provinzen als solche sollten allmaehlich untergehen, um der verjuengten
hellenisch-italischen Nation eine neue und geraeumigere Heimat zu bereiten, von
deren einzelnen Bezirken keiner nur um eines andern willen da war, sondern alle
fuer einen und einer fuer alle; die Leiden und Schaeden der Nation, fuer die in
dem alten Italien keine Hilfe war, sollte das neue Dasein in der verjuengten
Heimat, das frischere, breitere, grossartigere Volksleben von selber
ueberwinden. Bekanntlich waren diese Gedanken nicht neu. Die seit Jahrhunderten
st...
...us Varro von der
Aude, kurz nach Caesars Tode veroeffentlichte.
Andererseits war die Durchdringung des latinischen und des hellenischen
Wesens, man moechte sagen, so alt wie Rom. Schon bei der Einigung Italiens hatte
die obsiegende latinische Nation alle anderen besiegten Nationalitaeten sich
assimiliert, nur die einzige griechische, so wie sie war, sich eingefuegt, ohne
sie aeusserlich mit sich zu verschmelzen. Wohin der roemische Legionaer kam,
dahin folgte der griechische Schulmeister, in seiner Art nicht minder ei...
...vilisierenden
Eroberer, dasselbe zunaechst in ihrer Sprache den Barbaren des Westens zu
verkuendigen, konnte der Hellene wenigstens nicht laut protestieren. Schon
laengst erblickte der Grieche ueberall, und am entschiedensten eben da, wo das
Nationalgefuehl am reinsten und am staerksten war, an den von barbarischer
Denationalisierung bedrohten Grenzen, wie zum Beispiel in Massalia, am
Nordgestade des Schwarzen Meeres und am Euphrat und Tigris, den Schild und das
Schwert des Hellenismus in Rom; und in der Tat nahmen Pompeius'
Staedtegruendungen im fernen Osten nac...
...om; und in der Tat nahmen Pompeius'
Staedtegruendungen im fernen Osten nach jahrhundertelanger Unterbrechung
Alexanders segensreiches Werk wieder auf.
Der Gedanke eines italisch-hellenischen Reiches mit zweien Sprachen und
einer einheitlichen Nationalitaet war nicht neu - er waere sonst auch nichts
gewesen als ein Fehler; aber dass er aus schwankenden Entwuerfen zu sicherer
Fassung, aus zerstreuten Anfaengen zu konzentrierter Grundlegung fortschritt,
ist das Werk des dritten und groessten...
...nden Entwuerfen zu sicherer
Fassung, aus zerstreuten Anfaengen zu konzentrierter Grundlegung fortschritt,
ist das Werk des dritten und groessten der demokratischen Staatsmaenner Roms.
Die erste und wesentlichste Bedingung zu der politischen und nationalen
Nivellierung des Reichs war die Erhaltung und Ausdehnung der beiden zu
gemeinschaftlichem Herrschen bestimmten Nationen, unter moeglichst rascher
Beseitigung der neben ihr stehenden barbarischen oder barbarisch genannten
Staemme. In gewissem Sinne koennte man allerdings neben Roemern und Griechen
noch eine dritte Nationalitaet nennen, die mit denselben in der damaligen Welt
an Ubiquitaet wetteiferte und auch in dem neuen Staate Caesars eine nicht
unwesentliche Rolle zu spielen bestimmt war. Es sind dies die Juden. Das
merkwuerdige, nachgiebig zaehe Volk war i...
... Volk war in der alten wie in der heutigen Welt
ueberall und nirgends heimisch und ueberall und nirgends maechtig. Die Diadochen
Davids und Salomos bedeuteten fuer die Juden jener Zeit kaum mehr, als
heutzutage Jerusalem fuer sie bedeutet; die Nation fand wohl fuer ihre
religioese und geistige Einheit einen sichtbaren Anhalt in dem kleinen
Koenigreich von Jerusalem, aber sie selbst bestand keineswegs in der
Untertanenschaft der Hasmonaeer, sondern in den zahllos durch das ganze
Parthisch...
...noch bekaempfen durfte und dem Caesar vielmehr, ebenwie sein
Vorgaenger Alexander, in richtiger Erkenntnis der Verhaeltnisse moeglichst
Vorschub tat. Wenn Alexander, der Stifter des alexandrinischen Judentums, damit
nicht viel weniger fuer die Nation tat wie ihr eigener David durch den Tempelbau
von Jerusalem, so foerderte auch Caesar die Juden in Alexandreia wie in Rom
durch besondere Beguenstigungen und Vorrechte und schuetzte namentlich ihren
eigentuemlichen Kult gegen die roemischen wi...
...uenstigungen und Vorrechte und schuetzte namentlich ihren
eigentuemlichen Kult gegen die roemischen wie gegen die griechischen
Lokalpfaffen. Die beiden grossen Maenner dachten natuerlich nicht daran, der
hellenischen oder italisch-hellenischen Nationalitaet die juedische ebenbuertig
zur Seite zu stellen. Aber der Jude, der nicht wie der Okzidentale die
Pandoragabe politischer Organisation empfangen hat und gegen den Staat sich
wesentlich gleichgueltig verhaelt; der ferner ebenso schwer den...
...dische ebenbuertig
zur Seite zu stellen. Aber der Jude, der nicht wie der Okzidentale die
Pandoragabe politischer Organisation empfangen hat und gegen den Staat sich
wesentlich gleichgueltig verhaelt; der ferner ebenso schwer den Kern seiner
nationalen Eigentuemlichkeit aufgibt als bereitwillig denselben mit jeder
beliebigen Nationalitaet umhuellt und bis zu einem gewissen Grad der fremden
Volkstuemlichkeit sich anschmiegt - der Jude war ebendarum wie geschaffen fuer
einen Staat, welcher auf den Truemmern von hundert lebendigen Politien erbaut
und mit einer gewissermasse...
...er fremden
Volkstuemlichkeit sich anschmiegt - der Jude war ebendarum wie geschaffen fuer
einen Staat, welcher auf den Truemmern von hundert lebendigen Politien erbaut
und mit einer gewissermassen abstrakten und von vornherein verschliffenen
Nationalitaet ausgestattet werden sollte. Auch in der alten Welt war das
Judentum ein wirksames Ferment des Kosmopolitismus und der nationalen
Dekomposition und insofern ein vorzugsweise berechtigtes Mitglied in dem
Caesarischen Staate, dessen Politie doch eigentlich nichts als Weltbuergertum,
dessen Volkstuemlichkeit im Grunde nichts als Humanitaet war.
Indes die positiven Elem...
...ischen Staate, dessen Politie doch eigentlich nichts als Weltbuergertum,
dessen Volkstuemlichkeit im Grunde nichts als Humanitaet war.
Indes die positiven Elemente des neuen Buergertums blieben ausschliesslich
die latinische und die hellenische Nationalitaet. Mit dem spezifisch italischen
Staat der Republik war es also zu Ende; jedoch war es nichts als ein sehr
erklaerliches, aber auch sehr albernes Gerede des grollenden Adels, dass Caesar
Italien und Rom absichtlich zugrunde richte, um den...
...s Caesar
Italien und Rom absichtlich zugrunde richte, um den Schwerpunkt des Reiches in
den griechischen Osten zu verlegen und zur Hauptstadt desselben Ilion oder
Alexandreia zu machen. Vielmehr behielt in Caesars Organisation die latinische
Nationalitaet immer das Uebergewicht; wie sich dies schon darin ausspricht, dass
er jede Verfuegung in lateinischer, aber die fuer die griechisch redenden
Landschaften bestimmten daneben in griechischer Sprache erliess. Im allgemeinen
ordnete er die ...
...ie sich dies schon darin ausspricht, dass
er jede Verfuegung in lateinischer, aber die fuer die griechisch redenden
Landschaften bestimmten daneben in griechischer Sprache erliess. Im allgemeinen
ordnete er die Verhaeltnisse der beiden grossen Nationen in seiner Monarchie
ebenwie sie in dem geeinigten Italien seine republikanischen Vorgaenger geordnet
hatten: die hellenische Nationalitaet wurde geschuetzt, wo sie bestand, die
italische nach Vermoegen erweitert und ihr die Erbschaft der aufzuloesenden
Rassen bestimmt. Es war dies schon deshalb notwendig, weil eine voellige
Gleichstellung des griechischen und lateinischen ...
...chentum, wo es bestand, erhalten und geschuetzt. Wie nahe auch die
politischen Krisen es dem Imperator legten, die festen Pfeiler des Hellenismus
im Okzident und in Aegypten umzustuerzen, Massalia und Alexandreia wurden weder
vernichtet noch denationalisiert. | | |
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