| | Erstes Capitel | Von dem was ist, ist einiges von Natur, anderes
durch andere Ursachen. Von Natur: Die Thiere und
ihre Theile, und die Pflanzen, und die einfachen Körper,
wie Erde und Feuer und Luft und Wasser. Denn
von diesen und ihres gleichen sagen wir, sie seien von
Natur. Alles das genannte aber erscheint als unterschieden,
gegen das was nicht von Natur ist. Das von
Natur seiende nämlich erscheint sämtlich als enthaltend
in sich den Ursprung der Bewegung und des
Stillstandes, theils nach dem Raume, theils nach Vermehrung
und Verminderung, theils nach Umbildung.
Denn ein Stuhl und ein Kleid und was sonst noch derg...
... es das ist was
es genannt wird, und sein Sein der Kunst verdankt,
keinen Antrieb zu einer Veränderung inwohnend.
Wiefern es aber etwa zugleich steinern oder irden ist,
oder gemischt aus diesem, so hat es insoweit einen
solchen. So ist also die Natur ein Ursprung und Ursache
des Bewegens und Ruhens in demjenigen, worin
dieß ursprünglich auf wesentliche, nicht auf beiläufige
Weise stattfindet. Ich sage aber darum nicht auf beiläufige Weise,
weil einer wohl sich selbst Ursache der
Gesundheit ...
...ich
selbst, sondern theils in andern und außer sich, wie
das Haus und jedes andere mit Händen gefertigte
Ding; theils in sich selbst zwar, aber nicht wiefern es
dieses selbst ist; nämlich alles was nebenbei Ursache
sich selbst werden kann. Eine Natur nun ist das angegebene;
eine Natur aber hat, was einen solchen Ursprung
in sich hat. Und dieß alles ist Wesen. Denn
ein zum Grunde liegendes, und in einem zum Grunde
liegenden ist die Natur jederzeit. Naturgemäß aber ist
theils dieses, theils was diesem zukommt an sich, wie
dem Feuer die Bewegung nach oben. Dieß nämlich ist
zwar weder eine Natur, noch hat es eine Natur; natürlich
aber und naturgemäß ist es. Was also die Natur
ist, ist nun erklärt, und was das Natürliche und das
Naturgemäße.
Daß die Natur ist, beweisen wollen, wäre lächerlich;
denn es liegt am Tage, daß solcherlei viele unter
den Dingen sind. Beweisen aber das Deutliche durch
das Undeutliche mag, wer nicht versteht zu unterscheiden,
was durch sich und nicht durch sich
verständli...
...r leicht begegnen
kann, ist bald ersichtlich. Denn durch Schlüsse
könnte wohl ein Blindgeborener die Farben erkennen
wollen. Freilich werden solche nur mit Worten ihren
Begriff bilden, ohne eigentliche Erkenntnis. - Es halten
nun Einige für die Natur und für das Wesen in
dem was Natur ist, das ursprünglich in jedem Vorhandene,
an sich form- und ordnungslose; wie des
Stuhles Natur das Holz, der Bildsäule das Erz ist. Als
Beweis erwähnt Antiphon, daß, wenn ein Stuhl in die
Erde vergraben wird, und die Fäulnis dergestalt Platz
ergreift, daß ein Keim daraus hervorgeht, hieraus kein
Stuhl, sondern nur Holz wird. Hier also wär...
...aber auch jedes von diesen im Verhältnis zu
einem anderen dasselbe zu erledigen pflegt, z.B. das
Erz und das Gold im Verhältnis zum Wasser, die
Knochen und Holze im Verhältnis zur Erde, auf gleiche
Weise auch jedes andere Ding: so sei jenes die
Natur und das Wesen derselben. Darum nennen einige
Erde, Andere Feuer, Andere Luft, Andere Wasser,
Andere einiges von diesem, noch Andere alles dieß
die Natur der Dinge. Denn was einer hievon in diesem
Sinne auffaßt, sei es eines oder mehres, das giebt er
für den Inbegriff alles Wesens aus, das übrige aber
für seine Zustände, Eigenschaften und Verhältnisse.
Und jenes sei alles ewig, denn es könne dass...
...lles Wesens aus, das übrige aber
für seine Zustände, Eigenschaften und Verhältnisse.
Und jenes sei alles ewig, denn es könne dasselbe
nicht aus sich herausgehen, das übrige aber entstehe
und vergehe in's unbegrenzte.
Auf eine Art also heißt die Natur diesergestalt der
erste, allem demjenigen zum Grunde liegende Stoff,
was in sich einen Ursprung von Bewegung und Veränderung
trägt. Auf andere Art aber: die Form und
wesentliche Gestalt nach dem Begriffe. Denn gleichwie
man Kunst nennt das Kuns...
...enigen zum Grunde liegende Stoff,
was in sich einen Ursprung von Bewegung und Veränderung
trägt. Auf andere Art aber: die Form und
wesentliche Gestalt nach dem Begriffe. Denn gleichwie
man Kunst nennt das Kunstgemäße und das
Künstliche, so auch Natur das Naturgemäße und das
Natürliche. Und wir würden weder da etwas kunstgemäßes
oder Kunst erblicken, wo nur die Möglichkeit
eines Stuhles vorhanden ist, aber die Gestalt des
Stuhles noch fehlt, noch auf entsprechende Weise in
dem von Natur bestehenden. Denn was bloß der Möglichkeit
nach Fleisch oder Knochen ist, hat weder
seine Natur, bevor es nicht die Gestalt nach dem Begriffe
angenommen hat, deren Bestimmung uns das
Fleisch zum Fleische, oder den Knochen zum Knochen
macht, noch ist es von Natur ein solches. So daß
auf gewisse Weise die Natur wäre, von dem was in
sich einen Ursprung der Bewegung hat, die Gestalt
und die Formbestimmung, wie diese nicht trennbar
ist, außer etwa dem Begriffe nach. Was von diesem
kommt, ist nun nicht mehr eine Natur, wohl aber von
Natur. - So der Mensch. Und diese Natur ist
gleichsam mehr Natur als der Stoff. Denn etwas, das
der Wirklichkeit nach ist, ist in vollkommnerem Sinne
es selbst, als was nur der Möglichkeit nach. Auch
wird ein Mensch aus einem Menschen, aber nicht ein
Stuhl aus einem Stuhle; weshalb man hier auch sagt,
nicht ...
... etwas, das
der Wirklichkeit nach ist, ist in vollkommnerem Sinne
es selbst, als was nur der Möglichkeit nach. Auch
wird ein Mensch aus einem Menschen, aber nicht ein
Stuhl aus einem Stuhle; weshalb man hier auch sagt,
nicht die Gestalt sei die Natur, sondern das Holz,
weil, wenn es zum Keimen gebracht wird, nicht ein
Stuhl, sondern Holz daraus wird. Unterscheidet sich
nun dergestalt Kunst und Natur, so kann auch die
Form Natur sein; denn es wird aus einem Menschen
der Mensch. Ferner was man Natur nennt als Werden,
ist ein Weg zur Natur. Denn nicht wie, was man Heilung
nennt, nicht zur Heilkunst der Weg ist, sondern
zur Gesundheit, da die Heilung zwar von der Heilkunst
aus, nicht aber zu der Heilkunst gehen muß:
nicht also verhält die Natur sich zu der Natur. Denn
die Natur in jenem Sinne ist ein Werden nicht nur aus
etwas, sondern auch zu etwas. Und zu was? Nicht zu
dem, woraus es kommt, sondern zu dem, was es
selbst schon ist. Darum ist die Form Natur. - Die
Form aber und die Natur bedeutet zweierlei. Denn
auch die Verneinung ist gewissermaßen Formbestimmung.
Ob aber die Verneinung auch ein Glied des
Gegensatzes ist in Bezug auf den einfachen Begriff
des Werdens, oder nicht ist, soll später untersucht
werden. | | |
| | Achtes Capitel | Anzugeben ist also zuvörderst, wiefern die Natur
zu den Endursachen gehört; sodann zu sprechen über
das Nothwendige, wie es sich bei dem Natürlichen
verhält. Auf diese Ursache nämlich gehen Alle zurück,
daß, da das Warme von Natur ein solches ist,
und das Kalte, und jedes andere dergleichen, dieß aus
Nothwendigkeit ist, geschieht oder wird. Denn wenn
sie auch eine andere Ursache angeben, so berühren sie
diese gleichsam nur, und verabschieden sie sogleich
wieder: der eine...
...r wird. Denn wenn
sie auch eine andere Ursache angeben, so berühren sie
diese gleichsam nur, und verabschieden sie sogleich
wieder: der eine die Freundschaft und die Feindschaft,
der andere den Gedanken. Es fragt sich aber, was hindert,
daß die Natur nicht eines Zweckes wegen thätig
sei, oder weil es besser ist; sondern wie wenn der
Himmel regnet, nicht damit das Getreide wächst, sondern
aus Nothwendigkeit. Das Aufgestiegene nämlich
muß gefrieren und das Gefrorne zu Wasser geworden
herabfal...
... so nebenbei. Gleicherweise
auch, wenn jemandem verdirbt das Getreide in der
Tenne, so regnet es nicht deshalb, damit es verderbe,
sondern dieß traf sich nebenbei. Daher die Frage:
Was hindert, daß nicht eben so die Theile sich verhalten
in der Natur? Daß z.B. die Zähne aus Nothwendigkeit
wachsen, die vordern scharf, geeignet
auseinander zu theilen, die Backenzähne breit, und
tüchtig zu zerkauen die Speise; nicht deswegen nämlich
seien sie entstanden, sondern dieß habe sich so
zugetragen. G...
...t unter, wie
Empedokles sagt von dem Kuhgeschlecht mit Menschenantlitz.
- Dieses nun ist es, was man einwenden
könnte, und vielleicht noch anderes dergleichen. Es
kann sich aber dieß nicht auf diese Weise verhalten.
Denn dieß und alles, was von Natur ist, geschieht
eben entweder so, oder zum meisten; von dem aber,
was aus Zufall und von ungefähr ist, nichts. Denn
nicht dem Zufall oder irgend einem besonderen Ereigniß
schreibt man den häufigen Regen im Winter zu,
sondern eher in den Hundstag...
...; noch die Hitze in
den Hundstagen, sondern in dem Winter. Wenn nun
entweder ein zufälliges Ereigniß oder ein Zweck die
Ursache sein soll, dieß aber nicht, weder aus Zufall
noch von ungefähr sein kann, so muß es wohl einen
Zweck haben. Aber von Natur ist doch alles dergleichen,
wie wohl selbst diejenigen zugeben möchten,
die jenes behaupten. Folglich giebt es ein Weswegen
in dem, was von Natur geschieht und ist. Ferner worin
ein Endziel ist, da wird in Bezug auf dieses gehandelt,
sowohl im Beginn als im Fortgang. Sollte nun nicht,
was von seiner Thätigkeit, auch von seiner Natur gelten,
und ist nicht die Natur, wenn kein Hinderniß eintritt,
das Gesetz der Thätigkeit eines Jeden? Die Thätigkeit
aber hat einen Zweck, folglich hat auch die
Natur diesen Zweck. Z.B. wenn ein Haus zu dem von
Natur Entstehenden gehörte, würde es eben so werden,
wie jetzt durch die Kunst. Und könnte umgekehrt
das Natürliche nicht nur durch Natur, sondern auch
durch Kunst entstehen, so würde es eben so werden,
wie es von Natur ist. Wegen des Einen also kann das
Andere sein. Und überhaupt vollendet die Kunst
theils was die Natur nicht zu vollbringen vermag,
theils ahmt sie sie nach. Hat nun das der Kunst Angehörige
einen Zweck, so hat einen solchen auch das der
Natur Angehörige. Denn auf gleiche Weise verhält
sich gegenseitig in dem der Kunst und in dem der
Natur Angehörigen, das Spätere zu dem Früheren.
Am deutlichsten sieht man dieß an den vernunftlosen
Thieren, die weder mit Kunst, noch mit Absicht, noch
Ueberlegung handeln. Darum zweifeln Einige, ob mit
Denkkraft, oder womit sonst ihr Werk verrichten...
...Werk verrichten die
Spinnen, die Ameisen und ähnliche Thiere. Man gehe
nur ein wenig weiter, und man wird auch bei den
Pflanzen solchergestalt Zweckmäßiges geschehen finden
zu einem Endziel, wie die Blätter zu der Frucht
Bedeckung.Wenn also von Natur zugleich und eines
Zweckes wegen die Schwalbe ihr Nest macht, und die
Spinne ihr Gewebe, und die Pflanze ihre Blätter
wegen der Früchte, und die Wurzeln nicht nach oben,
sondern nach unten, zum Behuf der Nahrung: so erhellt,
daß es eine solche ...
...gen die Schwalbe ihr Nest macht, und die
Spinne ihr Gewebe, und die Pflanze ihre Blätter
wegen der Früchte, und die Wurzeln nicht nach oben,
sondern nach unten, zum Behuf der Nahrung: so erhellt,
daß es eine solche Ursache giebt in dem, was
von Natur geschieht und ist. Und da die Natur zwiefach
ist, einmal als Stoff, das anderemal als Form;
Endziel aber diese, und des Endziels halber das
Uebrige: so möchte diese wohl die Ursache des Weswegen
sein. Fehler aber fallen vor auch in dem, was
nach Kunst geschieht. Denn unrichtig sc...
...öchte diese wohl die Ursache des Weswegen
sein. Fehler aber fallen vor auch in dem, was
nach Kunst geschieht. Denn unrichtig schreiben kann
der Sprachlehrer, und unrichtig mischen der Arzt das
Heilmittel.Warum also sollten sie nicht auch in der
Natur vorfallen können? Ist also Einiges durch Kunst,
in welchem der Zweck vollständig wirkt, Anderes
aber ein Mislungenes, worin der Zweck angestrebt,
aber verfehlt wird: so verhält es sich gleichergestalt
auch in dem Natürlichen. Und die Misgeburten...
...ig entstand,
oder nicht. Dieß klingt wunderlich. Und doch
hätte es geschehen müssen, da es auch bei den Thieren
geschah. Es hätte ja auch schon in den Saamen
der Zufall stattfinden müssen. Ueberhaupt aber läugnet,
wer so spricht, alles Sein von Natur und die
Natur. Denn von Natur ist, was von einem in ihm
selbst enthaltenen Anfange stetig bewegt zu einem
Endziele gelangt; und zwar nicht von jedem zu dem
nämlichen, oder zu einem zufälligen; doch von jedem
einzelnen stets zu dem nämlichen, wenn nichts hindert.
Der Zweck u...
...
kam. Es war hiedurch etwas Beiläufiges ausgedrückt;
der Zufall nämlich gehört zu den beiläufigen Ursachen,
wie wir auch vorhin sagten. Dafern aber dieß
immer oder meistentheils geschieht, so geschieht es
nicht nebenbei, noch aus Zufall. In der Natur aber geschieht
es immer so, wenn nichts hindert. Sonderbarer
aber ist es, nicht glauben zu wollen, daß etwas eines
Zweckes wegen geschehe, wenn man nicht das
Bewegende überlegen sieht. Auch die Kunst überlegt
ja nicht. Denn wäre in dem Holze di...
...er ist es, nicht glauben zu wollen, daß etwas eines
Zweckes wegen geschehe, wenn man nicht das
Bewegende überlegen sieht. Auch die Kunst überlegt
ja nicht. Denn wäre in dem Holze die Schiffbaukunst
enthalten, so würde sie gleichergestalt mit der Natur
verfahren.Wenn also in der Kunst der Zweck erhalten
ist, so ist er auch in der Natur enthalten. Am deutlichsten
sieht man dieß, wenn jemand sich selber heilt.
Diesem nämlich gleicht die Natur. - Daß nun also Ursache
die Natur und zwar in Gestalt des Zweckes, ist
ersichtlich. | | |
| | Sechstes Capitel | ...Unveränderlichkeit. Entgegengesetzt
aber entweder Keinem, oder der in dem Nichtseienden,
oder dem Untergange. Dieser nämlich ist aus ihr,
die Entstehung aber zu ihr.
Man könnte nun die Frage aufwerfen, warum in der
räumlichen Veränderung sowohl naturgemäß als
wider die Natur Stillstände und Bewegungen stattfinden;
in der andern aber nicht, z.B. in der Umbildung
eine natürliche und eine widernatürliche. Denn um
nichts mehr ist die Genesung als die Erkrankung naturgemäß
oder widernatürlich, noch Weißung als
Schwärzung. Eben so auch mit Wachsthum und Abnahme.
Denn auch diese nicht stehen einander entgegen
wie naturgemäße und widernatürliche; noch auch
Wachsthum dem Wachsthum. Und mit Entstehen und
Vergehen verhält es sich eben so. Denn weder ist das
Entstehen zwar naturgemäß, das Vergehen aber naturwidrig
(denn das Altern ist der Natur gemäß); noch
sehen wir das eine Entstehen zwar der Natur gemäß,
das andere aber der Natur zuwider. -Wenn indessen
das durch Gewalt der Natur zuwider ist, so wäre Untergang
dem Untergange entgegengesetzt, der gewaltsame,
als widernatürlich, dem natürlichen. Sollte es
nun auch Entstehungen geben, die einen gewaltsam
und nicht vom Schicksale verhängt, denen entgegenstünden
die naturgemäßen? Und Wachsthum ein gewaltsames
und Abnahme? z.B. das Wachsthum derer,
die schnell durch Weichlichkeit mannbar werden; und
das Getreide, das schnell zur Reife kommt und keine
tiefen Wurzeln schlägt? Wie aber mit der Umbildung?
Vielleicht ...
...ildung?
Vielleicht eben so. Denn es ließe sich denken, daß einige
gewaltsam, andere natürlich wäre; wie z.B. welche
freigelassen werden an Tagen, da kein Gericht
stattfindet, und an solchen, an denen es stattfindet:
diese hätten, jene wider die Natur eine Umbildung
ihres Schicksals erfahren, diese gemäß der Natur. Es
werden auch entgegengesetzt sein die Untergänge sich
unter einander; nicht der Entstehung. Und was hindert?
Denn dieß läßt sich auf gewisse Weise denken:
z.B. wenn der eine angenehm, der andere aber
schmerzlich wäre. Also stünde nicht schle...
... anders beschaffen ist.
Im Allgemeinen nun stehen sich entgegen die Arten
der Bewegung und Ruhe auf die angegebene Weise:
z.B. die nach oben der nach unten: räumliche Gegensätze
nämlich sind dieß. Es erfährt aber die Bewegung
nach oben zwar von Natur das Feuer, die aber nach
unten die Erde; und entgegengesetzt sind ihre Bewegungen.
Das Feuer aber geht nach oben zwar von
Natur, nach unten aber wider die Natur, und entgegengesetzt
ist seine natürliche Bewegung der widernatürlichen.
Und die Stillstände eben so. Der Stillstand
oben nämlich ist der Bewegung von oben nach unten
entgegengesetzt; es begegnet aber der Erde jener Stillstand
zwar wider die Natur, diese Bewegung aber
gemäß der Natur. So daß eine Bewegung einem Stillstande
entgegengesetzt ist: die gemäß der Natur, dem
wider die Natur desselbigen Dinges. Denn auch die
Bewegung desselben ist ja solchergestalt entgegengesetzt:
die eine davon wird der Natur gemäß sein, die
nach oben oder die nach unten; die andere der Natur
zuwider. Es leidet aber einen Zweifel, ob alle Ruhe,
die nicht immer ist, eine Entstehung hat, und zwar das
sich Stellen. Der Stillstand wider die Natur z.B. der
Erde oben hätte demnach ein Entstehen. Indem nämlich
sie nach oben bewegt wird durch Gewalt, stellt
sie sich. Allein das was sich stellt, scheint stets
schneller sich zu bewegen; das durch Gewalt aber im
Gegentheil. Etwas also, was nic...
...sich. Allein das was sich stellt, scheint stets
schneller sich zu bewegen; das durch Gewalt aber im
Gegentheil. Etwas also, was nicht ruhend wird, wäre
doch ruhend. - Auch scheint das sich Stellen eigentlich
davon gesagt zu werden, daß etwas der Natur
gemäß an seinen Ort sich bewegt, oder mit diesem zusammenzutreffen.
- Es fragt sich aber, ob entgegengesetzt
ist der Stillstand an diesem Orte der Bewegung
von diesem Orte: denn wenn etwas sich bewegt von
etwas, oder etwas verliert, so scheint ...
...erhaupt aber von dem was bewegt
wird ein Theil dort sein, der andere da, worein es
übergeht? Darum ist auch vielmehr Bewegung der
Bewegung entgegengesetzt, als Ruhe. - [Zweifeln
könnte man auch wegen des sich Stellens, ob, welche
Bewegungen der Natur zuwider sind, diesen eine
Ruhe entgegensteht.Wenn nun nicht, so ist dieß sonderbar;
denn es bleibt etwas doch mit Gewalt. So
würde dann etwas ruhend sein nicht von jeher, ohne
doch es zu werden. Aber es erhellt, daß es stattfinden
muß, denn wie...
...uhe entgegensteht.Wenn nun nicht, so ist dieß sonderbar;
denn es bleibt etwas doch mit Gewalt. So
würde dann etwas ruhend sein nicht von jeher, ohne
doch es zu werden. Aber es erhellt, daß es stattfinden
muß, denn wie etwas bewegt wird wider die Natur, so
kann auch ruhen etwas wieder die Natur. Weil aber
einiges eine Bewegung hat gemäß der Natur und
wider die Natur, wie das Feuer gemäß der Natur nach
oben, nach unten aber, wider die Natur: so fragt sich,
ist diese entgegengesetzt, oder die der Erde? Diese
nämlich bewegt sich der Natur gemäß nach unten. Offenbar
wohl beide, aber nicht auf gleiche Weise, sondern
die eine als der Natur gemäß, die der Natur gemäßen;
die aber nach oben beim Feuer der nach
unten, als die naturgemäße der naturwidrigen. Eben
so auch mit den Arten des Bleibens.] - Ueber Bewegung
und Ruhe nun, und wie jede von beiden Eine,
und welche entgegengesetzt welchen, ist gesprochen
worden.
| | |
| | Viertes Capitel | ...ise. An
und für sich aber, was nicht dadurch, daß es an dem
Bewegenden oder Bewegten ist, noch daß ein Theil
von ihm bewegt oder bewegt wird. Von dem aber,
was an und für sich, Einiges von sich selbst, Anderes
von einem Anderen; und Einiges von Natur, Anderes
durch Gewalt und wider die Natur. Was nämlich von
sich selbst bewegt wird, bewegt sich von Natur; z.B.
das Thier. Denn es bewegt sich das Thier von selbst.
Was aber den Ursprung der Bewegung in sich hat,
von diesem sagen wir, es bewege sich von Natur.
Darum bewegt das ganze Thier zwar von Natur sich
selbst. Der Körper jedoch kann sowohl von Natur als
wider die Natur bewegt werden. Wider die Natur:
z.B. das Irdische nach oben, und das Feuer nach
unten. Ferner die Theile der Thiere werden oftmals
wider die Natur bewegt: wider ihre Lage und wider
ihre Arten der Bewegung. Und am meisten ist, daß
von etwas bewegt wird das sich Bewegende, in demjenigen
was wider die Natur bewegt wird, ersichtlich;
weil es erhellt, wie von einem Anderen es bewegt
wird. Nach jenem aber, was wider die Natur, unter
dem was der Natur gemäß, dasjenige, was von sich
selbst, z.B. die Thiere. Denn nicht dieß ist undeutlich,
ob sie von etwas bewegt werden, sondern wie man zu
unterscheiden hat das Bewegende und das Bewegte.
Denn es scheint, wie in den Schiffen und dem nicht
von Natur Zusammenbestehenden, so auch in den
Thieren geschieden zu sein das Bewegende und das
Bewegte, und so das Ganze sich selbst zu bewegen. Am meisten aber ist man zweifelhaft über das Uebrige
der angegebenen letzten Eintheilung. Von dem
nämlich, was...
...as Bewegende und das
Bewegte, und so das Ganze sich selbst zu bewegen. Am meisten aber ist man zweifelhaft über das Uebrige
der angegebenen letzten Eintheilung. Von dem
nämlich, was von einem Andern bewegt wird, setzen
wir, daß Einiges wider die Natur bewegt werde; das
Andere aber ist noch übrig entgegenzusetzen, nämlich
von Natur. Denn dieß ist es, was die Zweifel erregen
konnte, ob es von etwas bewegt wird; z.B. das Leichte
und das Schwere. Dieß nämlich wird nach den entgegengesetzten
Orten durch Gewalt bewegt; nach den
eigenen aber, das Leichte aufwärts, das Schwere ab...
...ist es, was die Zweifel erregen
konnte, ob es von etwas bewegt wird; z.B. das Leichte
und das Schwere. Dieß nämlich wird nach den entgegengesetzten
Orten durch Gewalt bewegt; nach den
eigenen aber, das Leichte aufwärts, das Schwere abwärts,
von Natur. Wodurch aber, ist nicht mehr offenbar;
wie wann es bewegt wird wider die Natur. Zu
sagen nämlich, daß es von sich selbst, ist unmöglich.
Denn etwas dem Leben Angehöriges ist dieß und dem
Beseelten Eigenthümliches. Und auch stellen müßte
es sich selbst können; z.B. wenn etwas sich selbst Ursache
des Gehens ist, so auch des...
...auch dieses stets von etwas bewegt wird. Dieß
würde deutlich werden, wenn wir die Ursachen mittheilen
wollten. - Man kann aber auch bei dem Bewegenden
die angegebenen Gattungen annehmen. Einiges
nämlich davon ist zum Bewegen geschickt wider
die Natur, z.B. der Hebel ist nicht von Natur von dem
Gewichte das Bewegende. Anderes von Natur; z.B.
das der Wirklichkeit nach Warme ist erregend für das
der Möglichkeit nach Warme. Eben so auch bei dem
anderen dergleichen. Und beweglich ist auf gleiche
Weise von Natur, was der Möglichkeit nach irgend
eine Beschaffenheit oder Größe hat, oder irgendwo
ist, wenn es den Anfang zu so etwas in sich hat, und
nicht nebenbei. Denn es kann wohl das Nämliche
auch eine Größe haben und Beschaffenheit, aber so,
daß sie al...
...nn es kann wohl das Nämliche
auch eine Größe haben und Beschaffenheit, aber so,
daß sie als Anderes einem Anderen anhängt, und nicht
an und für sich vorhanden ist. Das Feuer nun und die
Erde werden bewegt von etwas: durch Gewalt, wenn
wider die Natur; von Natur aber, wenn nach ihren
Wirksamkeiten hin als der Möglichkeit nach seiende.
Da aber das der Möglichkeit nach mehrerlei bedeutet,
so ist dieß Grund, daß es nicht offenbar ist, von was
dergleichen bewegt wird; z.B. das Feuer nach oben
und die Erde ...
...ngesetzten Orte ist.
Und dieß verhält sich gleichergestalt sowohl bei der
Größe, als bei der Beschaffenheit. - Indeß wird eben
darnach gefragt, von was doch nach seinem Orte hin
bewegt wird das Leichte und das Schwere. Der Grund
ist, daß es von Natur so ist, und eben hiedurch das
Leichte und das Schwere als das was es ist, bestimmt
ist, daß das eine oben, das andere unten ist. Der Möglichkeit
nach aber ist Leichtes und Schweres auf vielfache
Art, wie gesagt. Wenn es nämlich Wasser ist,
so i...
... Mauer bewegt wird, sondern
durch den Werfenden. Daß nun nichts hievon sich selber
bewegt, ist klar. Sondern es enthält der Bewegung
Ursprung, nicht des Bewegens; noch des Thuns, sondern
des Leidens. Wenn nun alles was sich bewegt,
entweder von Natur bewegt wird oder wider die Natur
und durch Gewalt, und das wider die Natur alles von
etwas und von einem Anderen; unter dem aber, was
von Natur, wiederum sowohl was durch sich selbst
sich bewegt, von etwas bewegt wird, als auch was
nicht durch sich selbst, z. B. das Leichte und das
Schwere (entweder nämlich von dem, was erzeugt und
gemacht hat Leichtes und Schweres, oder von dem,
der d... | | |
| | Dritter Widerstreit der transzendentalen Ideen | Thesis
Antithesis
Die Kausalität nach Gesetzen der Natur ist nicht die einzige, aus welcher die Erscheinungen der Welt insgesamt abgeleitet werden können. Es ist noch eine Kausalität durch Freiheit zur Erklärung derselben anzunehmen notwendig. Es ist keine Freiheit, sondern alles in der Welt geschieht led...
...us welcher die Erscheinungen der Welt insgesamt abgeleitet werden können. Es ist noch eine Kausalität durch Freiheit zur Erklärung derselben anzunehmen notwendig. Es ist keine Freiheit, sondern alles in der Welt geschieht lediglich nach Gesetzen der Natur. Beweis Beweis Man nehme an, es gebe keine andere Kausalität, als nach Gesetzen der Natur; so setzt alles, was geschieht, einen vorigen Zustand voraus, auf den es unausbleiblich nach einer Regel folgt. Nun muß aber der vorige Zustand selbst etwas sein, was geschehen ist (in der Zeit geworden, da es vorher nicht war), weil, wenn es jederz...
...nicht war), weil, wenn es jederzeit gewesen wäre, seine Folge auch nicht allererst entstanden, sondern immer gewesen sein würde. Also ist die Kausalität der Ursache, durch welche etwas geschieht, selbst etwas Geschehenes, welches nach dem Gesetz der Natur wiederum einen vorigen Zustand und dessen Kausalität, dieser aber eben so einen noch älteren voraussetzt usw. Wenn also alles nach bloßen Gesetzen der Natur geschieht, so gibt es jederzeit nur einen subalternen, niemals aber einen ersten Anfang, und also überhaupt keine Vollständigkeit der Reihe auf der Seite der voneinander abstammenden Ursachen. Nun besteht aber eben darin das Gesetz der Natur: daß ohne hinreichend a priori bestimmte Ursache nichts geschehe. Also widerspricht der Satz, als wenn alle Kausalität nur nach Naturgesetzen möglich sei, sich selbst in seiner unbeschränkten Allgemeinheit, und diese kann also nicht als die einzige angenommen werden.
Diesem nach muß eine Kausalität angenommen werden, durch welche etwas geschieht, ohne daß die Ursache davon noch ...
...mmen werden, durch welche etwas geschieht, ohne daß die Ursache davon noch weiter, durch eine andere vorhergehende Ursache, nach notwendigen Gesetzen bestimmt sei, d. i. eine absolute Spontaneität der Ursachen, eine Reihe von Erscheinungen, die nach Naturgesetzen läuft, von selbst anzufangen, mithin transzendentale Freiheit, ohne welche selbst im Laufe der Natur die Reihenfolge der Erscheinungen auf der Seite der Ursachen niemals vollständig ist.
Setzet: es gehe eine Freiheit im transzendentalen Verstande, als eine besondere Art von Kausalität, nach welcher die Begebenheiten der Welt erfolgen könnten, näm...
...e entgegen, und eine solche Verbindung der sukzessiven Zustände wirkender Ursachen, nach welcher keine Einheit der Erfahrung möglich ist, die also auch in keiner Erfahrung angetroffen wird, mithin ein leeres Gedankending.
Wir haben also nichts als Natur, in welcher wir den Zusammenhang und Ordnung der Weltbegebenheiten suchen müssen. Die Freiheit (Unabhängigkeit) von den Gesetzen der Natur, ist zwar eine Befreiung vom Zwange, aber auch vom Leitfaden aller Regeln. Denn man kann nicht sagen, daß, anstatt der Gesetze der Natur, Gesetze der Freiheit in die Kausalität des Weltlaufs eintreten, weil, wenn diese nach Gesetzen bestimmt wäre, sie nicht Freiheit, sondern selbst nichts anderes als Natur wäre. Natur also und transzendentale Freiheit unterscheiden sich wie Gesetzmäßigkeit und Gesetzlosigkeit, davon jene zwar den Verstand mit der Schwierigkeit belästigt, die Abstammung der Begebenheiten in der Reihe der Ursachen immer höher hinauf zu suchen, weil...
...ich darauf, ob ein Vermögen angenommen werden müsse, eine Reihe von sukzessiven Dingen oder Zuständen von selbst anzufangen. Wie ein solches möglich sei, ist nicht ebenso notwendig beantworten zu können, da wir uns ebensowohl bei der Kausalität nach Naturgesetzen damit begnügen müssen, a priori zu erkennen, daß eine solche vorausgesetzt werden müsse, ob wir gleich die Möglichkeit, wie durch ein gewisses Dasein das Dasein eines anderen gesetzt werde, auf keine Weise begreifen, und uns desfalls ledigli...
...keit eines ersten Anfangs einer Reihe von Erscheinungen aus Freiheit, zwar nur eigentlich insofern dargetan, als zur Begreiflichkeit eines Ursprungs der Welt erforderlich ist, indessen daß man alle nachfolgenden Zustände für eine Abfolge nach bloßen Naturgesetzen nehmen kann. Weil aber dadurch doch einmal das Vermögen, eine Reihe in der Zeit ganz von selbst anzufangen, bewiesen (obzwar nicht eingesehen) ist, so ist es uns nunmehr auch erlaubt, mitten im Laufe der Welt verschiedene Reihen, der Kausali...
...t erster Anfang der Reihen während dem Weltlaufe möglich sei. Denn wir reden hier nicht vom absolut ersten Anfange der Zeit nach, sondern der Kausalität nach. Wenn ich jetzt (zum Beispiel) völlig frei, und ohne den notwendig bestimmenden Einfluß der Naturursachen, von meinem Stuhle aufstehe, so fängt in dieser Begebenheit, samt deren natürlichen Folgen ins Unendliche, eine neue Reihe schlechthin an, obgleich der Zeit nach diese Begebenheit nur die Fortsetzung einer vorhergehenden Reihe ist. Denn dies...
...enheit, samt deren natürlichen Folgen ins Unendliche, eine neue Reihe schlechthin an, obgleich der Zeit nach diese Begebenheit nur die Fortsetzung einer vorhergehenden Reihe ist. Denn diese Entschließung und Tat liegt gar nicht in der Abfolge bloßer Naturwirkungen, und ist nicht eine bloße Fortsetzung derselben, sondern die bestimmenden Naturursachen hören oberhalb derselben, in Ansehung dieser Ereignis, ganz auf, die zwar auf jene folgt, aber daraus nicht erfolgt, und daher zwar nicht der Zeit nach, aber doch in Ansehung der Kausalität, ein schlechthin erster Anfang einer Reihe von Ersc...
..., aber daraus nicht erfolgt, und daher zwar nicht der Zeit nach, aber doch in Ansehung der Kausalität, ein schlechthin erster Anfang einer Reihe von Erscheinungen genannt werden muß.
Die Bestätigung von der Bedürfnis der Vernunft, in der Reihe der Naturursachen sich auf einen ersten Anfang aus Freiheit zu berufen, leuchtet daran sehr klar in die Augen: daß (die epikurische Schule ausgenommen) alle Philosophen des Altertums sich gedrungen sahen, zur Erklärung der Weltbewegungen einen ersten Beweger ...
...hule ausgenommen) alle Philosophen des Altertums sich gedrungen sahen, zur Erklärung der Weltbewegungen einen ersten Beweger anzunehmen, d. i. eine freihandelnde Ursache, welche diese Reihe von Zuständen zuerst und von selbst anfing. Denn aus bloßer Natur unterfangen sie sich nicht, einen ersten Anfang begreiflich zu machen.
Der Verteidiger der Allvermögenheit der Natur (transzendentale Physiokratie), im Widerspiel mit der Lehre von der Freiheit, würde seinen Satz, gegen die vernünftelnden Schlüsse der letzteren, auf folgende Art behaupten. Wenn ihr kein mathematisch Erstes der Zeit nach in der Welt annehmt, so hab...
...hat euch geheißen, einen schlechthin ersten Zustand der Welt, und mithin einen absoluten Anfang der nach und nach ablaufenden Reihe der Erscheinungen, zu erdenken, und, damit ihr eurer Einbildung einen Ruhepunkt verschaffen möget, der unumschränkten Natur Grenzen zu setzen? Da die Substanzen in der Welt jederzeit gewesen sind, wenigstens die Einheit der Erfahrung eine solche Voraussetzung notwendig macht, so hat es keine Schwierigkeit, auch anzunehmen, daß der Wechsel ihrer Zustände, d. i. eine Reihe...
...och dynamisch, gesucht werden dürfe. Die Möglichkeit einer solchen unendlichen Abstammung, ohne ein erstes Glied, in Ansehung dessen alles übrige bloß nachfolgend ist, läßt sich, seiner Möglichkeit nach, nicht begreiflich machen. Aber wenn ihr diese Naturrätsel darum wegwerfen wollt, so werdet ihr euch genötigt sehen, viel synthetische Grundbeschaffenheiten zu verwerfen, (Grundkräfte) die ihr ebensowenig begreifen könnt, und selbst die Möglichkeit einer Veränderung überhaupt muß euch anstößig werden....
...mung gegeben werden kann). Allein, in der Welt selbst, den Substanzen ein solches Vermögen beizumessen, kann nimmermehr erlaubt sein, weil alsdann der Zusammenhang nach allgemeinen Gesetzen sich einander notwendig bestimmender Erscheinungen, den man Natur nennt, und mit ihm das Merkmal empirischer Wahrheit, welches Erfahrung vom Traum unterscheidet, größtenteils verschwinden würde. Denn es läßt sich neben einem solchen gesetzlosen Vermögen der Freiheit, kaum mehr Natur denken; weil die Gesetze der letzteren durch die Einflüsse der ersteren unaufhörlich abgeändert, und das Spiel der Erscheinungen, welches nach der bloßen Natur regelmäßig und gleichförmig sein würde, dadurch verwirrt und unzusammenhängend gemacht wird.
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| | Wir haben bei Gelegenheit der Antinomie der reinen Vernunft gesagt: daß alle Fragen, welche die reine Vernunft aufwirft, schlechterdings beantwortlich sein müssen, und daß die Entschuldigung mit den Schranken unserer Erkenntnis, die in vielen Naturfragen ebenso unvermeidlich als billig ist, hier nicht gestattet werden könne, weil uns hier nicht von der Natur der Dinge, sondern allein durch die Natur der Vernunft und lediglich über ihre innere Einrichtung, die Fragen vorgelegt werden. Jetzt können wir diese dem ersten Anscheine nach kühne Behauptung in Ansehung der zwei Fragen, wobei die reine Vernunft ihr größtes Interesse hat, bestätigen, und ...
...er nur als Gegenstand in der Idee und nicht in der Realität, nämlich nur, sofern er ein uns unbekanntes Substratum der systematischen Einheit, Ordnung und Zweckmäßigkeit der Welteinrichtung ist, welche sich die Vernunft zum regulativen Prinzip ihrer Naturforschung machen muß. Noch mehr, wir können in dieser Idee gewisse Anthropomorphismen, die dem gedachten regulativen Prinzip beförderlich sind, ungescheut und ungetadelt erlauben. Denn es ist immer nur eine Idee, die gar nicht direkt auf ein von der ...
...n wir haben nur ein Etwas vorausgesetzt, wovon wir gar keinen Begriff haben, was es an sich selbst sei (einen bloß transzendentalen Gegenstand), aber, in Beziehung auf die systematische und zweckmäßige Ordnung des Weltbaues, welche wir, wenn wir die Natur studieren, voraussetzen müssen, haben wir jenes uns unbekannte Wesen nur nach der Analogie mit einer Intelligenz (ein empirischer Begriff) gedacht, d. i. es in Ansehung der Zwecke und der Vollkommenheit, die sich auf demselben gründen, gerade mit de...
...ableite? Ja, das könnt ihr auch tun, aber so, daß es euch gleich viel gelten muß, ob jemand sage, die göttliche Weisheit hat alles so zu seinen obersten Zwecken geordnet, oder die Idee der höchsten Weisheit ist ein Regulativ in der Nachforschung der Natur und ein Prinzip der systematischen und zweckmäßigen Einheit derselben nach allgemeinen Naturgesetzen, auch selbst da, wo wir jene nicht gewahr werden, d. i. es muß euch da, wo ihr sie wahrnehmt, völlig einerlei sein, zu sagen: Gott hat es weislich so gewollt, oder die Natur hat es also weislich geordnet. Denn die größte systematische und zweckmäßige Einheit, welche eure Vernunft aller Naturforschung als regulatives Prinzip zum Grunde zu legen verlangte, war eben das, was euch berechtigte, die Idee einer höchsten Intelligenz als ein Schema des regulativen Prinzips zum Grunde zu legen, und, so viel ihr nun, nach demselben, Zweckmäßigkeit...
... zum Grunde zu legen, und, so viel ihr nun, nach demselben, Zweckmäßigkeit in der Welt antrefft, so viel habt ihr Bestätigung der Rechtmäßigkeit eurer Idee; da aber gedachtes Prinzip nichts anderes zur Absicht hatte, als notwendige und größtmögliche Natureinheit zu suchen, so werden wir diese zwar, so weit als wir sie erreichen, der Idee eines höchsten Wesens zu danken haben, können aber die allgemeinen Gesetze der Natur, als in Absicht auf welche die Idee nur zum Grunde gelegt wurde, ohne mit uns selbst in Widerspruch zu geraten, nicht vorbeigehen, um diese Zweckmäßigkeit der Natur als zufällig und hyperphysisch ihrem Ursprunge nach anzusehen, weil wir nicht berechtigt waren, ein Wesen über die Natur von den gedachten Eigenschaften anzunehmen, sondern nur die Idee desselben zum Grunde zu legen, um nach der Analogie einer Kausalbestimmung der Erscheinungen als systematisch untereinander verknüpft anzusehen.
Eben daher sind wir auch berechtigt...
...zu denken, sondern demselben unendliche Vollkommenheit beizulegen, die also diejenige weit übersteigt, dazu wir durch empirische Kenntnis der Weltordnung berechtigt sein können. Denn das regulative Gesetz der systematischen Einheit will, daß wir die Natur so studieren sollen, als ob allenthalben ins Unendliche systematische und zweckmäßige Einheit, bei der größtmöglichen Mannigfaltigkeit, angetroffen würde. Denn, wiewohl wir nur wenig von dieser Weltvollkommenheit ausspähen, oder erreichen werden, so...
...ollkommenheit ausspähen, oder erreichen werden, so gehört es doch zur Gesetzgebung unserer Vernunft, sie allerwärts zu suchen und zu vermuten, und es muß uns jederzeit vorteilhaft sein, niemals aber kann es nachteilig werden, nach diesem Prinzip die Naturbetrachtung anzustellen. Es ist aber, unter dieser Vorstellung, der zum Grunde gelegten Idee eines höchsten Urhebers, auch klar: daß ich nicht das Dasein und die Kenntnis eines solchen Wesens, sondern nur die Idee desselben zum Grunde lege, und also ...
... Idee eines höchsten Urhebers, auch klar: daß ich nicht das Dasein und die Kenntnis eines solchen Wesens, sondern nur die Idee desselben zum Grunde lege, und also eigentlich nichts von diesem Wesen, sondern bloß von der Idee desselben, d. i. von der Natur der Dinge der Welt, nach einer solchen Idee, ableite. Auch scheint ein gewisses, obzwar unentwickeltes Bewußtsein, des echten Gebrauchs dieses unseren Vernunftbegriffs, die bescheidene und billige Sprache der Philosophen aller Zeiten veranlaßt zu ha...
...ableite. Auch scheint ein gewisses, obzwar unentwickeltes Bewußtsein, des echten Gebrauchs dieses unseren Vernunftbegriffs, die bescheidene und billige Sprache der Philosophen aller Zeiten veranlaßt zu haben, da sie von der Weisheit und Vorsorge der Natur, und der göttlichen Weisheit, als gleichbedeutenden Ausdrücken reden, ja den ersteren Ausdruck, so lange es um bloß spekulative Vernunft zu tun ist, vorziehen, weil er die Anmaßung einer größeren Behauptung, als die ist, wozu wir befugt sind, zurück...
...eden, ja den ersteren Ausdruck, so lange es um bloß spekulative Vernunft zu tun ist, vorziehen, weil er die Anmaßung einer größeren Behauptung, als die ist, wozu wir befugt sind, zurückhält, und zugleich die Vernunft auf ihr eigentümliches Feld, die Natur, zurückweist.
So enthält die reine Vernunft, die uns anfangs nichts Geringeres, als Erweiterung der Kenntnisse über alle Grenzen der Erfahrung, zu versprechen schiene, wenn wir sie recht verstehen, nichts als regulative Prinzipien, die zwar größ...
...lativen Gebrauche mit diesen Elementen niemals über das Feld möglicher Erfahrung hinauskommen könne, und daß die eigentliche Bestimmung dieses obersten Erkenntnisvermögens sei, sich aller Methoden und der Grundsätze derselben nur zu bedienen, um der Natur nach allen möglichen Prinzipien der Einheit, worunter die der Zwecke die vornehmste ist, bis in ihr Innerstes nachzugehen, niemals aber ihre Grenze zu überfliegen, außerhalb welcher für uns nichts als leerer Raum ist. Zwar hat uns die kritische Unte...
... Redens kein Ende wird, wenn man nicht hinter die wahre Ursache des Scheins kommt, wodurch selbst der Vernünftigste hintergangen werden kann, und die Auflösung aller unserer transzendenten Erkenntnis in ihre Elemente (als ein Studium unserer inneren Natur) an sich selbst keinen geringen Wert hat, dem Philosophen aber sogar Pflicht ist, so war es nicht allein nötig, diese ganze, obzwar eitle Bearbeitung der spekulativen Vernunft bis zu ihren ersten Quellen ausführlich nachzusuchen, sondern, da der dia... | | |
| | Das geistige Tierreich und der Betrug, oder die Sache selbst | ...etzt. Die Negativität aber, welche dasselbe ist, was als Bewegung erscheint, ist an dem einfachen An-sich als Bestimmtheit; und das Sein oder das einfache An-sich wird ein bestimmter Umfang. Die Individualität tritt daher als ursprüngliche bestimmte Natur auf - als ursprüngliche Natur, denn sie ist an sich; als ursprünglich bestimmte, denn das Negative ist am An-sich, und dieses ist dadurch eine Qualität. Diese Beschränkung des Seins jedoch kann das Tun des Bewußtseins nicht beschränken, denn dieses ist hier ein vollendetes Sich-...
...des Seins jedoch kann das Tun des Bewußtseins nicht beschränken, denn dieses ist hier ein vollendetes Sich-auf-sich-selbst-beziehen; die Beziehung auf Anderes ist aufgehoben, welche die Beschränkung desselben wäre. Die ursprüngliche Bestimmtheit der Natur ist daher nur einfaches Prinzip - ein durchsichtiges allgemeines Element, worin die Individualität ebenso frei und sich selbst gleich bleibt, als sie darin ungehindert ihre Unterschiede entfaltet, und reine Wechselwirkung mit sich in ihrer Verwirkli...
...läst, alle seine Momente in sie eintaucht, aber sie jener Beschränkung des Elements ungeachtet in seiner Macht und sich in seinem Eins erhält, und als diese besondere Organisation dasselbe allgemeine Tierleben bleibt.
Diese bestimmte ursprüngliche Natur des in ihr frei und ganz bleibenden Bewußtseins erscheint als der unmittelbare und einzige eigentliche Inhalt dessen, was dem Individuum Zweck ist; er ist zwar bestimmter Inhalt, aber er ist überhaupt Inhalt nur, insofern wir das An-sich-sein isolie...
...tät Bestimmtheit nur am Sein; aber das Tun ist selbst nichts anderes als die Negativität; an der tuenden Individualität ist also die Bestimmtheit aufgelöst in Negativität überhaupt, oder den Inbegriff aller Bestimmtheit.
Die einfache ursprüngliche Natur nun tritt in dem Tun und dem Bewußtsein des Tuns in den Unterschied, welcher diesem zukommt. Es ist zuerst als Gegenstand, und zwar als Gegenstand, wie er noch dem Bewußtsein angehört, als Zweck vorhanden, und somit entgegengesetzt einer vorhandenen...
...en sind nun aber nach dem Begriffe dieser Sphäre so festzuhalten, daß der Inhalt in ihnen derselbe bleibt, und kein Unterschied hereinkommt, weder der Individualität und des Seins überhaupt, noch des Zwecks gegen die Individualität als ursprüngliche Natur, noch gegen die vorhandne Wirklichkeit, ebenso nicht des Mittels gegen sie als absoluten Zweck, noch der bewirkten Wirklichkeit gegen den Zweck oder die ursprüngliche Natur oder das Mittel.
Vors erste also ist die ursprünglich bestimmte Natur der Individualität, ihr unmittelbares Wesen noch nicht als tuend gesetzt, und heißt so besondere Fähigkeit, Talent, Charakter u.s.f. Diese eigentümliche Tinktur des Geistes ist als der einzige Inhalt des Zwecks selbst, und ganz allein als die Realit...
...ennenlernt, aber um zu tun, vorher den Zweck haben muß. Ebendarum aber hat es unmittelbar anzufangen und, unter welchen Umständen es sei, ohne weiteres Bedenken um Anfang, Mittel und Ende zur Tätigkeit zu schreiten; denn sein Wesen und ansichseiende Natur ist alles in einem, Anfang, Mittel und Ende. Als Anfang ist sie in den Umständen des Handelns vorhanden, und das Interesse, welches das Individuum an etwas findet, ist die schon gegebene Antwort auf die Frage: ob und was hier zu tun ist. Denn was ei...
...den des Handelns vorhanden, und das Interesse, welches das Individuum an etwas findet, ist die schon gegebene Antwort auf die Frage: ob und was hier zu tun ist. Denn was eine vorgefundene Wirklichkeit zu sein scheint, ist an sich seine ursprüngliche Natur, welche nur den Schein eines Seins hat - einen Schein, der in dem Begriffe des sich entzweienden Tuns liegt -, aber als seine ursprüngliche Natur sich in dem Interesse, das es an ihr findet, ausspricht. - Ebenso ist das Wie oder die Mittel an und für sich bestimmt. Das Talent ist gleichfalls nichts anders als die bestimmte ursprüngliche Individualität, betrachtet als inneres Mittel, oder Über...
...ls nichts anders als die bestimmte ursprüngliche Individualität, betrachtet als inneres Mittel, oder Übergang des Zwecks zur Wirklichkeit. Das wirkliche Mittel aber und der reale Übergang ist die Einheit des Talents, und der im Interesse vorhandenen Natur der Sache; jenes stellt am Mittel die Seite des Tuns, dieses die Seite des Inhalts vor, beide sind die Individualität selbst, als Durchdringung des Seins und des Tuns. Was also vorhanden ist, sind vorgefundene Umstände, die an sich die ursprüngliche...
...der Sache; jenes stellt am Mittel die Seite des Tuns, dieses die Seite des Inhalts vor, beide sind die Individualität selbst, als Durchdringung des Seins und des Tuns. Was also vorhanden ist, sind vorgefundene Umstände, die an sich die ursprüngliche Natur des Individuums sind; als denn das Interesse, welches sie eben als das seinige oder als Zweck setzt; endlich die Verknüpfung und Aufhebung dieses Gegensatzes im Mittel. Diese Verknüpfung fällt selbst noch innerhalb des Bewußtseins, und das soeben be... | | |
| | Von der Endabsicht der natürlichen Dialektik der menschlichen Vernunft -> | ...s Irrtums überführt werden kann, wenn er irgend ein Gliedmaß eines tierischen Körpers auf einen Zweck bezieht, von welchem man deutlich zeigen kann, daß er daraus nicht erfolge: so ist es doch gänzlich unmöglich, in einem Falle zu beweisen, daß eine Natureinrichtung, es mag sein welche es wolle, ganz und gar keinen Zweck habe. Daher erweitert auch die Physiologie (der Ärzte) ihre sehr eingeschränkte empirische Kenntnis von den Zwecken des Gliederbaues eines organischen Körpers durch einen Grundsatz, ...
..., weil sie sich aus dem Standpunkte desselben von allem mit der Erfahrung stimmigen Gebrauch gänzlich abgeschnitten sieht.
Der erste Fehler, der daraus entspringt, daß man die Idee eines höchsten Wesens nicht bloß regulativ, sondern (welches der Natur einer Idee zuwider ist) konstitutiv braucht, ist die faule Vernunft (ignava ratio)**. Man kann jeden Grundsatz so nennen, welcher macht, daß man seine Naturuntersuchung, wo es auch sei, für schlechthin vollendet ansieht, und die Vernunft sich also zur Ruhe begibt, als ob sie ihr Geschäft völlig ausgerichtet habe. Daher selbst die psychologische Idee, wenn sie als ein konstitutives Prinzip für die Erklär...
...die Erklärung der Erscheinungen unserer Seele, und hernach gar, zur Erweiterung unserer Erkenntnis dieses Subjekts, noch über alle Erfahrung hinaus (ihren Zustand nach dem Tode) gebraucht wird, es der Vernunft zwar sehr bequem macht, aber auch allen Naturgebrauch derselben nach der Leitung der Erfahrungen ganz verdirbt und zugrunde richtet. So erklärt der dogmatische Spiritualist die durch allen Wechsel der Zustände unverändert bestehende Einheit der Person aus der Einheit der denkenden Substanz, die...
...tehende Einheit der Person aus der Einheit der denkenden Substanz, die er in dem Ich unmittelbar wahrzunehmen glaubt, das Interesse, was wir an Dingen nehmen, die sich allererst nach unserem Tode zutragen sollen, aus dem Bewußtsein der immateriellen Natur unseres denkenden Subjekts usw. und überhebt sich aller Naturuntersuchung der Ursache dieser unserer inneren Erscheinungen aus physischen Erklärungsgründen, indem er gleichsam durch den Machtspruch einer transzendenten Vernunft die immanenten Erkenntnisquellen der Erfahrung, zum Behuf seiner Gemächlichkeit, ab...
...um Behuf seiner Gemächlichkeit, aber mit Einbuße aller Einsicht, vorbeigeht. Noch deutlicher fällt diese nachteilige Folge bei dem Dogmatismus unserer Idee von einer höchsten Intelligenz und dem darauf fälschlich gegründeten theologischen System der Natur (Physikotheologie) in die Augen. Denn da dienen alle sich in der Natur zeigenden, oft nur von uns selbst dazu gemachten Zwecke dazu, es uns in der Erforschung der Ursachen recht bequem zu machen, nämlich, anstatt sie in den allgemeinen Gesetzen des Mechanismus der Materie zu suchen, sich geradezu auf den unerforschlich...
...h geradezu auf den unerforschlichen Ratschluß der höchsten Weisheit zu berufen, und die Vernunftbemühung alsdann für vollendet anzusehen, wenn man sich ihres Gebrauchs überhebt, der doch nirgend einen Leitfaden findet, als wo ihn uns die Ordnung der Natur und die Reihe der Veränderungen, nach ihren inneren und allgemeineren Gesetzen, an die Hand gibt. Dieser Fehler kann vermieden werden, wenn wir nicht bloß einige Naturstücke, als z. B. die Verteilung des festen Landes, das Bauwerk desselben, und die Beschaffenheit und Lage der Gebirge, oder wohl gar nur die Organisation im Gewächs- und Tierreiche aus dem Gesichtspunkte der Zwecke betrachten, sondern diese systemat...
...die Verteilung des festen Landes, das Bauwerk desselben, und die Beschaffenheit und Lage der Gebirge, oder wohl gar nur die Organisation im Gewächs- und Tierreiche aus dem Gesichtspunkte der Zwecke betrachten, sondern diese systematische Einheit der Natur, in Beziehung auf die Idee einer höchsten Intelligenz, ganz allgemein machen. Denn alsdann legen wir eine Zweckmäßigkeit nach allgemeinen Gesetzen der Natur zum Grunde, von denen keine besondere Einrichtung ausgenommen, sondern nur mehr oder weniger kenntlich für uns ausgezeichnet worden, und haben ein regulatives Prinzip der systematischen Einheit einer teleologischen Verknüpfung, die wir aber nicht zu...
...rsa ratio, υστερον προτερον rationis). Die Idee der systematischen Einheit sollte nur dazu dienen, um als regulatives Prinzip sie in der Verbindung der Dinge nach allgemeinen Naturgesetzen zu suchen, und, soweit sich etwas davon auf dem empirischen Wege antreffen läßt, um so viel auch zu glauben, daß man sich der Vollständigkeit ihres Gebrauchs genähert habe, ob man sie freilich niemals erreichen wird. Anstatt dessen kehrt man...
...ngt davon an, daß man die Wirklichkeit eines Prinzips der zweckmäßigen Einheit als hypostatisch zum Grunde legt, den Begriff einer solchen höchsten Intelligenz, weil er an sich gänzlich unerforschlich ist, anthropomorphistisch bestimmt, und dann der Natur Zwecke, gewaltsam und diktatorisch, aufdringt, anstatt sie, wie billig, auf dem Wege der physischen Nachforschung zu suchen, so daß nicht allein Teleologie, die bloß dazu dienen sollte, um die Natureinheit nach allgemeinen Gesetzen zu ergänzen, nun vielmehr dahin wirkt, sie aufzuheben, sondern die Vernunft sich noch dazu selbst um ihren Zweck bringt, nämlich das Dasein einer solchen intelligenten obersten Ursache, nach diesem, aus der Natur zu beweisen. Denn, wenn man nicht die höchste Zweckmäßigkeit in der Natur a priori, d. i. als zum Wesen derselben gehörig, voraussetzen kann, wie will man denn angewiesen sein, sie zu suchen und auf der Stufenleiter derselben sich der höchsten Vollkommenheit eines Urhebers, als einer schlechterdings notwendigen, mithin a ...
...u suchen und auf der Stufenleiter derselben sich der höchsten Vollkommenheit eines Urhebers, als einer schlechterdings notwendigen, mithin a priori erkennbaren Vollkommenheit, zu nähern? Das regulative Prinzip verlangt, die systematische Einheit als Natureinheit, welche nicht bloß empirisch erkannt, sondern a priori, obzwar noch unbestimmt, vorausgesetzt wird, schlechterdings, mithin als aus dem Wesen der Dinge folgend, vorauszusetzen. Lege ich aber zuvor ein höchstes ordnendes Wesen zum Grunde, so w...
... welche nicht bloß empirisch erkannt, sondern a priori, obzwar noch unbestimmt, vorausgesetzt wird, schlechterdings, mithin als aus dem Wesen der Dinge folgend, vorauszusetzen. Lege ich aber zuvor ein höchstes ordnendes Wesen zum Grunde, so wird die Natureinheit in der Tat aufgehoben. Denn sie ist der Natur der Dinge ganz fremd und zufällig, und kann auch nicht aus allgemeinen Gesetzen derselben erkannt werden. Daher entspringt ein fehlerhafter Zirkel im Beweisen, da man das voraussetzt, was eigentlich hat bewiesen werden sollen.
Das regulative Pri...
...und kann auch nicht aus allgemeinen Gesetzen derselben erkannt werden. Daher entspringt ein fehlerhafter Zirkel im Beweisen, da man das voraussetzt, was eigentlich hat bewiesen werden sollen.
Das regulative Prinzip der systematischen Einheit der Natur für ein konstitutives nehmen, und, was nur in der Idee zum Grunde des einhelligen Gebrauchs der Vernunft gelegt wird, als Ursache hypostatisch voraussetzen, heißt nur die Vernunft verwirren. Die Naturforschung geht ihren Gang ganz allein an der Kette der Naturursachen nach allgemeinen Gesetzen derselben, zwar nach der Idee eines Urhebers, aber nicht um die Zweckmäßigkeit, der sie allerwärts nachgeht, von demselben abzuleiten, sondern sein Dasein aus dieser Zweckmäßigkeit, die in den Wesen der Naturdinge gesucht wird, womöglich auch in den Wesen aller Dinge überhaupt, mithin als schlechthin notwendig zu erkennen. Das Letztere mag nun gelingen oder nicht, so bleibt die Idee immer richtig, und ebensowohl auch deren Gebrauch, wenn er auf die Bedin...
...ckmäßige Einheit ist Vollkommenheit (schlechthin betrachtet). Wenn wir diese nicht in dem Wesen der Dinge, welche den ganzen Gegenstand der Erfahrung, d. i. aller unserer objektiv gültigen Erkenntnis, ausmachen, mithin in allgemeinen und notwendigen Naturgesetzen finden; wie wollen wir daraus gerade auf die Idee einer höchsten und schlechthin notwendigen Vollkommenheit eines Urwesens schließen, welches der Ursprung aller Kausalität ist? Die größte systematische, folglich auch die zweckmäßige Einheit ...
... unserer Vernunft unzertrennlich verbunden. Eben dieselbe Idee ist also für uns gesetzgebend, und so ist es sehr natürlich, eine ihr korrespondierende gesetzgebende Vernunft (intellectus archetypus) anzunehmen, von der alle systematische Einheit der Natur, als dem Gegenstande unserer Vernunft, abzuleiten sei.
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* Der Vorteil, den eine kugelichte Erdgestalt schafft, ist bekannt genug; aber wenige wissen, daß ihre Abp... | | |
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Die immanente Physiologie betrachtet dagegen Natur als den Inbegriff aller Gegenstände der Sinne, mithin so wie sie uns gegeben ist, aber nur nach Bedingungen a priori, unter denen sie uns überhaupt gegeben werden kann. Es sind aber nur zweierlei Gegenstände derselben. 1. Die der äußeren Sinne, mith...
...ne, mithin so wie sie uns gegeben ist, aber nur nach Bedingungen a priori, unter denen sie uns überhaupt gegeben werden kann. Es sind aber nur zweierlei Gegenstände derselben. 1. Die der äußeren Sinne, mithin der Inbegriff derselben, die körperliche Natur. 2. Der Gegenstand des inneren Sinnes, die Seele, und, nach den Grundbegriffen derselben überhaupt, die denkende Natur. Die Metaphysik der körperlichen Natur heißt Physik, aber, weil sie nur die Prinzipien ihrer Erkenntnis a priori enthalten soll, rationale Physik. Die Metaphysik der denkenden Natur heißt Psychologie und aus der eben angeführten Ursache ist hier nur die rationale Erkenntnis derselben zu verstehen.
Demnach besteht das ganze System der Metaphysik aus vier Hauptteilen. 1. Der Ontologie. 2. Der rationalen Physiologie. 3. Der ra...
...ale Erkenntnis derselben zu verstehen.
Demnach besteht das ganze System der Metaphysik aus vier Hauptteilen. 1. Der Ontologie. 2. Der rationalen Physiologie. 3. Der rationalen Kosmologie. 4. Der rationalen Theologie. Der zweite Teil, nämlich die Naturlehre der reinen Vernunft, enthält zwei Abteilungen, die physica rationalis* und psychologia rationalis.
Die ursprüngliche Idee einer Philosophie der reinen Vernunft schreibt diese Abteilung selbst vor; sie ist also architektonisch, ihren wesentl...
...ßigkeit derselben schwächen könnten.
Zuerst, wie kann ich eine Erkenntnis a priori, mithin Metaphysik, von Gegenständen erwarten, sofern sie unseren Sinnen, mithin a posteriori gegeben sind? und, wie ist es möglich, nach Prinzipien a priori, die Natur der Dinge zu erkennen und zu einer rationalen Physiologie zu gelangen? Die Antwort ist: wir nehmen aus der Erfahrung nichts weiter, als was nötig ist, uns ein Objekt, teils des äußeren, teils des inneren Sinnes zu geben. Jenes geschieht durch den bl...
...physik behauptet hat, und von welcher man in unseren Zeiten so große Dinge zur Aufklärung derselben erwartet hat, nachdem man die Hoffnung aufgab, etwas Taugliches a priori auszurichten? Ich antworte: sie kommt dahin, wo die eigentliche (empirische) Naturlehre hingestellt werden muß, nämlich auf die Seite der angewandten Philosophie, zu welcher die reine Philosophie die Prinzipien a priori enthält, die also mit jener zwar verbunden, aber nicht vermischt werden muß. Also muß empirische Psychologie aus...
...noch weniger Verwandtschaft als in der Metaphysik antreffen dürfte. Es ist also bloß ein so lange aufgenommener Fremdling, dem man auf einige Zeit einen Aufenthalt vergönnt, bis er in einer ausführlichen Anthropologie (dem Pendant zu der empirischen Naturlehre) seine eigene Behausung wird beziehen können.
Das ist also die allgemeine Idee der Metaphysik, welche, da man ihr anfänglich mehr zumutete, als billigerweise verlangt werden kann, und sich eine zeitlang mit angenehmen Erwartungen ergötzte, ...
...sich hinlänglich überzeugt haben: daß, wenngleich Metaphysik nicht die Grundfeste der Religion sein kann, so müsse sie doch jederzeit als die Schutzwehr derselben stehenbleiben, und daß die menschliche Vernunft, welche schon durch die Richtung ihrer Natur dialektisch ist, einer solchen Wissenschaft niemals entbehren könnte, die sie zügelt, und, durch ein szientifisches und völlig einleuchtendes Selbsterkenntnis, die Verwüstungen abhält, welche eine gesetzlose spekulative Vernunft sonst ganz unfehlbar...
...wüstungen abhält, welche eine gesetzlose spekulative Vernunft sonst ganz unfehlbar, in Moral sowohl als Religion, anrichten würde. Man kann also sicher sein, so spröde, oder geringschätzend auch diejenigen tun, die eine Wissenschaft nicht nach ihrer Natur, sondern allein aus ihren zufälligen Wirkungen zu beurteilen wissen, man werde jederzeit zu ihr, wie zu einer mit uns entzweiten Geliebten zurückkehren, weil die Vernunft, da es hier wesentliche Zwecke betrifft, rastlos, entweder auf gründliche Eins...
...zu einer mit uns entzweiten Geliebten zurückkehren, weil die Vernunft, da es hier wesentliche Zwecke betrifft, rastlos, entweder auf gründliche Einsicht oder Zerstörung schon vorhandener guter Einsichten arbeiten muß.
Metaphysik also, sowohl der Natur, als der Sitten, vornehmlich die Kritik der sich auf eigenen Flügeln wagenden Vernunft, welche vorübend (propädeutisch) vorhergeht, machen eigentlich allein dasjenige aus, was wir im echten Verstande Philosophie nennen können. Diese bezieht alles au...
...jenige aus, was wir im echten Verstande Philosophie nennen können. Diese bezieht alles auf Weisheit, aber durch den Weg der Wissenschaft, den einzigen, der, wenn er einmal gebahnt ist, niemals verwächst, und keine Verirrungen verstattet. Mathematik, Naturwissenschaft, selbst die empirische Kenntnis des Menschen, haben einen hohen Wert als Mittel, größtenteils zu zufälligen, am Ende aber doch zu notwendigen und wesentlichen Zwecken der Menschheit, aber alsdann nur durch Vermittlung einer Vernunfterken...
... zu entfernen.
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* Man denke ja nicht, daß ich hierunter dasjenige verstehe, was man gemeiniglich physica generalis nennt, und mehr Mathematik, als Philosophie der Natur ist. Denn die Metaphysik der Natur sondert sich gänzlich von der Mathematik ab, hat auch bei weitem nicht so viel erweiternde Einsichten anzubieten, als diese, ist aber doch sehr wichtig, in Ansehung der Kritik des auf die Natur anzuwendenden reinen Verstandeserkenntnisses überhaupt; in Ermanglung deren selbst Mathematiker, indem sie gewissen gemeinen, in der Tat doch metaphysischen Begriffen anhängen, die Naturlehre unvermerkt mit Hypothesen belästigt haben, welche bei einer Kritik dieser Prinzipien verschwinden, ohne dadurch doch dem Gebrauche der Mathematik in diesem Felde (der ganz unentbehrlich ist) im mindesten Abbruch zu tun.
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| | Das geistige Tierreich und der Betrug, oder die Sache selbst -> |
Mit dem Werke aber scheint der Unterschied der ursprünglichen Naturen einzutreten; das Werk ist wie die ursprüngliche Natur, welche es ausdrückt, ein bestimmtes, denn vom Tun frei entlassen als seiende Wirklichkeit, ist die Negativität als Qualität an ihm. Das Bewußtsein aber bestimmt sich ihm gegenüber als dasjenige, welches die Bestimmtheit als Negativität überhaupt, a...
... gegen jene Bestimmtheit des Werks, kann es also mit andern vergleichen und hieraus die Individualitäten selbst als verschiedene fassen; das in seinem Werke weiter übergreifende Individuum entweder als stärkere Energie des Willens, oder als reichere Natur, das heißt eine solche, deren ursprüngliche Bestimmtheit weniger beschränkt ist, - eine andere hingegen als eine schwächere und dürftigere Natur. Gegen diesen unwesentlichen Unterschied der Größe würde das Gute und Schlechte einen absoluten Unterschied ausdrücken; aber hier findet dieser nicht statt. Was auf die eine oder andere Weise genommen würde, ist auf gleiche Weise ein Tun und Treiben...
... Tun und Treiben, ein Sich-darstellen und Aussprechen einer Individualität, und darum alles gut, und es wäre eigentlich nicht zu sagen, was das Schlechte sein sollte. Was ein schlechtes Werk genannt würde, ist das individuelle Leben einer bestimmten Natur, die sich darin verwirklicht; zu einem schlechten Werke würde es nur durch den vergleichenden Gedanken verdorben, der aber etwas Leeres ist, da er über das Wesen des Werks, ein Sich-aussprechen der Individualität zu sein, hinausgeht und sonst, man w...
... Größeunterschied, ein unwesentlicher; und hier bestimmt darum, weil es verschiedene Werke oder Individualitäten wären, die miteinander verglichen würden; aber diese gehen einander nichts an; jedes bezieht sich nur auf sich selbst. Die ursprüngliche Natur ist allein das An-sich, oder das, was als Maßstab der Beurteilung des Werks und umgekehrt zugrunde gelegt werden könnte; beides aber entspricht sich einander, es ist nichts für die Individualität, was nicht durch sie, oder es gibt keine Wirklichkeit...
...n-sich, oder das, was als Maßstab der Beurteilung des Werks und umgekehrt zugrunde gelegt werden könnte; beides aber entspricht sich einander, es ist nichts für die Individualität, was nicht durch sie, oder es gibt keine Wirklichkeit, die nicht ihre Natur und ihr Tun, und kein Tun noch An-sich derselben, das nicht wirklich ist, und nur diese Momente sind zu vergleichen.
Es findet daher überhaupt weder Erhebung, noch Klage, noch Reue statt; denn dergleichen alles kömmt aus dem Gedanken her, der sich...
... nur diese Momente sind zu vergleichen.
Es findet daher überhaupt weder Erhebung, noch Klage, noch Reue statt; denn dergleichen alles kömmt aus dem Gedanken her, der sich einen andern Inhalt und ein anderes An-sich einbildet, als die ursprüngliche Natur des Individuums und ihre in der Wirklichkeit vorhandene Ausführung ist. Was es sei, das es tut und ihm widerfährt, dies hat es getan, und ist es selbst; es kann nur das Bewußtsein des reinen Übersetzens seiner selbst aus der Nacht der Möglichkeit in...
...iendes Werk aufgehoben wurde. Aber es soll sein, und es ist zu sehen, wie in seinem Sein die Individualität seine Allgemeinheit erhalten, und sich zu befriedigen wissen wird. - Zunächst ist das gewordene Werk für sich zu betrachten. Es hat die ganze Natur der Individualität mitempfangen; sein Sein ist daher selbst ein Tun, worin sich alle Unterschiede durchdringen und auflösen; das Werk ist also in ein Bestehen hinausgeworfen, worin die Bestimmtheit der ursprünglichen Natur in der Tat gegen andere bestimmte Naturen sich herauskehrt, in sie eingreift, wie diese andere in sie, und sich als verschwindendes Moment in dieser allgemeinen Bewegung verliert. Wenn innerhalb des Begriffs der an und für sich selbst realen Individualität alle Momente, Umstände, Zweck, M...
...indendes Moment in dieser allgemeinen Bewegung verliert. Wenn innerhalb des Begriffs der an und für sich selbst realen Individualität alle Momente, Umstände, Zweck, Mittel, und die Verwirklichung einander gleich sind, und die ursprüngliche bestimmte Natur nur als allgemeines Element gilt, so kömmt dagegen, indem dies Element gegenständliches Sein wird, seine Bestimmtheit als solche in dem Werke an den Tag, und erhält ihre Wahrheit in ihrer Auflösung. Näher stellt diese Auflösung sich so dar, daß in d...
...erk ist, d.h. es ist für andere Individualitäten, und für sie eine fremde Wirklichkeit, an deren Stelle sie die ihrige setzen müssen, um durch ihr Tun sich das Bewußtsein ihrer Einheit mit der Wirklichkeit zu geben; oder ihr durch ihre ursprüngliche Natur gesetztes Interesse an jenem Werke ist ein anderes als das eigentümliche Interesse dieses Werks, welches hiedurch zu etwas anderem gemacht ist. Das Werk ist also überhaupt etwas Vergängliches, das durch das Widerspiel anderer Kräfte und Interesse au... | | |
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