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| | Theodor MommsenRoemische Geschichte - 1. Buch |
Schlagwort: Alphabet | Übersicht - a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z | | Seite 1 von 1 | | | Mass und Schrift -> | ...en auftretenden Laute gewesen sein muss, beweist am besten die
Tatsache, dass fuer die gesamte aramaeische, indische, griechisch-roemische und
heutige Zivilisation ein einziges, von Volk zu Volk und von Geschlecht zu
Geschlecht fortgepflanztes Alphabet ausgereicht hat und heute noch ausreicht;
und auch dieses bedeutsame Erzeugnis des Menschengeistes ist gemeinsame
Schoepfung der Aramaeer und der Indogermanen. Der semitische Sprachstamm, in dem
der Vokal untergeordneter Natur ist und nie ein ...
...ermanen. Der semitische Sprachstamm, in dem
der Vokal untergeordneter Natur ist und nie ein Wort beginnen kann, erleichtert
eben deshalb die Individualisierung des Konsonanten; weshalb denn auch hier das
erste, der Vokale aber noch entbehrende Alphabet erfunden worden ist. Erst die
Inder und die Griechen haben, jedes Volk selbstaendig und in hoechst
abweichender Weise, aus der durch den Handel ihnen zugefuehrten aramaeischen
Konsonantenschrift das vollstaendige Alphabet erschaffen durch Hinzufuegung der
Vokale, welche erfolgte durch die Verwendung von vier fuer die Griechen als
Konsonantenzeichen unbrauchbarer Buchstaben fuer die vier Vokale a e i o und
durch Neubildung des Zeichens fuer u, also durch Einfueh...
...hrift statt des blossen Konsonanten, oder wie Palamedes bei Euripides sagt:
Heilmittel also ordnend der Vergessenheit
Fuegt ich lautlos' und lautende in Silben ein
Und fand des Schreibens Wissenschaft den Sterblichen.
Dies aramaeisch-hellenische Alphabet ist denn auch den Italikern zugebracht
worden und zwar durch die italischen Hellenen, nicht aber durch die
Ackerkolonien Grossgriechenlands, sondern durch die Kaufleute etwa von Kyme oder
Tarent, von denen es zunaechst nach den uralten Vermitt...
...ckerkolonien Grossgriechenlands, sondern durch die Kaufleute etwa von Kyme oder
Tarent, von denen es zunaechst nach den uralten Vermittlungsstaetten des
internationalen Verkehrs in Latium und Etrurien, nach Rom und Caere gelangt sein
wird. Das Alphabet, das die Italiker empfingen, ist keineswegs das aelteste
hellenische: es hatte schon mehrfache Modifikationen erfahren, namentlich den
Zusatz der drei Buchstaben x ph ch und die Abaenderung der Zeichen fuer y g l
^3. Auch das ist schon bemerkt...
...lteste
hellenische: es hatte schon mehrfache Modifikationen erfahren, namentlich den
Zusatz der drei Buchstaben x ph ch und die Abaenderung der Zeichen fuer y g l
^3. Auch das ist schon bemerkt worden, dass das etruskische und das latinische
Alphabet nicht eines aus dem anderen, sondern beide unmittelbar aus dem
griechischen abgeleitet sind; ja es ist sogar dies Alphabet nach Etrurien und
nach Latium in wesentlich abweichender Form gelangt. Das etruskische Alphabet
kennt ein doppeltes s (Sigma s und San sch) und nur ein einfaches k ^4 und vom r
nur die aeltere Form P; das latinische kennt, soviel wir wissen, nur ein
einziges s, dagegen ein doppeltes k (Kappa k und Koppa q) und vom r fast nur die
juenge...
...in
gleichgerichteten Zeilen, die urspruenglich wohl beliebig von links nach rechts
oder von rechts nach links laufen konnten, spaeterhin bei den Roemern in jener,
bei den Faliskern in dieser Richtung liefen. Das nach Etrurien gebrachte
Musteralphabet muss trotz seines relativ geneuerten Charakters dennoch in eine
sehr alte, wenn auch nicht positiv zu bestimmende Zeit hinaufreichen: denn da
die beiden Sibilanten Sigma und San von den Etruskern stets als verschiedene
Laute nebeneinander gebr...
...kters dennoch in eine
sehr alte, wenn auch nicht positiv zu bestimmende Zeit hinaufreichen: denn da
die beiden Sibilanten Sigma und San von den Etruskern stets als verschiedene
Laute nebeneinander gebraucht worden sind, so muss das griechische Alphabet, das
nach Etrurien kam, sie wohl auch noch in dieser Weise beide als lebendige
Lautzeichen besessen haben; unter allen uns bekannten Denkmaelern der
griechischen Sprache aber zeigt auch nicht eines Sigma und San nebeneinander im
Gebrauch. Da...
...trurien kam, sie wohl auch noch in dieser Weise beide als lebendige
Lautzeichen besessen haben; unter allen uns bekannten Denkmaelern der
griechischen Sprache aber zeigt auch nicht eines Sigma und San nebeneinander im
Gebrauch. Das lateinische Alphabet traegt allerdings, wie wir es kennen, im
ganzen einen juengeren Charakter; doch ist es nicht unwahrscheinlich, dass in
Latium nicht, wie in Etrurien, bloss eine einmalige Rezeption stattgefunden hat,
sondern die Latiner infolge ihres lebhaften...
...st es nicht unwahrscheinlich, dass in
Latium nicht, wie in Etrurien, bloss eine einmalige Rezeption stattgefunden hat,
sondern die Latiner infolge ihres lebhaften Verkehrs mit den griechischen
Nachbarn laengere Zeit sich mit dem dort ueblichen Alphabet im Gleichgewicht
hielten und den Schwankungen desselben folgten. So finden wir zum Beispiel, dass
die Formen /W, P ^5 und E den Roemern nicht unbekannt waren, aber die juengeren
AA, R und >, dieselben im gemeinen Gebrauch ersetzten; was sich n...
...ekannt waren, aber die juengeren
AA, R und >, dieselben im gemeinen Gebrauch ersetzten; was sich nur erklaeren
laesst, wenn die Latiner laengere Zeit fuer ihre griechischen Aufzeichnungen wie
fuer die in der Muttersprache sich des griechischen Alphabets als solchen
bedienten. Deshalb ist es auch bedenklich, aus dem verhaeltnismaessig juengeren
Charakter desjenigen griechischen Alphabets, das wir in Rom finden, und dem
aelteren des nach Etrurien gebrachten den Schluss zu ziehen, dass in Etrurien
frueher geschrieben worden ist als in Rom.
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^3 Die Geschichte des Alphabets bei den Hellenen besteht im wesentlichen
darin, dass gegenueber dem Uralphabet von 23 Buchstaben, das heisst dem
vokalisierten und mit dem u vermehrten phoenikischen, die verschiedenartigsten
Vorschlaege zur Ergaenzung und Verbesserung desselben gemacht worden sind und
dass jeder dieser Vorschlaege seine eigene Geschicht...
...olgenden.
I. Einfuehrung eigener Zeichen fuer die Laute x ph ch. Dieser Vorschlag ist
so alt, dass mit einziger Ausnahme desjenigen der Inseln Thera, Melos und Kreta
alle griechischen und schlechterdings alle aus dem griechischen abgeleiteten
Alphabete unter dem Einfluss desselben stehen. Urspruenglich ging er wohl dahin,
die Zeichen CH xi, PH phi, PS chi dem Alphabet am Schluss anzufuegen, und in
dieser Gestalt hat er auf dem Festland von Hellas mit Ausnahme von Athen und
Korinth und ebenso bei den sizilischen und italischen Griechen Annahme gefunden.
Die kleinasiatischen Griechen dagegen und die der Insel...
...nnahme gefunden.
Die kleinasiatischen Griechen dagegen und die der Inseln des Archipels, ferner
auf dem Festland die Korinther scheinen, als dieser Vorschlag zu ihnen gelangte,
fuer den Laut ~i bereits das fuenfzehnte Zeichen des phoenikischen Alphabets
(Samech) X im Gebrauch gehabt zu haben; sie verwendeten deshalb von den drei
neuen Zeichen zwar das PH auch fuer phi, aber das CH nicht fuer xi sondern fuer
chi. Das dritte, urspruenglich fuer chi erfundene Zeichen liess man wohl
meistentei...
...en, sondern dafuer
wie frueher der Doppelkonsonant geschrieben ward.
II. Ebenso frueh, wenn nicht noch frueher, hat man sich bemueht, die
naheliegende Verwechslung der Formen fuer i und s zu verhueten; denn saemtliche
uns bekannte griechische Alphabete tragen die Spuren des Bestrebens, beide
Zeichen anders und schaerfer zu unterscheiden. Aber schon in aeltester Zeit
muessen zwei Aenderungsvorschlaege gemacht sein, deren jeder seinen eigenen
Verbreitungskreis gefunden hat: entweder man verwe...
...nders und schaerfer zu unterscheiden. Aber schon in aeltester Zeit
muessen zwei Aenderungsvorschlaege gemacht sein, deren jeder seinen eigenen
Verbreitungskreis gefunden hat: entweder man verwendete fuer den Sibilanten,
wofuer das phoenikische Alphabet zwei Zeichen, das vierzehnte (M) fuer sch und
das achtzehnte (S) fuer s, darbot, statt des letzteren, lautlich angemesseneren
vielmehr jenes - und so schrieb man in aelterer Zeit auf den oestlichen Inseln,
in Korinth und Kerkyra und bei den it...
...bestimmten
Zeit und an einem bestimmten Orte aufgekommen ist und sodann ihren eigenen
Verbreitungsweg genommen und ihre besondere Entwicklung gefunden hat. Die
vortreffliche Untersuchung A. Kirchhoffs (Studien zur Geschichte des
griechischen Alphabets. Guetersloh 1863), welche auf die bisher so dunkle
Geschichte des hellenischen Alphabets ein helles Licht geworfen und auch fuer
die aeltesten Beziehungen zwischen Hellenen und Italikern wesentliche Daten
ergeben, namentlich die bisher ungewisse Heimat des etruskischen Alphabets
unwiderleglich festgestellt hat, leidet insofern an einer gewissen
Einseitigkeit, als sie auf einen einzelnen dieser Vorschlaege verhaeltnismaessig
zu grosses Gewicht legt. Wenn ueberhaupt hier Systeme geschieden werden sollen,
darf man die...
...
unwiderleglich festgestellt hat, leidet insofern an einer gewissen
Einseitigkeit, als sie auf einen einzelnen dieser Vorschlaege verhaeltnismaessig
zu grosses Gewicht legt. Wenn ueberhaupt hier Systeme geschieden werden sollen,
darf man die Alphabete nicht nach der Geltung des X als x oder als ch in zwei
Klassen teilen, sondern wird man das Alphabet von 23 und das von 25 oder 26
Buchstaben und etwa in dem letzteren noch das kleinasiatisch-ionische, aus dem
das spaetere Gemeinalphabet hervorgegangen ist, und das gemeingriechische der
aelteren Zeit zu unterscheiden haben. Es haben aber vielmehr im Alphabet die
einzelnen Landschaften sich den verschiedenen Modifikationsvorschlaegen
gegenueber wesentlich eklektisch verhalten und ist der eine hier, der andere
dort rezipiert worden. Eben insofern ist die Geschichte des griechischen
Alphabets so lehrreich, als sie zeigt, wie in Handwerk und Kunst einzelne
Gruppen der griechischen Landschaften die Neuerungen austauschten, andere in
keinem solchen Wechselverhaeltnis standen. Was insbesondere Italien betrifft, so
ist schon auf den me...
...rden; in jenen sind durchgaengig die primitiven Formen festgehalten, in diesen
die verbesserten Formen angenommen, selbst solche, die von verschiedenen Seiten
kommend sich gewissermassen widersprechen, wie das C Y neben dem V l. Die
italischen Alphabete stammen, wie Kirchhoff gezeigt hat, durchaus von dem
Alphabet der italischen Griechen und zwar von dem chalkidisch-dorischen her;
dass aber die Etrusker und die Latiner nicht die einen von den andern, sondern
beide unmittelbar von den Griechen das Alphabet empfingen, setzt besonders die
verschiedene Form des r ausser Zweifel. Denn waehrend von den vier oben
bezeichneten Modifikationen des Alphabets, die die italischen Griechen
ueberhaupt angehen (die fuenfte blieb auf Kleinasien beschraenkt), die drei
ersten bereits durchgefuehrt waren, bevor dasselbe auf die Etrusker und Latiner
ueberging, war die Differenzierung von p und r noch nicht...
...
Tongefaesses ausschliesslich die juengere Form begegnet.
^4 Dass das Koppa den Etruskern von jeher gefehlt hat, scheint nicht
zweifelhaft: denn nicht bloss begegnet sonst nirgends eine sichere Spur
desselben, sondern es fehlt auch in dem Musteralphabet des galassischen
Gefaesses. Der Versuch, es in dem Syllabarium desselben nachzuweisen, ist auf
jeden Fall verfehlt, da dieses nur auf die auch spaeterhin gemein
gebraeuchlichen etruskischen Buchstaben Ruecksicht nimmt und nehmen kann zu
dies...
...ruskischen Buchstaben Ruecksicht nimmt und nehmen kann zu
diesen aber das Koppa notorisch nicht gehoert; ueberdies kann das am Schluss
stehende Zeichen seiner Stellung nach nicht wohl einen anderen Wert haben als
den des f, das im etruskischen Alphabet eben das letzte ist und das in dem, die
Abweichungen .des etruskischen Alphabets von seinem Muster darlegenden
Syllabarium nicht fehlen durfte. Auffallend bleibt es freilich, dass in dem nach
Etrurien gelangten griechischen Alphabet das Koppa mangelte da es sonst in dem
chalkidisch-dorischen sich lange behauptet hat; aber es kann dies fueglich eine
lokale Eigentuemlichkeit derjenigen Stadt gewesen sein, deren Alphabet zunaechst
nach Etrurien gekommen ist. Darin, ob ein als ueberfluessig werdendes Zeichen im
Alphabet stehenbleibt oder ausfaellt, hat zu allen Zeiten Willkuer und Zufall
gewaltet; so hat das attische Alphabet das achtzehnte phoenikische Zeichen
eingebuesst, die uebrigen aus der Lautschrift verschwundenen im Alphabet
festgehalten.
^5 Die vor kurzem bekannt gewordene goldene Spange von Praeneste (RM 2,
1887), unter den verstaendlichen Denkmaelern lateinischer Sprache und
lateinischer Schrift das weitaus aelteste zeigt die aeltere Form des m, das
raetselh... | | |
| | Mass und Schrift -> | ... auf die
Empfaenger machte und wie lebhaft sie die in diesen unscheinbaren Zeichen
schlummernde Macht ahnten, beweist ein merkwuerdiges Gefaess aus einer vor
Erfindung des Bogens gebauten Grabkammer von Caere, worauf das altgriechische
Musteralphabet, wie es nach Etrurien kam, und daneben ein daraus gebildetes
etruskisches Syllabarium, jenem des Palamedes vergleichbar, verzeichnet ist -
offenbar eine heilige Reliquie der Einfuehrung und der Akklimatisierung der
Buchstabenschrift in Etrurie...
...us gebildetes
etruskisches Syllabarium, jenem des Palamedes vergleichbar, verzeichnet ist -
offenbar eine heilige Reliquie der Einfuehrung und der Akklimatisierung der
Buchstabenschrift in Etrurien.
Nicht minder wichtig als die Entlehnung des Alphabets ist fuer die
Geschichte dessen weitere Entwicklung auf italischem Boden, ja vielleicht noch
wichtiger; denn hierdurch faellt ein Lichtstrahl auf den italienischen
Binnenverkehr, der noch weit mehr im Dunkeln liegt als der Verkehr an den
Kue...
...faellt ein Lichtstrahl auf den italienischen
Binnenverkehr, der noch weit mehr im Dunkeln liegt als der Verkehr an den
Kuesten mit den Fremden. In der aeltesten Epoche der etruskischen Schrift, in
der man sich im wesentlichen des eingefuehrten Alphabets unveraendert bediente,
scheint der Gebrauch desselben sich auf die Etrusker am Po und in der heutigen
Toskana beschraenkt zu haben; dieses Alphabet ist alsdann, offenbar von Atria
und Spina aus, suedlich an der Ostkueste hinab bis in die Abruzzen, noerdlich zu
den Venetern und spaeter sogar zu den Kelten an und in den Alpen, ja jenseits
derselben gelangt, sodass die letzten Auslaeufer des...
...zen, noerdlich zu
den Venetern und spaeter sogar zu den Kelten an und in den Alpen, ja jenseits
derselben gelangt, sodass die letzten Auslaeufer desselben bis nach Tirol und
Steiermark reichen. Die juengere Epoche geht aus von einer Reform des Alphabets,
welche sich hauptsaechlich erstreckt auf die Einfuehrung abgesetzter
Zeilenschrift, auf die Unterdrueckung des o, das man im Sprechen vom u nicht
mehr zu unterscheiden wusste, und auf die Einfuehrung eines neuen Buchstabens f,
wofuer dem u...
...ch hauptsaechlich erstreckt auf die Einfuehrung abgesetzter
Zeilenschrift, auf die Unterdrueckung des o, das man im Sprechen vom u nicht
mehr zu unterscheiden wusste, und auf die Einfuehrung eines neuen Buchstabens f,
wofuer dem ueberlieferten Alphabet das entsprechende Zeichen mangelte. Diese
Reform ist offenbar bei den westlichen Etruskern entstanden und hat, waehrend
sie jenseits des Apennin keinen Eingang fand, dagegen bei saemtlichen
sabellischen Staemmen, zunaechst bei den Umbrern sich...
...t offenbar bei den westlichen Etruskern entstanden und hat, waehrend
sie jenseits des Apennin keinen Eingang fand, dagegen bei saemtlichen
sabellischen Staemmen, zunaechst bei den Umbrern sich eingebuergert; im weiteren
Verlaufe sodann hat das Alphabet bei jedem einzelnen Stamm, den Etruskern am
Arno und um Capua, den Umbrern und Samniten seine besonderen Schicksale
erfahren, haeufig die Mediae ganz oder zum Teil verloren, anderswo wieder neue
Vokale und Konsonanten entwickelt. Jene westetru...
...n Stamm, den Etruskern am
Arno und um Capua, den Umbrern und Samniten seine besonderen Schicksale
erfahren, haeufig die Mediae ganz oder zum Teil verloren, anderswo wieder neue
Vokale und Konsonanten entwickelt. Jene westetruskische Reform des Alphabets
aber ist nicht bloss so alt wie die aeltesten in Etrurien gefundenen Graeber,
sondern betraechtlich aelter, da das erwaehnte, wahrscheinlich in einem
derselben gefundene Syllabarium das reformierte Alphabet bereits in einer
wesentlich modifizierten und modernisierten Gestalt gibt; und da das reformierte
selbst wieder, gegen das primitive gehalten, relativ jung ist, so versagt sich
fast der Gedanke dem Zurueckgehen in jene Zeit, wo dies Alphabet nach Italien
gelangte.
Erscheinen sonach die Etrusker als die Verbreiter des Alphabets im Norden,
Osten und Sueden der Halbinsel, so hat sich dagegen das latinische Alphabet auf
Latium beschraenkt und hier im ganzen mit geringen Veraenderungen sich
behauptet; nur fielen g k und z s allmaehlich lautlich zusammen, wovon die Folge
war, dass je eins der homophonen Zeichen (k z) aus der Schrift verschwand. In
Rom war...
...ss die Entstehung der Homerischen Gedichte,
wenn auch natuerlich nicht gerade die der uns vorliegenden Redaktion, weit vor
die Zeit fallen, in welche Herodot die Bluete des Homeros setzt (100 vor Rom
850); denn die Einfuehrung des hellenischen Alphabets in Italien gehoert wie der
Beginn des Verkehrs zwischen Hellas und Italien selbst erst der nachhomerischen
Zeit an.
^10 Ebenso altsaechsisch writan eigentlich reissen, dann schreiben.
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Die Geschichte der italischen Schrift bestaetigt also zunaechst die
schwache und mittelbare Einwirkung des hellenischen Wesens auf die Sabeller im
Gegensatz zu den westlicheren Voelkern. Dass jene das Alphabet von den
Etruskern, nicht von den Roemern empfingen, erklaert sich wahrscheinlich daraus,
dass sie das Alphabet schon besassen, als sie den Zug auf den Ruecken des
Apennin antraten, die Sabiner wie die Samniten also dasselbe schon vor ihrer
Entlassung aus dem Mutterlande in ihre neuen Sitze mitbrachten. Andererseits
enthaelt diese Geschichte der Schrift...
... Latiner dazu gekommen sind, das griechische dem v
entsprechende Zeichen fuer das lautlich ganz verschiedene f zu verwenden, hat
die Spange von Praeneste geloest mit ihrem fhefhaked fuer fecit und damit
zugleich die Herleitung des lateinischen Alphabets von den chalkidischen
Kolonien Unteritaliens bestaetigt. Denn in einer, demselben Alphabet
angehoerigen boeotischen Inschrift findet sich in dem Worte fhekadamoe (Gustav
Meyer, Griechische Grammatik, 244 a. E.) dieselbe Lautverbindung, und ein
aspiriertes v mochte allerdings dem lateinischen f lautlich sich naehern.
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...Lautverbindung, und ein
aspiriertes v mochte allerdings dem lateinischen f lautlich sich naehern.
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Endlich ist es charakteristisch, dass in allen italischen Staemmen die
Entwicklung des griechischen Alphabets zunaechst in einer Verderbung desselben
besteht. So sind die Mediae in den saemtlichen etruskischen Dialekten
untergegangen, waehrend die Umbrer g d, die Samniten d, die Roemer g einbuessten
und diesen auch d mit r zu verschmelzen drohte. Ebe...
...t, aber dafuer zwei neue Sibilanten entwickelt, beschraenkt sich
der Samnite und der Falisker auf s und z gleich dem Griechen, der spaetere
Roemer sogar auf s allein. Man sieht, die feineren Lautverschiedenheiten wurden
von den Einfuehrern des Alphabets, gebildeten und zweier Sprachen maechtigen
Leuten, wohl empfunden; aber nach der voelligen Loesung der nationalen Schrift
von dem hellenischen Mutteralphabet fielen allmaehlich die Mediae und ihre
Tenues zusammen und wurden die Sibilanten und Vokale zerruettet, von welchen
Lautverschiebungen oder vielmehr Lautzerstoerungen namentlich die erste ganz
ungriechisch ist. Die Zerstoerung der Flexions- un... | | |
| | Die umbrisch-sabellischen Staemme - Anfaenge der Samniten | ...und dem Tiber. In Falerii, der Grenzstadt Etruriens gegen Umbrien und das
Sabinerland, ward nach Strabons Zeugnis eine andere Sprache geredet als die
etruskische, und neuerdings sind daselbst derartige Inschriften zum Vorschein
gekommen, deren Alphabet und Sprache zwar auch mit dem Etruskischen
Beruehrungspunkte hat, aber doch im allgemeinen dem Latinischen analog ist ^1.
Auch der Lokalkult zeigt sabellische Spuren; in denselben Kreis gehoeren die
uralten, auch sakralen Beziehungen zwischen ...
...edte entrissen haben, und, was mehr ist, in
den Nationalgebeten der umbrischen Iguviner, die wir noch besitzen, werden nebst
anderen Staemmen vor allem die Tusker als Landesfeinde verwuenscht.
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^1 In dem Alphabet ist besonders bemerkenswert, das r von der lateinischen
(R), nicht von der etruskischen Form (D) und das z ( ); es kann nur aus dem
primitiven lateinischen abgeleitet sein und wird dies sehr getreu darstellen.
Die Sprache steht ebenfalls dem a... | | |
| | Ackerbau, Gewerbe und Verkehr -> | ...chischen Kaufleuten herruehren koennen,
wahrscheinlicher aber doch von phoenikischen Handelsmaennern eingefuehrt wurden.
Indes darf diesem phoenikischen Verkehr nicht zu viel Bedeutung beigelegt und
namentlich nicht uebersehen werden, dass das Alphabet wie alle sonstigen
Anregungen und Befruchtungen der einheimischen Kultur von den Griechen, nicht
von den Phoenikern nach Etrurien gebracht sind.
Nach einer anderen Richtung weist der latinische Verkehr. So selten wir
auch Gelegenheit haben, V...
...ergleichungen der roemischen und der etruskischen
Aufnahme hellenischer Elemente anzustellen, so zeigen sie doch, wo sie moeglich
sind, eine vollstaendige Unabhaengigkeit beider Voelkerschaften voneinander. Am
deutlichsten tritt dies hervor im Alphabet: das von den chalkidisch-dorischen
Kolonien in Sizilien oder Kampanien den Etruskern zugebrachte griechische weicht
nicht unwesentlich ab von dem den Latinern ebendaher mitgeteilten, und beide
Voelker haben also hier zwar aus derselben Quelle,... | | |
| | Die Kunst -> | ...dies ja
genau genommen von selbst versteht, die allgemeinen Handels- und
Verkehrsbeziehungen auch fuer die Kunstmuster entscheidend gewesen sind, so kann
mit Sicherheit angenommen werden, dass die kampanischen und sizilischen Hellenen
wie im Alphabet so auch in der Kunst die Lehrmeister Latiums gewesen sind; und
die Analogie der aventinischen Diana mit der ephesischen Artemis widerspricht
dem wenigstens nicht. Daneben war denn natuerlich die aeltere etruskische Kunst
auch fuer Latium Muste...
...ind; und
die Analogie der aventinischen Diana mit der ephesischen Artemis widerspricht
dem wenigstens nicht. Daneben war denn natuerlich die aeltere etruskische Kunst
auch fuer Latium Muster. Den sabellischen Staemmen ist wie das griechische
Alphabet so auch die griechische Bau- und Bildkunst wenn ueberhaupt doch nur
durch Vermittlung der westlicheren italischen Staemme nahegetreten.
Wenn aber endlich ueber die Kunstbegabung der verschiedenen italischen
Nationen ein Urteil gefaellt werden s... | | |
| | Die Hellenen in Italien Seeherrschaft der Tusker und Karthager -> | ...tig bestimmt hat, so war Italien den Griechen ein Jahrhundert vor der
Gruendung Roms (850) noch unbekannt; indes jene Ansetzung ist wie alle anderen
der Lebenszeit Homers kein Zeugnis, sondern ein Schluss, und wer die Geschichte
der italischen Alphabete sowie die merkwuerdige Tatsache erwaegt, dass den
Italikern das Griechenvolk bekannt ward, bevor der hellenische Stammname
aufgekommen war, und die Italiker ihre Bezeichnung der Hellenen von dem in
Hellas frueh verschollenen Stamm der Grai od...
...ht gerade den wohlbekannten
naechstwohnenden Hellenen entnommen ward. Wie man es damit vereinigen will, dass
noch ein Jahrhundert vor der Gruendung Roms Italien den kleinasiatischen
Griechen voellig unbekannt war, ist schwer abzusehen. Von dem Alphabet wird
unten die Rede sein; es ergibt dessen Geschichte vollkommen die gleichen
Resultate. Man wird es vielleicht verwegen nennen, auf solche Beobachtungen hin
die Herodotische Angabe ueber das Zeitalter Homers zu verwerfen; aber ist es
etwa k... | | |
| | Ackerbau, Gewerbe und Verkehr -> | | ...e, wurde im allgemeinen schon frueher bezeichnet. Fast ganz
unberuehrt von ihm blieben die sabellischen Staemme, die nur einen geringen und
unwirtlichen Kuestensaum innehatten, und was ihnen von den fremden Nationen
zukam, wie zum Beispiel das Alphabet, nur durch tuskische oder latinische
Vermittlung empfingen; woher denn auch der Mangel staedtischer Entwicklung
ruehrt. Auch Tarents Verkehr mit den Apulern und Messapiern scheint in dieser
Epoche noch gering gewesen zu sein. Anders an der Wes... | | |
| | Mass und Schrift -> | | ...he Schrift zu lesen versteht, steht in diesen Namen und Zahlen
die ganze Regsamkeit und Bedeutung jenes sizilisch-latinischen Verkehrs
geschrieben.
Die griechischen Zahlzeichen nahm man nicht auf; wohl aber benutzte der
Roemer das griechische Alphabet, als ihm dies zukam, um aus den ihm unnuetzen
Zeichen der drei Hauchbuchstaben die Ziffern 50 und 1000, vielleicht auch die
Ziffer 100 zu gestalten. In Etrurien scheint man auf aehnlichem Wege wenigstens
das Zeichen fuer 100 gewonnen zu haben.... | | |
| | Die Kunst -> | | ...rien gewirkt hat, stand, wie ihr Abbild
beweist, noch auf einer sehr primitiven Stufe und es moegen wohl die Etrusker in
nicht viel spaeterer Zeit von den Griechen gelernt haben, in Ton und Metall zu
arbeiten, als diejenige war, in der sie das Alphabet von ihnen entlehnten. Von
etruskischer Kunstfertigkeit dieser Epoche geben die Silbermuenzen von
Populonia, fast die einzigen mit einiger Sicherheit dieser Epoche zuzuweisenden
Arbeiten, nicht gerade einen hohen Begriff; doch moegen von den et... | | |
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