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Theodor Mommsen

Roemische Geschichte - 1. Buch


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Die Landwirtschaft ging wesentlich auf den Getreidebau, das gewoehnliche Korn war der Spelt (far) ^4; doch wurden auch Huelsenfruechte, Rueben und Gemuese fleissig gezogen.

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^4 Vielleicht der juengste, obwohl schwerlich der letzte Versuch, den Nachweis zu fuehren, dass die latinische Bauernfamilie von zwei Morgen Landes hat leben koennen, ist hauptsaechlich darauf gestuetzt worden, dass Varro (tust. 1, 44, 1) als Aussaat auf den Morgen fuenf Scheffel Weizen, dagegen zehn Scheffel Spelt rechnet und diesem entsprechend den Ertrag ansetzt, woraus denn gefolgert wird, dass der Speltbau wo nicht den doppelten, doch einen betraechtlich hoeheren Ertrag liefert als der Weizenbau. Es ist aber vielmehr das Umgekehrte richtig und jene nominell hoehere Aussaat und Ernte einfach zu erklaeren aus dem Umstand, dass die Roemer den Weizen ausgehuelst lagerten und saeten, den Spelt aber in den Huelsen (Plin. nat. 18, 7, 61), die sich hier durch das Dreschen nicht von der Frucht trennen. Aus demselben Grunde wird der Spelt auch heutzutage noch doppelt so stark gesaet als der Weizen und liefert nach Scheffelmass doppelt hoeheren Ertrag, nach Abzug der Huelsen aber geringeren. Nach wuerttembergischen Angaben, die mir G. Hanssen mitteilt, rechnet man dort als Durchschnittsertrag fuer den wuerttembergischen Morgen an Weizen (bei einer Aussaat von ¬-« Scheffel) drei Scheffel zum mittleren Gewicht von 275 Pfund (= 825 Pfund), an Spelt (bei einer Aussaat von «-1« Scheffel) mindestens sieben Scheffel zum mittleren Gewicht von 150 Pfund (= 1050 Pfund), welche durch die Schaelung sich auf etwa vier Scheffel reduzieren. Also liefert der Spelt, verglichen mit dem Weizen, im Bruttoertrag mehr als doppelte, bei gleich gutem Boden vielleicht dreifache Ernte, dem spezifischen Gewicht nach aber vor der Enthuelsung nicht viel ueber, nach der Enthuelsung (als Kern") weniger als die Haelfte. Nicht aus Versehen, wie behauptet worden ist, sondern weil es zweckmaessig ist, bei Ueberschlaegen dieser Art von ueberlieferten und gleichartigen Ansetzungen auszugehen, ist die oben aufgestellte Berechnung auf Weizen gestellt worden; sie durfte es, weil sie, auf Spelt uebertragen, nicht wesentlich abweicht und der Ertrag eher faellt als steigt. Der Spelt ist genuegsamer in bezug auf Boden und Klima und weniger Gefahren ausgesetzt als der Weizen; aber der letztere liefert im ganzen, namentlich wenn man die nicht unbetraechtlichen Enthuelsungskosten in Anschlag bringt, einen hoeheren Reinertrag (nach fuenfzigjaehrigem Durchschnitt stellt in der Gegend von Frankenthal in Rheinbayern sich der Malter Weizen auf 11 Gulden 3 Kreuzer, der Malter Spelt auf 4 Gulden 30 Kreuzer), und wie in Sueddeutschland, wo der Boden ihn zulaesst, der Weizenbau vorgezogen wird, und ueberhaupt bei vorschreitender Kultur dieser den Speltbau zu verdraengen pflegt, so ist auch der gleichartige Uebergang der italischen Landwirtschaft vom Spelt- zum Weizenbau unleugbar ein Fortschritt gewesen.


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