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| | Theodor MommsenRoemische Geschichte - 5. Buch | Seite 6 von 11 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 | | Die Partei strengte alle ihre Kraefte fuer den Wahlkampf an. Crassus und Caesar setzten ihr Geld - eigenes oder geborgtes -und ihre Verbindungen ein, um Catilina und Antonius das Konsulat zu verschaffen; Catilinas Genossen spannten jeden Nerv an, um den Mann an das Ruder zu bringen, der ihnen die Aemter und Priestertuemer, die Palaeste und Landgueter ihrer Gegner und vor allen Dingen Befreiung von ihren Schulden verhiess und von dem man wusste, dass er Wort halten werde. Die Aristokratie war in grosser Not, hauptsaechlich weil sie nicht einmal Gegenkandidaten aufzustellen vermochte. Dass ein solcher seinen Kopf wagte, war offenbar; und die Zeiten waren nicht mehr, wo der Posten der Gefahr den Buerger lockte - jetzt schwieg selbst der Ehrgeiz vor der Angst. So begnuegte sich die Nobilitaet, einen schwaechlichen Versuch zu machen, den Wahlumtrieben durch Erlassung eines neuen Gesetzes ueber den Stimmenkauf zu steuern -was uebrigens an der Interzession eines Volkstribunen scheiterte - und ihre Stimmen auf einen Bewerber zu werfen, der ihr zwar auch nicht genehm, aber doch wenigstens unschaedlich war. Es war dies Marcus Cicero, notorisch ein politischer Achseltraeger ^4, gewohnt bald mit den Demokraten, bald mit Pompeius, bald aus etwas weiterer Ferne mit der Aristokratie zu liebaeugeln und jedem einflussreichen Beklagten ohne Unterschied der Person oder Partei - auch Catilina zaehlte er unter seinen Klienten - Advokatendienste zu leisten, eigentlich von keiner Partei oder, was ziemlich dasselbe ist, von der Partei der materiellen Interessen, die in den Griechen dominierte und den beredten Sachwalter, den hoeflichen und witzigen Gesellschafter gern hatte. Er hatte Verbindungen genug in der Hauptstadt und den Landstaedten, um neben den vor der Demokratie aufgestellten Kandidaten eine Chance zu haben; und da auch die Nobilitaet, obwohl nicht gern, und die Pompeianer fuer ihn stimmten, ward er mit grosser Majoritaet gewaehlt. Die beiden Kandidaten der Demokratie erhielten fast gleich viele Stimmen, jedoch fielen auf Antonius, dessen Familie angesehener war als die seines Konkurrenten, einige mehr. Dieser Zufall vereitelte die Wahl Catilinas und rettete Rom vor einem zweiten Cinna. Schon etwas frueher war Piso, es hiess auf Anstiften seines politischen und persoenlichen Feindes Pompeius, in Spanien von seiner einheimischen Eskorte niedergemacht worden ^5. Mit dem Konsul Antonius allein war nichts anzufangen; Cicero sprengte das lockere Band, das ihn an die Verschwoerung knuepfte, noch ehe sie beide ihre Aemter antraten, indem er auf die von Rechts wegen ihm zustehende Losung um die Konsularprovinzen Verzicht leistete und dem tief verschuldeten Kollegen die eintraegliche Statthalterschaft Makedonien ueberliess. Die wesentlichen Vorbedingungen auch dieses Anschlags waren also gefallen.
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^4 Naiver kann dies nicht ausgesprochen werden, als es in der seinem Bruder untergeschobenen Denkschrift geschieht (pet. 1, 5; 13, 51 53 vom Jahre 690 64); der Bruder selbst wuerde schwerlich sich so offenherzig oeffentlich geaeussert haben. Als authentisches Belegstueck dazu werden unbefangene Leute nicht ohne Interesse die zweite Rede gegen Rullus lesen, wo der "erste demokratische Konsul", in sehr ergoetzlicher Weise das liebe Publikum nasfuehrend, ihm die "richtige Demokratie" entwickelt. ^5 Seine noch vorhandene Grabschrift lautet: Cn. Calpurnius Cn, f. Piso quaestor pro pr. ex s. c. provinciam Hispaniam citeriorem optinuit. | | |
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