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| | Theodor MommsenRoemische Geschichte - 5. Buch | Seite 1 von 10 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 | | Crassus´ Tod - Der Bruch der Gesamtherrscher | Unter den Haeuptern des "dreikoepfigen Ungeheuers" war Marcus Crassus jahrelang mitgerechnet worden, ohne eigentlich mitzuzaehlen. Er diente den wirklichen Machthabern Pompeius und Caesar als Gleichgewichtstein, oder genauer gesagt, er fiel in Caesars Waagschale gegen Pompeius. Diese Rolle ist nicht allzu ehrenvoll; aber Crassus ward nie durch leidenschaftliches Ehrgefuehl gehindert, seinen Vorteil zu verfolgen. Er war Kaufmann und liess mit sich handeln. Was ihm geboten ward, war nicht viel; da indes mehr nicht zu erhalten war, nahm er es an und suchte den nagenden Ehrgeiz und den Verdruss ueber seine der Macht so nahe und doch machtlose Stellung ueber den immer hoeher sich ihm haeufenden Goldbergen zu vergessen. Aber die Konferenz zu Luca wandelte auch fuer ihn die Verhaeltnisse um: um gegen Pompeius nach den so ausgedehnten Zugestaendnissen auch ferner im Uebergewicht zu bleiben, gab Caesar seinem alten Verbuendeten Crassus Gelegenheit, durch den Parthischen Krieg ebendahin in Syrien zu gelangen, wohin Caesar durch den keltischen in Gallien gelangt war. Es war schwer zu sagen, ob diese neuen Aussichten mehr den Heisshunger nach Gold reizten, der dem jetzt sechzigjaehrigen Manne zur anderen Natur geworden war und mit jeder neu erworbenen Million nur um so zehrender ward, oder mehr den in der Brust des Graukopfs lange muehsam niedergekaempften und jetzt mit unheimlichem Feuer in ihr gluehenden Ehrgeiz. Bereits Anfang 700 (54) traf er in Syrien ein: nicht einmal den Ablauf seines Konsulats hatte er abgewartet um aufzubrechen. Voll hastiger Leidenschaft schien er jede Minute auskaufen zu wollen, um das Versaeumte nachzuholen, zu den Schaetzen des Westens noch die des Ostens einzutun, Feldherrnmacht und Feldherrnruhm rasch wie Caesar und muehelos wie Pompeius zu erjagen.
Er fand den Parthischen Krieg bereits eingeleitet. Pompeius' illoyales Verhalten gegen die Parther ist frueher erzaehlt worden; er hatte die vertragsmaessige Euphratgrenze nicht respektiert und zu Gunsten Armeniens, das jetzt roemischer Klientelstaat war, mehrere Landschaften vom Parthischen Reich abgerissen. Koenig Phraates hatte sich das gefallen lassen: nachdem er aber von seinen beiden Soehnen Mithradates und Orodes ermordet worden war, erklaerte der neue Koenig Mithradates dem Koenig von Armenien, des kuerzlich verstorbenen Tigranes Sohn Artavasdes, sofort den Krieg (um 698 ^1 56). Es war dies zugleich eine Kriegserklaerung gegen Rom; sowie daher der Aufstand der Juden unterdrueckt war, fuehrte der tuechtige und mutige Statthalter Syriens, Gabinius, die Legionen ueber den Euphrat. Im Partherreich indes war inzwischen eine Umwaelzung eingetreten; die Grossen des Reiches, an ihrer Spitze der junge, kuehne und talentvolle Grosswesir, hatten den Koenig Mithradates gestuerzt und dessen Bruder Orodes auf den Thron gesetzt. Mithradates machte deshalb gemeinschaftliche Sache mit den Roemern und begab sich in Gabinius' Lager. Alles versprach dem Unternehmen des roemischen Statthalters den besten Erfolg, als er unvermutet Befehl bekam, den Koenig von Aegypten mit Waffengewalt nach Alexandreia zurueckzufuehren. Er wusste gehorchen; aber in der Erwartung, bald wieder zurueck zu sein, veranlasste er den bei ihm um Hilfe bittenden entthronten Partherfuersten, den Krieg inzwischen auf eigene Faust zu eroeffnen. Mithradates tat es und Seleukeia und Babylon erklaerten sich fuer ihn; aber Seleukeia nahm der Wesir, er persoenlich der erste auf der Zinne, mit stuermender Hand ein, und in Babylon wusste Mithradates selbst, durch Hunger bezwungen, sich ergeben, worauf er auf Befehl des Bruders hingerichtet ward. Sein Tod war ein fuehlbarer Verlust fuer die Roemer; aber die Gaerung im Parthischen Reich war doch keineswegs damit zu Ende und auch der armenische Krieg waehrte noch fort. Eben war Gabinius im Begriff, nach Beendigung des aegyptischen Feldzuges die immer noch guenstige Gelegenheit zu nutzen und den unterbrochenen Parthischen Krieg wiederaufzunehmen, als Crassus in Syrien eintraf und mit dem Kommando zugleich die Plaene seines Vorgaengers uebernahm. Voll hochfliegender Hoffnungen schlug er die Schwierigkeiten des Marsches gering, die Widerstandskraft der feindlichen Heere noch geringer an; zuversichtlich sprach er nicht bloss von der Unterwerfung der Panther, sondern eroberte schon in Gedanken die Reiche von Baktrien und Indien.
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^1 Tigranes lebte noch im Februar 698 (56) (Cic. Sest. 27, 59); dagegen herrschte Artavasdes schon vor 700 (54) (Iust. 42, 2, 4; Plut. Crass. 49). | | |
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