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| | Theodor MommsenRoemische Geschichte - 5. Buch | Seite 14 von 18 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 | | Waehrend also die Truemmer der geschlagenen Partei ratlos vom Schicksal sich treiben liessen und auch die den Kampf fortzusetzen entschieden waren nicht wussten, wie noch wo, hatte Caesar, wie immer rasch entschlossen und rasch handelnd, alles beiseite gelassen, um Pompeius zu verfolgen, den einzigen seiner Gegner, den er als Offizier achtete, und denjenigen, dessen persoenliche Gefangennahme die eine und vielleicht die gefaehrlichere Haelfte seiner Gegner wahrscheinlich paralysiert haben wuerde. Mit weniger Mannschaft fuhr er ueber den Hellespont - seine einzelne Barke traf in demselben auf eine feindliche, nach dem Schwarzen Meere bestimmte Flotte und nahm die ganze, durch die Kunde von der Pharsalischen Schlacht wie mit Betaeubung geschlagene Mannschaft derselben gefangen - und eilte, sowie die notwendigsten Anordnungen getroffen waren, Pompeius in den Osten nach. Dieser war vom Pharsalischen Schlachtfeld nach Lesbos gegangen, wo er seine Gemahlin und seinen zweiten Sohn Sextus abholte, und weiter um Kleinasien herum nach Kilikien und von da nach Kypros gesegelt. Er haette zu seinen Parteigenossen nach Kerkyra oder Afrika gelangen koennen; allein der Widerwille gegen seine aristokratischen Verbuendeten und der Gedanke an die Aufnahme, die nach dem Tage von Pharsalos und vor allem nach seiner schimpflichen Flucht ihn dort erwartete, scheinen ihn bewogen zu haben, seinen Weg fuer sich zu gehen und lieber in den Schutz des Partherkoenigs als in den Catos sich zu begeben. Waehrend er beschaeftigt war, von den roemischen Steuerpaechtern und Kaufleuten auf Kypros Geld und Sklaven beizutreiben und einen Haufen von 2000 Sklaven zu bewaffnen, erhielt er die Nachricht, dass Antiocheia sich fuer Caesar erklaert habe und der Weg zu den Parthern nicht mehr offen sei. So aenderte er seinen Plan und ging unter Segel nach Aegypten, wo in dem Heere eine Menge seiner alten Soldaten dienten und die Lage und die reichen Hilfsmittel des Landes Zeit und Gelegenheit gewaehrten, den Krieg zu reorganisieren.
In Aegypten hatten nach Ptolemaeos Auletes' Tode (Mai 703 51) dessen Kinder, die etwa sechzehnjaehrige Kleopatra und der zehnjaehrige Ptolemaeos Dionysos, nach dem Willen ihres Vaters gemeinschaftlich und als Gatten, den Thron bestiegen; allein bald hatte der Bruder oder vielmehr dessen Vormund Potheinos die Schwester aus dem Reiche getrieben und sie genoetigt, eine Zuflucht in Syrien zu suchen, von wo aus sie Anstalten traf, um in ihr vaeterliches Reich zurueckzugelangen. Ptolemaeos und Potheinos standen eben, um gegen sie die Ostgrenze zu decken, mit der ganzen aegyptischen Armee bei Pelusion, als Pompeius bei dem Kasischen Vorgebirge vor Anker ging und den Koenig ersuchen liess, ihm die Landung zu gestatten. Der aegyptische Hof, laengst von der Katastrophe bei Pharsalos unterrichtet, war im Begriffe, Pompeius zurueckzuweisen; allein der Hofmeister des Koenigs, Theodotos, wies darauf hin, dass in diesem Falle Pompeius wahrscheinlich seine Verbindungen in der aegyptischen Armee benutzen werde, um dieselbe aufzuwiegeln; es sei sicherer und auch mit Ruecksicht auf Caesar vorzuziehen, wenn man die Gelegenheit wahrnehme, um Pompeius aus der Welt zu schaffen. Dergleichen politische Raesonnements verfehlten bei den Staatsmaennern der hellenischen Welt nicht leicht ihre Wirkung. Der General der koeniglichen Truppen, Achillas, und einige von Pompeius' ehemaligen Soldaten fuhren mit einem Kahn an Pompeius' Schiff heran und luden ihn ein, zum Koenig zu kommen und, da das Fahrwasser seicht sei, ihre Barke zu besteigen. Im Aussteigen stach der Kriegstribun Lucius Septimius ihn hinterruecks nieder, unter den Augen seiner Gattin und seines Sohnes, welche von dem Verdeck ihres Schiffes aus dem Morde zusehen mussten, ohne retten oder raechen zu koennen (28. September 706 48). An demselben Tage, an dem er dreizehn Jahre zuvor, ueber Mithradates triumphierend, in die Hauptstadt eingezogen war, endigte auf einer oeden Duene des unwirtlichen kasischen Strandes durch die Hand eines seiner alten Soldaten der Mann, der ein Menschenalter hindurch der Grosse geheissen und Jahre lang Rom beherrscht hatte. Ein guter Offizier, uebrigens aber von mittelmaessigen Gaben des Geistes und des Herzens, hatte das Schicksal mit dreissigjaehriger daemonischer Bestaendigkeit alle glaenzenden muehelosen Aufgaben nur darum ihm zu loesen gewaehrt, alle von anderen gepflanzten und gepflegten Lorbeeren nur darum ihm zu brechen gestattet, nur darum alle Bedingungen zur Erlangung der hoechsten Gewalt ihm entgegengetragen, um an ihm ein Beispiel falscher Groesse aufzustellen, wie die Geschichte kein zweites kennt. Unter allen klaeglichen Rollen gibt es keine klaeglichere als die, mehr zu gelten als zu sein; und es ist das Verhaengnis der Monarchie, da doch kaum alle tausend Jahre in dem Volke ein Mann aufsteht, welcher Koenig nicht bloss heisst, sondern auch ist, dass diese Klaeglichkeit unvermeidlich an ihr haftet. Wenn dies Missverhaeltnis zwischen Scheinen und Sein vielleicht nie so schroff hervorgetreten ist wie in Pompeius, so mag der ernste Gedanke wohl dabei verweilen, dass er eben in gewissem Sinn die Reihe der roemischen Monarchen eroeffnet.
Als Caesar, Pompeius' Spuren folgend, auf der Reede von Alexandreia eintraf, war bereits alles vorueber. Mit tiefer Erschuetterung wandte er sich ab, als ihm der Moerder das Haupt des Mannes auf das Schiff entgegentrug, der sein Schwiegersohn und lange Jahre sein Genosse in der Herrschaft gewesen und den lebend in seine Gewalt zu bringen er nach Aegypten gekommen war. Die Antwort auf die Frage, wie Caesar mit dem gefangenen Pompeius verfahren sein wuerde, hat der Dolch des voreiligen Moerders abgeschnitten; aber wenn die menschliche Teilnahme, die in Caesars grosser Seele noch neben dem Ehrgeiz Raum fand, ihm die Schonung des ehemaligen Freundes gebot, so forderte auch sein Interesse, denselben auf andere Art zu annullieren als durch den Henker. Pompeius war zwanzig Jahre lang der anerkannte Gebieter von Rom gewesen; eine so tief gewurzelte Herrschaft geht nicht unter mit dem Tode des Herrn. Pompeius' Tod loeste die Pompeianer nicht auf, sondern gab ihnen statt eines bejahrten, unfaehigen und vernutzten Hauptes an dessen beiden Soehnen Gnaeus und Sextus zwei Fuehrer, welche beide jung und ruehrig und von denen der zweite eine entschiedene Kapazitaet war. Der neugegruendeten Erbmonarchie heftete sogleich parasitisch sich das erbliche Praetendententum an, und es war sehr zweifelhaft, ob bei diesem Wechsel der Personen Caesar nicht mehr verlor, als er gewann. Indes in Aegypten hatte Caesar jetzt nichts weiter zu tun, und Roemer und Aegypter erwarteten, dass er sofort wieder unter Segel gehen und sich an die Unterwerfung Afrikas und an das unermessliche Organisationswerk machen werde, das ihm nach dem Siege bevorstand. Allein Caesar, seiner Gewohnheit getreu, wo er einmal in dem weiten Reiche sich befand, die Verhaeltnisse sogleich und persoenlich endgueltig zu regeln, und fest ueberzeugt, dass weder von der roemischen Besatzung noch von dem Hofe irgendein Widerstand zu erwarten sei, ueberdies in dringender Geldverlegenheit, landete in Alexandreia mit den zwei ihn begleitenden, auf 3200 Mann zusammengeschmolzenen Legionen und 800 keltischen und deutschen Reitern, nahm Quartier in der koeniglichen Burg und ging daran, die noetigen Summen beizutreiben und die aegyptische Erbfolge zu ordnen, ohne sich stoeren zu lassen durch Potheinos' naseweise Bemerkung, dass Caesar doch ueber diese Kleinigkeiten nicht seine so wichtigen eigenen Angelegenheiten versaeumen moege. Gegen die Aegypter verfuhr er dabei gerecht und selbst nachsichtig. Obwohl der Beistand, den sie Pompeius geleistet hatten, zur Auflegung einer Kriegskontribution berechtigte, ward doch das erschoepfte Land damit verschont und unter Erlass dessen, was auf die im Jahre 695 (59) stipulierte und seitdem erst etwa zur Haelfte abbezahlte Summe weiter rueckstaendig war, lediglich eine Schlusszahlung von 10 Mill. Denaren (3 Mill. Taler) gefordert. Den beiden kriegfuehrenden Geschwistern ward die sofortige Einstellung der Feindseligkeiten anbefohlen und beide zur Untersuchung und Entscheidung des Streites vor den Schiedsherrn geladen. Man fuegte sich; der koenigliche Knabe befand sich bereits in der Burg und auch Kleopatra stellte dort sich ein. Caesar sprach das Reich Aegypten, dem Testament des Auletes gemaess, den beiden geschwisterlichen Gatten Kleopatra und Ptolemaeos Dionysos zu und gab ferner unaufgefordert, unter Kassierung der frueher verfuegten Einziehung des Kyprischen Reiches, dieses als aegyptische Sekundogenitur an die juengeren Kinder des Auletes Arsinoe und Ptolemaeos den Juengeren. Allein im stillen bereitete ein Ungewitter sich vor. Alexandreia war eine Weltstadt so gut wie Rom, an Einwohnerzahl der italischen Hauptstadt schwerlich nachstehend, an ruehrigem Handelsgeist, an Handwerkergeschick, an Sinn fuer Wissenschaft und Kunst ihr weit ueberlegen; in der Buergerschaft war ein reges nationales Selbstgefuehl und wenn kein politischer Sinn, doch ein unruhiger Geist, der sie ihre Strassenkrawalle so regelmaessig und so herzhaft abhalten liess wie heutzutage die Pariser; man kann sich ihre Empfindungen denken, als sie in der Residenz der Lagiden den roemischen Feldherrn schalten und ihre Koenige vor seinem Tribunal Recht nehmen sah. Potheinos und der koenigliche Knabe, beide begreiflicherweise sehr unzufrieden sowohl mit der peremtorischen Einmahnung alter Schulden wie mit der Intervention in dem Thronstreit, welche nur zu Gunsten der Kleopatra ausfallen konnte und ausfiel, schickten zur Befriedigung der roemischen Forderungen die Schaetze der Tempel und das goldene Tischgeraet des Koenigs mit absichtlicher Ostentation zum Einschmelzen in die Muenze; mit tiefer Erbitterung schauten die aberglaeubisch frommen und der weltberuehmten Pracht ihres Hofes wie eines eigenen Besitzes sich erfreuenden Aegypter die nackten Waende ihrer Tempel und die hoelzernen Becher auf der Tafel ihres Koenigs. Auch die roemische Okkupationsarmee, welche durch den langen Aufenthalt in Aegypten und die vielen Zwischenheiraten zwischen den Soldaten und aegyptischen Maedchen wesentlich denationalisiert war und ueberdies eine Menge alter Soldaten des Pompeius und verlaufener italischer Verbrecher und Sklaven in ihren Reihen zaehlte, grollte Caesar, auf dessen Befehl sie ihre Aktion an der syrischen Grenze hatte einstellen muessen, und seiner Handvoll hochmuetiger Legionaere. Schon der Auflauf bei der Landung, als die Menge die roemischen Beile in die alte Koenigsburg tragen sah, und die zahlreichen Meuchelmorde, welche gegen seine Soldaten in der Stadt veruebt wurden, hatten Caesar darueber belehrt, in welcher ungeheuren Gefahr er mit seinen wenigen Leuten dieser erbitterten Menge gegenueber schwebte. Allein die Umkehr war wegen der in dieser Jahreszeit herrschenden Nordwestwinde schwierig, und der Versuch der Einschiffung konnte leicht das Signal zum Ausbruch der Insurrektion werden; ueberhaupt lag es nicht in Caesars Art, unverrichteter Sache sich davonzumachen. Er beorderte also zwar sogleich Verstaerkungen aus Asien herbei, trug aber, bis diese eintrafen, zunaechst die groesste Sicherheit zur Schau. Nie war es lustiger in seinem Lager hergegangen als waehrend dieser alexandrinischen Rast; und wenn die schoene und geistreiche Kleopatra mit ihren Reizen ueberhaupt nicht, und am wenigsten gegen ihren Richter, sparsam war, so schien auch Caesar unter all seinen Siegen die ueber schoene Frauen am hoechsten zu schaetzen. Es war ein lustiges Vorspiel zu sehr ernsten Auftritten. Unter Fuehrung des Achillas und, wie spaeter sich auswies, auf geheimen Befehl des Koenigs und seines Vormundes, erschien die in Aegypten stehende roemische Okkupationsarmee unvermutet in Alexandreia; und sowie die Buergerschaft sah, dass sie kam, um Caesar anzugreifen, machte sie mit den Soldaten gemeinschaftliche Sache. Mit einer Geistesgegenwart, die seine fruehere Tolldreistigkeit gewissermassen rechtfertigt, raffte Caesar schleunigst seine zerstreuten Mannschaften zusammen, bemaechtigte sich der Person des Koenigs und seiner Minister, verschanzte sich in der koeniglichen Burg und dem benachbarten Theater, liess, da es an Zeit gebrach, die in dem Haupthafen unmittelbar vor dem Theater stationierte Kriegsflotte in Sicherheit zu bringen, dieselbe anzuenden und die den Hafen beherrschende Leuchtturminsel Pharos durch Boote besetzen. So war wenigstens eine beschraenkte Verteidigungsstellung gewonnen und der Weg offen gehalten, um Zufuhr und Verstaerkungen herbeizuschaffen. Zugleich ging dem Kornmandanten von Kleinasien sowie den naechsten untertaenigen Landschaften, den Syrern und Nabataeern, den Kretensern und den Rhodiern, der Befehl zu, schleunigst Truppen und Schiffe nach Aegypten zu senden. Die Insurrektion, an deren Spitze die Prinzessin Arsinoe und deren Vertreter, der Eunuch Ganymedes, sich gestellt hatten, schaltete indes frei in ganz Aegypten und in dem groessten Teil der Hauptstadt, in deren Strassen taeglich gefochten ward, ohne dass es weder Caesar gelang, sich freier zu entwickeln und bis zu dem hinter der Stadt befindlichen Suesswassersee von Marea durchzubrechen, wo er sich mit Wasser und mit Fourage haette versorgen koennen, noch den Alexandrinern, der Belagerten Herr zu werden und sie alles Trinkwassers zu berauben; denn als die Nilkanaele in Caesars Stadtteil durch hineingeleitetes Seewasser verdorben waren, fand sich unerwartet trinkbares Wasser in den am Strande gegrabenen Brunnen. Da Caesar von der Landseite nicht zu ueberwaeltigen war, richteten sich die Anstrengungen der Belagerer darauf, seine Flotte zu vernichten und ihn von der See abzuschneiden, auf der die Zufuhr ihm zukam. Die Leuchtturminsel und der Damm, durch den diese mit dem Festland zusammenhing, teilte den Hafen in eine westliche und eine oestliche Haelfte, die durch zwei Bogenoeffnungen des Dammes miteinander in Verbindung standen. Caesar beherrschte die Insel und den Osthafen, waehrend der Damm und der Westhafen im Besitz der Buergerschaft war, und seine Schiffe fuhren, da die alexandrinische Flotte verbrannt war, ungehindert ab und zu. Die Alexandriner, nachdem sie vergeblich versucht hatten, aus dem Westhafen in den oestlichen Brander einzufuehren, stellten darauf mit den Resten ihres Arsenals ein kleines Geschwader her und verlegten damit Caesars Schiffen den Weg, als dieselben eine Transportflotte mit einer aus Kleinasien nachgekommenen Legion hereinbugsierten; indes wurden Caesars vortreffliche rhodische Seeleute des Feindes Herr. Nicht lange darauf nahmen indes die Buerger die Leuchtturminsel weg ^8 und sperrten von da aus die schmale und klippige Muendung des Osthafens fuer groessere Schiffe gaenzlich; so dass Caesars Flotte genoetigt war, auf der offenen Reede vor dem Osthafen zu stationieren und seine Verbindung mit der See nur noch an einem schwachen Faden hing. Caesars Flotte, auf jener Reede zu wiederholten Malen von der ueberlegenen feindlichen Seemacht angegriffen, konnte weder dem ungleichen Kampf ausweichen, da der Verlust der Leuchtturminsel ihr den inneren Hafen verschloss, noch auch das Weite suchen, da der Verlust der Reede Caesar ganz von der See abgesperrt haben wuerde. Wenn auch die tapfern Legionaere, unterstuetzt durch die Gewandtheit der rhodischen Matrosen, bisher noch immer diese Gefechte zu Gunsten der Roemer entschieden hatten, so erneuerten und steigerten doch die Alexandriner mit unermuedeter Beharrlichkeit ihre Flottenruestungen; die Belagerten mussten schlagen, so oft es den Belagerern beliebte, und wurden jene ein einziges Mal ueberwunden, so war Caesar vollstaendig eingeschlossen und wahrscheinlich verloren. Es ward schlechterdings noetig, einen Versuch zur Wiedergewinnung der Leuchtturminsel zu machen. Der zwiefache Angriff, der durch Boote von der Hafen-, durch die Kriegsschiffe von der Seeseite her gemacht ward, brachte in der Tat nicht bloss die Insel, sondern auch den unteren Teil des Dammes in Caesars Gewalt; erst bei der zweiten Bogenoeffnung des Dammes befahl Caesar anzuhalten und den Damm hier gegen die Stadt zu durch einen Querwall zu sperren. Allein waehrend hier um die Schanzenden ein hitziges Gefecht sich entspann, entbloessten die roemischen Truppen den unteren, an die Insel anstossenden Teil des Dammes; unversehens landete hier eine Abteilung Aegypter, griff die auf dem Damm am Querwall zusammengedraengten roemischen Soldaten und Matrosen von hinten an und sprengte die ganze Masse in wilder Verwirrung in das Meer. Ein Teil ward von den roemischen Schiffen aufgenommen; die meisten ertranken. Etwa 400 Soldaten und eine noch groessere Zahl von der Flottenmannschaft wurden das Opfer dieses Tages; der Feldherr selbst, der das Schicksal der Seinigen geteilt, hatte sich auf sein Schiff und, als dieses von Menschen ueberschwert sank, schwimmend auf ein anderes retten muessen. Indes so empfindlich auch der erlittene Verlust war, er ward durch den Wiedergewinn der Leuchtturminsel, die samt dem Damm bis zur ersten Bogenoeffnung in Caesars Haenden blieb, reichlich aufgewogen. Endlich kam der ersehnte Entsatz. Mithradates von Pergamon, ein tuechtiger Kriegsmann aus der Schule des Mithradates Eupator, dessen natuerlicher Sohn er zu sein behauptete, fuehrte zu Lande von Syrien her eine buntscheckige Armee heran: die Ityraeer des Fuersten von Libanos, die Beduinen des Jamblichos, Sampsikeramos' Sohn, die Juden unter dem Minister Antipatros, ueberhaupt die Kontingente der kleinen Haeuptlinge und Gemeinden Kilikiens und Syriens. Von Pelusion, das Mithradates am Tage seiner Ankunft zu besetzen geglueckt war, schlug er, um das durchschnittene Terrain des Delta zu vermeiden und den Nil vor seiner Teilung zu ueberschreiten, die grosse Strasse nach Memphis ein, wobei seine Truppen von den besonders in diesem Teil Aegyptens zahlreich ansaessigen Juden vielfache landsmannschaftliche Unterstuetzung empfingen. Die Aegypter, jetzt den jungen Koenig Ptolemaeos an der Spitze, welchen Caesar in der vergeblichen Hoffnung, die Insurrektion durch ihn zu beschwichtigen, zu den Seinigen entlassen hatte, entsandten ein Heer auf dem Nil, um Mithradates auf dessen jenseitigem Ufer festzuhalten. Dasselbe traf auch, noch jenseits Memphis bei dem sogenannten Judenlager, zwischen Omion und Heliopolis, auf den Feind; allein Mithradates, geuebt, in roemischer Weise zu manoevrieren und zu lagern, gewann dennoch unter gluecklichen Gefechten das andere Ufer bei Memphis. Caesar andererseits, sowie er von dem Eintreffen der Entsatzarmee Kunde erhielt, fuehrte einen Teil seiner Truppen auf Schiffen an die Spitze des Sees von Marea westlich von Alexandreia und marschierte um diesen herum und den Nil hinab dem flussaufwaerts herankommenden Mithradates entgegen. Die Vereinigung erfolgte, ohne dass der Feind sie zu hindern versucht haette. Caesar rueckte dann in das Delta, wohin der Koenig sich zurueckgezogen hatte, warf, trotz des tiefeingeschnittenen Kanals vor ihrer Front, die aegyptische Vorhut im ersten Anlauf und stuermte sofort das aegyptische Lager selbst. Es befand sich am Fuss einer Anhoehe zwischen dem Nil, von dem nur ein schmaler Weg es trennte, und schwer zugaenglichen Suempfen. Caesar liess zugleich von vorn und seitwaerts auf dem Weg am Nil das Lager berennen und waehrend dieses Sturmes ein drittes Detachement die Anhoehen hinter dem Lager ungesehen ersteigen. Der Sieg war vollstaendig; das Lager ward genommen und was von den Aegyptern nicht unter den feindlichen Schwertern fiel, ertrank bei dem Versuch, zu der Nilflotte zu entkommen. Mit einem der Boote, die mit Menschen ueberladen sanken, verschwand auch der junge Koenig in den Wellen seines heimischen Stromes. Unmittelbar vom Schlachtfeld rueckte Caesar von der Landseite her geradeswegs an der Spitze seiner Reiterei in den von den Aegyptern besetzten Teil der Hauptstadt. Im Trauergewande, ihre Goetterbilder in den Haenden, empfingen ihn um Friede bittend die Feinde, die Seinigen aber, da sie ihn von der anderen Seite, als von der er ausgezogen als Sieger wiederkehren sahen, mit grenzenlosem Jubel. Das Schicksal der Stadt, die den Herrn der Welt in seinen Plaenen zu kreuzen gewagt und um ein Haar seinen Untergang herbeigefuehrt hatte, lag in Caesars Hand; allein er war zu sehr Regent, um empfindlich zu sein, und verfuhr mit den Alexandrinern wie mit den Massalioten. Caesar, hinweisend auf die arg verwuestete und bei Gelegenheit des Flottenbrandes ihrer Kornmagazine, ihrer weltberuehmten Bibliothek und anderer bedeutender oeffentlicher Gebaeude beraubte Stadt, ermahnte die Einwohnerschaft, sich kuenftig allein der Kuenste des Friedens ernstlich zu befleissigen und die Wunden zu heilen, die sie sich selber geschlagen; uebrigens begnuegte er sich, den in Alexandreia angesessenen Juden dieselben Rechte zu gewaehren, deren die griechische Stadtbevoelkerung genoss, und anstatt der bisherigen, wenigstens dem Namen nach den Koenigen von Aegypten gehorchenden roemischen Okkupationsarmee eine foermliche roemische Besatzung, zwei der daselbst belagerten und eine dritte spaeter aus Syrien nachgekommene Legion, unter einem von ihm selbst ernannten Befehlshaber nach Alexandreia zu legen. Zu diesem Vertrauensposten ward absichtlich ein Mann ausersehen, dessen Geburt es ihm unmoeglich machte, denselben zu missbrauchen, Rufio, ein tuechtiger Soldat, aber eines Freigelassenen Sohn. Das Regiment Aegyptens unter Roms Oberhoheit erhielten Kleopatra und deren juengerer Bruder Ptolemaeos; die Prinzessin Arsinoe ward, um nicht den nach orientalischer Art der Dynastie ebenso ergebenen wie gegen den einzelnen Dynasten gleichgueltigen Aegyptern abermals als Vorwand fuer Insurrektionen zu dienen, nach Italien abgefuehrt; Kypros wurde wieder ein Teil der roemischen Provinz Kilikien.
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^8 Der Verlust der Leuchtturminsel muss in der Luecke Bell. Alex. 12 ausgefallen sein, da die Insel anfaenglich ja in Caesars Gewalt war (civ. 3,112; Bell. Alex. 8). Der Damm muss bestaendig in der Gewalt der Feinde gewesen sein, da Caesar mit der Insel nur durch Schiffe verkehrte. | | |
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