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Theodor Mommsen

Roemische Geschichte - 5. Buch


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Fuer andere Aemter im eigentlichen Sinn bleibt neben dieser Diktatur kein Raum. Die Zensur als solche hat Caesar nicht uebernommen ^6, wohl aber die zensorischen Rechte, namentlich das wichtige der Senatorenernennung in umfassender Weise geuebt.

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^6 Die Formulierung jener Diktatur scheint die "Sittenbesserung" ausdruecklich mithervorgehoben zu haben; aber ein eigenes Amt derart hat Caesar nicht bekleidet (Roemisches Staatsrecht, Bd. 2, 3. Aufl., S. 705).

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Das Konsulat hat er haeufig neben der Diktatur, einmal auch ohne Kollegen bekleidet, aber keineswegs dauernd an seine Person geknuepft und den Aufforderungen, dasselbe auf fuenf oder gar auf zehn Jahre nacheinander zu uebernehmen, keine Folge gegeben.

Die Oberaufsicht ueber den Kult brauchte Caesar nicht erst sich uebertragen zu lassen, da er bereits Oberpontifex war. Es versteht sich, dass auch die Mitgliedschaft des Augurnkollegiums ihm zuteil ward und ueberhaupt alte und neue Ehrenrechte in Fuelle, wie der Titel eines Vaters des Vaterlandes, die Benennung seines Geburtsmonats mit dem Namen, den er nach heute fuehrt, des Julius, und andere, zuletzt in platte Vergoetterung sich verlaufende Manifestationen des beginnenden Hoftons. Hervorgehoben zu werden verdienen nur zwei Einrichtungen: dass Caesar den Tribunen des Volkes namentlich in ihrer besonderen persoenlichen Unverletzlichkeit gleichgestellt und dass die Imperatorenbenennung dauernd an seine Person geknuepft und neben den sonstigen Amtsbezeichnungen von ihm als Titel gefuehrt ward ^7.

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^7 Caesar fuehrt die Bezeichnung Imperator immer ohne Iterationsziffer und immer hinter dem Namen an erster Stelle (Roemisches Staatsrecht, Bd. 2, 3.

Aufl., S. 767, A. 1).

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Fuer den Verstaendigen wird es weder dafuer eines Beweises beduerfen, dass Caesar beabsichtigte, die hoechste Gewalt dem Gemeinwesen einzufuegen, und zwar nicht nur auf einige Jahre oder auch als persoenliches Amt auf unbestimmte Zeit, etwa wie Sullas Regentschaft, sondern als wesentliches und bleibendes Organ, noch auch dafuer, dass er fuer die neue Institution eine entsprechende und einfache Bezeichnung ausersah; denn wenn es ein politischer Fehler ist, inhaltlose Namen zu schaffen, so ist es kaum ein geringerer, den Inhalt der Machtfuelle ohne Namen hinzustellen. Nur ist es freilich, teils weil in dieser Uebergangszeit die ephemeren und die bleibenden Bauten sich noch nicht klar voneinander sondern, teils weil die dem Winke bereits zuvorkommende Devotion der Klienten den Herrn mit einer ohne Zweifel ihm selbst widerwaertigen Fuelle von Vertrauensdekreten und Ehrengesetzen ueberschuettete, nicht leicht festzustellen, welche definitive Formulierung Caesar im Sinne gehabt hat. Am wenigsten konnte die neue Monarchie an das Konsulat anknuepfen, schon wegen der von diesem Amt nicht wohl zu trennenden Kollegialitaet, es hat auch Caesar offenbar darauf hingearbeitet, dieses bisher hoechste Amt zum leeren Titel herabzusetzen und spaeterhin, wenn er es uebernahm, dasselbe nicht das ganze Jahr hindurch gefuehrt, sondern vor dem Ablauf an Personen zweiten Ranges abgegeben. Die Diktatur tritt praktisch am haeufigsten und bestimmtesten hervor, aber wahrscheinlich nur, weil Caesar sie als das benutzen wollte, was sie von alters her im Verfassungsorganismus bedeutet hatte, als ausserordentliche Vorstandschaft zur Ueberwindung ausserordentlicher Krisen. Als Traegerin der neuen Monarchie dagegen empfahl sie sich wenig, da Exzeptionalitaet und Unpopularitaet diesem Amte einmal anhafteten und es dem Vertreter der Demokratie kaum zugetraut werden kann, diejenige Form, die der genialste Vorfechter der Gegenpartei fuer seine Zwecke geschaffen hatte, fuer die dauernde Organisation zu waehlen. Bei weitem geeigneter fuer die Formulierung der Monarchie erscheint der neue Imperatorenname, schon darum, weil er in dieser Verwendung ^8 neu ist und kein bestimmter aeusserer Anlass zur Einfuehrung desselben erhellt. Der neue Wein durfte nicht in alte Schlaeuche gefuellt werden: hier ist zu der neuen Sache der neue Name und in demselben in praegnantester Weise zusammengefasst, was schon in dem Gabinischen Gesetz, nur mit minderer Schaerfe, die demokratische Partei als Kompetenz ihres Oberhauptes formuliert hatte: die Konzentrierung und Perpetuierung der Amtsgewalt (imperium) in der Hand eines vom Senat unabhaengigen Volkshauptes. Auch begegnet auf Caesars Muenzen, namentlich auf denen der letzten Zeit, neben der Diktatur vorwiegend der Imperatorentitel und scheint in Caesars Gesetz ueber politische Verbrechen der Monarch mit diesem Ausdruck bezeichnet worden zu sein. Es hat denn auch die Folgezeit, wenngleich nicht unmittelbar, die Monarchie an den Imperatornamen geknuepft. Um diesem neuen Amt zugleich die demokratische und die religioese Weihe zu verleihen, beabsichtigte Caesar wahrscheinlich, mit demselben teils die tribunizische Gewalt, teils das Oberpontifikat ein fuer allemal zu verknuepfen.

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^8 In republikanischer Zeit wird der Imperatorname, der den siegreichen Feldherrn bezeichnet, abgelegt mit dem Ende des Feldzugs; als dauernde Titulatur erscheint er bei Caesar zuerst.

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