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| | Theodor MommsenRoemische Geschichte - 5. Buch |
Schlagwort: Buerger | Übersicht - a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z | | Seite 1 von 2 1 2 | | | Die alte Republik und die neue Monarchie -> | ...Plebejer und Provinzialen, bildeten
das Heer. Der Feldherr war von der Zentralregierung finanziell und militaerisch
fast unabhaengig und im Glueck wie im Unglueck wesentlich auf sich selbst und
auf die Hilfsquellen seines Sprengels angewiesen. Buerger- und sogar
Nationalsinn waren aus dem Heere verschwunden und als innerliches Band einzig
der Korpsgeist uebriggeblieben. Die Armee hatte aufgehoert ein Werkzeug des
Gemeinwesens zu sein; politisch hatte sie einen eigenen Willen nicht, wohl abe...
...ohl aber
vermochte sie den des Werkmeisters sich anzueignen; militaerisch sank sie unter
den gewoehnlichen elenden Fuehrern zu einer aufgeloesten, unbrauchbaren Rotte
herab, entwickelte aber auch unter dem rechten Feldherrn sich zu einer dem
Buergerheer unerreichbaren militaerischen Vollkommenheit. Der Offiziersstand vor
allem war im tiefsten Verfall. Die hoeheren Staende, Senatoren und Ritter
entwoehnten immer mehr sich der Waffen. Wenn man sonst um die
Stabsoffizierstellen eifrig geworb...
...pflicht noch, allein die Aushebung
erfolgte, wenn es neben der Anwerbung dazu kam, in regelloser Weise; zahlreiche
Pflichtige wurden uebergangen und die einmal Eingetretenen dreissig Jahre und
laenger bei den Adlern festgehalten. Die roemische Buergerreiterei vegetierte
nur noch als eine Art berittener Nobelgarde, deren salbenduftende Kavaliere und
ausgesuchte Luxuspferde einzig bei den hauptstaedtischen Festen eine Rolle
spielten; das sogenannte Buergerfussvolk war eine aus den niedrigsten Schichten
der Buergerbevoelkerung zusammengeraffte Lanzknechttruppe; die Untertanen
stellten die Reiterei und die leichten Truppen ausschliesslich und fingen an,
auch im Fussvolk immer staerker mitverwendet zu werden. Die Rottenfuehrerstellen
in den Legionen, auf d...
...Nation er
selbst es nicht mehr fuer moeglich hielt, die Bekleidung eines Ehrenamtes an die
Ueberstehung der Dienstzeit unbedingt wie ehedem zu knuepfen. Ebendaraus wird es
sich erklaeren, dass Caesar keinen Versuch gemacht hat, die roemische
Buergerreiterei wiederherzustellen. Die Aushebung ward besser geordnet, die
Dienstzeit geregelt und abgekuerzt; uebrigens blieb es dabei, dass die
Linieninfanterie vorwiegend aus den niederen Staenden der roemischen
Buergerschaft, die Reiterei und die leichte Infanterie aus der Untertanenschaft
ausgehoben ward - dass fuer die Reorganisation der Kriegsflotte nichts geschah,
ist auffallend. Eine ohne Zweifel ihrem Urheber selbst bedenkliche Neuerung, zu
der die Unz...
...hen System abwich, niemals mit Soeldnern zu fechten,
und in die Reiterei gemietete Auslaender, namentlich Deutsche, einstellte. Eine
andere Neuerung war die Einsetzung der Legionsadjutanten (legati legionis). Bis
dahin hatten die teils von der Buergerschaft, teils von dem betreffenden
Statthalter ernannten Kriegstribune in der Art die Legionen gefuehrt, dass jeder
derselben je sechs vorgesetzt waren und unter diesen das Kommando wechselte;
einen Einzelkommandanten der Legion bestellte nur v...
...lt zwar eine stehende Armee
notwendig fuer seinen Staat, aber nur, weil derselbe seiner geographischen Lage
nach einer umfassenden Grenzregulierung und stehender Grenzbesatzungen bedurfte.
Teils in frueheren Epochen, teils waehrend des letzten Buergerkrieges hatte er
an Spaniens Befriedigung gearbeitet und in Afrika laengs der grossen Wueste, im
Nordwesten des Reiches an der Rheinlinie feste Stellungen fuer die
Grenzverteidigung eingerichtet. Mit aehnlichen Plaenen beschaeftigte er sich
f...
...ar nicht in dem Sinne als
Welteroberer bezeichnet werden darf wie Alexander und Napoleon, so ist das
vollkommen gewiss, dass er seine neue Monarchie nicht zunaechst auf die Armee zu
stuetzen, ueberhaupt nicht die militaerische Gewalt ueber die buergerliche zu
setzen, sondern sie dem buergerlichen Gemeinwesen ein- und soweit moeglich
unterzuordnen gedachte. Die unschaetzbaren Stuetzen eines Soldatenstaates, jene
alten vielgefeierten gallischen Legionen, wurden eben wegen ihres mit einem
buergerlichen Gemeinwesen unvertraeglichen Korpsgeistes in ehrenvoller Weise
annulliert und ihre ruhmvollen Namen pflanzten nur sich fort in neugegruendeten
staedtischen Gemeinden. Die von Caesar bei der Entlassung mit Landlosen
beschenkten Soldaten w...
...ch nicht zu vermeiden, dass auf den zur Verfuegung gebliebenen
Teilen des kampanischen Ackers die alten Soldaten Caesars dennoch in Masse sich
zusammenfanden. Der schwierigen Aufgabe, die Soldaten einer stehenden Armee
innerhalb der Kreise des buergerlichen Lebens zu halten, suchte Caesar zu
genuegen teils durch Festhaltung der bisherigen nur gewisse Dienstjahre, nicht
aber einen eigentlich stehenden, das heisst durch keine Entlassung
unterbrochenen Dienst vorschreibenden Ordnung, teils dur...
...rascheren Wechsel des Soldatenpersonals
herbeifuehrte, teils durch regelmaessige Ansiedlung der ausgedienten Soldaten
als Ackerkolonisten, teils und vornehmlich dadurch, dass die Armee von Italien
und ueberhaupt von den eigentlichen Sitzen des buergerlichen und politischen
Lebens der Nation ferngehalten und der Soldat dahin gewiesen ward, wo er nach
der Meinung des grossen Koenigs allein an seinem Platze war: in die
Grenzstationen zur Abwehr des auswaertigen Feindes. Das rechte Kriterium de...
... Cromwells mit dem Tode ihrer Stifter; sondern bei dem tief
zerruetteten Zustand der Nation war es nicht einmal glaublich, dass es dem
achten Koenig von Rom auch nur fuer seine Lebenszeit gelingen werde, so wie
seine sieben Vorgaenger seine Mitbuerger bloss kraft Gesetz und Recht zu
beherrschen, und ebensowenig wahrscheinlich, dass es ihm gelingen werde, das
stehende Heer, nachdem es im letzten Buergerkrieg seine Macht kennengelernt und
die Scheu verlernt hatte, wieder als dienendes Glied in die buergerliche Ordnung
einzufuegen. Wer kaltbluetig erwog, bis zu welchem Grade die Furcht vor dem
Gesetz aus den untersten wie aus den obersten Schichten der Gesellschaft
entwichen war, dem musste die erstere Hoffnung vielmehr ein Traum duenken; und
...
...dem
Gesetz aus den untersten wie aus den obersten Schichten der Gesellschaft
entwichen war, dem musste die erstere Hoffnung vielmehr ein Traum duenken; und
wenn mit der Marianischen Reform des Heerwesens der Soldat ueberhaupt aufgehoert
hat, Buerger zu sein, so zeigten die kampanische Meuterei und das Schlachtfeld
von Thapsus mit leidiger Deutlichkeit, in welcher Art jetzt die Armee dem
Gesetze ihren Arm lieh. Selbst der grosse Demokrat vermochte die Gewalten, die
er entfesselt hatte, nur...
...r zu baendigen; Tausende
von Schwertern flogen noch auf seinen Wink aus der Scheide, aber zurueck in die
Scheide kehrten sie schon nicht mehr auf seinen Wink. Das Verhaengnis ist
maechtiger als das Genie. Caesar wollte der Wiederhersteller des buergerlichen
Gemeinwesens werden und ward der Gruender der von ihm verabscheuten
Militaermonarchie; er stuerzte den Aristokraten- und Bankierstaat im Staate nur,
um an deren Platz den Soldatenstaat im Staate zu setzen, und das Gemeinwesen
blieb wie...
...dass der roemische Militaerstaat erst nach
mehreren Jahrhunderten zum Polizeistaat ward und dass die roemischen
Imperatoren, wie wenig sie sonst auch dem grossen Begruender ihrer Herrschaft
glichen, doch den Soldaten wesentlich nicht gegen den Buerger verwandten,
sondern gegen den Feind, und Nation und Armee beide zu hoch achteten, um diese
zum Konstabler ueber jene zu setzen.
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^17 An die Ernennung eines Teiles der Kriegstribune durch ...
...wandten,
sondern gegen den Feind, und Nation und Armee beide zu hoch achteten, um diese
zum Konstabler ueber jene zu setzen.
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^17 An die Ernennung eines Teiles der Kriegstribune durch die Buergerschaft
hat Caesar, auch hierin Demokrat, nicht geruehrt.
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| | Die alte Republik und die neue Monarchie -> | | ...st, im Fall seiner Abwesenheit durch den
Stadtverweser zu erledigen. In der Tat finden wir ihn, ganz nach der Weise der
alten Koenige, teils oeffentlich auf dem Markte der Hauptstadt zu Gericht sitzen
ueber des Hochverrats angeklagte roemische Buerger, teils in seinem Hause
Gericht halten ueber die des gleichen Vergehens beschuldigten Klientelfuersten;
so dass das Vorrecht, das die roemischen Buerger vor den uebrigen Untertanen des
Koenigs voraus hatten, allein in der Oeffentlichkeit der Gerichtsverhandlung
bestanden zu haben scheint. Indes dieses wiedererweckte koenigliche
Oberrichtertum konnte, wenngleich Caesar mit Unparteilichkeit und ... | | |
| | Die alte Republik und die neue Monarchie -> | ...es Recht der herrschenden und, weil sie herrschte, von
den Untertanen zu speisenden Gemeinde angesehen worden. Dieser ehrlose Grundsatz
ward von Caesar beseitigt; aber es konnte nicht uebersehen werden, dass eine
Menge gaenzlich unvermoegender Buerger lediglich durch diese Speisungen vor dem
Verhungern geschuetzt worden war. In diesem Sinne hielt Caesar dieselben fest.
Hatte nach der Sempronischen, von Cato wiedererneuerten Ordnung jeder in Rom
angesessene roemische Buerger rechtlich Anspruch gehabt auf unentgeltliches
Brotkorn, so wurde diese Empfaengerliste, welche zuletzt bis auf 320000 Nummern
gestiegen war, durch Ausscheidung aller wohlhabenden oder anderweit versorgten
Individuen auf 150000 herabgebracht un...
...n. Indem also das politische
Privilegium in eine Armenversorgung umgewandelt ward, trat ein in sittlicher wie
in geschichtlicher Hinsicht bemerkenswerter Satz zum erstenmal in lebendige
Wirksamkeit. Nur langsam und von Stufe zu Stufe ringt die buergerliche
Gesellschaft sich durch zu der Solidaritaet der Interessen; im frueheren
Altertum schuetzte der Staat die Seinigen wohl vor dem Landesfeind und dem
Moerder, aber er war nicht verpflichtet, durch Verabreichung der notwendigen
Subsistenzm...
...u der Solidaritaet der Interessen; im frueheren
Altertum schuetzte der Staat die Seinigen wohl vor dem Landesfeind und dem
Moerder, aber er war nicht verpflichtet, durch Verabreichung der notwendigen
Subsistenzmittel den gaenzlich hilflosen Mitbuerger vor dem schlimmeren Feinde
des Mangels zu bewahren. Die attische Zivilisation ist es gewesen, die in der
Solonischen und nachsolonischen Gesetzgebung zuerst den Grundsatz entwickelt
hat, dass es Pflicht der Gemeinde ist, fuer ihre Invaliden, j...
...hgaengige Revision des
Einnahme- und Ausgabewesens statt. Die ordentlichen Einnahmen wurden ueberall
reguliert und fixiert. Nicht wenigen Gemeinden, ja ganzen Landschaften ward, sei
es mittelbar durch Verleihung des roemischen oder latinischen Buergerrechts, sei
es unmittelbar durch Privilegium, die Steuerfreiheit bewilligt; so erhielten sie
zum Beispiel alle sizilischen ^18 Gemeinden auf jenem, die Stadt Ilion auf
diesem Wege. Noch groesser war die Zahl derjenigen, deren Steuerquantum
he...
...o mehr wiederhergestellt, als
diese Abgabe wesentlich die aus dem Osten eingehenden Luxuswaren traf. Zu diesen
neu- oder wiedereroeffneten ordentlichen Einnahmequellen kamen die Summen hinzu,
die ausserordentlicherweise, namentlich infolge des Buergerkrieges, an den
Sieger gelangten: die in Gallien gesammelte Beute; der hauptstaedtische
Kassenbestand; die aus den italischen und spanischen Tempeln entnommenen
Schaetze, die in Formen der Zwangsanleihe, des Zwangsgeschenkes oder der Busse
vo... | | |
| | Die alte Republik und die neue Monarchie -> | ...bernehmen musste oder freiwillig uebernahm, ist es schwer, sich eine
Vorstellung zu machen. Die Kriege selbst frassen ungeheure Summen; und
vielleicht nicht geringere wurden erfordert, um die Zusicherungen zu erfuellen,
die Caesar waehrend des Buergerkrieges zu machen genoetigt worden war. Es war
ein schlimmes und fuer die Folgezeit leider nicht verlorenes Beispiel, dass
jeder gemeine Soldat fuer seine Teilnahme am Buergerkrieg 20000 Sesterzen (1500
Taler), jeder Buerger der hauptstaedtischen Menge fuer seine Nichtbeteiligung an
demselben als Zulage zum Brotkorn 300 Sesterzen (22 Taler) empfing; Caesar
indes, nachdem er einmal in dem Drange der Umstaende sein Wort verpfaendet, war
zu sehr Koenig, um davon abzu...
...hervorragender Weise Anwendung. Der wohlhabende
Roemer betrachtete sein Stadthaus haeufig nur als ein Absteigequartier. Indem
aus der staedtischen Munizipalitaet die Reichsaemter hervorgingen, das
staedtische Vogtding die Versammlung der Reichsbuerger ward, kleinere, sich
selber regierende Bezirks- oder sonstige Gemeinschaften innerhalb der Hauptstadt
nicht geduldet wurden, hoerte jedes eigentliche Kommunalleben fuer Rom auf. Aus
dem ganzen Umfange des weitumfassenden Reiches stroemte man n...
... Stier in Ketten bestellte. Schlimmer noch als
die Sklavenmassen waren die der rechtlich oder auch bloss tatsaechlich
freigegebenen Leute, ein Gemisch bettelhaften Gesindels und schwerreicher
Parvenus, nicht mehr Sklaven und doch nicht voellig Buerger, oekonomisch und
selbst rechtlich von ihrem Herrn abhaengig und doch mit den Anspruechen freier
Maenner; und eben die Freigelassenen zogen sich vor allem nach der Hauptstadt,
wo es Verdienst mancherlei Art gab und der Kleinhandel wie das klein...
...drige Getreidepreise ward mit dem gewissenlosesten Leichtsinn gehandhabt, und
die Preisschwankungen des Brotkorns waren fabelhafter und unberechenbarer Art
^19. Endlich, die Getreideverteilungen luden das gesamte nahrungslose und
arbeitsscheue Buergerproletariat offiziell ein, seinen Sitz in der Hauptstadt
aufzuschlagen. Es war eine arge Saat und die Ernte entsprach ihr. Das Klub- und
Bandenwesen auf dem politischen Gebiet, auf dem religioesen der Isisdienst und
der gleichartige fromme Schw...
...ei jene steinreich, diese zu Bettlern wurden. Wie einzelne Inseln in diesem
Meer von elenden Gebaeuden erschienen die glaenzenden Palaeste der Reichen, die
den kleinen Haeusern ebenso den Raum verengten wie ihre Besitzer den kleinen
Leuten ihr Buergerrecht im Staat und neben deren Marmorsaeulen und griechischen
Statuen die verfallenden Tempel mit ihren grossenteils noch holzgeschnitzten
Goetterbildern eine traurige Figur machten. Von einer Strassen-, einer Ufer-,
Feuer- und Baupolizei war k... | | |
| | Die alte Republik und die neue Monarchie -> | ...nissen in allen
Schichten der Gesellschaft zur Antiquitaet wurden, versteht sich von selbst. Es
war nicht mehr der aergste Schimpf und das schlimmste Verbrechen, arm zu sein,
sondern das einzige: um Geld verkaufte der Staatsmann den Staat, der Buerger
seine Freiheit; um Geld war die Offizierstelle wie die Kugel des Geschworenen
feil; um Geld gab die vornehme Dame so gut sich preis wie die gemeine Dirne;
Urkundenfaelschung und Meineide waren so gemein geworden, dass bei einem
Volkspoeten d...
...Formen und Floskeln desselben der
gesamte Geschaefts- und Bekanntenverkehr sich staffieren und dann allmaehlich an
die Stelle der wirklichen jenes Gespenst der "Freundschaft" treten konnte,
welches unter den mancherlei ueber den Aechtungen und Buergerkriegen dieser Zeit
schwebenden Hoellengeistern nicht den letzten Platz einnimmt.
Ein ebenso charakteristischer Zug in dem schimmernden Verfall dieser Zeit
ist die Emanzipation der Frauenwelt. oekonomisch hatten die Frauen laengst sich
selbsta...
... eine Last galt, die man hoechstens
im oeffentlichen Interesse ueber sich nahm, so begegnen wir jetzt schon auch bei
Cato und Catos Gesinnungsgenossen der Maxime, aus der ein Jahrhundert zuvor
Polybios den Verfall von Hellas ableitete: dass es Buergerpflicht sei, die
grossen Vermoegen zusammenzuhalten und darum nicht zu viel Kinder zu zeugen. Wo
waren die Zeiten, als die Benennung "Kinderzeuger" (proletarius) fuer den Roemer
ein Ehrenname gewesen war!
Infolge dieser sozialen Zustaende schw...
...entwoehnte sich die regierende Aristokratie, Italien als ihre
ausschliessliche Heimat zu betrachten; von der zum Dienst ausgehobenen oder
angeworbenen Mannschaft aber ging ein ansehnlicher Teil in den vielen Kriegen,
namentlich in dem blutigen Buergerkriege zugrunde, und ein anderer ward durch
die lange, zuweilen auf ein Menschenalter sich erstreckende Dienstzeit der
Heimat voellig entfremdet. In gleicher Weise wie der oeffentliche Dienst hielt
die Spekulation einen Teil der Grundbesitzer- ...
...
die Spekulation einen Teil der Grundbesitzer- und fast die ganze Kaufmannschaft
wenn nicht auf zeitlebens, doch auf lange Zeit ausser Landes fest und entwoehnte
namentlich die letztere in dem demoralisierenden Handelsreiseleben ueberhaupt
der buergerlichen Existenz im Mutterlande und der vielfach bedingten innerhalb
der Familie. Als Ersatz dafuer erhielt Italien teils das Sklaven- und
Freigelassenenproletariat, teils die aus Kleinasien, Syrien und Aegypten
einstroemenden Handwerker und Hae...
...ben. Tusculum, obwohl immer noch
eine der angesehensten Gemeinden Latiums, bestand fast nur noch aus einigen
vornehmen Familien, die in der Hauptstadt lebten, aber ihr tusculanisches
Heimatrecht festhielten, und stand an Zahl der stimmfaehigen Buerger weit
zurueck selbst hinter kleinen Gemeinden des inneren Italiens. Der Stamm der
waffenfaehigen Mannschaft war in diesem Landstrich, auf dem einst Roms
Wehrhaftigkeit wesentlich beruht hatte, so vollstaendig ausgegangen, dass man
die im Verg... | | |
| | Die alte Republik und die neue Monarchie -> | ...gen
Rechtseigentuemlichkeiten absehend, auf die allem Verkehr zu Grunde liegenden
gemeinsamen Rechtsanschauungen zurueckzugehen. Hier knuepfte die neuere
Rechtsbildung an. Zunaechst als Richtschnur fuer den rechtlichen Verkehr der
roemischen Buerger unter sich setzte sie an die Stelle des alten, praktisch
unbrauchbar gewordenen tatsaechlich ein neues Stadtrecht, das materiell beruhte
auf einem Kompromiss zwischen dem nationalen Zwoelftafelrecht und dem
internationalen oder dem sogenannten...
...und
naturgemaess sich einfand.
Diesen Rechtszustand fand Caesar vor. Wenn er den Plan entwarf zu einem
neuen Gesetzbuch, so ist es nicht schwer zu sagen, was er damit beabsichtigt
hat. Es konnte dies Gesetzbuch einzig das Recht der roemischen Buerger
zusammenfassen und allgemeines Reichsgesetzbuch nur insofern sein, als ein
zeitgemaesses Gesetzbuch der herrschenden Nation von selbst im ganzen Umfange
des Reiches allgemeines Subsidiarrecht werden musste. Im Kriminalrecht, wenn
ueberhaupt ... | | |
| | Die alte Republik und die neue Monarchie | ...chtigkeit diente; und nie hat er
von den vielfaeltigen Seiten und Richtgen seiner grossen Taetigkeit eine vor der
andern bevorzugt. Obwohl ein Meister der Kriegskunst, hat er doch aus
staatsmaennischen Ruecksichten das Aeusserste getan, um den Buergerkrieg
abzuwenden und um, da er dennoch begann, wenigstens so unblutige Lorbeeren wie
moeglich zu ernten. Obwohl der Begruender der Militaermonarchie, hat er doch mit
einer in der Geschichte beispiellosen Energie weder Marschallshierarchie noch ...
...orbeeren wie
moeglich zu ernten. Obwohl der Begruender der Militaermonarchie, hat er doch mit
einer in der Geschichte beispiellosen Energie weder Marschallshierarchie noch
Praetorianerregiment aufkommen lassen. Wenn ueberhaupt eine Seite der
buergerlichen Verdienste, so wurden von ihm vielmehr die Wissenschafter, und die
Kuenste des Friedens vor den militaerischen bevorzugt. Die bemerkenswerteste
Eigentuemlichkeit seines staatsmaennischen Schaffens ist dessen vollkommene
Harmonie. In der ...
...achgebrauch, andererseits die Regel der Gleichmaessigkeit Ein
geborener Herrscher, regierte er die Gemueter der Menschen, wie der Wind die
Wolken zwingt, und noetigte die verschiedenartigsten Naturen, ihm sich zu eigen
zu geben, den schlichten Buerger und den derben Unteroffizier, die vornehmen
Damen Roms und die schoenen Fuerstinnen Aegyptens und Mauretaniens, den
glaenzenden Kavalleriegeneral und den kalkulierenden Bankier. Sein
Organisationstalent ist wunderbar; nie hat ein Staatsmann se... | | |
| | Die alte Republik und die neue Monarchie -> | ...weiteren Boden gewann. Es kann der unberufene Eifer
leidenschaftlicher Anhaenger allein diese Auftritte veranlasst haben; es kann
auch sein, dass Caesar die Szene mit Antonius nur zuliess oder auch
veranstaltete, um durch die vor den Augen der Buergerschaft erfolgte und auf
seinen Befehl selbst in die Kalender des Staats eingetragene, in der Tat nicht
wohl wieder zurueckzunehmende Ablehnung des Koenigstitels dem unbequemen Klatsch
auf moeglichst eklatante Weise ein Ende zu machen. Die Wahrs...
.../o/r,
aytokrat/o/r liegt so wenig eine spezifisch militaerische Beziehung, dass es
vielmehr eben das Charakteristische der roemischen Amtsgewalt ist, wo sie rein
und vollstaendig auftritt, Krieg und Prozess, das ist die militaerische und die
buergerliche Befehlsgewalt, als ein untrennbares Ganze in sich zu enthalten.
Ganz richtig sagt Dio Cassius (53, 17, vgl. 43, 44; 52, 41), dass der Name
Imperator von den Kaisern angenommen ward "zur Anzeige ihrer Vollgewalt anstatt
des Koenigs- und Di...
...ibt
der Imperatorname dieselben Befugnisse (to de d/e/ ergon ayt/o/n t/e/ to?
aytokrat/o/ros pros/e/goria bebais?ntai), zum Beispiel das Recht, Soldaten
auszuheben, Steuern; auszuschreiben, Krieg zu erklaeren und Frieden zu
schliessen, ueber Buerger und Nichtbuerger in und ausser der Stadt die hoechste
Gewalt zu ueben und jeden an jedem Orte am Leben oder sonst zu strafen.,
ueberhaupt der mit dem hoechsten Imperium in aeltester Zeit verbundenen
Befugnisse sich anzumassen". Deutlicher kann es wohl nicht ge... | | |
| | Die alte Republik und die neue Monarchie -> | ...liessen, als sie unter diesem Regiment bestellten. Und diese Ackerwirte
waren, wie schon ihre geringe Zahl zeigt und auch ausdruecklich gesagt wird,
keineswegs kleine Bauern, sondern ansehnliche Plantagenbesitzer und zum grossen
Teil roemische Buerger!
In den Klientelstaaten waren die Formen der Besteuerung etwas verschieden,
aber die Lasten selbst womoeglich noch aerger, da ausser den Roemern hier auch
noch die einheimischen Hoefe erpressten. In Kappadokien und Aegypten war der
Bauer wie ...
...er hohen Ziffer der als erpresst ihm nachgewiesenen Summen. So
wirtschafteten in den Aemtern die Nachfolger jener Maenner, die von ihrer
Verwaltung nichts nach Hause zu bringen gewohnt gewesen als den Dank der
Untertanen und den Beifall der Mitbuerger.
Aber womoeglich noch aerger und noch weniger einer Kontrolle unterworfen
hausten die italischen Geschaeftsmaenner unter den ungluecklichen Provinzialen.
Die eintraeglichsten Stuecke des Grundbesitzes und das gesamte Handels- und
Geldwesen in... | | |
| | Die alte Republik und die neue Monarchie -> | ...zu tun, was Griechen, Syrer und Phoeniker zu leiden vermochten.
Selbst die eigenen Staatsmaenner raeumten oeffentlich und ohne Umschweife ein,
dass der roemische Name durch ganz Griechenland und Asien unaussprechlich
verhasst sei; und wenn die Buerger des pontischen Herakleia einmal die
roemischen Zoellner saemtlich erschlugen, so war dabei nur zu bedauern, dass
dergleichen nicht oefter geschah.
Die Optimaten spotteten ueber den neuen Herrn, der seine "Meierhoefe" einen
nach dem andern sel...
...ie Glaeubiger angewiesen auf den vierten Teil des Ertrages der Laendereien
ihrer Schuldner sowie auf eine angemessene Quote der aus Hausmiete oder
Sklavenarbeit denselben zufliessenden Nutzungen. Es ist nicht ueberliefert, dass
Caesar nach dem Buergerkrieg aehnliche allgemeine Schuldenliquidationen in den
Provinzen veranlasst haette; doch kann es, nach dem eben Bemerkten und nach dem,
was fuer Italien geschah, kaum bezweifelt werden, dass Caesar darauf ebenfalls
hingearbeitet hat oder dies ... | | |
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