Bücher-Datenbank
Informationen & HilfeForumLoginPartnerKontaktImpressumRechtliche Hinweise
Schlagwort-Index
Personen-Index
Orte-Index
Zur gesamten Bücher-Datenbank
  Bücher & Textdatenbank
  Geschichte
  Theodor Mommsen
  Roemische Geschichte - 5. Buch
 01. Kapitel
 02. Kapitel
 03. Kapitel
 04. Kapitel
 05. Kapitel
 06. Kapitel
 07. Kapitel
 08. Kapitel
 09. Kapitel
 10. Kapitel
 11. Kapitel
 12. Kapitel
Webdesign @ Pixel-Partisan.de
Projekte:
Lexikon der Abkürzungen
Online-Bibel
Bilder von Insekten
Lifestyle Webkatalog
Webdirectory - Spoolix

Schnellsuche: Geschichte - Mommsen - Theodor - Kapitel - Buch - Rom
Kritik - Cicero - Tanz - Bildhauer - Informationen - Amphitheater - Max - Bildhauerei

Theodor Mommsen

Roemische Geschichte - 5. Buch


Seite 19 von 20     7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 
Neben dieser ungemeinen Regsamkeit auf dem Gebiet der Philologie faellt die geringe Taetigkeit in den uebrigen Wissenschaften auf. Was von Belang in der Philosophie erschien, wie Lucretius' Darstellung des epikureischen Systems in dem poetischen Kinderkleide der vorsokratischen Philosophie und die besseren Schriften Ciceros, tat seine Wirkung und fand sein Publikum nicht durch, sondern trotz des philosophischen Inhalts einzig durch die aesthetische Form; die zahlreichen Uebersetzungen epikureischer Schriften und die pythagoreischen Arbeiten, wie Varros grosses Werk ueber die Elemente der Zahlen und das noch ausfuehrlichere des Figulus von den Goettern, hatten ohne Zweifel weder wissenschaftlichen noch formellen Wert.

Auch in den Fachwissenschaften ist es schwach bestellt. Varros dialogisch geschriebene Buecher vom Landbau sind freilich methodischer als die seiner Vorgaenger Cato und Saserna, auf die denn auch mancher tadelnde Seitenblick faellt, dafuer aber im ganzen mehr aus der Schreibstube hervorgegangen als, wie jene aelteren Werke, aus der lebendigen Erfahrung. Von desselben sowie des Servius Sulpicius Rufus (Konsul 703 51) juristischen Arbeiten ist kaum etwas weiter zu sagen, als dass sie zu dem dialektischen und philologischen Aufputz der roemischen Jurisprudenz beigetragen haben. Weiter aber ist hier nichts zu nennen als etwa noch des Gaius Matius drei Buecher ueber Kochen, Einsalzen und Einmachen, unseres Wissens das aelteste roemische Kochbuch und als das Werk eines vornehmen Mannes allerdings eine bemerkenswerte Erscheinung. Dass Mathematik und Physik durch die gesteigerten hellenistischen und utilitarischen Tendenzen der Monarchie gefoerdert wurden, zeigt sich wohl in der steigenden Bedeutung derselben im Jugendunterricht und in einzelnen praktischen Anwendungen, wohin, ausser der Reform des Kalenders, etwa noch gezaehlt werden koennen das Aufkommen der Wandkarten in dieser Zeit; die verbesserte Technik des Schiffsbaus und der musikalischen Instrumente; Anlagen und Bauten wie das von Varro angegebene Vogelhaus, die von Caesars Ingenieuren ausgefuehrte Pfahlbruecke ueber den Rhein, sogar zwei halbkreisfoermige, zum Zusammenschieben eingerichtete, zuerst gesondert als zwei Theater, dann zusammen als Amphitheater benutzte Brettergerueste. Auslaendische Naturmerkwuerdigkeiten bei den Volksfesten oeffentlich zur Schau zu stellen war nicht ungewoehnlich; und die Schilderungen merkwuerdiger Tiere, die Caesar in seine Feldzugsberichte eingelegt hat, beweisen, dass ein Aristoteles, wenn er aufgetreten waere, seinen Fuersten wiederum gefunden haben wuerde. Was aber von literarischen Leistungen auf diesem Gebiet erwaehnt wird, haengt wesentlich an den Neupythagoreismus sich an; so des Figulus Zusammenstellung griechischer und barbarischer, d. h. aegyptischer Himmelsbeobachtungen und desselben Schriften von den Tieren, den Winden, den Geschlechtsteilen. Nachdem ueberhaupt die griechische Naturforschung von dem Aristotelischen Streben, im einzelnen das Gesetz zu finden, mehr und mehr zu der empirischen und meistens unkritischen Beobachtung des Aeusserlichen und Auffallenden in der Natur abgeirrt war, konnte die Naturwissenschaft, indem sie als mystische Naturphilosophie auftrat, statt aufzuklaeren und anzuregen, nur noch mehr verdummen und laehmen; und solchem Treiben gegenueber liess man es besser noch bei der Plattheit bewenden, welche Cicero als sokratische Weisheit vortraegt, dass die Naturforschung entweder nach Dingen sucht, die niemand wissen koenne, oder nach solchen, die niemand zu wissen brauche.

Werfen wir schliesslich noch einen Blick auf die Kunst, so zeigen auch hier sich dieselben unerfreulichen Erscheinungen, die das ganze geistige Leben dieser Periode erfuellen. Das Staatsbauwesen stockte in der Geldklemme der letzten Zeit der Republik so gut wie ganz. Von dem Bauluxus der Vornehmen Roms war bereits die Rede; die Architekten lernten infolgedessen den Marmor verschwenden - die farbigen Sorten wie der gelbe numidische (Giallo antico) und andere kamen in dieser Zeit in Aufnahme und auch die lunensischen (carrarischen) Marmorbrueche wurden jetzt zuerst benutzt - und fingen an, die Fussboeden der Zimmer mit Mosaik auszulegen, die Waende mit Marmorplatten zu taefeln oder auch den Stuck marmorartig zu bemalen - die ersten Anfaenge der spaeteren Zimmerwandmalerei. Die Kunst aber gewann nicht bei dieser verschwenderischen Pracht.

In den bildenden Kuensten waren Kennerschaft und Sammelei in weiterem Zunehmen. Es war eine blosse Affektation catonischer Simplizitaet, wenn ein Advokat vor den Geschworenen von den Kunstwerken "eines gewissen Praxiteles" sprach; alles reiste und schaute und das Handwerk der Kunstciceronen oder, wie sie damals hiessen, der Exegeten, war keines von den schlechtesten. Auf alte Kunstwerke wurde foermlich Jagd gemacht - weniger freilich noch auf Statuen und Gemaelde, als nach der rohen Art roemischer Prachtwirtschaft auf kunstvolles Geraet und Zimmer- und Tafeldekoration aller Art. Schon zu jener Zeit wuehlte man die alten griechischen Graeber von Capua und Korinth um wegen der Erz- und Tongefaesse, die den Toten waren mit ins Grab gegeben worden. Fuer eine kleine Nippfigur von Bronze wurden 40000 (3000 Taler), fuer ein paar kostbare Teppiche 200000 Sesterzen (15000 Taler) bezahlt; eine gutgearbeitete kupferne Kochmaschine kam hoeher zu stehen als ein Landgut. Wie billig ward bei dieser barbarischen Kunstjagd der reiche Liebhaber von seinen Zutraegern haeufig geprellt: aber der oekonomische Ruin namentlich des an Kunstwerken ueberreichen Kleinasiens brachte auch manches wirklich alte und seltene Prachtstueck und Kunststueck auf den Markt und von Athen, Syrakus, Kyzikos, Pergamon, Chios, Samos und wie die alten Kunststaetten weiter hiessen, wanderte alles, was feil war und gar manches, was es nicht war, in die Palaeste und Villen der roemischen Grossen. Welche Kunstschaetze zum Beispiel das Haus des Lucullus barg, der freilich wohl nicht mit Unrecht beschuldigt wurde, sein artistisches Interesse auf Kosten seiner Feldherrnpflichten befriedigt zu haben, ward bereits erwaehnt. Die Kunstliebhaber draengten sich daselbst wie heutzutage in Villa Borghese und beklagten auch damals schon sich ueber die Verbannung der Kunstschaetze auf die Palaeste und Landhaeuser der vornehmen Herren, wo sie schwierig und nur nach besonders von dem Besitzer eingeholter Erlaubnis gesehen werden konnten. Die oeffentlichen Gebaeude dagegen fuellten sich keineswegs im Verhaeltnis mit beruehmten Werken griechischer Meister, und vielfach standen noch in den Tempeln der Hauptstadt nichts als die alten holzgeschnitzten Goetterbilder. Von Ausuebung der Kunst ist so gut wie gar nichts zu berichten; kaum wird aus dieser Zeit ein anderer roemischer Bildhauer oder Maler mit Namen genannt als ein gewisser Arellius, dessen Bilder reissend abgingen, nicht ihres kuenstlerischen Wertes wegen, sondern weil der arge Roue in den Bildern der Goettinnen getreue Konterfeie seiner jedesmaligen Maetressen lieferte.

Die Bedeutung von Musik und Tanz stieg im oeffentlichen wie im haeuslichen Leben. Wie die Theatermusik und das Tanzstueck in der Buehnenentwicklung dieser Zeit zu selbstaendigerer Geltung gelangte, wurde bereits dargestellt; es kann noch hinzugefuegt werden, dass jetzt in Rom selbst auf der oeffentlichen Buehne schon sehr haeufig von griechischen Musikern, Taenzern und Deklamatoren Vorstellungen gegeben wurden, wie sie in Kleinasien und ueberhaupt in der ganzen hellenischen und hellenisierenden Welt ueblich waren ^21. Dazu kamen denn die Musikanten und Taenzerinnen, die bei Tafel und sonst auf Bestellung ihre Kuenste produzierten, und die in vornehmen Haeusern nicht mehr seltenen eigenen Kapellen von Saiten- und Blasinstrumenten und Saengern. Dass aber auch die vornehme Welt selbst fleissig spielte und sang, beweist schon die Aufnahme der Musik in den Kreis der allgemein anerkannten Unterrichtsgegenstaende; und was das Tanzen anlangt, so wurde, um von den Frauen zu schweigen, selbst Konsularen es vorgehalten, dass sie im kleinen Zirkel sich mit Tanzvorstellungen produzierten.

-------------------------------------------

^21 Dergleichen "griechische Spiele" waren nicht bloss in den griechischen Staedten Italiens, namentlich in Neapel (Cic. Arch. 5, 10; Plut. Brut. 21), sondern jetzt schon auch in Rom sehr haeufig (Cic. ad. fam. 7, 1, 3; Att. 16, 5, 1; Suet. Caes. 39; Plut. Brut. 21). Wenn die bekannte Grabschrift der vierzehnjaehrigen Licinia Eucharis, die wahrscheinlich dem Ende dieser Epoche angehoert, dieses "wohlunterrichtete und in allen Kuensten von den Musen selbst unterwiesene Maedchen", in den Privatvorstellungen der vornehmen Haeuser als Taenzerin glaenzen und oeffentlich zuerst auf der griechischen Schaubuehne auftreten laesst (modo nobilium ludos decoravi choro, Et Graeca in scaena prima populo apparui), so kann dies wohl nur heissen, dass sie das erste Maedchen war, das auf der oeffentlichen griechischen Schaubuehne in Rom erschien, wie denn ueberhaupt erst in dieser Epoche die Frauenzimmer in Rom anfingen, oeffentlich aufzutreten.

Diese "griechischen Spielen in Rom scheinen nicht eigentlich szenische gewesen zu sein, sondern vielmehr zu der Gattung der zusammengesetzten, zunaechst musikalisch-deklamatorischen Auffuehrungen gehoert zu haben, wie sie auch in Griechenland in spaeterer Zeit nicht selten vorkamen (F. G. Welcker, Die griechischen Tragoedien. Bonn 1839-41, S. 1277). Dahin fuehrt das Hervortreten des Floetenspiels bei Polybios (30, 13) des Tanzes in dem Berichte Suetons ueber die bei Caesars Spielen aufgefuehrten kleinasiatischen Waffentaenze und in der Grabschrift der Eucharis; auch die Beschreibung des Kitharoeden Her. Rhet. 4, 47, 60 (vgl. Vitr. 5, 7) wird solchen "griechischen Spielen" entnommen sein. Bezeichnend ist noch die Verbindung dieser Vorstellungen in Rom mit griechischen Athletenkaempfen (Polyb. a. a. O.; Liv. 39, 22). Dramatische Rezitationen waren von diesen Mischspielen keineswegs ausgeschlossen, wie denn unter den Spielern, die Lucius Anicius 587 (167) in Rom auftreten liess, ausdruecklich Tragoedien miterwaehnt werden; aber es wurden doch dabei nicht eigentlich Schauspiele aufgefuehrt, sondern vielmehr von einzelnen Kuenstlern entweder ganze Dramen oder wohl noch haeufiger Stuecke daraus deklamierend oder singend zur Floete vorgetragen. Das wird denn auch in Rom vorgekommen sein; aber allem Anschein nach war fuer das roemische Publikum die Hauptsache bei diesen griechischen Spielen Musik und Tanz, und die Texte moegen fuer sie wenig mehr bedeutet haben als heutzutage die der italienischen Oper fuer die Londoner und Pariser. Jene zusammengesetzten Spiele mit ihrem wuesten Potpourri eigneten sich auch weit besser fuer das roemische Publikum und namentlich fuer die Auffuehrungen in Privathaeusern als eigentlich szenische Auffuehrungen in griechischer Sprache; dass auch die letzteren in Rom vorgekommen sind, laesst sich nicht widerlegen, aber auch nicht beweisen.

Seite 19 von 20     7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 
Schlagwort-Index
Personen-Index
Orte-Index
Zum Kapitel:
Geschichte ->
Theodor Mommsen ->
Roemische Geschichte - 5. Buch ->
12. Kapitel
Suche in Kapitel
Häufige Suchbegriffe:
zimmerwandmalerei (5)
römischer tanz (2)
Mommsen Römische Geschichte (2)
mommsen rom geschichte (2)
theodor mommsen römische geschichte (2)
römische Geschichte mit Bildern (1)
römischer bildhauer (1)