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Ort - Fluss - Land: Rhein


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1. Kapitel - Die Nordgrenze Italiens ->
Naeher noch als von den Pannoniern und den Thrakern ward es den Roemern von den Germanen gelegt, dass der damalige Zustand der Dinge auf die Dauer nicht bleiben koenne. Die Reichsgrenze war seit Caesar der Rhein, vom Bodensee bis zu seiner Muendung. Eine Voelkerscheide war er nicht, da schon von alters her im Nordosten Galliens die Kelten sich vielfach mit Deutschen gemischt hatten, die Treuerer und die Nervier Germanen wenigstens gern gewesen waeren,...

...is zu seiner Muendung. Eine Voelkerscheide war er nicht, da schon von alters her im Nordosten Galliens die Kelten sich vielfach mit Deutschen gemischt hatten, die Treuerer und die Nervier Germanen wenigstens gern gewesen waeren, am mittleren Rhein Caesar selbst die Reste der Scharen des Ariovistus, Triboker (im Elsass), Nemeter (um Speyer), Vangionen (um Worms) sesshaft gemacht hatte. Freilich hielten diese linksrheinischen Deutschen fester zu der roemischen Herrschaft als die keltischen Gaue und nicht sie haben den Landsleuten auf dem rechten Ufer die Pforten Galliens geoeffnet. Aber diese, seit langem der Plunderzuege ueber den Fluss gewohnt und der mehrf...

...iens geoeffnet. Aber diese, seit langem der Plunderzuege ueber den Fluss gewohnt und der mehrfach halb geglueckten Versuche, dort sich festzusetzen, keineswegs vergessen, kamen auch ungerufen. Die einzige germanische Voelkerschaft jenseits des Rheines, die schon in Caesars Zeit sich von ihren Landsleuten getrennt und unter roemischen Schutz gestellt hatte, die Ubier, hatten vor dem Hass ihrer erbitterten Stammgenossen weichen und auf dem roemischen Ufer Schutz und neue Wohnsitze suchen mu...

... roemischen Ufer Schutz und neue Wohnsitze suchen muessen (716 38); Agrippa, obwohl persoenlich in Gallien anwesend, hatte unter dem Druck des damals bevorstehenden sizilischen Krieges nicht vermocht, ihnen in anderer Weise zu helfen, und den Rhein nur ueberschritten, um die Ueberfuehrung zu bewirken. Aus dieser ihrer Siedlung ist spaeter unser Koeln erwachsen. Nicht bloss die auf dem rechten Rheinufer Handel treibenden Roemer wurden vielfaeltig von den Germanen geschaedigt, so dass sogar im Jahre 729 (25) deswegen ein Vorstoss ueber den Rhein ausgefuehrt ward und Agrippa im Jahre 734 (20) vom Rhein heruebergekommene germanische Schwaerme aus Gallien hinauszuschlagen hatte; es geriet im Jahre 738 (16) das jenseitige Ufer in eine allgemeinere, auf einen Einbruch in grossem Massstab hinauslaufende Bewegung. Die Sugambrer an der Ruhr gingen ...

...gung. Die Sugambrer an der Ruhr gingen voran, mit ihnen ihre Nachbarn, noerdlich im Lippetal die Usiper, suedlich die Tencterer; sie griffen die bei ihnen verweilenden roemischen Haendler auf und schlugen sie ans Kreuz, ueberschritten dann den Rhein, pluenderten weit und breit die gallischen Gaue, und als ihnen der Statthalter von Germanien den Legaten Marcus Lollius mit der fuenften Legion entgegenschickte, fingen sie erst deren Reiterei ab und schlugen dann die Legion selbst in schimpfl...

...chen Hauses, uebernahm bei Augustus' Rueckkehr nach Italien (741 13) die Verwaltung von Gallien und den Oberbefehl gegen die Germanen, deren Unterwerfung jetzt ernstlich in das Auge gefasst ward. Wir vermoegen weder die Staerke der damals am Rhein stehenden Armee noch die bei den Germanen obwaltenden Zustaende genuegend zu erkennen; nur das tritt deutlich hervor, dass die letzteren nicht imstande waren, dem geschlossenen Angriff in entsprechender Weise zu begegnen. Das Neckargebiet, ehe...

...iker, andererseits durch die roemisch gesinnten Germanen um Strassburg, Speyer und Worms. Weiter nordwaerts, in der oberen Maingegend, sassen die Markomannen, vielleicht der maechtigste der suebischen Staemme, aber mit den Germanen des Mittelrheins seit alters her verfeindet. Nordwaerts des Mains folgten zunaechst im Taunus die Chatten, weiter rheinabwaerts die schon genannten Tencterer, Sugambrer und Usiper; hinter ihnen die maechtigen Cherusker an der Weser, ausserdem eine Anzahl Voelkerschaften zweiten Ranges. Wie diese mittelrheinischen Staemme, voran die Sugambrer, jenen Angriff auf das roemische Gallien ausgefuehrt hatten, so richtete sich auch der Vergeltungszug des Drusus hauptsaechlich gegen sie, und sie auch verbanden sich gegen Drusus zur gemeinschaftlichen Abweh...

... abermals in Gallien einzufallen, und teilten auch die Beute im voraus - die Sugambrer sollten die Leute, die Cherusker die Pferde, die suebischen Staemme das Gold und Silber erhalten. So versuchten sie im Anfang des Jahres 742 (12) wieder den Rhein zu ueberschreiten und hofften auf die Unterstuetzung der linksrheinischen Germanen und selbst auf eine Insurrektion der eben damals durch das ungewohnte Schaetzungsgeschaeft erregten gallischen Gaue. Aber der junge Feldherr traf seine Massregeln gut: er erstickte die Bewegung im roemischen Gebiet, noch ehe s...

...zu brandschatzen. Dies war eine vorlaeufige Abwehr; der eigentliche Kriegsplan, in groesserem Stil angelegt, ging aus von der Gewinnung der Nordseekueste und der Muendungen der Eins und der Elbe. Der zahlreiche und tapfere Stamm der Bataver im Rheindelta ist, allem Anschein nach damals und durch guetliche Vereinbarung, dem Roemischen Reiche einverleibt worden; mit ihrer Hilfe wurde vom Rheine zur Zuidersee und aus dieser in die Nordsee eine Wasserverbindung hergestellt, welche der Rheinflotte einen sichereren und kuerzeren Weg zur Ems- und Elbemuendung eroeffnete. Die Friesen an der Nordkueste folgten dem Beispiel der Bataver und fuegten sich gleichfalls der Fremdherrschaft. Es war wohl mehr noch die masshaltende Politik als ...

...f die gefaehrlichen und unbekannten Watten, und wenn die Friesen nicht der schiffbruechigen Armee sicheres Geleit gewaehrt haetten, waere sie in sehr kritische Lage geraten. Nichtsdestoweniger war durch diesen ersten Feldzug die Kueste von der Rhein- zur Wesermuendung roemisch geworden. Nachdem also die Kueste umfasst war, begann im naechsten Jahr (743 11) die Unterwerfung des Binnenlandes. Sie wurde wesentlich erleichtert durch den Zwist unter den mittelrheinischen Germanen. Zu dem im Jahre vorher versuchten Angriff auf Gallien hatten die Chatten den versprochenen Zuzug nicht gestellt; in begreiflichem, aber noch vielmehr unpolitischem Zorn hatten die Sugambrer mit gesamter Hand das Chattenland ueb...

...e Chatten den versprochenen Zuzug nicht gestellt; in begreiflichem, aber noch vielmehr unpolitischem Zorn hatten die Sugambrer mit gesamter Hand das Chattenland ueberfallen, und so wurde ihr eigenes Gebiet sowie das ihrer naechsten Nachbarn am Rhein ohne Schwierigkeit von den Roemern besetzt. Die Chatten unterwarfen sich dann den Feinden ihrer Feinde ohne Gegenwehr; nichtsdestoweniger wurden sie angewiesen, das Rheinufer zu raeumen und dafuer dasjenige Gebiet zu besetzen, das bis dahin die Sugambrer innegehabt hatten. Nicht minder unterlagen weiter landeinwaerts die maechtigen Cherusker an der mittleren Weser. Die an der unteren sitzenden Chauker wurden, w...

...Nicht minder unterlagen weiter landeinwaerts die maechtigen Cherusker an der mittleren Weser. Die an der unteren sitzenden Chauker wurden, wie ein Jahr zuvor von der Seeseite, so jetzt zu Lande angegriffen und damit das gesamte Gebiet zwischen Rhein und Weser wenigstens an den militaerisch entscheidenden Stellen in Besitz genommen. Der Rueckweg waere allerdings, eben wie im vorigen Jahre, fast verhaengnisvoll geworden; bei Arbalo (unbekannter Lage) sahen sich die Roemer in einem Engpass v...

...me des Chattengebiets zunaechst dem Angriff ausgesetzt waren, wichen ihm aus und zogen sich rueckwaerts in das Land der Boier, das heutige Boehmen, ohne von hier aus, wo sie dem unmittelbaren Machtkreise Roms entrueckt waren, in die Kaempfe am Rhein einzugreifen. In dem ganzen Gebiet zwischen Rhein und Weser war der Krieg zu Ende. Drusus konnte im Jahre 745 (9) im Cheruskergau das rechte Weserufer betreten und von da vorgehen bis an die Elbe, die er nicht ueberschritt, vermutlich angewiesen war, nicht zu ueberschreiten. Manches harte Gef...

...Obsequens 72 und also geht auf sie die Erzaehlung bei Dio 54, 33. ^8 Dass der Sturz des Drusus in der Saalegegend erfolgte, wird aus Strabon 7,1, 3 p. 291 gefolgert werden duerfen, obwohl er nur sagt, dass er auf dem Heerzuge zwischen Salas und Rhein umkam und die Identifikation des Salas mit der Saale allein auf der Namensaehnlichkeit beruht. Von der Ungluecksstaette wurde er dann bis in das Sommerlager transportiert (Sen. dial. ad Marciam 3: ipsis illum hostibus aegrum cum veneratione et...
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Theodor Mommsen ->
Roemische Geschichte - 8. Buch ->
1. Kapitel - Die Nordgrenze Italiens
1. Kapitel - Die Nordgrenze Italiens ->
Germanicus Abberufung war zugleich die Aufhebung des Oberkommandos der rheinischen Armee. Die blosse Teilung des Kommandos setzte der bisherigen Kriegfuehrung ein Ziel; dass Germanicus nicht bloss abberufen ward, sondern keinen Nachfolger erhielt, kam hinaus auf die Anordnung der Defensive am Rhein. So ist denn auch der Feldzug des Jahres 16 der letzte gewesen, den die Roemer gefuehrt haben, um Germanien zu unterwerfen und die Reichsgrenze vom Rhein an die Elbe zu verlegen. Dass die Feldzuege des Germanicus dieses Ziel hatten, lehrt ihr Verlauf selbst und das die Elbgrenze feiernde Tropaeum. Auch die Wiederherstellung der rechtsrheinischen militaerischen Anlagen, der Taunuskastelle sowohl wie der Festung Aliso und der diese mit Vetera verbindenden Linie, gehoert nur zum Teil zu derjenigen Besetzung des rechten Rheinufers, wie sie auch mit dem beschraenkten Operationsplan nach der Varusschlacht sich vertrug, zum Teil griff sie weit ueber denselben hinaus. Aber was der Feldherr wollte, wollte der Kaiser nicht oder nicht ganz. Es ist mehr als wahrscheinlich,...

...plan nach der Varusschlacht sich vertrug, zum Teil griff sie weit ueber denselben hinaus. Aber was der Feldherr wollte, wollte der Kaiser nicht oder nicht ganz. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass Tiberius die Unternehmungen des Germanicus am Rhein von Haus aus mehr hat geschehen lassen, und gewiss, dass er durch dessen Abberufung im Winter 16/17 denselben ein Ziel hat setzen wollen. Ohne Zweifel ist zugleich ein guter Teil des Erreichten aufgegeben, namentlich aus Aliso die Besatzung ...

... selbst, so ist dafuer ein anderer Grund nicht zu finden, als dass sie die durch zwanzig Jahre hindurch verfolgten Plaene zur Veraenderung der Nordgrenze als unausfuehrbar erkannten und die Unterwerfung und Behauptung des Gebietes zwischen dem Rhein und der Elbe ihnen die Kraefte des Reiches zu uebersteigen schien. Wenn die bisherige Reichsgrenze von der mittleren Donau bis an deren Quelle und den oberen Rhein und dann rheinabwaerts lief, so wurde sie allerdings durch die Verlegung an die in ihrem Quellgebiet der mittleren Donau sich naehernde Elbe und an deren ganzen Lauf wesentlich verkuerzt und verbessert; wobei wahrscheinlich ausser dem evidenten militaerische...

...ss die moeglichst weite Entfernung der grossen Kommandos von Rom und Italien eine der leitenden Maximen der Augusteischen Politik war und ein Elbheer in der weiteren Entwicklung Roms schwerlich dieselbe Rolle gespielt haben wuerde, wie sie die Rheinheere nur zu bald uebernahmen. Die Vorbedingungen dazu, die Niederwerfung der germanischen Patriotenpartei und des Suebenkoenigs in Boehmen, waren keine leichten Aufgaben; indes man hatte dem Gelingen derselben schon einmal ganz nahe gestanden ...

...Hilfsmittel erst nach vierjaehrigem Kampf niedergeworfenen Volksaufstand in Illyricum hervorgerufen hatte, so durfte weder zur Zeit noch auf lange Jahre hinaus dies weite Gebiet sich selbst ueberlassen werden. Aehnlich stand es ohne Zweifel am Rhein. Das roemische Publikum pflegte wohl sich zu ruehmen, dass der Staat ganz Gallien in Unterwuerfigkeit halte durch die 1200 Mann starke Besatzung von Lyon; aber die Regierung konnte nicht vergessen, dass die beiden grossen Armeen am Rhein nicht bloss die Germanen abwehrten, sondern auch fuer die keineswegs durch Fuegsamkeit sich auszeichnenden gallischen Gaue gar sehr in Betracht kamen. An der Weser oder gar an der Elbe aufgestellt, haetten sie diesen Dienst nicht in gleichem ...

...rten, sondern auch fuer die keineswegs durch Fuegsamkeit sich auszeichnenden gallischen Gaue gar sehr in Betracht kamen. An der Weser oder gar an der Elbe aufgestellt, haetten sie diesen Dienst nicht in gleichem Masse geleistet; und sowohl den Rhein wie die Elbe besetzt zu halten, vermochte man nicht. So mochte Augustus wohl zu dem Schluss kommen, dass mit dem damaligen, allerdings seit kurzem erheblich verstaerkten, aber immer noch tief unter dem Mass des wirklich Erforderlichen stehende...

.... Man fuehlt es in dem nicht zu billigenden, aber wohl erklaerlichen Auftreten des Germanicus, wie das Militaer und die Jugend das Aufgeben der neuen Provinz Germanien empfanden. Man erkennt in dem duerftigen Versuch, mit Hilfe der paar linksrheinischen deutschen Gaue wenigstens dem Namen nach das verlorene Germanien festzuhalten, in den zweideutigen und unsicheren Worten, mit denen Augustus selbst in seinem Rechenschaftsbericht Germanien als roemisch in Anspruch nimmt oder auch nicht, ...

...ihre Flut und ihre Ebbe; hier tritt nach der Hochflut des roemischen Weltregiments die Ebbe ein. Nordwaerts von Italien hatte wenige Jahre hindurch die roemische Herrschaft bis an die Elbe gereicht; seit der Varusschlacht sind ihre Grenzen der Rhein und die Donau. Ein Maerchen, aber ein altes, berichtet, dass dem ersten Eroberer Germaniens, dem Drusus, auf seinem letzten Feldzug an der Elbe eine gewaltige Frauengestalt germanischer Art erschienen sei und ihm in seiner Sprache das Wort zug...

...schuetterlich in seiner Neutralitaet. Unmittelbar nach dem Tode des Augustus hatte man in Rom den Einbruch der Markomannen in Raetien gefuerchtet, aber, wie es scheint, ohne Ursache, und als dann Germanicus die Offensive gegen die Germanen vom Rhein aus wieder aufnahm, hatte der maechtige Markomannenkoenig untaetig zugesehen. Diese Politik der Feinheit oder der Feigheit in der wild bewegten, von patriotischen Erfolgen und Hoffnungen trunkenen germanischen Welt grub sich ihr eigenes Grab. ...
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Roemische Geschichte - 8. Buch ->
1. Kapitel - Die Nordgrenze Italiens
4. Kapitel - Das roemische Germanien und die freien Germanen ->
Bis in den Anfang des 3. Jahrhunderts zeigt die roemische Macht am Rhein keine Spuren des Schwankens. Waehrend des Markomannenkrieges unter Marcus blieb in der unteren Provinz alles ruhig. Wenn ein Legat der Belgica damals den Landsturm gegen die Chauker aufbieten musste, so ist dies vermutlich ein Piratenzug gew...

...mals den Landsturm gegen die Chauker aufbieten musste, so ist dies vermutlich ein Piratenzug gewesen, wie sie die Nordkueste oftmals, in dieser Zeit ebenso wie frueher und spaeter, heimgesucht haben. An die Donauquellen und selbst bis in das Rheingebiet reichte der Wellenschlag der grossen Voelkerbewegung; aber die Fundamente erschuetterte er hier nicht. Die Chatten, das einzige bedeutende germanische Volk an der obergermanisch-raetischen Grenzwacht, brachen in beiden Richtungen vor und...

...neben den Chatten wie die Meldung von der ungewohnten Geschicklichkeit der Alamannen im Reitergefecht. Vielmehr sind es der Hauptsache nach sicher aus dem Osten nachrueckende Scharen gewesen, die dem fast erloschenen Widerstand der Germanen am Rhein neue Kraft verliehen haben; es ist nicht unwahrscheinlich, dass die in frueherer Zeit an der mittleren Elbe hausenden maechtigen Semnonen, deren seit dem Ende des 2. Jahrhunderts nicht wieder gedacht wird, zu den Alamannen ein starkes Kontinge...

...nd der Nordsee beschickten den roemischen Herrscher und verwunderten sich, wenn er sie in ihrer eigenen Tracht empfing, in silberbeschlagener Jacke und Haar und Bart nach deutscher Art gefaerbt und geordnet. Aber von da an hoeren die Kriege am Rhein nicht auf, und die Angreifer sind die Germanen; die sonst so fuegsamen Nachbarn waren wie ausgetauscht. Zwanzig Jahre spaeter wurden an der Donau wie am Rhein die Einfaelle der Barbaren so stetig und so ernsthaft, dass Kaiser Alexander deswegen den weniger unmittelbar gefaehrlichen Persischen Krieg abbrechen und sich persoenlich in das Lager von Mainz begeben masste, nicht so sehr, um das Gebiet z...

..., die ohne Zweifel von Mainz aus zunaechst gegen die Alamannen sich richteten, durfte er mit Recht sich Germanicus nennen; und auch fuer die Zukunft hat die Expedition vom Jahre 236, auf lange hinaus der letzte grosse Sieg, den die Roemer am Rhein gewannen, wohl einiges gefruchtet. Obwohl die stetigen und blutigen Thronwechsel und die schweren Katastrophen im Osten und an der Donau die Roemer nicht zu Atem kommen liessen, ist doch durch die naechsten zwanzig Jahre am Rhein wenn nicht eigentlich die Ruhe erhalten worden, doch eine groessere Katastrophe nicht eingetreten. Es scheint sogar damals eine der obergermanischen Legionen nach Afrika geschickt worden zu sein, ohne dass dafuer Ersatz kam, also Obergermanien...

...ach Afrika geschickt worden zu sein, ohne dass dafuer Ersatz kam, also Obergermanien als wohl gesichert gegolten zu haben. Aber als im Jahre 253 wieder einmal die verschiedenen Feldherren Roms um die Kaiserwuerde untereinander schlugen und die Rheinlegionen nach Italien marschierten, um ihren Kaiser Valerianus gegen den Aemilianus der Donauarmee durchzufechten, scheint dies das Signal gewesen zu sein ^31 fuer das Vorbrechen der Germanen namentlich auch gegen den Unterrhein ^32. Diese Germanen sind die hier zuerst auftretenden Franken, allerdings vielleicht nur dem Namen nach neue Gegner; denn obwohl die schon im spaeteren Altertum begegnende Identifikation derselben mit frueher am Unterrhein genannten Voelkerschaften, teils den neben den Bructerern sitzenden Chamavern, teils den frueher genannten, den Roemern untertaenigen Sugambrern, unsicher und mindestens unzulaenglich ist, so hat es hier groessere Wahrscheinlichkeit als bei de...

...Chamavern, teils den frueher genannten, den Roemern untertaenigen Sugambrern, unsicher und mindestens unzulaenglich ist, so hat es hier groessere Wahrscheinlichkeit als bei den Alamannen, dass die bisher von Rom abhaengigen Germanen am rechten Rheinufer und die frueher vom Rhein abgedraengten germanischen Staemme damals unter dem Gesamtnamen der "Freien" gemeinschaftlich die Offensive gegen die Roemer ergriffen haben. Solange Gallienus selbst am Rhein blieb, hielt er, trotz der geringen, ihm zur Verfuegung stehenden Streitkraefte, die Gegner einigermassen im Zaum, verhinderte sie am Ueberschreiten des Flusses oder schlug die Eingedrungenen wieder hinaus, raeumte auch wohl einem der germanis...

...es Kaisersohnes Silvanus. Es gelang ihm, die Stadt einzunehmen und seinen frueheren Kollegen sowie den kaiserlichen Knaben in seine Gewalt zu bekommen, worauf er beide hinrichten liess. Aber waehrend dieser Wirren brachen die Franken ueber den Rhein und ueberschwemmten nicht bloss ganz Gallien, sondern drangen auch in Spanien ein, ja pluenderten selbst die afrikanische Kueste. Bald nachher, nachdem Valerians Gefangennahme durch die Perser das Mass des Unheils voll gemacht hatte, ging in d...

...berschwemmten nicht bloss ganz Gallien, sondern drangen auch in Spanien ein, ja pluenderten selbst die afrikanische Kueste. Bald nachher, nachdem Valerians Gefangennahme durch die Perser das Mass des Unheils voll gemacht hatte, ging in der oberrheinischen Provinz alles roemische Land auf dem linken Rheinufer verloren, ohne Zweifel an die Alamannen, deren Einbruch in Italien in den letzten Jahren des Gallienus diesen Verlust notwendig voraussetzt. Dieser ist der letzte Kaiser, dessen Name auf rechtsrheinischen Denkmaelern gefunden wird. Seine Muenzen feiern ihn wegen fuenf grosser Siege ueber die Germanen, und nicht minder sind die seines Nachfolgers in der gallischen Herrschaft, des Postumus, voll des Preises der deutschen Siege des Retters v...

...ber die Germanen, und nicht minder sind die seines Nachfolgers in der gallischen Herrschaft, des Postumus, voll des Preises der deutschen Siege des Retters von Gallien. Gallienus hatte in seinen frueheren Jahren nicht ohne Energie den Kampf am Rhein aufgenommen, und Postumus war sogar ein vorzueglicher Offizier und waere gern auch ein guter Regent gewesen. Aber bei der Meisterlosigkeit, welche damals in dem roemischen Staat oder vielmehr in der roemischen Armee waltete, nuetzte Talent und...

...n Staat oder vielmehr in der roemischen Armee waltete, nuetzte Talent und Tuechtigkeit des Einzelnen weder ihm noch dem Gemeinwesen. Eine Reihe bluehender roemischer Staedte wurde damals von den einfallenden Barbaren oedegelegt, und das rechte Rheinufer ging den Roemern auf immer verloren. ---------------------------------------------- ^31 Nicht bloss der ursaechliche Zusammenhang, sondern selbst die zeitliche Folge dieser wichtigen Vorgaenge liegen im unklaren. Der relativ beste Bericht ...

...Jahre 256 (CIL VIII, 2380; ebenso 259 CIL XI, 826), vielleicht sogar, wenn der Muenze Cohen n. 54 zu trauen ist, den Titel Germanicus maximus ter. ^32 Dass die Germanen, gegen die Gallienus zu streiten hatte, wenigstens hauptsaechlich am Unterrhein zu suchen sind, zeigt die Residenz seines Sohnes in Agrippina, wo er doch nur als nomineller Repraesentant des Vaters zurueckgeblieben sein kann. Auch der Biograph (c. 8) nennt die Franken. ^33 Von dem Grade der Geschichtsfaelschung, welche in ...

...denz fuer den, der Gallien das Schicksal der Donaulaender und Asiens erspart und es vor den Germanen gerettet habe, tritt hier und ueberall (am offenbarsten tyr. 5) zutage; womit denn zusammenhaengt, dass dieser Bericht den Verlust des rechten Rheinufers und die Zuege der Franken nach Gallien, Spanien und Afrika nicht kennt. Bezeichnend ist noch, dass der angebliche Stammvater des konstantinischen Hauses auch hier mit einer ehrenvollen Nebenrolle bedacht wird. Diese nicht zerruettete, son...
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Theodor Mommsen ->
Roemische Geschichte - 8. Buch ->
4. Kapitel - Das roemische Germanien und die freien Germanen
Die Unterwerfung des Westens ->
...ntlichen soweit erreicht, als es ueberhaupt mit dem Schwert sich erreichen liess. Allein die andere Haelfte des von Caesar begonnenen Werkes war noch bei weitem nicht genuegend erledigt und die Deutschen noch keineswegs ueberall genoetigt, den Rhein als Grenze anzuerkennen. Eben jetzt, im Winter 698/99 (56/55) hatte an dem unteren Laufe des Flusses, bis wohin die Roemer noch nicht vorgedrungen waren, eine abermalige Grenzueberschreitung stattgefunden. Die deutschen Staemme der Usipeten un...

...te an dem unteren Laufe des Flusses, bis wohin die Roemer noch nicht vorgedrungen waren, eine abermalige Grenzueberschreitung stattgefunden. Die deutschen Staemme der Usipeten und Tencterer, deren Versuche, in dem Gebiet der Menapier ueber den Rhein zu setzen, bereits erwaehnt wurden, waren endlich doch, die Wachsamkeit ihrer Gegner durch einen verstellten Abzug taeuschend, auf den eigenen Schiffen der Menapier uebergegangen - ein ungeheurer Schwarm, der sich mit Einschluss der Weiber und...

...rschienen, wurden sie festgehalten und die nichts ahnende, ihrer Fuehrer beraubte Menge von dem roemischen Heer ploetzlich ueberfallen. Es war mehr eine Menschenjagd als eine Schlacht; was nicht unter den Schwertern der Roemer fiel, ertrank im Rheine; fast nur die zur Zeit des Ueberfalls detachierten Abteilungen entkamen dem Blutbad und gelangten zurueck ueber den Rhein, wo ihnen die Sugambrer in ihrem Gebiet, es scheint an der Lippe, eine Freistatt gewaehrten. Das Verfahren Caesars gegen diese deutschen Einwanderer fand im Senat schweren und gerechten Tadel; allein wie wenig auch dasselbe entschuldigt werden...

... gerechten Tadel; allein wie wenig auch dasselbe entschuldigt werden kann, den deutschen Uebergriffen war dadurch mit erschreckendem Nachdruck gesteuert. Doch fand es Caesar ratsam, noch einen Schritt weiter zu gehen und die Legionen ueber den Rhein zu fuehren. An Verbindungen jenseits desselben mangelte es ihm nicht. Den Deutschen auf ihrer damaligen Bildungsstufe fehlte noch jeder nationale Zusammenhang; an politischer Zerfahrenheit gaben sie, wenn auch aus anderen Ursachen, den Kelten ...

...rrschaft zu befreien. Es war Caesars Absicht nicht, diesem Ansinnen, das ihn in endlose Unternehmungen verwickelt haben wuerde, ernstlich zu entsprechen; aber wohl schien es zweckmaessig, um das Erscheinen der germanischen Waffen diesseits des Rheines zu verhindern, die roemischen jenseits desselben wenigstens zu zeigen. Der Schutz, den die entronnenen Usipeten und Tencterer bei den Sugambrern gefunden hatten, bot eine geeignete Veranlassung dar. In der Gegend, wie es scheint, zwischen Ko...

... zu zeigen. Der Schutz, den die entronnenen Usipeten und Tencterer bei den Sugambrern gefunden hatten, bot eine geeignete Veranlassung dar. In der Gegend, wie es scheint, zwischen Koblenz und Andernach schlug Caesar eine Pfahlbruecke ueber den Rhein und fuehrte seine Legionen hinueber aus dem treverischen in das ubische Gebiet. Einige kleinere Gaue gaben ihre Unterwerfung ein; allein die Sugambrer, gegen die der Zug zunaechst gerichtet war, zogen, wie das roemische Heer herankam, mit ihre...

... waffenfaehige Mannschaft angewiesen ward, im Mittelpunkt des Gaues sich zu versammeln. Diesen Handschuh aufzuheben hatte der roemische Feldherr weder Veranlassung noch Lust; sein Zweck, teils zu rekognoszieren, teils durch einen Zug ueber den Rhein womoeglich den Deutschen, wenigstens aber den Kelten und den Landsleuten daheim zu imponieren, war im wesentlichen erreicht; nach achtzehntaegigem Verweilen am rechten Rheinufer traf er wieder in Gallien ein und brach die Rheinbruecke hinter sich ab (699 55). Es blieben die Inselkelten. Bei dem engen Zusammenhang zwischen ihnen und den Kelten des Festlandes, namentlich den Seegauen, ist es begreiflich, dass sie an dem nationalen Widerstand wenigstens mit ihren Sympath...
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Roemische Geschichte - 5. Buch ->
07. Kapitel
4. Kapitel - Das roemische Germanien und die freien Germanen ->
Civilis, an der Spitze einer kleinen Zahl regulaerer Truppen, aber des Gesamtaufgebots der Bataver, Cannenefaten und Friesen, ging aus der Heimat zum Angriff vor. Zunaechst am Rhein stiess er auf Reste der aus den noerdlichen Gauen vertriebenen roemischen Besatzungen und eine Abteilung der roemischen Rheinflotte; als er angriff, lief nicht bloss die grossenteils aus Batavern bestehende Schiffsmannschaft zu ihm ueber, sondern auch eine Kohorte der Tungrer - es war der erste Abfall einer gallischen Abteilung; was von italischen Mannschaften dabei ...

...ende Schiffsmannschaft zu ihm ueber, sondern auch eine Kohorte der Tungrer - es war der erste Abfall einer gallischen Abteilung; was von italischen Mannschaften dabei war, wurde erschlagen oder gefangen. Dieser Erfolg brachte endlich die rechtsrheinischen Germanen in Bewegung. Was sie seit langem vergeblich gehofft hatten, die Erhebung der roemischen Untertanen auf dem anderen Ufer, ging nun in Erfuellung und sowohl die Chauker und die Friesen an der Kueste wie vor allem die Bructerer zu ...

...offt hatten, die Erhebung der roemischen Untertanen auf dem anderen Ufer, ging nun in Erfuellung und sowohl die Chauker und die Friesen an der Kueste wie vor allem die Bructerer zu beiden Seiten der oberen Ems bis hinab zur Lippe, und am Mittelrhein, Koeln gegenueber, die Tencterer, in minderem Masse die suedlich an diese sich anschliessenden Voelkerschaften, Usiper, Mattiaker, Chatten, warfen sich in den Kampf. Als auf Befehl des Flaccus die beiden schwachen Legionen von Vetera gegen die...

...e sich anschliessenden Voelkerschaften, Usiper, Mattiaker, Chatten, warfen sich in den Kampf. Als auf Befehl des Flaccus die beiden schwachen Legionen von Vetera gegen die Insurgenten ausrueckten, konnten ihnen diese schon mit zahlreichem ueberrheinischem Zuzug entgegentreten; und die Schlacht endigte wie das Gefecht am Rhein mit einer Niederlage der Roemer durch den Abfall der batavischen Reiterei, welche zu der Garnison von Vetera gehoerte, und durch die schlechte Haltung der Reiter der Ubier wie der Treverer. Die insurgierten wie die zustroemenden Germanen schri...

...tung der Reiter der Ubier wie der Treverer. Die insurgierten wie die zustroemenden Germanen schritten dazu, das Hauptquartier des unteren Heeres zu umstellen und zu belagern. Waehrend dieser Belagerung erreichte die Kunde der Vorgaenge am Unterrhein die uebrigen batavischen Kohorten in der Naehe von Mainz; sie machten sofort kehrt gegen Norden. Statt sie zusammenhauen zu lassen, liess der schwachmuetige Oberfeldherr sie ziehen, und als der Legionskommandant in Bonn sich ihnen entgegenwarf...

...struppen der gallischen Gaue an sich und naeherten sich Vetera. Aber statt sofort die gesamte Macht von innen und aussen auf die Belagerer zu werfen, mochte deren Ueberzahl noch so gewaltig sein, schlug Vocula sein Lager bei Gelduba (Gellep am Rhein, unweit Krefeld), einen starken Tagemarsch entfernt von Vetera, waehrend Flaccus weiter zurueckstand. Die Nichtigkeit des sogenannten Feldherrn und die immer steigende Demoralisation der Truppen, vor allem das oft bis zu Misshandlungen und M...

...n allen Seiten zusammen. Ganz Germanien schien sich an dem Krieg beteiligen zu wollen; waehrend die belagernde Armee bestaendig neuen Zuzug von dort erhielt, gingen andere Schwaerme ueber den in diesem trocknen Sommer ungewoehnlich niedrigen Rhein teils in den Ruecken der Roemer in die Gaue der Ubier und der Treverer, das Moseltal zu brandschatzen, teils unterhalb Vetera in das Gebiet der Maas und der Schelde; weitere Haufen erschienen vor Mainz und machten Miene, dies zu belagern. Da k...

...elangt sei und erzwangen dessen Verteilung auf den Namen Vespasians. Kaum hatten sie es, so brach in den wuesten Gelagen, welche die Spende im Gefolge hatte, der alte Soldatengroll wieder hervor; sie pluenderten das Haus des Feldherrn, der die Rheinarmee an den General der syrischen Legionen verraten hatte, erschlugen ihn und haetten auch dem Vocula das gleiche Schicksal bereitet, wenn dieser nicht in Vermummung entkommen waere. Darauf riefen sie abermals den Vitellius zum Kaiser aus, nic...

... allmaehlich den roemerfeindlichen Galliern der Mut, und ihr Abfall vollendete die Katastrophe. Zwei vornehme Treverer, Iulius Classicus, der Befehlshaber der treverischen Reiterei, und Iulius Tutor, der Kommandant der Uferbesatzungen am Mittelrhein, der Lingone Iulius Sabinus, Nachkomme, wie er wenigstens sich beruehmte, eines Bastards Caesars, und einige andere gleichgesinnte Maenner aus verschiedenen Gauen glaubten in der fahrigen keltischen Weise zu erkennen, dass der Untergang Roms ...

...ingen sie den Weg des Arminius. Vocula liess sich wirklich durch gefaelschte Rapporte dieser roemischen Offiziere bestimmen, mit den unter ihrem Kommando stehenden Kontingenten und einem Teil der Mainzer Besatzung im Fruehjahr 70 nach dem Unterrhein aufzubrechen, um mit diesen Truppen und den Legionen von Bonna und Novaesium das hart bedraengte Vetera zu entsetzen. Auf dem Marsch von Novaesium nach Vetera verliessen Classicus und die mit ihm einverstandenen Offiziere das roemische Heer un...

...te in die Haende der eidbruechigen Offiziere die Besatzung von Vetera, die, durch Hunger bezwungen, sofort sich ergab, und ebenso die Besatzung von Mainz, wo nur wenige einzelne der Schande sich durch Flucht oder Tod entzogen. Das ganze stolze Rheinheer, die erste Armee des Reiches, hatte vor seinen eigenen Auxilien, Rom vor Gallien kapituliert. Es war ein Trauerspiel und zugleich eine Posse. Das Gallische Reich verlief, wie es musste. Civilis und seine Germanen liessen es zunaechst sich...

...ne Germanen liessen es zunaechst sich wohl gefallen, dass der Zwist im roemischen Lager ihnen die eine wie die andere Haelfte der Feinde in die Haende lieferte, aber er dachte nicht daran, jenes Reich anzuerkennen, und noch weniger seine rechtsrheinischen Genossen. Ebenso wenig wollten die Gallier selbst davon etwas wissen, wobei allerdings der schon bei dem Aufstand des Vindex hervorgetretene Riss zwischen den oestlichen Distrikten und dem uebrigen Lande mit ins Gewicht fiel. Die Trever...

... Classicus oder seinen Anhaengern geschlagen sein muss, welche den Kopf der Gallia zeigt, wie die Muenzen der roemischen Republik den der Roma, und daneben das Legionssymbol mit der recht verwegenen Umschrift der "Treue" (fides). Zunaechst am Rhein freilich hatten die Reichsmaenner in Gemeinschaft mit den insurgierten Germanen freie Hand. Die Reste der beiden Legionen, die in Vetera kapituliert hatten, wurden gegen die Kapitulation und gegen Civilis' Willen niedergemacht, die beiden von ...

...en Germanen freie Hand. Die Reste der beiden Legionen, die in Vetera kapituliert hatten, wurden gegen die Kapitulation und gegen Civilis' Willen niedergemacht, die beiden von Novaesium und Bonna nach Trier geschickt, die saemtlichen roemischen Rheinlager, grosse und kleine, mit Ausnahme von Mogontiacum niedergebrannt. In der schlimmsten Lage fanden sich die Agrippinenser. Die Reichsmaenner hatten sich allerdings darauf beschraenkt, von ihnen den Treueid zu fordern; aber ihnen vergassen es...

... sich die Agrippinenser. Die Reichsmaenner hatten sich allerdings darauf beschraenkt, von ihnen den Treueid zu fordern; aber ihnen vergassen es die Germanen nicht, dass sie eigentlich die Ubier waren. Eine Botschaft der Tencterer vom rechten Rheinufer - es war dies einer der Staemme, deren alte Heimat die Roemer oedegelegt hatten und als Viehtrift benutzten, und die infolgedessen sich andere Wohnsitze hatten suchen muessen - forderte die Schleifung dieses Hauptsitzes der germanischen Ap...

... Italien ausgebrochen, alle Provinzen vom Feinde ueberzogen und Vespasianus wahrscheinlich tot sei; aber der schwere Arm Roms wurde bald genug empfunden. Das neu befestigte Regiment konnte die besten Feldherren und zahlreiche Legionen an den Rhein entsenden, und es bedurfte allerdings hier einer imposanten Machtentwicklung. Annius Gallus uebernahm das Kommando in der oberen, Petillius Cerialis in der unteren Provinz, der letztere, ein ungestuemer und oft unvorsichtiger, aber tapferer un...

... der Flotte aus Britannien, dazu ein weiteres Korps von der raetischen Besatzung. Dieses und die 21. Legion trafen zuerst ein. Die Reichsmaenner hatten wohl davon geredet, die Alpenpaesse zu sperren; aber geschehen war nichts und das ganze oberrheinische Land bis nach Mainz lag offen da. Die beiden Mainzer Legionen hatten zwar dem gallischen Reich geschworen und leisteten anfaenglich Widerstand; aber sowie sie erkannten, dass eine groessere roemische Armee ihnen gegenueberstand, kehrten s...

...en unterwarfen sich ohne Schwertstreich, bloss gegen Zusage milder Behandlung, ihrer 70000 waffenfaehigen Maenner ^9. Fast haetten die Treverer selbst das gleiche getan; doch wurden sie daran durch den Adel verhindert. Die beiden von der niederrheinischen Armee uebriggebliebenen Legionen, die hier standen, hatten auf die erste Kunde von dem Annahen der Roemer die gallischen Insignien von ihren Feldzeichen gerissen und rueckten ab zu den treugebliebenen Mediomatrikern (Metz), wo sie sich d...
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Roemische Geschichte - 8. Buch ->
4. Kapitel - Das roemische Germanien und die freien Germanen
Die Unterwerfung des Westens ->
Aber die Deutschen waren nicht stehen geblieben am Rheine. Der seinem Kern nach aus deutschen Staemmen zusammengesetzte Heereszug der Kimbrer und Teutonen, der fuenfzig Jahre zuvor ueber Pannonien, Gallien, Italien und Spanien so gewaltig hingebraust war, schien nichts gewesen zu sein als eine gross...

...ammengesetzte Heereszug der Kimbrer und Teutonen, der fuenfzig Jahre zuvor ueber Pannonien, Gallien, Italien und Spanien so gewaltig hingebraust war, schien nichts gewesen zu sein als eine grossartige Rekognoszierung. Schon hatten westlich vom Rhein, namentlich dem untern Lauf desselben, verschiedene deutsche Staemme bleibende Sitze gefunden: als Eroberer eingedrungen, fuhren diese Ansiedler fort, von ihren gallischen Umwohnern gleich wie von Untertanen Geiseln einzufordern und jaehrliche...

...cht oder doch unter deutschen Einfluessen gestanden zu haben. Die deutschen Ansiedlungen selbst waren vielleicht geringfuegig; unbedeutend waren sie nicht, denn in dem chaotischen Dunkel, in dem wir um diese Zeit die Voelkerschaften am rechten Rheinufer auf- und niederwogen sehen, laesst sich doch wohl erkennen, dass groessere deutsche Massen auf der Spur jener Vorposten sich anschickten, den Rhein zu ueberschreiten. Von zwei Seiten durch die Fremdherrschaft bedroht und in sich zerrissen, war es kaum zu erwarten, dass die unglueckliche keltische Nation sich jetzt noch emporraffen und mit eigener Kraft sich erretten werde. Die Zersplitter...

...r dem anderen Schutz suchte und dass, wenn die eine Keltenpartei sich den Roemern anschloss, ihre Gegner dagegen mit den Deutschen Buendnis machten. Am naechsten lag dies den Belgen, die durch Nachbarschaft und vielfaeltige Mischung den ueberrheinischen Deutschen genaehert waren und ueberdies bei ihrer minder entwickelten Kultur sich dem stammfremden Sueben wenigstens ebenso verwandt fuehlen mochten als dem gebildeten allobrogischen oder helvetischen Landsmann. Aber auch die suedlichen ...

...uf der Saone, die das Gebiet der Haeduer von dem der Sequaner schied, war es zwischen den beiden Gauen zum Bruch gekommen und um das Jahr 683 (71) hatte der deutsche Fuerst Ariovist mit etwa 15000 Bewaffneten als Condottiere der Sequaner den Rhein ueberschritten. Der Krieg zog manches Jahr unter wechselnden Erfolgen sich hin; im ganzen waren die Ergebnisse den Haeduern unguenstig. Ihr Fuehrer Eporedorix bot endlich die ganze Klientel auf und zog mit ungeheurer Uebermacht aus gegen die G...

...m Boden ein deutsches Fuerstentum zu begruenden. Die zahlreichen Haufen, die er mitgebracht hatte, die noch zahlreicheren, die auf seinen Ruf spaeter aus der Heimat nachkamen - man rechnete, dass bis zum Jahre 696 (58) etwa 120000 Deutsche den Rhein ueberschritten -, diese ganze gewaltige Einwanderung der deutschen Nation, welche durch die einmal geoeffneten Schleusen stromweise ueber den schoenen Westen sich ergoss, gedachte er daselbst ansaessig zu machen und auf dieser Grundlage sein...

...elche durch die einmal geoeffneten Schleusen stromweise ueber den schoenen Westen sich ergoss, gedachte er daselbst ansaessig zu machen und auf dieser Grundlage seine Herrschaft ueber das Keltenland aufzubauen. Der Umfang der von ihm am linken Rheinufer ins Leben gerufenen deutschen Ansiedlungen laesst sich nicht bestimmen; ohne Zweifel reichte er weit und noch viel weiter seine Entwuerfe. Die Kelten wurden von ihm als eine im ganzen unterworfene Nation behandelt und zwischen den einzelne...

... er weit und noch viel weiter seine Entwuerfe. Die Kelten wurden von ihm als eine im ganzen unterworfene Nation behandelt und zwischen den einzelnen Gauen kein Unterschied gemacht. Selbst die Sequaner, als deren gedungener Feldhauptmann er den Rhein ueberschritten hatte, mussten dennoch, als waeren auch sie besiegte Feinde, ihm fuer seine Leute ein Drittel ihrer Mark abtreten - vermutlich den spaeter von den Tribokern bewohnten oberen Elsass, wo Ariovist sich mit den Seinigen auf die Daue...
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Roemische Geschichte - 5. Buch ->
07. Kapitel
Die Unterwerfung des Westens ->
Am Oberrhein also war der drohenden Invasion der Deutschen vorgebeugt und zugleich die den Roemern feindliche Partei unter den Kelten gedemuetigt. Auch am Mittelrhein, wo die Deutschen bereits vor Jahren uebergegangen waren und die in Gallien mit der roemischen wetteifernde Macht des Ariovist taeglich weiter um sich griff, musste in aehnlicher Weise durchgegriffen werden, und leicht war die Veranlassung zum...

...on Veranlassung, mit ihm in direkte Verhandlung zu treten und, ausser der Rueckgabe der Geiseln und dem Versprechen, mit den Haeduern Frieden zu halten, namentlich zu fordern, dass Ariovist sich anheischig mache, keine Deutschen mehr ueber den Rhein nachzuziehen. Der deutsche Feldherr antwortete dem roemischen in dem Vollgefuehl ebenbuertigen Rechtes. Ihm sei das noerdliche Gallien so gut nach Kriegsrecht untertaenig geworden wie den Roemern das suedliche; wie er die Roemer nicht hindere,...

...en Versuch gegen Caesars Person bedecken zu sollen; zwischen den beiden Zwingherren Galliens konnten nur die Waffen entscheiden. Vorlaeufig kam der Krieg zum Stehen. Im unteren Elsass, etwa in der Gegend von Muelhausen, eine deutsche Meile vom Rhein ^15, lagerten die beiden Heere in geringer Entfernung voneinander, bis es Ariovist gelang, mit seiner sehr ueberlegenen Macht an dem roemischen Lager vorbeimarschierend, sich ihm in den Ruecken zu legen und die Roemer von ihrer Basis und ihren...

... gegen Barbaren, so auch den gegen die Germanen zu Gunsten der Roemer; ihre dritte Linie, die Publius Crassus rechtzeitig zur Hilfe sandte, stellte auf dem linken Fluegel die Schlacht wieder her und damit war der Sieg entschieden. Bis an den Rhein ward die Verfolgung fortgesetzt; nur wenigen, darunter dem Koenig, gelang es, auf das andere Ufer zu entkommen (696 58). ---------------------------------------- ^15 F. W. A. Goeler (Caesars gallischer Krieg. Karlsruhe 1858, S. 45f.) meint, da...

...n‡on bis dahin sieben Tagemaersche brauchte, erklaert er selbst (Lall. 1, 41) durch die Bemerkung, dass er einen Umweg von ueber zehn deutschen Meilen genommen, um die Bergwege zu vermeiden, und dafuer, dass die Schlacht 5, nicht 50 Milien vom Rhein geschlagen ward, entscheidet bei gleicher Autoritaet der Ueberlieferung die ganze Darstellung der bis zum Rhein fortgesetzten und offenbar nicht mehrtaegigen, sondern an dem Schlachttag selbst beendigten Verfolgung. Der Vorschlag W. Ruestows (Einleitung zu Caesars Kommentar, S. 117), das Schlachtfeld an die obere Saar zu verlegen, beruht auf einem Mis...
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07. Kapitel
1. Kapitel - Die Nordgrenze Italiens ->
...heren Hand das Heer zurueck und die Eroberung Germaniens weiter zu fuehren. Er kommandierte dort waehrend der beiden folgenden Jahre (746, 747 8, 7); zu groesseren Kaempfen ist es waehrend derselben nicht gekommen, aber weit und breit zwischen Rhein und Elbe zeigten sich die roemischen Truppen, und als Tiberius die Forderung stellte, dass saemtliche Gaue die roemische Herrschaft foermlich anzuerkennen haetten, und zugleich erklaerte, die Anerkennung nur von saemtlichen Gauen zugleich en...

...durenschwarm im Markomannenlande selbst Sitze anweisen und gelangte bei dieser Expedition bis an und ueber die obere Elbe, ohne auf Widerstand zu treffen ^9. Die Markomannen in Boehmen waren voellig isoliert, und das uebrige Germanien zwischen Rhein und Elbe eine, wenn auch noch keineswegs befriedete, roemische Provinz. ------------------------------------------------- ^9 Die Mitteilung Dios (55, IOa), zum Teil bestaetigt durch Tacitus (arm. 4, 44) kann nicht anders aufgefasst werden. Die...

...hutz der gallischen Ostgrenze getroffenen Einrichtungen jede genaue Kunde fehlt, andererseits diejenigen der beiden Brueder durch die spaetere Entwicklung der Dinge grossenteils zerstoert worden sind. Eine Verlegung der roemischen Grenzhut vom Rhein weg hat keineswegs stattgefunden; so weit wollte man vielleicht kommen, aber war man nicht. Aehnlich wie in Illyricum damals die Donau, war die Elbe wohl die politische Reichsgrenze, aber der Rhein die Linie der Grenzverteidigung, und von den Rheinlagern liefen die rueckwaertigen Verbindungen nach den grossen Staedten Galliens und nach dessen Haefen ^10. Das grosse Hauptquartier waehrend dieser Feldzuege ist das spaetere sogenannte "alte Lager", Castra vetera (Birten bei Xanten), die ers...

...n nach den grossen Staedten Galliens und nach dessen Haefen ^10. Das grosse Hauptquartier waehrend dieser Feldzuege ist das spaetere sogenannte "alte Lager", Castra vetera (Birten bei Xanten), die erste bedeutende Hoehe abwaerts Bonn am linken Rheinufer, militaerisch etwa dem heutigen Wesel am rechten entsprechend. Dieser Platz, besetzt vielleicht seit den Anfaengen der Roemerherrschaft am Rhein, ist von Augustus eingerichtet worden als Zwingburg fuer Germanien; und wenn die Festung zu allen Zeiten der Stuetzpunkt fuer die roemische Defensive am linken Rheinufer gewesen ist, so war sie fuer die Invasion des rechten nicht weniger wohl gewaehlt, gelegen gegenueber der Muendung der weit hinauf schiffbaren Lippe und mit dem rechten Ufer durch eine feste Bruecke verbunden. Den Gegensatz zu diesem "al...

...nigstens zeigen die schon erwaehnten, den Chatten auferlegten Gebietsabtretungen, sowie die weiterhin zu erwaehnenden Anlagen im Taunus, dass Drusus die militaerische Wichtigkeit der Mainlinie und also auch die ihres Schluessels auf dem linken Rheinufer deutlich erkannt hat. Wenn das Legionslager an der Aare, wie es scheint, eingerichtet worden ist, um die Raeter und Vindeliker im Gehorsam zu erhalten, so faellt dessen Anlage vermutlich schon in diese Zeit, aber es ist dann auch mit den g...

...emischen Heerstellung bildet die Linie von Mainz bis Wesel. Dass Drusus und Tiberius, abgesehen von der damals nicht mehr kaiserlichen narbonensischen Provinz, sowohl die Statthalterschaft von ganz Gallien wie auch das Kommando der saemtlichen rheinischen Legionen gehabt haben, ist ausgemacht; von diesen Prinzen abgesehen, mag damals wohl die Zivilverwaltung Galliens von dem Kommando der Rheintruppen getrennt gewesen sein, aber schwerlich war das letztere damals schon in zwei koordinierte Kommandos geteilt ^11. ------------------------------------------------- ^10 Auf eine rueckwaertige Verbindung der Rheinlager mit dem Hafen von Boulogne duerfte die viel bestrittene Notiz des Florus (epit. 2, 30) zu beziehen sein: Bonnam (oder Bormam) et Gessoriacum pontibus iunxit classibusque firmavit, womit zu vergleichen sind die von demselben Schriftsteller...

...us (epit. 2, 30) zu beziehen sein: Bonnam (oder Bormam) et Gessoriacum pontibus iunxit classibusque firmavit, womit zu vergleichen sind die von demselben Schriftsteller erwaehnten Kastelle an der Maas. Bonn kann damals fueglich die Station der Rheinflotte gewesen sein; Boulogne ist auch in spaeterer Zeit noch Flottenstation gewesen. Drusus konnte wohl Veranlassung haben den kuerzesten und sichersten Landweg zwischen den beiden Flottenlagern fuer Transporte brauchbar zu machen, wenn auch d...
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1. Kapitel - Die Nordgrenze Italiens
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Die Niederlage war insofern bald wieder ausgeglichen, als die Rheinarmee sofort nicht bloss ergaenzt, sondern ansehnlich verstaerkt ward. Tiberius uebernahm abermals das Kommando derselben und wenn aus dem auf die Varusschlacht folgenden Jahr (10) die Kriegsgeschichte Gefechte nicht zu verzeichnen hatte, so ...

... ansehnlich verstaerkt ward. Tiberius uebernahm abermals das Kommando derselben und wenn aus dem auf die Varusschlacht folgenden Jahr (10) die Kriegsgeschichte Gefechte nicht zu verzeichnen hatte, so ist wahrscheinlich damals die Besetzung der Rheingrenze mit acht Legionen und wohl gleichzeitig die Teilung dieses Kommandos in das der oberen Armee mit dem Hauptquartier Mainz und das der unteren mit dem Hauptquartier Vetera, ueberhaupt also diejenige Einrichtung daselbst getroffen worden, d...

...m Hauptquartier Mainz und das der unteren mit dem Hauptquartier Vetera, ueberhaupt also diejenige Einrichtung daselbst getroffen worden, die dann durch Jahrhunderte massgebend geblieben ist. Man musste erwarten, dass auf diese Vermehrung der Rheinarmee die energische Wiederaufnahme der Operationen auf dem rechten Rheinufer gefolgt waere. Der roemisch-germanische Kampf war nicht ein Kampf zwischen zwei in politischem Gleichgewicht stehenden Maechten, in welchem die Niederlage der einen einen unguenstigen Friedensschluss rechtfertigen kann; es war der Kampf ei...

...nd ein vereinzelter Misserfolg in dem vorgezeichneten Plan so wenig etwas aendern darf, wie das Schiff darum seine Fahrt aufgibt, weil ein Windstoss es aus der Bahn wirft. Aber es kam anders. Wohl ging Tiberius im folgenden Jahr (11) ueber den Rhein; aber diese Expedition glich den frueheren nicht. Er blieb den Sommer drueben und feierte dort des Kaisers Geburtstag, aber die Armee hielt sich in der unmittelbaren Naehe des Rheins und von Zuegen an die Weser und an die Elbe war keine Rede - es sollte offenbar den Germanen nur gezeigt werden, dass die Roemer den Weg in ihr Land noch zu finden wussten, vielleicht auch diejenigen Einrichtungen am rechten Rheinufer getroffen werden, welche die veraenderte Politik erforderte. Das grosse, beide Heere umfassende Kommando blieb und es blieb also auch im kaiserlichen Hause. Germanicus hatte es schon im Jahre 11 neben Tiberius gefuehrt; im folgenden (12), w...

...ere umfassende Kommando blieb und es blieb also auch im kaiserlichen Hause. Germanicus hatte es schon im Jahre 11 neben Tiberius gefuehrt; im folgenden (12), wo ihn die Verwaltung des Konsulats in Rom festhielt, kommandierte Tiberius allein am Rhein; mit dem Anfang des Jahres 13 uebernahm Germanicus den alleinigen Oberbefehl. Man betrachtete sich als im Kriegsstand gegen die Germanen; aber es waren tatenlose Jahre ^21. Ungern ertrug der feurige und ehrgeizige Erbprinz den ihm auferlegten ...

...enkliche, durch den Thronwechsel bei den Legionen hervorgerufene Gaerung durch diesen frischen Kriegszug ersticken zu muessen. Ob dies ein Grund oder ein Vorwand war, wissen wir nicht und wusste vielleicht er selber nicht. Dem Kommandanten der Rheinarmee konnte das Ueberschreiten der Grenze ueberall nicht gewehrt werden, und es hing immer bis zu einem gewissen Grade von ihm ab, wie weit gegen die Germanen vorgegangen werden sollte. Vielleicht auch glaubte er, im Sinne des neuen Herrschers...

...anen vorgegangen werden sollte. Vielleicht auch glaubte er, im Sinne des neuen Herrschers zu handeln, der ja wenigstens ebensoviel Anspruch wie sein Bruder auf den Namen des Besiegers von Germanien hatte und dessen angekuendigtes Erscheinen im Rheinlager wohl so aufgefasst werden konnte, als komme er, um die auf Augustus' Geheiss abgebrochene Eroberung Germaniens wieder aufzunehmen. Wie dem auch sei, die Offensive jenseits des Rheins begann aufs neue. Noch im Herbst des Jahres 14 fuehrte Germanicus selbst Detachements aller Legionen bei Vetera ueber den Rhein und drang an der Lippe hinauf ziemlich tief in das Binnenland vor, weit und breit das Land verheerend, die Eingeborenen niedermachend, die Tempel - so den hochgeehrten der Tanfana - zerstoerend. Die Betroffenen, es waren vornehmlich Bructerer,...

...onen prallte der Angriff ab. Da dieser Vorstoss keinen Tadel fand, vielmehr dem Feldherrn dafuer Danksagungen und Ehrenbezeugungen dekretiert wurden, ging er weiter. Im Fruehling des Jahres 15 versammelte er seine Hauptmacht zunaechst am Mittelrhein und ging selbst von Mainz vor gegen die Chatten bis an die oberen Zufluesse der Weser, waehrend das untere Heer weiter nordwaerts die Cherusker und die Marser angriff. Eine gewisse Rechtfertigung fuer dies Vorgehen lag darin, dass die roemisch...

...eren Zerwuerfnisse der Germanen ebneten einmal mehr der Fremdherrschaft die Wege. Noch im selben Jahre unternahm Germanicus den Hauptzug nach dem Emsgebiet; Caecina rueckte von Vetera aus an die obere Ems, er selbst ging mit der Flotte von der Rheinmuendung aus eben dorthin; die Reiterei zog die Kueste entlang durch das Gebiet der treuen Friesen. Wieder vereinigt, verwuesteten die Roemer das Land der Bructerer und das ganze Gebiet zwischen Ems und Lippe und machten von da aus einen Zug na...

...Strande zurueckgehen; aber mit dem Verhaeltnis von Ebbe und Flut in dieser Jahreszeit ungenuegend bekannt, verloren sie ihr Gepaeck und gerieten in Gefahr, massenweise zu ertrinken. Der Rueckmarsch der vier Legionen des Caecina von der Ems zum Rhein glich genau dem des Varus, ja das schwere sumpfige Land bot wohl noch groessere Schwierigkeiten als die Schluchten der Waldgebirge. Die ganze Masse der Eingeborenen, an ihrer Spitze die beiden Cheruskerfuersten, Arminius und dessen hochangeseh...

... bis an die Waelle herankommen, brach aber dann aus allen Toren und Pforten mit solcher Gewalt auf die Stuermenden ein, dass sie eine schwere Niederlage erlitten und infolgedessen der weitere Rueckzug ohne wesentliche Hinderung stattfand. Am Rhein hatte man die Armee schon verloren gegeben und war im Begriff gewesen, die Bruecke bei Vetera abzuwerfen, um wenigstens das Eindringen der Germanen in Gallien zu verhindern; nur die entschlossene Einrede einer Frau, der Gattin des Germanicus, ...

...rch behielt und mit welcher es damals noch ernsthaft genommen wurde; dies erklaert, weshalb Tiberius, wie dies jetzt erwiesen ist (Hermann Schulz, Quaestiones Ovidianae. Greifswald 1883, S. 15 f.), noch im Jahre 12 nach Germanien ging und sein Rheinkommando erst im Anfang des Jahres 13 mit der pannonischen Siegesfeier niederlegte.
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Es ist frueher dargestellt worden, wieweit die Roemer zu beiden Seiten des Unterrheins die Germanen sich unterworfen hatten. Die germanischen Bataver sind nicht durch Caesar, aber nicht lange nachher, vielleicht durch Drusus, auf friedlichem Wege mit dem Reiche vereinigt worden. Sie sassen im Rheindelta, das heisst auf dem linken Rheinufer und auf den durch die Rheinarmee gebildeten Inseln aufwaerts bis wenigstens an den Alten Rhein, also etwa von Antwerpen bis Utrecht und Leiden in Seeland und dem suedlichen Holland, auf urspruenglich keltischem Gebiet - wenigstens sind die Ortsnamen ueberwiegend keltisch; ihren Namen fuehrt noch die Betuwe, die Niederung zwischen Waal u...

...m ersten Eindruck der Schreckensnachricht seine batavischen Leibwaechter verabschiedete, so ueberzeugte er sich bald selbst von der Grundlosigkeit seines Argwohns, und die Truppe wurde kurze Zeit darauf wieder hergestellt. Am anderen Ufer des Rheins wohnten den Batavern zunaechst, im heutigen Kennemerland (Nordholland ueber Amsterdam), die ihnen eng verwandten, aber weniger zahlreichen Cannenefaten; sie werden nicht bloss unter den durch Tiberius unterworfenen Voelkerschaften genannt, so...

...n blieb in der Hauptsache den botmaessigen Seegauen selber ueberlassen. Weiter stromaufwaerts wurde anders verfahren; hier ward eine Grenzstrasse abgesteckt und das Zwischenland entvoelkert. An die in groesserer oder geringerer Entfernung vom Rhein gezogene Grenzstrasse, den Limes ^4, knuepfte sich die Kontrolle des Grenzverkehrs, indem die Ueberschreitung dieser Strasse zur Nachtzeit ueberhaupt, am Tage den Bewaffneten untersagt und den uebrigen in der Regel nur unter besonderen Sicherh...

...zur Nachtzeit ueberhaupt, am Tage den Bewaffneten untersagt und den uebrigen in der Regel nur unter besonderen Sicherheitsmassregeln und unter Erlegung der vorgeschriebenen Grenzzoelle gestattet war. Eine solche Strasse hat gegenueber dem unterrheinischen Hauptquartier im heutigen Muensterland Tiberius nach der Varusschlacht gezogen, in einiger Entfernung vom Rhein, dazwischen ihr und dem Fluss der seiner Lage nach nicht naeher bekannte "Caesische Wald" sich erstreckte. Aehnliche Anstalten muessen gleichzeitig in den Taelern der Ruhr und der Sieg bis zu dem der Wied hin, wo die unterrheinische Provinz endigte, getroffen worden sein. Militaerisch besetzt und zur Verteidigung eingerichtet brauchte diese Strasse nicht notwendig zu sein, obwohl natuerlich die Grenzverteidigung und die Grenzbefestigung immer darauf hinausgingen, die...

...eidigung und die Grenzbefestigung immer darauf hinausgingen, die Grenzstrasse moeglichst sicher zu stellen. Ein hauptsaechliches Mittel fuer den Grenzschutz war die Entvoelkerung des Landstrichs zwischen dem Fluss und der Strasse. "Vom rechten Rheinufer", sagt ein kundiger Schriftsteller der tiberischen Zeit, "haben teils die Roemer die Voelkerschaften auf das linke uebergefuehrt, teils diese selbst sich in das Innere zurueckgezogen." Dies traf im heutigen Muensterland die daselbst fruehe...

...bergefuehrt, teils diese selbst sich in das Innere zurueckgezogen." Dies traf im heutigen Muensterland die daselbst frueher ansaessigen germanischen Staemme der Usiper, Tencterer, Tubanten. In den Zuegen des Germanicus erscheinen dieselben vom Rhein abgedraengt, aber noch in der Gegend der Lippe, spaeter, wahrscheinlich eben infolge jener Expeditionen, weiter suedwaerts, Mainz gegenueber. Ihr altes Heim lag seitdem oede und bildete das ausgedehnte, fuer die Herden der niedergermanischen A...

...er das Fundament des Augusteischen Militaer- und vor allem des Augusteischen Zollsystems ist. ^5 Die auf das linke Ufer uebergesiedelten Sugambrer werden unter diesem Namen nachher nicht erwaehnt und sind wahrscheinlich die unterhalb Koeln am Rhein wohnenden Cugerner. Aber dass die Sugambrer auf dem rechten Ufer, welche Strabo erwaehnt, wenigstens noch zu Claudius' Zeit bestanden, zeigt die nach diesem Kaiser benannte, also sicher unter ihm und zwar aus Sugambrern errichtete Kohorte (CIL...
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