Bücher-Datenbank
Informationen & HilfeForumLoginPartnerKontaktImpressumRechtliche Hinweise
Schlagwort-Index
Personen-Index
Orte-Index
Zur gesamten Bücher-Datenbank
  Bücher & Textdatenbank
 Belletristik
 Geschichte
 Philosophie
 Psychologie
Webdesign @ Pixel-Partisan.de
Projekte:
Lexikon der Abkürzungen
Online-Bibel
Bilder von Insekten
Lifestyle Webkatalog

Schnellsuche: Hadschi - Gliedermännchen - Heiduckenbeil - Halef - Omar - Gossarah
Abul - Abbas - Dawuhd - Holz - Fesseln - Name - Knebel - Bär

Person - Name: Ben


Übersicht - a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
BenachbartBenachbarteBenachbarten
BenachbarterBenachrichtigenBenachrichtigt
BenachrichtigungBenadelungBenahm
BenahmenBenanntBenannte
BenanntenBendBendemann
BenderyBeneBenebelndes
BenefalBenehmeBenehmen
BenehmensBeneideBeneiden
BeneidenswertBeneidenswertenBeneidenswerter
BeneidenswertesBeneidetBeneidete
BeneidetenBenenneBenennen
BenenntBenennungBenennungen
BenetzteBeneventBeneventanische
BeneventanischenBeneventumBengalen
BengalensBengalischenBengel
BengelnBengelsBeni
BenimmtBenitoBenndorf
BenoetigtBenommenBenton
BenuBenutzeBenutzen
BenutzendBenutztBenutzte
BenutztenBenutzungBenzin

Seite 1 von 2     1 2 
Der Schut ->
Skutari trägt, obgleich es am adriatischen Meer liegt, einen durchaus orientalischen Charakter. Es liegt theils in einer fruchtbaren Ebene, theils auf einer Hügelgruppe, welche diese Ebene begrenzt und auf ihrem höchsten Punkt ein verfallenes Kastell trägt. Diese Stadt besteht eigentlich aus mehreren Dörfern, welche mit einander verbunden und deren Häuser fast ausschließlich aus Holz gebaut sind. Osco blieb einen Tag lang da; dan...

... stolz war, nicht den trügerischen Wellen anvertrauen zu dürfen. Die Trennung wurde ihm und uns schwer. Er versprach, bei seiner Rückkehr nach Edreneh und Stambul seine Verwandten von uns zu grüßen und sie zu veranlassen, einmal an mich zu schreiben. Wir gaben ihm eine Strecke weit das Geleit. Der von dem Lord nach Antivari gesandte Bote kam erst am zweiten Tag zurück, denn man hat elf bis zwölf Stunden zu reiten, um von der einen Stadt nach der andern zu gelangen. Er meldete, daß der Kapitän an der Ri...

.... Wir fühlten uns bald sehr froh, so gute Pferde zu besitzen, denn der Weg ist ein ungemein schlechter. Trinkbares Wasser für uns und die Pferde war nur an einer einzigen Stelle zu bekommen, welche wir um die Mittagszeit erreichten. Sie lag hoch oben auf dem Gebirgsrücken, welcher sich zwischen den beiden Städten bis an das Meer hinzieht. Der jenseitige Abfall des Berges war so steil, daß wir aus dem Sattel steigen mußten, um die Pferde zu schonen. Von da aus blitzte uns aus der Tiefe das Mee...

...s Meer hinzieht. Der jenseitige Abfall des Berges war so steil, daß wir aus dem Sattel steigen mußten, um die Pferde zu schonen. Von da aus blitzte uns aus der Tiefe das Meer entgegen, welches uns auf seinem dienstbereiten, oft aber auch widerstrebenden Rücken davontragen sollte. Erst eine Stunde vor der Stadt wurde das Terrain so eben, daß wir wieder reiten konnten. Die Stadt Antivari, welche mit der Festung auf einem niedrigen Ausläufer des Gebirges liegt, wurde von uns nicht berührt, da wir gleich direkt an die Riva wollten. Dort waren vier Häuser an den Strand gebaut, ein C...

...rt waren vier Häuser an den Strand gebaut, ein Contumaz-Gebäude, das Agenturhaus des österreichischen Lloyd, ein Zollhaus und ein Wirthshaus. In letzterem kehrten wir ein. Es war fünf Uhr Nachmittags, als wir da anlangten. Die folgende Nacht blieben wir im Wirthshause; am andern Morgen schifften wir uns mit den Pferden ein, und dann entschwand die Küste des Skipetarenlandes sehr bald unsern Blicken. Wie wir nach Jaffa und el Kudsischscharif (Jerusalem, die "heiligedle") gekommen sind, davon ...

...f (Jerusalem, die "heiligedle") gekommen sind, davon vielleicht ein anderes Mal. Für jetzt ist nur noch zu erwähnen, daß der Lord den Hadschi und Omar auch sehr reich beschenkte, und daß ich meinen "Freund und Beschützer" bat, mir einmal zu schreiben. Er möge den Brief nach Mossul senden, von wo aus er wohl an mich gelangen werde. Zu diesem Zweck nahm er Papier mit, und ich schrieb auf ein Couvert meine Adresse in türkischer und französischer Sprache. Zwei Monate nach meiner Heimkehr langte d...

...ch Mossul senden, von wo aus er wohl an mich gelangen werde. Zu diesem Zweck nahm er Papier mit, und ich schrieb auf ein Couvert meine Adresse in türkischer und französischer Sprache. Zwei Monate nach meiner Heimkehr langte denn auch dieses Schreiben bei mir an. Halef hatte geglaubt, weil die Adresse türkisch sei, müsse auch der Inhalt in dieser Sprache gehalten sein. Sein Türkisch war gar wunderbar mit Arabisch vermengt, und seine zwar der Waffe, aber nicht der Feder gewohnte Hand hatte gar ...

...üsse auch der Inhalt in dieser Sprache gehalten sein. Sein Türkisch war gar wunderbar mit Arabisch vermengt, und seine zwar der Waffe, aber nicht der Feder gewohnte Hand hatte gar manchen muntern Schreibepudel fertig gebracht; aber der Brief war ebenso kurz, wie gut gemeint, und verursachte mir große Freude. Hier sein Inhalt, natürlich aber in Transskription: »Sewgülü sihdim! En ni' mi es sallam Allahdan! Geltik ben we Omar ben Sadek. Surur we bacht her tarafda. El massahri! Ez zerh! Iftichahr, esch scharaf, ez zewk! Kara Ben Nemsi Emir el baraki, el muhab'bi, lilistizkar, es sallah! Hanneh el mu sajira, Bint Amschah Bint Malek el Ateïbeh sahlim kwaijisa, hejrana. Kara Ben Hadschi Halef oghul ewladim bir kahreman; arb' in tamrin fard marra jutar; ja Allah, ja Sama!!! Omar Ben Sadek Sahama Bint Hadschi Schukar esch Schamain Ben Mudal Hakuram Ibn Saduk Wesilegh esch Schammar awret almar; bir maldar we güzel kyz. Allah sahna pek eji hawa bakschischlar we gyzel hawanyn kejfijeti. Rih el husahn pek kemterin we terbijeli sallam werir. Omar Ben Sadek wahid eß Ssiwan el kwaijis ile bir hamat el musajira. Daha jakynda awret al! Allah seni arka olsun! Dajma choschmud ol, tazirleme! Seni sewilim! Möhüri feramusch et! Chaten we lök benim jok! Daima hünerli ol, kahabat we günah sawul! Gel baharin! Daima uslu, edebli, mürüwetli, we serschoschluk sakin! Düz dolu ittibar, tekrim, tewazu we ybadet yrzehli sadyk achbabin, himajetdschin we ajal pederi Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawud al Gossarah.« Und dieser hochinteressante Schreibebrief lautet, in's Deutsche übersetzt, wörtlich: »Mein lieber Sihdi! Gnade und Gruß Gottes! Wir sind angekommen, ich und Omar. Freude und Glück überall! Geld! ...

...awud al Gossarah.« Und dieser hochinteressante Schreibebrief lautet, in's Deutsche übersetzt, wörtlich: »Mein lieber Sihdi! Gnade und Gruß Gottes! Wir sind angekommen, ich und Omar. Freude und Glück überall! Geld! Panzer! Ruhm, Ehre, Wonne! Kara Ben Nemsi Emir sei Segen, Liebe, Andenken, Gebet! Hanneh, die Liebenswürdige, die Tochter Amscha's, der Tochter Malek's, des Ateïbeh, ist gesund, schön und entzückend. Kara Ben Hadschi Halef, mein Sohn, ist ein Held. Vierzig getrocknete Datteln verschlingt er in einem Athem; o Gott, o Himmel! Omar Ben Sadek wird heirathen Sahama, die Tochter von Hadschi Schukar esch Schamain Ben Mudal |335A Hakuram Ibn Saduk Wesilegh esch Schammar, ein reiches und schönes Mädchen. Allah schenke Dir sehr gutes Wetter und schöne Witterung! Rih, der Hengst, grüßt sehr ergebenst und höflich.
Belletristik ->
May, Karl ->
Der Schut
Der Schut ->
Omar Ben Sadek hat ein gutes Zelt und eine liebenswürdige Schwiegermutter. Heirathe auch bald! Allah beschütze Dich! Sei stets zufrieden und murre nicht! Ich liebe Dich! Vergiß das Siegel; ich habe weder ein Petschaft, noch Siegellack! Sei immer tugendhaft und meide die Sünde und das Verbrechen!...

...das Verbrechen! Komme im Frühjahre! Sei immer mäßig, bescheiden, zuvorkommend, und fliehe die Betrunkenheit! Voller Hochachtung, Ehrerbietung, Demuth und Anbetung Dein ehrlicher und treuer Freund, Beschützer und Familienvater Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawud al Gossarah.«
Belletristik ->
May, Karl ->
Der Schut
Der Schut ->
»Warum kehrten sie denn eigentlich bei Euch ein? Sie haben doch einen Umweg machen müssen, um an Euer Haus zu kommen?« »Es war Einem von ihnen unwohl geworden. Er hatte einen verwundeten Arm und litt große Schmerzen. Da haben sie ihm den Verband abgenommen und die Wunden mit Wasser gekühlt. Das dauerte mehrere Stunden, und während Einer mit dem Verwundeten beschäftigt war, suchten die Andern Alles im Hause zusammen, was ihnen gefiel. Sie haben unser Fleisch und unsere sonstigen Speisevorräthe aufgezehrt. Meinen Sohn und die Schwiegertochter sperrten sie unter dem Dache ein und nahmen die Leiter weg, daß die Beiden nicht herunter konnten.« »Und wo warst denn Du?« »Ich?« antwortete sie,...

...nd nahmen die Leiter weg, daß die Beiden nicht herunter konnten.« »Und wo warst denn Du?« »Ich?« antwortete sie, indem sie listig mit den Augen zwinkerte, »ich stellte mich, als ob ich nicht hören könne. Das ist bei einer alten Frau leicht zu glauben. Da durfte ich in der Stube bleiben und hörte, was gesprochen wurde.« »Wovon redeten sie?« »Von einem Kara Ben Nemsi, welcher mit seinen Begleitern sterben muß.« »Dieser Mann bin ich; doch fahre fort.« »Und sie sprachen von dem Konakdschi an der Treska, bei welchem sie heute Abend bleiben wollen, und von einem Köhler, dessen Namen ich wieder vergessen habe.« »Hieß er Scharka?« »Ja, ja; morgen wollen sie bei ihm bleiben. Und von einem gewissen Schut redeten sie, den sie in Kara - kara - - ich weiß nicht, wie der Name war - -« »Karanirwan?« »Ja, den sie in Karanirwan-Khan treffen wollen.« »Wißt Ihr vielleicht, wo dieser Ort liegt?« »Nein; sie haben es auch nicht gesagt. Aber sie redeten von einem Bruder, den der Eine von ihnen dort treffen will. Sie nannten auch den Namen, doch kann ich mich leider nicht mehr auf denselben besinnen.« »Hieß er vielleicht Hamd el Amasat?« »Gewiß, so hieß er. Aber, Herr, Du weißt ja mehr als ich!« »Ich weiß allerdings bereits viel und ich will mich durch meine Fragen nur überzeugen, ob ich mich nicht irre.« »Sie erzählten auch davo...

...ßt ja mehr als ich!« »Ich weiß allerdings bereits viel und ich will mich durch meine Fragen nur überzeugen, ob ich mich nicht irre.« »Sie erzählten auch davon, daß in diesem Karanirwan-Khan ein Kaufmann gefangen sitzt, von welchem sie Lösegeld haben wollen. Aber sie lachten über ihn, denn selbst wenn er dieses Geld zahlt, wird er nicht frei kommen. Sie wollen ihn auspressen, bis er gar nichts mehr besitzt, und dann soll er ermordet werden.« »Ah! So Etwas habe ich vermuthet. Wie ist dieser Ka...

...ge hatte.« »Aber wenn Du ihn wieder hörtest, würdest Du vielleicht wissen, ob es dieser Name ist?« »Ganz gewiß, Herr.« »Lautet er Galingré?« »Ja, ja, so hieß er; ich besinne mich ganz genau.« »Was wurde Weiteres gesprochen von dem, was sie vorhaben?« »Nichts, denn da kam der sechste Reiter. Er ist ein Flickschneider und erzählte von Feinden, wegen denen er in den Wardar gestürzt sei. Jetzt weiß ich, daß Ihr diese Feinde seid. Ich mußte ein großes Feuer machen, damit er sich seine Kleider tr...

...te von Feinden, wegen denen er in den Wardar gestürzt sei. Jetzt weiß ich, daß Ihr diese Feinde seid. Ich mußte ein großes Feuer machen, damit er sich seine Kleider trocknen konnte; darum und weil der Alte mit seiner Wunde nicht fertig wurde, blieben sie so lange bei uns. Dieser Flickschneider erzählte von der Bastonnade, welche er bekommen habe. Er konnte nur sehr schwer gehen und hatte keine Schuhe an, sondern seine Füße mit Lappen umbunden, welche mit Talg eingerieben waren. Ich mußte ihm neue Lappen schaffen, und da ich keinen Talg hatte, stachen sie unsere Ziege todt, um Talg zu bekommen. Ist dies nicht eine schändliche Grausamkeit?« »Allerdings. Wie viel war diese Ziege werth?« »Gewiß fünfzig Piaster.« »D...

...nde anrichten?« »Nein, das kann ich nicht, denn ich besitze nicht den Reichthum des Padischah; aber für eine Ziege können wir Dir sorgen. Nimm das Geld!« »So freue ich mich, Dir getraut und Euch mein Haus und meinen Mund nicht verschlossen zu haben. Gesegnet sei Euer Kommen und gesegnet sei Euer Gehen; gesegnet sei jeder Eurer Schritte und Alles, was Ihr thut!« Wir verabschiedeten uns von den Leuten, welche uns ihre Dankesworte für die erhaltene Gabe noch weit nachriefen, und kehrten zu dem...
Belletristik ->
May, Karl ->
Der Schut
Der Schut ->
...barek ausgesprochen, so sprangen die am Tisch Sitzenden auf, und auch Suef schnellte vom Boden empor, wie von einer Natter gestochen. »Lügner!« brüllte er, indem er mit dem Fuß nach Halef stieß. »Verdammter Lügner und Verräther seines eigenen Glaubens! Hast Du den Muth, zu sagen, daß der Mübarek nicht die Wahrheit gesprochen habe?« »Ja, rede!« schrie auch einer der Aladschy. »Rede, oder ich zermalme Dich hier zwischen diesen meinen Fäusten! Bist Du in Mekka gewesen?« Halef verzog keine Miene...

...hnedies eine fürchterliche sein. Willst Du sie noch entsetzlicher machen dadurch, daß Du unsern Zorn verdoppelst? Antworte also: bist Du in Mekka gewesen?« »Muß ich denn nicht dort gewesen sein, da ich doch ein Hadschi bin?« »Und war dieser Kara Ben Nemsi mit Dir dort?« »Ja.« »Er ist ein Christ?« »Ja.« »Er ist also kein Königssohn aus Indien?« »Nein.« »So hast Du uns belogen! Heiligthumsschänder! Das sollst Du büßen, und zwar jetzt. Wir werden Dich knebeln, daß Du keinen Laut auszustoßen...

... auszustoßen vermagst, und dann soll die Marter beginnen. Konakdschi, gib Etwas her, womit wir ihm den Mund verstopfen.« Der Wirth ging und kehrte im Augenblick mit einem Tuche zurück. »Sperre das Maul auf, Hund, daß wir Dir den Knebel hineinschieben!« gebot Barud el Amasat, das Tuch nehmend und sich zu Halef niederbeugend. Und da der Hadschi diesem Befehle nicht Folge leistete, fügte er hinzu: »Öffne, sonst breche ich Dir die Zähne mit der Klinge aus einander!« Er kniete neben dem Hadschi nieder und riß sein Messer aus dem Gürtel. Jetzt war es die höchste Zeit, der Sache ein Ende zu machen. »Schlagt zu!« sagte ich. Ich hatte den umgekehrten Stutzen bereits stoßbereit in die Hände genommen. Ein Hieb, und zwei Bretter d...

...die Hände genommen. Ein Hieb, und zwei Bretter des Ladens flogen in die Stube. Zu beiden Seiten von mir schlugen auch Osco und Omar zu, so daß die andern Theile des Ladens nachflogen. Im Nu hatten wir die Gewehre umgedreht und die Mündungen derselben nach der Stube gerichtet. »Halt! Rührt Euch nicht, wenn Ihr nicht unsere Kugeln haben wollt!« rief ich hinein. Barud el Amasat, welcher sein Messer über das Gesicht Halef's gehalten hatte, fuhr in die Höhe. »Der Deutsche!« rief er erschrocken. »Sihdi!« rief Halef. »Schieß' sie nieder!« Aber zu schießen wäre Unsinn gewesen, da es...

... gehorchten sofort. »Du kannst mich hier erwarten,« sagte ich zu dem Schäfer und eilte der Mauer entlang nach der Ecke, um welche wir vorhin gekommen waren, und huschte dann zwischen den jungen Fichten und dem Hause bis an die vordere Seite desselben. Was ich vermuthet hatte, geschah. Ich sah trotz der Dunkelheit mehrere Gestalten auf mich zukommen und trat schnell zurück, um mich unter die niedersten Äste der Fichten zu verkriechen.
Belletristik ->
May, Karl ->
Der Schut
Der Schut ->
... Dir einen großen Dienst erweisen, indem ich Dir sage, wo Du diese Leute treffen kannst.« »Ah, Du weißt es! Wohin sind sie denn geritten?« »Von hier nach Glogovik. Sie fragten mich, wie weit es bis dorthin sei, und ich habe ihnen den Weg beschreiben müssen.« »Das ist ja prächtig!« rief ich erfreut. »Diese Nachricht ist mir freilich höchst wichtig. Da reiten wir heute noch nach Glogovik. Aber ob wir dort erfahren, wohin sie weiter geritten sind?« »Danach brauchst Du dort gar nicht zu fragen, ...

...ik nach Fandina bekannt?« »Sehr gut sogar. Ich stamme aus jener Gegend. Ihr kommt durch höchst interessante Gegenden, zum Beispiel zu dem berühmten Teufelsfelsen.« »Warum führt er diesen Namen?« »Du bist ein Christ und wirst also wissen, daß Isa Ben Marriam (Jesus) von dem Scheïtan versucht wurde. Diesem gelang sein Vorhaben nicht, er machte sich von dannen und hielt seine erste Rast an jenem Felsen. Voll des höllischen Grimmes, schlug er in seinem Zorn mit der Faust auf den Berg, daß die gewaltige Felsenmasse mitten aus einander borst. Durch die dadurch entstandene ...

...e Bewandtniß?« »Eine Fee liebte einen Sterblichen. Der Herr des Feenreiches hatte Mitleid mit den Qualen ihrer Liebe und erlaubte ihr, dem Geliebten anzugehören, doch müsse sie auf ihre Vorzüge verzichten, menschliches Wesen annehmen und auch sterben. Sie willigte ein und durfte nun zur Erde nieder; auch wurde ihr erlaubt, alle ihre Juwelen mitzunehmen. Aber als sie zur Erde kam, war ihr inzwischen der Geliebte untreu geworden, und aus Gram darüber zog sie sich in jene Höhle zurück, in welche...

...ends gesehener Größe und Reinheit.« Er betrachtete mich forschend von der Seite, um zu sehen, welchen Eindruck die Sage auf mich mache. Das also war die Lockspeise, mit welcher er dem Köhler seine Opfer in die Hände lieferte! Wenn man den Aberglauben der dortigen Bevölkerung in Betracht zieht, erstaunt man wohl nicht darüber, daß sich selbst reiche Leute gefunden hatten, welche sich durch diese alberne Geschichte verlocken ließen. Mit besonderer Betonung fügte nun der Wirth hinzu: »Ich selbs...

...icht darüber, daß sich selbst reiche Leute gefunden hatten, welche sich durch diese alberne Geschichte verlocken ließen. Mit besonderer Betonung fügte nun der Wirth hinzu: »Ich selbst kenne einige Männer, welche solche köstliche Steine gefunden haben.« »Du nicht auch?« fragte ich. »Nein, denn ich fand keinen Edelstein, weil ich bereits zu alt war. Man darf nämlich nicht über vierzig Jahre alt sein.« »So hat die Fee die jungen Männer den alten vorgezogen! Du hättest also eher suchen sollen.« ...

...ch allein Dein Pferd mehr werth als Alles, was mir gehört. Aber einen Diamanten der Fee zu finden, das müßte Dich trotzdem auch locken.« »Freilich lockt es mich. Aber ich weiß doch nicht, wo die Höhle liegt. Vielleicht könntest Du es mir beschreiben.« »Das wäre nicht hinreichend. Du mußt Scharka, den Köhler, aufsuchen, welcher Dich hinführen wird.« »Was ist das für ein Mann?« »Ein sehr frommer, einsamer Kohlenbrenner, welcher für ein kleines Bakschisch die Fremden in der Höhle umherführt.«...

...lcher für ein kleines Bakschisch die Fremden in der Höhle umherführt.« Und der Wirth gab sich außerordentliche Mühe, mich für diese Höhle zu begeistern. Ich that, als ob ich ihm jedes Wort glaubte und bat ihn, mir den Weg nach Glogovik zu beschreiben, und er erbot sich, einen seiner Knechte als Führer mitzugeben. »Aber weiß er denn auch den Weg von Glogovik nach dem Felsen des Teufels und nach der Höhle der Juwelen?« fragte ich.
Belletristik ->
May, Karl ->
Der Schut
Der Schut ->
...ehr, auch nicht ein Wort!« Er hielt Alles noch in den Händen, die beiden zerbissenen Theile des Wurstzipfels und die unglückselige Fingerhülse. Es war wirklich der Daumen eines starkledernen Fausthandschuhes. Sein Gesicht war gar nicht zu beschreiben. In diesem Augenblick fühlte er sich jedenfalls als den unglücklichsten Menschen der Erde. Er sah bald mich und bald die Wurststücke an und schien so von Ekel und Abscheu erfüllt zu sein, daß er gar keine Zeit fand, an das Nächstliegende zu denke...

...chöpfung, es muß gesteinigt werden und vergiftet mit allen möglichen schädlichen Arzneien. Und der Mensch, welcher die schandbare Erfindung gemacht hat, die zerstückelte Leiche, das Fett und das Blut dieses Viehzeuges in die eigenen Gedärme desselben zu füllen, dieser Mensch muß in der schrecklichsten Ecke der Hölle schmoren in alle Ewigkeit. Die Frau aber, welche diesen Finger des Fausthandschuhes und das Pflaster ihres ungläubigen Daumens in die Wurst stopfte, diese Halefschänderin soll von ...

... einen umgekehrten Igel halten soll, bei dem die Stacheln nach innen gehen!« »Ja, es ist stark!« lachte ich. »Dein Gesicht ist mir ganz unbegreiflich, ich kenne Dich gar nicht mehr. Bist Du denn wirklich der tapfere und stolze Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah?« »Schweig', Effendi! Erinnere mich nicht an die wackeren Väter meiner Großväter! Keiner von ihnen hat das kolossale Unglück gehabt, eine Hülse zu kauen, welche erst an einem kranken Finger und da...

...n meines Mundes, die Angst meines Schlundes und die Hülflosigkeit meiner Verdauung zu schildern. Dieser Tag ist der bejammernswürdigste meiner ganzen irdischen Pilgerfahrt. Erst habe ich den Thran des Fisches getrunken, daß mir vor Übelkeit das Lebenslicht auslöschen wollte, und kaum hat es wieder ein wenig aufzuflackern begonnen, so fange ich gar an, an dem eingepökelten Etui einer nichtswürdigen Daumengeschwulst zu kauen. Das ist doch wahrhaftig mehr, als ein Sterblicher vertragen kann!« »S...

...ui einer nichtswürdigen Daumengeschwulst zu kauen. Das ist doch wahrhaftig mehr, als ein Sterblicher vertragen kann!« »So wirf es doch endlich weg.« »Ja, fort, fort! Die Sünde des heutigen Tages soll keinen Augenblick länger an meinen Fingern kleben. Mir sind alle Genüsse der Erde vergällt. Dem Ersten, der mir eine Wurst vor die Augen bringt, schieße ich meine sämmtlichen Kugeln in den Leib. Ich mag vom Schwein nichts mehr sehen und riechen; es ist die heilloseste Creatur, die es auf Erden gi...
Belletristik ->
May, Karl ->
Der Schut
Der Schut ->
...r an die Table d'hôte eines Gasthofes, so wird man genug solcher Bären schlürfen und schmatzen hören. Petz war wirklich ein Feinschmecker. Er zerkrachte zur Abwechslung dann und wann eine Röhre, und wir hörten ihn ganz deutlich das Mark aus derselben ziehen. Jetzt trat eine Pause ein. Er brummte behaglich - er schlug die Tatzen in das Fleisch, jedenfalls um sich durch das Tastgefühl von der verschiedenen Güte der einzelnen Stücke zu überzeugen. Dann richtete er sich empor. Bevor er zum Fests...

...Schuß. Ich legte an. Nun war die Gestalt des Thieres leicht zu erkennen. Der Bär war, wie wir richtig vermuthet hatten, ein riesiger Kerl. Wären seine Gesellschaftskreise so weit in der sozialen Bildung vorgeschritten, um dergleichen Vereine zu haben, so hätte er getrost darauf rechnen können, die Ehrenmitgliedschaft irgend eines Athletik-Club zu erlangen. Aber trotz der Deutlichkeit, mit welcher er sich uns jetzt präsentirte, legte ich die Büchse wieder ab. »Allah, Allah! Schieß doch, schieß...

...er herumdreht; dann - - tausend Donner! Was fällt Dir ein!« Diesen Zornesruf stieß ich laut hervor. Der Hadschi hatte seine Ungeduld nicht mehr zu zügeln vermocht; er hatte so schnell, daß ich es nicht hindern konnte, angelegt und den Schuß abgegeben. Den zweiten schickte er sofort nach, aber nur unsinniger Weise, denn die soeben noch aufgerichtete Gestalt des Thieres war nicht mehr zu sehen. Ohne auf den Ausbruch meines Zornes zu achten, sprang der Kleine auf, schwang das abgeschossene Gewehr in der Luft und schrie: »Nusret, Safer, ölmisch dir, müteweffa dir - Sieg, Tri...

...Omar, Osco, hört die Wonne, hört die Seligkeit! Vernehmt den Ruhm Eures Freundes und achtet auf die Trompetentöne meiner Herrlichkeit! Ich habe den Bären erschossen, ich habe ihn versammelt zu seinen Vätern und Großonkeln, ich, Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abas Ibn Had - -« Er konnte nicht weiter, denn ich war nun auch aufgesprungen, packte ihn hinten beim Genick und drückte ihn nieder. Ich war wirklich sehr zornig und hatte in Folge dessen so fest zugegriffen, daß er unter meiner Hand...

...atte in Folge dessen so fest zugegriffen, daß er unter meiner Hand wie ein Gliedermännchen zusammenknickte. »Wenn Du noch einen Laut von Dir gibst, bekommst Du meine Faust, Du Besitzer eines unglückseligen Schafgehirns!« drohte ich. »Bleibe hier oben und lade schnell Deine beiden Gewehrläufe wieder. Ich will sehen, ob die Beute noch für uns zu retten ist.« Bei diesen Worten sprang ich, ohne auf meinen noch nicht ganz festen Fuß zu achten, von dem Stein herab. Da unten duckte ich mich schnell ...

... sprang ich, ohne auf meinen noch nicht ganz festen Fuß zu achten, von dem Stein herab. Da unten duckte ich mich schnell nieder, zog das Messer locker und legte die Büchse an. War der Bär noch da, so nahm er mich jedenfalls auf der Stelle an. Von oben herab klang der eiserne Ladstock des Hadschi, unten aber blieb Alles ruhig. Es war nichts zu hören und nichts zu sehen. Nur so viel nahm ich wahr, daß der Bär sich nicht mehr bei dem Cadaver befand. Dennoch war die größte Vorsicht geboten. Seinem...

...h einer, und dann erschallte es im Tone der Verzweiflung: »Laßt mich, laßt mich los! Fort mit diesen Qualen, fort, fort! Hülfe, Hülfe!« »Das ist der Mübarek!« sagte Halef. Ich wollte antworten, that es aber nicht, denn jetzt hörten wir aus derselben Richtung zwei schnell auf einander folgende Schüsse. Ich kannte diesen eigenthümlich hohlen Knall; es war Osco's Czernagora-Gewehr.
Belletristik ->
May, Karl ->
Der Schut
Der Schut ->
»Siehst Du, daß wir vor ihm nicht sicher waren! Er kam herein. Welch' ein Ungethüm! Er war fast so groß wie ein Ochse.« »Ihr hattet doch Eure Waffen da oben. Warum habt Ihr nicht geschossen?« »Daß wir dumm wären! Dadurch hätten wir ihn ja auf uns aufmerksam gemacht, und er wäre zu uns heraufgeklettert. Ein Bär klettert besser als ein Mensch. Weißt Du das noch nicht?« »Ich weiß es. Also Ihr schosset n...

...r lang. Vier Zentner wog er sicher. Drei Männer mußten sich anstrengen, um ihn bis in die Nähe des Feuers zu schleifen. Unterdessen nahm ich einen brennenden Ast und ging zu dem Mübarek. Halef folgte mir. Der Alte war nicht an seiner Wunde gestorben, obgleich auch diese ihm nur eine kurze Frist gelassen hätte. Sein Kopf lag tief im Genick, und seine Brust war, so zu sagen, ein Brei von Fleisch, Blut und zerschlagenen Rippen. Der Bär hatte ihm das Genick zerbrochen und dann die Brust aufgeriss...

...t gelassen hätte. Sein Kopf lag tief im Genick, und seine Brust war, so zu sagen, ein Brei von Fleisch, Blut und zerschlagenen Rippen. Der Bär hatte ihm das Genick zerbrochen und dann die Brust aufgerissen, war aber durch den Schuß Halef's vertrieben worden. Wir sagten kein Wort und kehrten zum Feuer zurück. Dort meldete Halef, was wir gesehen hatten, und erzählte dann, auf welche Weise der Bär erlegt worden war. In Anbetracht der Größe des Thieres wollten selbst Osco und Omar es nur schwer g...

...rden. Wir sagten kein Wort und kehrten zum Feuer zurück. Dort meldete Halef, was wir gesehen hatten, und erzählte dann, auf welche Weise der Bär erlegt worden war. In Anbetracht der Größe des Thieres wollten selbst Osco und Omar es nur schwer glauben, daß ich gewagt hatte, es nur mit dem Messer anzugreifen. Bei den Andern behielt der Eigennutz noch vor dem Staunen die Oberhand. Der Kohlenhändler befühlte den Bären und sagte: »Er ist außerordentlich fett und wird eine ganze Menge Fleisch liefe...

...ht.« »Was denkst Du denn?« »Daß er mir gehört, auf dessen Grund und Boden er erlegt worden ist.« »Ich vermuthe aber, daß diese ganze Gegend dem Padischah gehört. Wenn Du mir beweisen kannst, daß Du ihm dieses Land abgekauft hast, so will ich glauben, daß Du der Besitzer bist. Dann aber hast Du mir zweitens zu beweisen, daß Du ein Recht auf alles Wild und Raubzeug besitzest, welches auf Deinem Boden erlegt wird. Als der Bär kam, hast Du Dich verkrochen; das ist ein sicherer Beweis, daß Du ihn...

...der Besitzer bist. Dann aber hast Du mir zweitens zu beweisen, daß Du ein Recht auf alles Wild und Raubzeug besitzest, welches auf Deinem Boden erlegt wird. Als der Bär kam, hast Du Dich verkrochen; das ist ein sicherer Beweis, daß Du ihn nicht haben wolltest. Wir aber haben ihn genommen, folglich gehört er uns.« »Herr, Du denkst falsch. Der Bär gehört nicht Dir, er gehört - -« »Meinem Hadschi Halef,« unterbrach ich ihn. »Wenn Du das sagen willst, so hast Du Recht. Du aber kannst nicht den mindesten Anspruch erheben. Ich habe Dir ja sogar die Lockspeise bezahlen müssen. Wenn wir aus ganz besonderer Güte Dir einen Theil des Fleisches lassen, so hast Du Dich dafür zu bedanken.« »Wie?« fragte Halef. »Mir soll der Bär gehören? Nein, Sihdi, er ist nicht mein, son...

... Güte Dir einen Theil des Fleisches lassen, so hast Du Dich dafür zu bedanken.« »Wie?« fragte Halef. »Mir soll der Bär gehören? Nein, Sihdi, er ist nicht mein, sondern Dein. Du bist es ja, der ihn erlegt hat.« »Ich habe ihm nur den Todesstoß gegeben. Er wäre auch ohne mein Messer verendet, allerdings nicht so schnell. Sieh her! Ganz in der Nähe der beiden Stichwunden siehst Du das Loch, welches Deine Kugel gebohrt hat. Sie ist ihm ganz nahe am Herzen vorüber gegangen und war absolut tödtlich...

...Fell soll ich erhalten? Das ist ja das Allerbeste von dem Bären. Wie wird Hanneh, die geliebteste der Frauen, staunen, wenn ich zu ihr komme und ihr diese Trophäe zeige! Und mein Söhnchen, welches nach Dir und mir genannt worden ist, nämlich Kara Ben Nemsi Halef, wird schlafen auf diesem Fell des Bären und ein großer, berühmter Krieger werden, weil die Stärke des Thieres auf den Knaben übergeht. Ja, ja, das Fell nehme ich an. Wer wird es abziehen?« »Ich. Leider ist kein Gehirn mehr vorhanden; wir müssen also Fett und Holzasche nehmen, um das Fell einzureiben, damit es geschmeidig bleibe und nicht faule. Dein Pferd wird doppelte Last zu tragen haben
Belletristik ->
May, Karl ->
Der Schut
Der Schut ->
Als dieselben beisammen lagen, bildeten sie ein ganz hübsches, kleines Arsenal. »Diese Waffen sollten benutzt werden, uns zu tödten,« sagte ich. »Jetzt sind sie unsere rechtmäßige Beute, mit der wir nach Belieben schalten dürfen. Wir werden sie vernichten. Schlagt die Kolben von den Flinten und Pistolen, und haut mit den Czakans die Läufe krumm!« Niemand war schneller hiezu bereit, als Halef. Die Messer wurden zerbrochen, und endlich machte ich mit meinem Heiduckenbeil die Czakans der beiden Aladschy unbrauchbar. Es w...

..., als Halef. Die Messer wurden zerbrochen, und endlich machte ich mit meinem Heiduckenbeil die Czakans der beiden Aladschy unbrauchbar. Es waren ganz unbeschreibliche Gesichter, mit denen die bisherigen Besitzer dieser Waffen der Zerstörung derselben zusahen. Sie schwiegen aber auch da, und nur Junak rief, als auch seine Flinte zerbrochen wurde: »Halt! Die gehört ja mir!« »Jetzt nicht mehr,« antwortete Halef. »Aber ich bin ja Euer Freund!« »Und zwar der beste, den wir haben. Sei nur ohne Sorgen! Das Versprechen, welches der Effendi Dir gab, wird gehalten.« Und nun wendete er sich mit einer Miene an die Andern, welche mich abermals vermuthen ließ, daß er im Begriff stehe, eine seiner berühmten Reden zu halten. Ich wi...

...eine große Rede halten.« »Ah so! Wir gehen?« »Und kehren nicht zurück.« »Allah! Das ist stark! Soll ich mir nicht einmal das Vergnügen machen, ihnen zu sagen, für welche Menschen ich sie halte?« »Das wissen sie bereits.« »Aber sollen sie hier oben verhungern oder verschmachten? Sie können sich nicht selbst befreien. Und übrigens hast Du Junak versprochen, daß er losgebunden werden soll! Willst Du Dein Wort nicht halten?« »Doch! Habe nur keine Sorge! Der Köhler weiß sicher, wo sie sich befi...

...e sich vor sie hin, warf sich in die Brust und sagte: »Ich habe Euch im Namen des Effendi und in meinem eignen zu verkünden, daß wir, bevor Ihr festgenommen und hier angebunden wurdet, fünf Jarym okka (Pfund) Pulver unter diese beiden Bäume vergraben haben. Die lange Lunte liegt dabei, und wir werden sie, sobald es uns nachher gefällt, von Weitem und ohne daß Ihr es seht, anbrennen. Dann werden Eure Glieder in alle Winde fliegen, und Niemand wird darüber größere Freude haben, als ich, der ich bin der berühmte Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah!« Als er auf diese Weise seinem Herzen Luft gemacht hatte, kam er zurück und fragte: »War das nicht gut, Effendi? Welche Angst werden die Wichte ausstehen, zu wissen, daß sie auf einer Pulvermine ...

... gut, Effendi? Welche Angst werden die Wichte ausstehen, zu wissen, daß sie auf einer Pulvermine sitzen, welche in jedem Augenblick aufkrachen kann!« »Nun, Dein Mittel, diese Männer zu peinigen, ist nicht sehr geistreich ausgedacht. Mögen sie glauben oder nicht, daß Du die Wahrheit gesagt hast: die Ungewißheit, in welcher sie sich befinden, ist auch bereits eine Strafe für sie.« »Sie werden es glauben; ich bin es überzeugt.« »Wenn wir sie tödten wollen, so können wir es billiger thun als mit Verschwendung einer solchen Menge Pulvers, welches in dieser Gegend so selten ist. Ich bedaure sie, falls sie glauben, daß wir fünf Pfund Pulver bei uns tragen.« Wir stiegen hinab zu Omar, welcher die Pferde bewachte. Dort nahm ich dem Pferd des Konakdschi den Sattel und das Zaumzeug ab, warf Beides zur Erde und jagte das Thier in der Richtung fort, aus welcher...

...e Viertelstunde lang geritten hatten, öffnete sich die Schlucht auf ein rundes, weites Thal, bei dessen Anblick ich unwillkürlich den Rappen anhielt. Es hatte die Gestalt einer tiefen Schüssel, deren Boden einen Durchmesser von fast einer Stunde haben konnte. Aber wie sah es in dieser Schüssel aus!
Belletristik ->
May, Karl ->
Der Schut
Der Schut ->
... auf!« Ich sah, daß er die Arme von seinem Gegner ließ. Dieser that dasselbe und trat zur Seite, um Athem zu schöpfen. Da machte auch Osco eine Seitenwendung, um Barud zwischen sich und den Abgrund zu bekommen. Er erhob die Faust, als ob er demselben einen Hieb auf den Kopf versetzen wollte; aber das war nur eine Finte, denn als Barud beide Arme hoch vorstreckte, um den Hieb zu pariren, bückte sich Osco blitzschnell und stieß ihm die Faust gegen den Magen. In demselben Augenblick warf er sich zu Boden, um nicht von dem Gegner erfaßt und mit hinabgerissen zu werden. Was er beabsichtigte, war ihm gelungen. Barud el Amasat taumelte nach hinten, wollte sich am Körper seines Feindes halten, griff aber über denselben hinweg in die Luft und stürzte herab. Er schlug neben der Leiche Manach's nieder. Ich wendete mich schaudernd ab. Oben sprang Osco wieder auf, beugte sich vor, um den Körper Barud's zu sehen, und rief in triumphirendem Ton: »Senitza ist gerächt. Dieser Mann wird niemals wieder die Tochter eines Freundes stehlen. Seine Seele fährt in einen tieferen Abgrund, als de...

...enige ist, in welchen sein Leib gestürzt ward. Bleibe unten, Effendi! Ich komme hinab.« »Wo befinden sich die Andern?« rief ich hinauf. »Noch da, wo wir sie verlassen hatten. Es vermag Keiner, sich zu befreien; dafür habe ich gesorgt.« Er trat oben von dem Rand zurück, und ich begab mich an den Wasserquell, wo sein Pferd stand. Nach einiger Zeit kam er herabgestiegen. Noch ehe ich meinen Verweis beginnen konnte, kam er mir zuvor: »Sihdi, sprich nicht davon! Es ist geschehen und kann nun nic...

...»Sihdi, sprich nicht davon! Es ist geschehen und kann nun nicht geändert werden. Ich habe meinen Grimm im Stillen getragen. Dein Glaube verbietet Dir die Rache; aber auf den Bergen meiner Heimat herrscht das Gesetz der Vergeltung. Allah hat es gegeben, und wir müssen es befolgen.« »Nein, Allah hat es nicht gegeben,« entgegnete ich. »Du nennst ihn in Deinen täglichen Gebeten Abu 'l afu und Naba l' merhamet, den Vater der Vergebung, den Quell der Barmherzigkeit; wie kann es da sein Wille sein, daß Du ihm das Richterthum entreißest! Barud el Amasat hatte Dir d...

...sein Wille sein, daß Du ihm das Richterthum entreißest! Barud el Amasat hatte Dir die Tochter geraubt, aber er hat sie nicht getödtet. Selbst wenn Du glaubtest, berechtigt zu sein, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, so durftest Du ihm nicht das Leben nehmen.« »So sagst Du als Christ. Ja, er hat Senitza nicht getödtet, aber er verkaufte sie als Sklavin, und was sie in Ägypten erduldet hat, das weißt Du besser als ich, da Du es warst, der sie befreite. Das war doch viel schlimmer, als ob er sie...

...et, aber er verkaufte sie als Sklavin, und was sie in Ägypten erduldet hat, das weißt Du besser als ich, da Du es warst, der sie befreite. Das war doch viel schlimmer, als ob er sie ermordet hätte! Und dazu kommt das Leid, welches er mir und Isla Ben Maflei dadurch bereitet hat. Ich habe sie in allen Ländern des Islam vergebens gesucht. Ihr Entführer hat den Tod verdient, und er hat ihn sehr schnell gefunden. Die wenigen Augenblicke der Todesangst, welche er empfunden hat, sind gar nichts gegen die lange Trauer, welche er über uns brachte!« »Aber einen Mord, einen grä...

...ngst, welche er empfunden hat, sind gar nichts gegen die lange Trauer, welche er über uns brachte!« »Aber einen Mord, einen gräßlichen Mord hast Du doch begangen!« »Nein, Sihdi, es war kein Mord, sondern ein ehrlicher Kampf, Mann gegen Mann und Leben gegen Leben. Ich habe ihn nicht meuchlerisch überfallen. Ich konnte ihn tödten, als er an den Baum gefesselt war; aber ich habe ihn losgebunden und auf die Bastei geschafft. Dort befreite ich seine Arme und Beine von den Fesseln, warf meine Waffen weg und sag...

...en und auf die Bastei geschafft. Dort befreite ich seine Arme und Beine von den Fesseln, warf meine Waffen weg und sagte ihm, daß die Stunde der Vergeltung gekommen sei. Ich theilte ihm mit, daß ich edelmüthig gegen ihn sein und ihm Gelegenheit geben wolle, sich gegen den Tod zu wehren. Ja, ich habe ihn eine Zeit lang sogar geschont. Ich bin stärker, als er war, obgleich Du vielleicht das Gegentheil glaubtest. Erst als ich sah, daß Du schießen wolltest, wobei Deine Kugel mich treffen konnte, m...

...it. Wirst Du mich jetzt noch tadeln?« »Ja, denn Du hast hinter meinem Rücken gehandelt.« »Das mußte ich, denn ich wußte, daß Du mich hindern würdest, ihn zu strafen.« »Aber indem Du ihn losbandest, wirst Du auch die Fesseln der Andern gelockert haben?« »Nein, ich habe sie im Gegentheil fester angezogen, als sie vorher waren. Es ist ihnen unmöglich, sich selbst zu befreien. Ich weiß, daß Du mir zürnest; ich habe das vorausgesehen, und ich bin bereit, Deinen Zorn über mich ergehen zu lassen. Ab...

...er ich habe den Schwur gehalten, welchen ich ablegte und den ich nicht brechen wollte. Thue mit mir, was Du willst.« »Steig' auf, und komm!« antwortete ich in recht trockenem Ton. Was hätte ich auch machen wollen? Der Todte war nicht wieder zum Leben zurückzurufen, und die Anschauungen, in denen der Montenegriner erzogen worden war, ließen ihm die Rache als seine heilige Pflicht erscheinen. Ich war mit ihm unzufrieden, hatte aber kein Recht, mich zum Richter seiner That aufzuwerfen. Wir kehr...
Belletristik ->
May, Karl ->
Der Schut

Seite 1 von 2     1 2 


Schlagwort-Index
abcdefghijklm
nopqrstuvwxyz
Personen-Index
abcdefghijklm
nopqrstuvwxyz
Orte-Index
abcdefghijklm
nopqrstuvwxyz
Häufige Suchbegriffe:
heiduckenbeil (5)
gliedermännchen (3)
hadschi halef omar ben hadschi abul abbas ibn hadschi dawuhd al gossarah übersetzung (2)
gliedermännchen holz (1)
Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah diesen namen tragen nur die (1)
Le ben nach den Todt ja oder nein (1)
gliedermännchen aus papier (1)