| | Das abstrakte Kunstwerk -> | ... bewußt ist; der Geist hat als dieses allgemeine Selbstbewußtsein Aller seine reine Innerlichkeit ebensowohl als das Sein für Andre und das Für-sich-sein der Einzelnen in einer Einheit.
Diese Sprache unterscheidet sich von einer andern Sprache des Gottes, die nicht die des allgemeinen Selbstbewußtseins ist. Das Orakel sowohl des Gottes der künstlerischen als der vorhergehenden Religionen ist die notwendige erste Sprache desselben, denn in seinem Begriffe liegt ebensowohl, daß er das Wesen der Natur als des Geistes ist, und daher nicht nur natürliches, sondern auch geistiges Dasein...
...n wannen es erschien. - Wie die allgemeine Wahrheit, die vom Lichtwesen geoffenbart wurde, hier ins Innre oder Untre zurückgetreten und damit der Form der zufälligen Erscheinung enthoben ist, so ist dagegen in der Kunstreligion, weil die Gestalt des Gottes das Bewußtsein und damit die Einzelnheit überhaupt angenommen hat, die eigne Sprache des Gottes, der der Geist des sittlichen Volkes ist, das Orakel, das die besondern Angelegenheiten desselben weiß, und das Nützliche darüber kundtut. Die allgemeinen Wahrheiten aber, weil sie als das An-sich-seiende gewußt werden, vindiziert sich das wissende ... | | |
| | Vierter Abschnitt -> | Denn nach der hier angewandten Beweisführung habe
ich, um die Natur Gottes so weit zu erkennen, als es
die meinige gestattet, bei allen Dingen, deren Vorstellung
sich in mir findet, nur zu fragen, ob es eine Vollkommenheit
einschliesst, sie zu besitzen oder nicht.
Ich war sicher, dass keine von denen, die eine Unvollko...
...as Gehör; während unser bildliches
Vorstellen und unsere Sinne uns nie Gewissheit von
etwas gewähren können, wenn nicht unser Verstand
hinzukommt.
Sollte es endlich noch Menschen geben, die durch
die von mir beigebrachten Gründe von dem Dasein
Gottes und ihrer Seele noch nicht überzeugt wären, so
mögen diese bedenken, dass alles Andere, was sie für
gewisser halten, z.B. dass sie einen Körper haben,
dass es Gestirne, eine Erde und Aehnliches giebt, weniger
gewiss ist. Denn wenn man auch eine ...
...ren
sind, da sie doch oft ebenso lebhaft und deutlich sind?
Mögen die besten Köpfe darüber nachdenken, so
lange sie wollen, sie werden nie einen genügenden
Grund für Beseitigung dieses Zweifels beibringen
können, wenn sie nicht zuvor das Dasein Gottes annehmen.
Denn selbst jene von mir gesetzte Regel,
dass Alles, was ich klar und deutlich erkenne, wahr
sei, ist nur zuverlässig, weil Gott ist oder besteht, und
weil er ein vollkommenes Wesen ist, und weil Alles
in uns von ihm kommt; hieraus fo...
... Wahre in uns von einem vollkommenen
und unendlichen Wesen kommt, so würden
wir trotz der Klarheit und Deutlichkeit unserer
Vorstellungen keine Gewissheit dafür haben, dass sie
die Vollkommenheit hätten, wahr zu sein.
Nachdem so die Erkenntniss Gottes und unserer
Seele uns von diesem Grundsatz überzeugt hat, so ergiebt
sich leicht, dass die Vorstellungen in unseren
Träumen uns nicht zweifelhaft über die Wahrheit unserer
Vorstellungen im Wachen machen können.
Denn wenn es sich selbst träfe, d... | | |
| | Der Schimmelreiter - Novelle (1888) -> | ...den Tag, mitunter zweimal, blieb dann eine ganze Nacht, schrieb wieder ein Rezept, und der Knecht Iven Johns ritt damit im Flug zur Apotheke. Dann aber wurde sein Gesicht freundlicher, er nickte dem Deichgrafen vertraulich zu: »Es geht! Es geht! Mit Gottes Hülfe!« Und eines Tags - hatte nun seine Kunst die Krankheit besiegt, oder hatte auf Haukes Gebet der liebe Gott doch noch einen Ausweg finden können -, als der Doktor mit der Kranken allein war, sprach er zu ihr, und seine alten Augen lachten: »Fra...
...kopfnickend aus dem Zimmer.
Am dritten Abend nach diesem Tage sprach ein frommer Redner - es war ein vom Deichgrafen aus der Arbeit gejagter Pantoffelmacher - im Konventikel bei dem holländischen Schneider, da er seinen Zuhörern die Eigenschaften Gottes auseinandersetzte: »Wer aber Gottes Allmacht widerstreitet, wer da sagt: ich weiß, du kannst nicht, was du willst - wir kennen den Unglückseligen ja alle; er lastet gleich einem Stein auf der Gemeinde -, der ist von Gott gefallen und suchet den Feind Gottes, den Freund der Sünde, zu seinem Tröster; denn nach irgendeinem Stabe muß die Hand des Menschen greifen. Ihr aber, hütet euch vor dem, der also betet; sein Gebet ist Fluch!«
- - Auch das lief um von Haus zu Haus. Was läuft nicht um in einer kleinen... | | |
| | Die urspruengliche Verfassung Roms -> | ...nen und die Klienten eines
jeden Schutzherrn um seinetwillen in der ganzen Gemeinde geduldet wurden; zwar
blieben sie zunaechst angewiesen auf den Schutz derjenigen Familie, der sie
angehoerten, aber es lag doch auch in der Sache, dass von dem Gottesdienst und
den Festlichkeiten der Gemeinde die Schutzbefohlenen der Gemeindeglieder nicht
gaenzlich ausgeschlossen werden konnten, wenn auch die eigentlichen
buergerlichen Rechte wie die eigentlichen buergerlichen Lasten
selbstverstaendlich d...
... Vater, mit dem
dasselbe entsteht und vergeht. In der Volksgemeinde aber, die unvergaenglich
bestehen soll, findet sich kein natuerlicher Herr, wenigstens in der roemischen
nicht, die aus freien und gleichen Bauern bestand und keines Adels von Gottes
Gnaden sich zu ruehmen vermochte. Darum wird einer aus ihrer Mitte ihr Leiter
(rex) und Herr im Hause der roemischen Gemeinde, wie denn auch in spaeterer Zeit
in oder neben seiner Wohnung der ewig flammende Herd und die wohlversperrte
Vorrat...
...
des Personenwechsels der Machthaber unveraenderlich bewahrt. Diese Einheit des
roemischen Volkes, die im religioesen Gebiet der roemische Diovis darstellt,
repraesentiert rechtlich der Fuerst, und darum ist auch seine Tracht die des
hoechsten Gottes; der Wagen selbst in der Stadt, wo sonst jedermann zu Fuss
geht, der Elfenbeinstab mit dem Adler, die rote Gesichtsschminke, der goldene
Eichenkranz kommen dem roemischen Gott wie dem roemischen Koenig in gleicher
Weise zu. Aber man wuerde seh...
...n Anteil an der Beute schmaelern,
er konnte uebermaessige Fronden auflegen oder sonst durch Auflagen unbillig
eingreifen in das Eigentum des Buergers; aber wenn er es tat, so vergass er,
dass seine Machtfuelle nicht von Gott kam, sondern unter Gottes Zustimmung von
dem Volke, das er vertrat, und wer schuetzte ihn, wenn dieses wieder des Eides
vergass, den es ihm geschworen? Die rechtliche Beschraenkung aber der
Koenigsgewalt lag darin, dass er das Gesetz nur zu ueben, nicht zu aendern
be... | | |
| | Das abstrakte Kunstwerk -> | ... Daseins beraubt. Der Kultus geht daher weiter und ersetzt diesen Mangel zunächst dadurch, daß er seiner Andacht ein gegenständliches Bestehen gibt, indem er die gemeinsame oder einzelne jedem tunliche Arbeit ist, welche die Wohnung und den Putz des Gottes ihm zu Ehren hervorbringt. - Es wird dadurch teils die Gegenständlichkeit der Bildsäule aufgehoben, denn durch diese Weihung seiner Geschenke und Arbeiten macht der Arbeitende den Gott sich geneigt, und schaut sein Selbst ihm angehörig an; teils auc...
...macht der Arbeitende den Gott sich geneigt, und schaut sein Selbst ihm angehörig an; teils auch ist dies Tun nicht das einzelne Arbeiten des Künstlers, sondern diese Besonderheit ist in der Allgemeinheit aufgelöst. Es ist aber nicht nur die Ehre des Gottes, die zustande kommt, und der Segen seiner Geneigtheit fließt nicht nur in der Vorstellung auf den Arbeiter, sondern die Arbeit hat auch die umgekehrte Bedeutung gegen die erste der Entäußerung und der fremden Ehre. Die Wohnungen und Hallen des Gottes sind für den Gebrauch des Menschen, die Schätze, die in jenen aufbewahrt sind, im Notfalle die seinigen; die Ehre, die jener in seinem Schmucke genießt, ist die Ehre des kunstreichen und großmütigen Volkes. Am Feste schmückt dieses ebenso seine eign... | | |
| | Von den Hinterweltlern | Einst warf auch Zarathustra seinen Wahn jenseits des Menschen, gleich allen Hinterweltlern. Eines leidenden und zerquälten Gottes Werk schien mir da die Welt.
Traum schien mir da die Welt und Dichtung eines Gottes; farbiger Rauch vor den Augen eines göttlich Unzufriednen.
Gut und böse und Lust und Leid und Ich und Du - farbiger Rauch dünkte mich's vor schöpferischen Augen. Wegsehn wollte der Schöpfer von sich, - da schuf er die Wel...
...tes und Undanks. Mögen sie Genesende werden und Überwindende und einen höheren Leib sich schaffen!
Nicht auch zürnt Zarathustra dem Genesenden, wenn er zärtlich nach seinem Wahne blickt und Mitternachts um das Grab seines Gottes schleicht: aber Krankheit und kranker Leib bleiben mir auch seine Thränen noch.
Vieles krankhafte Volk gab es immer unter Denen, welche dichten und gottsüchtig sind; wüthend hassen sie den Erkennenden und jene jüngste der Tuge... | | |
| | Von der unbefleckten Erkenntniss | ...mer um euch und eure Mahlzeiten: eure lüsternen Gedanken, eure Lügen und Heimlichkeiten sind ja in der Luft!
Wagt es doch erst, euch selber zu glauben - euch und euren Eingeweiden! Wer sich selber nicht glaubt, lügt immer.
Eines Gottes Larve hängtet ihr um vor euch selber, ihr "Reinen'': in eines Gottes Larve verkroch sich euer greulicher Ringelwurm.
Wahrlich, ihr täuscht, ihr "Beschaulichen''! Auch Zarathustra war einst der Narr eurer göttlichen Häute; nicht errieth er das Schlangengeringel, mit denen sie gestopft waren.
...
... verkroch sich euer greulicher Ringelwurm.
Wahrlich, ihr täuscht, ihr "Beschaulichen''! Auch Zarathustra war einst der Narr eurer göttlichen Häute; nicht errieth er das Schlangengeringel, mit denen sie gestopft waren.
Eines Gottes Seele wähnte ich einst spielen zu sehn in euren Spielen, ihr Rein-Erkennenden! Keine bessere Kunst wähnte ich einst als eure Künste!
Schlangen-Unflath und schlimmen Geruch verhehlte mir die Ferne: und dass einer Eidechse List l&uum... | | |
| | Der hässlichste Mensch | ...er, plötzlich, zum Schrecken selber für Die, welche ihn fällen wollten. Aber schon stand er wieder vom Boden auf, und sein Antlitz wurde hart.
"Ich erkenne dich wohl, sprach er mit einer erzenen Stimme: du bist der Mörder Gottes! Lass mich gehn.
Du ertrugst Den nicht, der dich sah, - der dich immer und durch und durch sah, du hässlichster Mensch! Du nahmst Rache an diesem Zeugen!''
Also sprach Zarathustra und wollte davon; aber der Unaussprechliche fasste nach ei...
...' sagte er endlich -
- bleib! Geh nicht vorüber! Ich errieth, welche Axt dich zu Boden schlug: Heil dir, oh Zarathustra, dass du wieder stehst!
Du erriethest, ich weiss es gut, wie Dem zu Muthe ist, der ihn tödtete, - dem Mörder Gottes. Bleib! Setze dich her zu mir, es ist nicht umsonst.
Zu wem wollte ich, wenn nicht zu dir? Bleib, setze dich! Blicke mich aber nicht an! Ehre also - meine Hässlichkeit!
Sie verfolgen mich: nun bist du meine letzte Zuflucht. Nicht mit ihre...
...sprechlichsten! Deine Scham, oh Zarathustra, ehrte mich!
Mit Noth kam ich heraus aus dem Gedräng der Mitleidigen, - dass ich den Einzigen fände, der heute lehrt "Mitleiden ist zudringlich'' - dich, oh Zarathustra!
- sei es eines Gottes, sei es der Menschen Mitleiden: Mitleiden geht gegen die Scham. Und nicht-helfen-wollen kann vornehmer sein als jene Tugend, die zuspringt.
Das aber heisst heute Tugend selber bei allen kleinen Leuten, das Mitleiden: - die haben keine Ehrfurcht v... | | |
| | Kleki-petra -> | | ...he wir es uns sagen, daß wir Angehörige eines Volkes sind wenn es doch nun endlich einmal ein einiges Volk werden wollte! Ein Deutscher, der ein vollständiger
Apache geworden ist! Kommt Ihnen das nicht außerordentlich vor?«
»Außerordentlich nicht. Gottes Wege erscheinen oft wunderbar, sind aber stets sehr natürliche.«
»Gottes Wege! Warum sprechen Sie von Gott und nicht von der Vorsehung, dem Schicksale, dem Fatum,
dem Kismet?«
»Weil ich ein Christ bin und mir meinen Gott nicht nehmen lasse.«
»Recht so; Sie sind ein glücklicher Mensch! Ja, Sie haben recht: Gottes Wege erscheinen oft wunderbar,
sind aber stets sehr natürliche. Die größten Wunder sind die Folgen natürlicher Gesetze, und die
alltäglichsten Naturerscheinungen sind große Wunder. Ein Deutscher, ein Studierter, ein namhafter
Gelehrter, und nun e... | | |
| | Religion -> | ...aeltnis verdecken oder verdunkeln. Allein es ist
freilich nicht leicht, mit dem Gotte zu verkehren. Der Gott hat seine eigene
Weise zu sprechen, die nur dem kundigen Manne verstaendlich ist; wer es aber
recht versteht, der weiss den Willen des Gottes nicht bloss zu ermitteln,
sondern auch zu lenken, sogar im Notfall ihn zu ueberlisten oder zu zwingen.
Darum ist es natuerlich, dass der Verehrer des Gottes regelmaessig kundige Leute
zuzieht und deren Rat vernimmt; und hieraus sind die religioesen
Sachverstaendigenvereine hervorgegangen, eine durchaus national-italische
Institution, die auf die politische Entwicklung weit bedeutender eingewirkt h...
...die Priesterschaften. Mit diesen sind sie oft
verwechselt worden, allein mit Unrecht. Den Priesterschaften liegt die Verehrung
einer bestimmten Gottheit ob, diesen Genossenschaften aber die Bewahrung der
Tradition fuer diejenigen allgemeineren gottesdienstlichen Verrichtungen, deren
richtige Vollziehung eine gewisse Kunde voraussetzte und fuer deren treue
Ueberlieferung zu sorgen im Interesse des Staates lag. Diese geschlossenen und
sich selbst, natuerlich aus den Buergern, ergaenzenden Ge...
...
waren die roemischen Ingenieure, die das Geheimnis der Masse und Zahlen
verstanden; woher ihnen auch die Pflicht zukam, den Kalender des Staats zu
fuehren, dem Volke Neu- und Vollmond und die Festtage abzurufen und dafuer zu
sorgen, dass jede gottesdienstliche wie jede Gerichtshandlung am rechten Tage
vor sich gehe. Da sie also vor allen andern den Ueberblick ueber den ganzen
Gottesdienst hatten, ging auch, wo es noetig war, bei Ehe, Testament und
Arrogation an sie die Vorfrage, ob das beabsichtigte Geschaeft nicht gegen das
goettliche Recht irgendwie verstosse, und ging von ihnen die Feststellung und
Bekanntmachung der a...
...emeinen exoterischen Sakralvorschriften aus, die unter
dem Namen der Koenigsgesetze bekannt sind. So gewannen sie, wenn auch in voller
Ausdehnung vermutlich erst nach Abschaffung des Koenigtums, die allgemeine
Oberaufsicht ueber den roemischen Gottesdienst und was damit zusammenhing - und
was hing nicht damit zusammen? Sie selbst bezeichneten als den Inbegriff ihres
Wissens "die Kunde goettlicher und menschlicher Dinge". In der Tat sind die
Anfaenge der geistlichen und weltlichen Rechtswis... | | |
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